54. Schwarzdruck

Ganz frühe Arbeiten neben noch nie veröffentlichten – die fasst jetzt ein Gedichtband zusammen, den Steffen Mensching in der Edition Schwarzdruck, die in Hohen Neuendorf und Berlin agiert, herausgebracht hat.

Im elegant schmalen Format erschien „Das gewisse Etwas“, ausgewählt hat die Gedichte Steffen Mensching selbst. Seine ersten Verse waren 1979 in der Reihe „Poesiealbum“ erschienen, da war der Schreiber 21 Jahre alt und hatte gerade ein Journalistikstudium an den Nagel gehängt. Zuviel Politik, zu wenig Sprache. Mensching studierte Kulturwissenschaften an der Berliner Humboldt-Universität, gehörte zum Liedertheater „Karls Enkel“ und sorgte später im Verbund mit Hans-Eckardt Wenzel für Furore in der DaDaeR.

1982 hatte Mensching mit dem Gedichtband „Erinnerung an eine Milchglasscheibe“ seinen erfolgreichen Lyrikereinstand gegeben. Wie haben die Gedichte von einst Bestand vor der Zeit? Klar, direkt, unsentimental, und doch sinnlich – so die Attribute, die diese Lyrik noch heute lesenswert macht. Allen voran die titelgebende Milchglasscheibe. Die Gedichte an Rosa L. oder Karl M. künden von einst anarchistischer Sozialismusromantik. Die jüngeren Texte sind einsamer, sagt der Dichter, „ihre Wut abgeklärter, ihr Schmerz kälter“. / Märkische Allgemeine 8.12.

Steffen Mensching „Das gewisse Etwas“, Edition Schwarzdruck, 128 Seiten, limitierte Auflage, 27 Euro.

53. Neues vom Joachim-Ringelnatz-Preis

Die Stadt Cuxhaven teilt mit, daß ein neuer Sponsor für den Nachwuchspreis zum Joachim-Ringelnatz-Preis für Lyrik 2010 gefunden wurde.

Pressegespräch Samstag, 12.12.2009, 16.00 Uhr, Donner´s Hotel, Am Seedeich 2, 27472 Cuxhaven

52. Lob des Kapitalismus (Mandevilles Bienenstock)

Eine Antwort lieferte der in London lebende niederländisch-französische Arzt Bernard Mandeville. Er beschrieb 1705 in einem Gedicht („The Grumbling Hive“) einen munter summenden Bienenstock, dessen „Bewohner“ typische menschliche Laster hatten: Gier, Geiz, Eigennutz – bis ein gütiger Gott sie kurzerhand von allen Lastern befreite. Das Ergebnis: Der Bienenstock verödete, das Leben kam bis auf kärgliche Reste zum Erliegen: „Was früher drei zusammen machten / die sich einander überwachten / Das macht jetzt einer gut und ehrlich / So werden Tausende entbehrlich.“ Die Luxusbienen, die Arbeiterbienen, die Kriegerbienen verlieren alle ihre Existenz. „Stolz, Luxus und Betrügerei / muss sein, damit ein Volk gedeih!“, resümiert Mandeville.

Das war für damalige Moralvorstellungen starker Tobak, stellte es doch gängige Annahmen über die Welt geradezu auf den Kopf: Nach Mandeville resultierte der Wohlstand eines Landes nicht mehr aus dem gottgefälligen Handeln seiner Bewohner, sondern aus der Tatsache, dass sie mehr oder weniger ungehemmt den eigenen Vorteil suchen. Hauptsache, der Umsatz stimmt, könnte man zugespitzt sagen. Auch der Untertitel der „Fable of the Bees“ war eindeutig: „Private Laster / Allgemeiner Nutzen“. Seine Kritiker warfen Mandeville vor, Religion, Sitte und Anstand über Bord zu werfen und Chaos und Laster Vorschub zu leisten. / Werner Plumpe, FAZ 7.12.

51. American Life in Poetry: Column 246

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

Childhood is too precious a part of life to lose before we have to, but our popular culture all too often yanks our little people out of their innocence. Here is a poem by Trish Crapo, of Leyden, Massachusetts, that captures a moment of that innocence.

Back Then

Out in the yard, my sister and I
tore thread from century plants
to braid into bracelets, ate
chalky green bananas,
threw coconuts onto the sidewalk
to crack their hard, hairy skulls.

The world had begun to happen,
but not time. We would live
forever, sunburnt and pricker-stuck,
our promises written in blood. Not yet

would men or illness distinguish us,
our thoughts cleave us in two.
If she squeezed sour calamondins
into a potion, I drank it. When I jumped
from the fig tree, she jumped.

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2004 by Trish Crapo and reprinted from Walking Through Paradise Backwards, Slate Roof Press, 2004, by permission of Trish Crapo and the publisher. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

50. Angriff

Poet Laureate Carol Ann Duffy nutzt das Weihnachtsgedicht zum Angriff auf die britische Gesellschaft, schreibt die Times.

In dem Bericht heißt es:

Der Lyriker Roger McGough sagte: „Es ist gut, daß sie als Lautsprecher für eine bessere Welt auftritt. Vor 10 Jahren wäre das gar nicht veröffentlicht worden. Sie benutzt ihren neuen Posten großartig.“

Duffy sagte im vergangenen Sommer, ihren Gedichten sei unsichtbar ein Verlangen nach einer neuen Art von Politik eingeschrieben: „Parteipolitik funktioniert nicht mehr. Die Besten in unserem Land müssen zusammenkommen und über die vor uns liegenden gewaltigen Herausforderungen reden.“

Hier der vollständige Text:

The Twelve Days of Christmas 2009 by Carol Ann Duffy

A seasonal verse by the new poet laureate Carol Ann Duffy, commissioned exclusively for Radio Times.

49. Artus

Liebe Freunde, Kollegen, ARTus-LeserInnen,

ich eröffne morgen – 19 Uhr – in der Stralsunder Volkshochschule, Friedrich-Engels-Str. 28, meine Ausstellung »Köpfe«, verbunden mit einer Lesung der betreffenden Kolumnen (»SO GESEHEN«), die bislang in der OZ (Rügen) erschienen sind. Von über 440 Kolumnen seit 2001 eine arg knappe Auswahl von etwas über 20 Kolumnen. Zu sehen und zu hören sind meine Porträts in Wort und Bild u. a. über Lyonel Feininger, Hannah Höch, Heiner Müller, Edgar Allan Poe, Horst Drescher, Victor Klemperer, Rosa Luxemburg, Christa Wolf, Christoph Hein, Frieder Jelen, Michael Morgner, Sahra Wagenknecht, Walter Felsenstein, Mascha Kaléko, Peter Wawerzinek, Reiner Kunze, Adolf Endler, Friedrich Schiller und Steffie Spira… Ich werde über Entstehungsgeschichten zu den Zeichnungen und Texten Kunde geben und hoffe auf viele Fragen und neue Anregungen für das Aufspüren neuer Beiträge über interessante Persönlichkeiten.
Vielleicht sehen wir uns »SO GESEHEN« am Dienstag? Herzlichst
Walter G. Goes alias ARTus

48. NEUES VOM JETZT (V)

Juliane Liebert und Konstantin Ames haben zumindest eines gemeinsam: Sie sind beide gewissermaßen die Poeten der Stunde. Juliane Liebert, Jahrgang 1987, ist mit ihrem Gewinn des Wolfang-Weyrauch-Förderpreises 2009 überhaupt erst auf der Bildfläche der Öffentlichkeit erschienen, und Konstantin Ames hat vor wenigen Wochen den diesjährigen open mike im Bereich Lyrik gewonnen.

Mittwoch, 9. Dezember 2009, 20 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
NEUES VOM JETZT (V)
Eine Versuchsanordnung junger deutschsprachiger Gegenwartslyrik an fünf Abenden

Teil 5: Juliane Liebert und Konstantin Ames
Gastgeber: Ron Winkler und Björn Kuhligk

Im Jahr 2008 sind zwei Anthologien erschienen, die man zu Recht als Bestandsaufnahmen aktueller deutscher Lyrik der jüngeren Generation bezeichnen kann: Lyrik von JETZT zwei, herausgegeben von Björn Kuhligk und Jan Wagner (Berlin Verlag, 2008), sowie Neubuch, herausgegeben von Ron Winkler (yedermann Verlag, 2008). Die Autorinnen- und Autoren-Auswahl der beiden Bücher überschneidet sich, jedes setzt jedoch auch eigene markante Akzente.

Vor diesem Hintergrund ist in der Lettrétage die Idee einer kompakten Gesamtschau der aktuellen deutschsprachigen Lyrik jüngerer Autorinnen und Autoren an fünf Abenden entstanden, einer einmaligen Inventur, die sich aus den Quellen der genannten Anthologien speist, wobei Seitenarme, Gegenströmungen, Stromschnellen und Untiefen billigend in Kauf genommen werden. Jeweils zwei der genannten Anthologie-Herausgeber laden pro Abend zwei Lyriker/innen ein, um Neuestes aus ihrer Feder zu hören sowie um mit ihnen über Lyrik zu sprechen, poetologische Positionen zu diskutieren und auf jeweils einen besonderen Aspekt zu sprechen zu kommen.

Konstantin Ames, geboren 1979 in Völklingen/Saarland. Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien, u.a. Jahrbuch der Lyrik 2008 und 2009, Gewinn des open mike 2009.

Juliane Liebert, geboren 1987 in Halle an der Saale, 2007 Teilnahme am open mike und Gewinnerin des Wolfgang-Weyrauch-Förderpreises 2009.

NEUES VOM JETZT wird gefördert von der Stiftung Preußische Seehandlung, vom Verein Berliner Kaufleute und Industrieller e.V., vom Berlin Verlag sowie vom österreichischen Kulturforum in Berlin. Für die Unterstützung bedanken wir uns sehr herzlich!

47. Hunderttausend Milliarden Gedichte

Eines der eindrücklicheren Beispiele dafür lieferte Queneau selbst mit seinen «Hunderttausend Milliarden Gedichten». Er schrieb zehn (!) Sonette, deren Zeilen beliebig ausgetauscht werden können, was zehn hoch vierzehn Kombinationen erlaubt. Geschätzte Lesezeit: je nach Tempo zwischen 90 und 190 Millionen Jahre. Kleine Lesehilfe: Die Buchseiten wurden so in Streifen geschnitten, dass sich jede Zeile einzeln umblättern lässt. Ob die Gedichte so gut sind wie der Trick, der ihnen zugrunde liegt? «Seien wir lieber intelligent als seriös», lautete jedenfalls einer der von Queneau formulierten Oulipo-Grundsätze. Bei allem Vermeiden von krampfhafter Seriosität funktioniert ein grosses Spiel wie das Oulipo nur mit konsequent eingehaltenen Regeln, und seien sie noch so skurril.

Fünfunddreissig lebende und tote Autoren gehören der Werkstatt an, Verstorbene bleiben Mitglieder, sie sind «wegen Ablebens entschuldigt». Neben Autoren wie Georges Perec, Italo Calvino und Oskar Pastior werken in dem erlesenen Kreis, in den nur aufgenommen wird, wer sich nicht dafür bewirbt, aber auch «reine» Mathematiker. Einer von ihnen, Jean Lescure, erfand das bekannte Literatur-Produktions-Verfahren «s + 7», das Ersetzen der Substantive eines Textes durch das jeweils siebtnächste im Wörterbuch. Das Spiel lässt sich natürlich auch mit anderen Zahlen durchführen, die Regel wurde rasch auf «s + n» erweitert.

«Am Anfang schuf Gott Hirn und Eintopf. Und der Eintopf war wüst und leer, und es herrschte Fisch auf der Terrine» – so beginnt die Genesis nach Marcel Bénabou, dem «definitiv provisorischen» bzw. «provisorisch definitiven» Sekretär der Literaturwerkstatt. Es handelt sich um eine Variation der «s + n»-Methode, Bénabou ersetzt jedes Substantiv durch das jeweils nächste «kulinarisch verwendbare». / Georg Renöckl, NZZ 5.12.

Bis auf die Knochen. Das Kochbuch, das jeder braucht. Herausgegeben, übersetzt sowie mit zahlreichen Zutaten und Beilagen versehen von Jürgen Ritte. Arche, Zürich 2009. 224 S., Fr. 39.–. Georges Perec: Über die Kunst seinen Chef anzusprechen und ihn um eine Gehaltserhöhung zu bitten. Aus dem Französischen von Tobias Scheffel. Klett-Cotta, Stuttgart 2009. 112 S., Fr 26.90. Jacques Roubaud: Der verlorene letzte Ball. Aus dem Französischen von Elisabeth Edl. Wagenbach, Berlin 2009. 120 S., Fr. 26.80.

46. Bocca della Verità

In assoziativer, von sprunghaft wechselnden poetischen Bildern durchsetzter Art stellt Friederike Mayröckers Hörspiel «Bocca della Verità» eine weitere Ausfaltung charakteristischer literarischer Texturen der Autorin dar. Es ist dem Schweizer Radio DRS zu danken, sich des 1977 erstgesendeten Hörstücks – wohl anlässlich des 85. Geburtstages der Autorin Ende Jahr – erneut angenommen zu haben. Unter Stephan Heilmanns Regie ist ein polyfoner, durch Philipp Schaufelbergers vielgestaltige musikalische Instrumentierung belebter Polylog entstanden. … Und da sind die vielen Vögel, welche – Mittler zwischen poetischem Schweben und dem leiblichen Sein – eine treffliche Verbindung stiften von Mayröckers Hörspiel aus den späten siebziger Jahren zu den unter dem Titel «dieses Jäckchen (nämlich) des Vogel Greif» eben erschienenen neueren Gedichten.. / NZZ 4.12.

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Friederike Mayröcker: Bocca della Verità, Hörspiel, 1 CD (49 Min.), DRS / Christoph-Merian-Verlag, 2009.

45. Grüne Gans [Prorammänderung!]

Am Mittwoch, den 9.12.2009 gibt StuThe sich die Ehre zu präsentieren: Das Kleintheater Grüne Gans!

Ort und Zeit: Greifswald, Soldmannstraße 23 um 22 Uhr, Einlass ab 21.30 Uhr.

Die „Grüne Gans“ entstammt der Feder des polnischen Schriftstellers Konstanty Ildefons Gałczyński, der sein sogenanntes Kleintheater als Lesekabarett während der Jahre 1947 bis 1950 in der Krakauer Satire-Zeitschrift „Querschnitt“ veröffentlichte. Aus dem Programmheft zur Inszenierung:

Wie geht man mit einem Theaterstück um, welches keines ist? Gałczyński hat seine Pseudostücke des Kleintheaters Grüne Gans nicht für die Bühne geschrieben, es existiert keine Dramaturgie. „Das Theater der Grünen Gans ist lesbar, noch besser denkbar, kaum aber aufführbar“ (Karl Dedecius). Wie setzt man allein die phantastisch-literarischen Regieanweisungen auf einer Bühne um?: „Hamlet stirbt mangels einer Entscheidung und wegen Darmverschlingung an einer scharfen historischen Wende“ (aus: Hamlet und die Kellnerin), oder: „Die ganze kosmische Kombination beginnt sich zu demontieren“ (aus: Weltende). Ein solches Textmaterial irritiert, bietet aber große Spielfreiheiten – genau darin liegt für uns der Reiz, Gałczyńskis Pseudostücke auf die Bühne zu bringen. Ausgehend von Gałczyńskis Kritik an gesellschaftlichen Verhältnissen und sozialem Verhalten, suchen wir nach Parallelen zu unserer eigenen Lebenswelt. „Eine Verkehrsampel dient dazu, den Verkehr zu regeln. Was aber ist, wenn kein Verkehr herrscht?“ (Gerhard Goldbach). An diesem Punkt setzt unsere Inszenierung der Grünen Gans an: Prinzipien, die wir in den Texten erkennen und die uns aus dem Hier und Jetzt bekannt sind, wird eine klare absurde Form gegeben.

Änderung 7.12.:

Sehr geehrtes Publikum,

zu unserem Bedauern wird die Veranstaltung für den Mittwoch „Grüne Gans“
leider nicht stattfinden.

Um nicht vollkommen auf das Studententheater der Ernst- Moritz- Arndt
Universität verzichten zu müssen, gibt es am Freitag eine ebenso viel
versprechende Veranstaltung. Zum letzten Mal begeistern uns die
Schauspieler des StuThe mit dem „Der Kuss des Vergessens“.
Um den Abschied des Stückes von der Bühne in der Soldmannstraße gebührend
zu feiern, gibt es eine „AfterShowParty“! Auch wer keine Zeit hat, zur Vorstellung zu

kommen oder das Stück schon gesehen hat, ist herzlich eingeladen, mit uns bei

Buffet und guter Tanzmusik, die Dernière zu feiern!

Das Studententheater Greifswald freut sich auf seine Gäste.

Der Kuss des Vergessens (nach Botho Strauss)

Im Erinnern werden die Dinge neu zusammengesetzt. Das Erlebte flechtet
sich in die Gegenwart. Wir sehen die intime Geschichte – nein, eher noch
„Teile vom Ganzen die hin und herspringen“ – einer Liebe. Zwei,
die sich zufällig begegnen und sich aufs Brutalste zusetzten um die Fragen
der großen Gefühle beantworten zu können…auf der Suche nach
einem Geheimnis, dem Beweis. Sie eilen durch die Zeiten, ordnen die
Momente neu an und sind so ewig Wandelnde.

Regie: Alexandra Wendland

Aufführungstermin:
11. 12. 2009 um 20:00 Uhr; danach Dernièrenfeier

Auf der Studiobühne Soldtmannstr.23 im StuThe, Greifswald.

Weitere Veranstaltungen der „Grünen Gans“ folgen im Januar nächsten Jahres…

44. Lyrik aus Sansibar

Das Leben, das Emily Ruete führte, war mehr als abenteuerlich: Geboren als Tochter einer tscherkessischen Sklavin und eines sansibarischen Sultans, kam sie 1867 als Ehefrau des Kaufmannes Heinrich Ruete nach Hamburg. Ihre „Memoiren einer arabischen Prinzessin“ machten Ruete als Schriftstellerin berühmt, und der Anspruch auf ihr Erbe ließ sie zum Spielball im Machtkampf der Kolonialmächte werden.

Heute ruht Emily Ruete, geborene Sayyida Salme, im Prominentengrab U27 in Ohlsdorf. Und genau dort, im „Garten der Frauen“, begegnete die Hamburger Musikerin Georgia Charlotte Hoppe der Heldin ihres neuen Werkes: „projektion salme“, ein Lesekonzert für Sprecherin und vier improvisierende Musikerinnen, wird am Dienstag im Haus der Patriotischen Gesellschaft aufgeführt.

„Ich wollte etwas Buntes, Farbiges machen“, sagt Hoppe über ihr Sujet und schwärmt von der Möglichkeit, sich dem „Hollywoodmäßigen“ dieser filmreifen Biografie ganz hinzugeben. So kombiniert sie Lesungen aus Ruetes Memoiren mit zeitgenössischer Lyrik aus Sansibar und Deutschland und Fragmenten des diplomatischen Schriftverkehrs zur Sansibar-Frage. / Die Welt

43. Schlechtes Gedicht

Die New Perspectives Quarterly führte in ihrer Winterausgabe 2003 ein Gespräch mit Orhan Pamuk, u.a. über Erdogan und sein Gedichtzitat:

NPQ | The „satanic verses“ that Erdogan recited in 1997 read: „The mosques are our barracks, the minarets are our bayonets.“ What is this notorious poem that is keeping the new leader of Turkey out of parliament?

PAMUK | That’s the irony of ironies. It is written by a Kurd who was the greatest theoretician of Turkish nationalism. This guy was also a poet and once wrote this poem. The Islamists liked the poem but added two lines. It’s a semi-kitsch, semi-Islamic poem about „mosques as barracks.“ Now, Erdogan is not a very literary man. He just read the poem at some meeting with some old politicians not expecting too much. And he also, ironically, read this poem in one of the most Kurdish populated towns. It’s not even a good poem!

42. Bajonett

Das diffuse Gefühl der Angst vor einer fremden Kultur dürfte auch viele Schweizer in der Wahlkabine bewogen haben, mit ihrem Kreuz Minarette abzulehnen. Vor dem Urnengang hatten die Verfechter des Minarettverbots ein Gedicht zitiert, das Tayyip Erdogan einmal vorgetragen hatte, als er noch nicht türkischer Premierminister war: „Moscheen sind Bajonette.“

Dass Erdogan dafür vier Monate wegen Volksverhetzung im Gefängnis saß, ist kaum bekannt, ebenso wenig, dass besagtes Gedicht sich gar nicht gegen andere Religionen, sondern an die Adresse des Militärs richtet. Übrigens wurde damals die Verurteilung Erdogans in Europa als Verstoß gegen die Meinungsfreiheit empfunden. Die Realität ist eben meist sehr viel komplizierter als eine Ja-Nein-Frage. / Celal Özcan, Süddeutsche 5.12.

Celal Özcan arbeitet für die türkische Zeitung Hürriyet.

Vgl. L&Poe 2009 Dez 3. Zeichen

Früher in L&Poe über Erdogan und Ziya Gökalp (den Verfasser jenes zitierten Gedichts):

2002    Nov #    Verhängnisvolle Liebe eines Siegers

Hier ein Gedicht von Ziya Gökalp (engl.)

Google meldet ungefähr 149.000 Seiten für „mosques are our barracks“ (aber anscheinend nirgends mehr als die eine Zeile. Hat jemand das ganze Gedicht englisch, französisch oder deutsch?) – Das Gedicht heißt „Ilahi Ordu“ („Göttliche Armee“)

41. „Offizielles“ Weihnachtsgedicht

Die britische Poet laureate Carol Ann Duffy hat ein Weihnachtsgedicht geschrieben, „12 Days of Christmas“. Darin kommen Themen wie Afghanistan und Klimawandel vor, auch Präsident Obama. Das Gedicht kann ab 8.12. gelesen werden. Hier der Anfang:

„On the first day of Christmas, a buzzard on a branch. In Afghanistan, no partridge, pear tree; but my true love sent to me a card from home.

„I sat alone, crouched in yellow dust, and traced the grins of my kids with my thumb. Somewhere down the line, for another father, husband, brother, son, a bullet with his name on.“

/ BBC News 5.12.

40. Skorpion

Satire? Bittere Realität? Die frühere Satirezeitschrift, dann Magazin für Literatur und Gesellschaft „Der Skorpion“ schickt folgende Mail:

Betreff:     Wir bedauern. We regret. Nous regrettons.

Behördenwillkür!
Authority arbitrariness!
Arbitraire d’administrations!

Der Skorpion ist tot.
Der Skorpion is dead.
Der Skorpion est mort.

Dr. Nico Limberg

In der Dezemberausgabe Gedichte von André Schinkel, Jan Causa, Holger Dauer, Thomas Rackwitz und Shahla Aghapour-Benakohell. (PDF-Download hier)

Autor Causa wirbt auch für Das Gedicht:

Unmöglich, heute nicht Leitner zu lesen. Jan Causa

Impressum:

derskorpion (seit 2005) ist ein monatlich erscheinendes, kostenloses Onlinemagazin mit weltweiten Verbindungen. Überregional & regional (Märkischer Kreis) Auflage: 25.000. Herausgeber: nona (Dr. Norbert Nashorn) Chefredakteur: Dr. Nico Limberg Redaktion derskorpion Hans-Böckler-Str. 25, 58638 Iserlohn Grafik: Pontus (Menden) Alle Rechte beim Herausgeber und bei den Autoren. E-Mail: redaktion-derskorpion@msn.com Links: http://www.buergerstimmen.de http://www.schida.at/der-skorpion/ http://www.media4ways.de/pool/e-mags.htm http://www.literra.info/magazine/index.php Für die o.g. Links wird jede Haftung ausgeschlossen. Die Redaktion