9. Leipziger Literaturverlag

P R E S S E M I T T E I L U N G

Veranstaltung am 9. Oktober 2009 in Leipzig: Im Schatten der Kolossalfiguren

In diesem Herbst durchbricht der Leipziger Literaturverlag seine strikte Ausrichtung auf belletristische und künstlerische Titel und bringt keine sogenannten Wenderomane, sondern drei Sondereditionen zu den historischen Ereignissen von 1989 heraus und eröffnet aus diesem Anlaß

am Freitag, den 9.10.2009, um 20 Uhr in den Räumen des Verlags

die Ausstellung „Im Schatten der Kolossalfiguren“.

Das gleichnamige Buch „IM SCHATTEN DER KOLOSSALFIGUREN“ versammelt wichtige Dokumente des Leipziger Aufbruchs im Herbst 1989, zur Rolle Leipziger Schriftsteller und des Einflusses der Stasi auf die Leipziger Literaturszene. Es geht um Zivilcourage und Ungehorsam, um Demokratie und Denunziation, Emanzipation und Duckmäusertum. Die Ursprünge der Leipziger Bürgerrechtsbewegung gerieten zunehmend in Vergessenheit oder wurden durch den Heldenstadtmythos und seine wendehalsigen Protagonisten verschleiert.

Die von Sylvia Kabus und Reinhard Bernhof herausgegebene Untergrundzeitschrift „UMFELDBLÄTTER“ aus den Jahren 1988/89 ist nicht im Schutz von Kirchendächern entstanden, sondern in Privatwohnungen. Die Texte von Wilhelm Bartsch, Thomas Böhme, Kurt Drawert, Horst Drescher, Volker Ebersbach, Elke Erb, Rolf Henrich, Dieter Mucke, Kristian Pech, Hans-Ullrich Prautzsch, Winfried Völlger reflektieren über Verantwortung gegen Naturzerstörung und lügnerische Verklärung, „ein gerade noch genügendes Vorhandensein von Natur“, wie Kristian Pech es nannte.

Der Fotoband „DRESDEN 1. MAI 1989“ dokumentiert die letzte offizielle Maidemonstration, im Frühjahr vor der Herbstrevolution – sie erscheint heute harmlos, war eine friedliche Demonstration, keine Revolution. Die Staatsmacht zeigte sich in bunten Uniformen – in Ausgehuniform, nicht im Kampfanzug. Der Umzug bot ein Bild der Lächerlichkeit und jeder wußte es…

Zur Ausstellungseröffnung am 9. Oktober 2009 zeigen wir erstmals überhaupt das im September 1989 illegal in der Michaeliskirche aufgenommene Video von Peter Franke von einem der ersten Auftritte der Mitglieder des Leipziger Neuen Forums, als derartige Aktionen noch von Inhaftierung und Verfolgung bedroht waren.

Zur Ausstellungseröffnung und Buchpremiere lesen die Autoren Sylvia Kabus, Christian Pech, Horst Drescher und Reinhard Bernhof.

Die Ausstellung dauert bis 04.12.2009.
Beginn um 20.00 Uhr in der Brockhausstraße 56, 04229 Leipzig.

Neuerscheinungen zum Herbst 1989 im Leipziger Literaturverlag:

Reinhard Bernhof & Silke Brohm (Hg.), Im Schatten der Kolossalfiguren
Basisdokumente
ISBN 978-3-86660-081-2

Dresden 1. Mai 1989
Bilder eines unbekannten Fotografen
ISBN 978-3-86660-073-3

Sylvia Kabus & Reinhard Bernhof (Hg.), Umfeldblätter
Reprint einer illegalen Kleinzeitschrift, erschienen im Samisdat 1988/89
ISBN 978-3-86660-082-9

Weitere Neuerscheinungen im Leipziger Literaturverlag:

Gennadij Ajgi, Immer anders auf die Erde
Gedichte. Aus dem Russischen von Walter Thümler
ISBN 978-3-86660-075-1

Michael Goller & Mike Wassermann, Konkretes Vergessen
Gedichte & Zeichnungen
ISBN 978-3-86660-076-8

Axel Helbig & Ulf Großmann (Hg.), Skeptische Zärtlichkeit
Junge deutschsprachige Lyrik
ISBN 978-3-86660-077-5

Inskriptionen No. 2, paranoia, pink
Anthologie, handgedruckt, zweifarbig
ISBN 978-3-86660-074-4

Carsten Zimmermann, licht etc.
Gedichte
ISBN 978-3-86660-083-6

2 Comments on “9. Leipziger Literaturverlag

  1. Pingback: Gedichte « Lyrikzeitung & Poetry News

  2. Zwiegespalten

    Neue Wege zwischen Bild und Text, Künstler und Pseudonym

    Vielleicht ist es gerade Mike Wassermann, der Michael Gollers neues Buch „Konkretes Vergessen“ zu etwas Außergewöhnlichem macht. Der Einblick in das Innenleben des Künstlers, der 40 Gedichte seines „anderen Ichs“ Mike Wassermann neben 40 seiner Zeichungen stellt, ist wohl nicht nur unter psychologischen Gesichtspunkten interessant. Denn Michael Gollers Werke sind von ornamentaler, expressiver Kraft. Doch vielleicht ist der Unterschied zwischen Text und Bild gar nicht so groß wie vermutet. Bevölkert der Chemnitzer seine Gemälde doch nicht nur mit menschlichen Gestalten, sondern greift auch auf Schriftzeichen zurück, die jedoch erst als solche erkannt werden müssen. Dieses Buch versteht sich als Begegnung, als Dialog. Kein Neuland für den 35-Jährigen. Als Mitbegründer der Künstlergruppe „Querschlag“ bleibt ein Auseinandersetzen mit den anderen Mitgliedern Dirk Hanus, Michael Knauth und Peter Piek natürlich nicht aus. Dabei ist Michael Golller jedoch der Rastloseste von ihnen.
    Zwischen Texten und Malen hin- und hergerissen, hilft ihm Mike Wassermann vielleicht dabei, ein weiteres System in seine schöpferischen Welten einzubringen. An den Orten des „Konkreten Vergessens“ kann jeder teilhaben am Dialog zwischen Text und Bild, aber auch des Künstlers mit sich selbst.

    Chemnitzer Stadtstreicher Ausgabe 9/2009

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