Just how good is he?

Never mind the misogyny and homophobia, Eminem is a brilliant poet. As the controversial rapper heads for Britain, Giles Foden explains why he belongs in the pantheon of literary greats.

The man is in town this week, and on the Nokia message board they’re asking, „Does anyone know how to get Stan as a ringer tone?“ Which is all very postmodern and interesting, since the hit song overtly references the brave new world of telecommunications: „Dear Slim, I wrote you but you still ain’t callin‘ / I left my cell, my pager, and my home phone at the bottom . . .“

… But who is he, really? Like the Portuguese poet Fernando Pessoa, with his quiverful of pseudonyms, like the coy Eliot of Prufrock, or Walt Whitman’s Song of Myself – „Do I contradict myself? Very well then I contradict myself, (I am large, I contain multitudes)“, Eminem is a multiple, elusive experience, one that folds about itself like his near-palindromic name (from Marshall Mathers: M ’n‘ M). / Giles Foden Tuesday February 6, 2001 The Guardian

Streit um Zbigniew Herbert

In Polen streitet man sich um den Dichter Zbigniew Herbert
Zu seinen Lebzeiten war Zbigniew Herbert ein souveräner Kopf, der es sich und der Umwelt nicht leicht machte. Die jetzige Auseinandersetzung über die politischen Ansichten des Lyrikers ist seiner vielfach nicht würdig. – Querdenker, die nicht in politische Rechts-Links-Schemata passen, laufen oft Gefahr, voreingenommen oder selektiv rezipiert zu werden. Das gilt besonders für jene Charaktere, die trotz oder wegen ihrer intellektuellen und künstlerischen Genialität im Umgang mit der Öffentlichkeit und ihren Mitmenschen eher schwierig sind. Teile ihrer Biographie und ihrer öffentlichen Äußerungen werden verschwiegen oder umgeschrieben. Man ordnet sie politischen Milieus zu, denen sie nicht angehörten oder nicht angehören wollten. Der 1998 gestorbene polnische Dichter war einer dieser Intellektuellen, die es sich und ihrer Umwelt nie leicht gemacht haben./ NZZ 5.2.01

Gerettete Texte aus dem Stasi-Staat

Eine literarische Reihe widmet sich Jürgen Fuchs:

Von Udo Scheer: Jena. Wohl nicht zufällig eröffnete jetzt Edwin Kratschmer, einer der wichtigsten Multiplikatoren für gesellschaftlich engagierte Literatur im Osten Deutschlands, die neue Buchreihe „Gerettete Texte“ mit dem frühen Gedichtzyklus „schriftprobe“ von Jürgen Fuchs. Im Umfeld des kürzlichen 50. Fuchs-Geburtstages (19. Dezember) des im Mai 1999 an Blutkrebs gestorbenen Schriftstellers und DDR-Bürgerrechtlers liegt damit erstmals ein Markstein seines lyrischen Frühwerks vollständig veröffentlicht vor (Schriftprobe, VDG Verlag, Weimar, 48 Seiten, 14 DM). /Nordwest Zeitung 3.2.01

Petersilie

In ihren Tagebüchern versammelt Marie Luise Kaschnitz viele um den Tod kreisende, auf dem Land spielende Geschichten, die gerade im Makabren religiöse Obsessionen offenbaren. Eine von ihnen lautet: „Connie“, erzählt aus Schloss Dorf in Österreich. Als die Schlossherrin gestorben war, musste der Sarg zugelötet werden. Die Tochter saß bei C. und hielt sich die Ohren zu. Es dauerte aber lang, hörte nicht mehr auf. C. ging nachsehen, es stellte sich heraus, dass man (Kriegszeit) alle defekten Blechgegenstände, Gießkannen usw., in die Kapelle gebracht hatte. Die Krankenschwester hatte, weil Winter war, nichts Grünes gefunden, der Toten ein Kränzchen im Sarg zu machen, und schließlich Petersilie gepflückt. Aber die alte Köchin, die für den Leichenschmaus viele Gäste zu versorgen hatte, holte ihr diese Petersilie empört wieder aus dem Sarg. / NZZ 3.2.01

Wer was Neues macht…

Wolfram Göbel setzt als Verleger auf Books on Demand:

Ein schmaler Gedichtband. 72 Seiten, gebunden, schön gestaltet, der Schutzumschlag in Grüntönen. Richard Wagner: „Mit Madonna in der Stadt“. Über den Inhalt könnte man viel reden, Über die luftleichten Windgedichte und Stimmen im Ohr des aus der deutschsprachigen Minderheit in Rumänien stammenden Künstlers Wagner. Doch auch die Erscheinungsform des Buches, das in der Lyrikedition 2000 von dem renommierten Germanisten Heinz Ludwig Arnold herausgegeben wird, ist der Rede wert: „Die Lyrikedition 2000 ist ein Demand Verlag der Buch & medi@ GmbH, München. Dieser Verlag publiziert in Verbindung mit dem Hamburger Buchgrossisten Libri ausschließlich Books on Demand. Die Bücher werden elektronisch gespeichert und auf Bestellung gedruckt, deshalb sind sie nie vergriffen. Books on Demand sind über den klassischen Buchhandel und Internet-Buchhandlungen zu beziehen.“ / Stuttgarter Zeitung 3.2.01

Petersilie

In ihren Tagebüchern versammelt Marie Luise Kaschnitz viele um den Tod kreisende, auf dem Land spielende Geschichten, die gerade im Makabren religiöse Obsessionen offenbaren. Eine von ihnen lautet: „Connie“, erzählt aus Schloss Dorf in Österreich. Als die Schlossherrin gestorben war, musste der Sarg zugelötet werden. Die Tochter saß bei C. und hielt sich die Ohren zu. Es dauerte aber lang, hörte nicht mehr auf. C. ging nachsehen, es stellte sich heraus, dass man (Kriegszeit) alle defekten Blechgegenstände, Gießkannen usw., in die Kapelle gebracht hatte. Die Krankenschwester hatte, weil Winter war, nichts Grünes gefunden, der Toten ein Kränzchen im Sarg zu machen, und schließlich Petersilie gepflückt. Aber die alte Köchin, die für den Leichenschmaus viele Gäste zu versorgen hatte, holte ihr diese Petersilie empört wieder aus dem Sarg. / NZZ 3.2.01

Neu

Frankfurter Anthologie der FAZ: Wulf Segebrecht über die „Kleine Ballade“ von Marie Luise Kaschnitz / Das neue Gedicht in der „ Welt „: Richard Pietraß über ein Gedicht von Peter Piontek / 3.2. 2001

Friedrich-Hölderlin-Preis an Dieter Wellershoff

Der Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Homburg geht in diesem Jahr an den Kölner Schriftsteller Dieter Wellershoff. Er erhält den mit 25 000 Mark dotierten Literaturpreis für sein Gesamtwerk, besonders aber für seinen im vergangenen Jahr erschienenen Roman „Der Liebeswunsch“. Wellershoff, 1925 in Neuss am Rhein geboren, promovierte 1952 mit einer viel beachteten Arbeit über Gottfried Benn. Seit 1952 arbeitete er als Lektor für Literatur und die Buchreihe Neue Wissenschaftliche Bibliothek bei Kiepenheuer & Witsch. In den 60er Jahren gehörte er zum Kreis der Gruppe 47 und gilt als Förderer der Autoren Rolf Dieter Brinkmann, Nicolas Born und Günter Herburger sowie Begründer der Kölner Schule des Neuen Realismus.
Der mit 10 000 Mark dotierte Hölderlin-Förderpreis geht an die Berliner Lyrikerin Ulrike Draesner. Die Preisverleihung findet am 7. Juni, Hölderlins Todestag, im Kurhaus Bad Homburg statt. /H.L. Frankfurter Rundschau 2.2.01

Frau von Kaschnitz und die 68er

Von Walter Jens

„Vor-den-Kopf-stoßen als erzdemokratische Tugend“ fordert der Tübinger Zeitkritiker Walter Jens im SPIEGEL-ONLINE-Essay. Dabei verknüpft er das gegenwärtige Gezeter über die 68er mit einer fast vergessenen Frankfurter Schriftstellerin.

Frau Merkel, mit ihren von keiner Kenntnis getrübten Attacken gegen die 68er, möge nachlesen, was Marie Luise Kaschnitz , die Demonstrantin auf der Bockenheimer Straße, gegen brutale Polizeieinsätze aufbegehrend, in jener Zeit schrieb… / Der Spiegel 2.2.01

 

Heinz Kahlau 70

Der Vierzehnjährige übte, beim „Volkssturm“, mit der Panzerfaust. Nach dem Krieg fuhr er Traktor und zog das blaue Hemd der „Freien Deutschen Jugend“ an. Im TBC-Heim las er Ringelnatz. Der Arbeiterdichter Marchwitza brachte ihn mit einer Ohrfeige zu Verstand. Erwin Strittmatter gab seine ersten Gedichte Bertolt Brecht. Der sagte: „Neun von zwölf, das ist beachtlich. Man kann sie lesen, an etwas anderes denken, und wenn man wieder hinschaut, sind sie immer noch da.“ Heinz Kahlau wurde Brechts „Meisterschüler“. Helene Weigel bestimmte: „So, Bub, jetzt gehörst du zu uns. “ Seither entstanden, immer unter Pfeifenrauch, mehr als zwanzig Gedichtbände, dazu Bücher, Hörspiele und Stücke für Kinder, außerdem Nachdichtungen, Dramen und Drehbücher. / Süddeutsche Zeitung 2. Februar 2001

 

Sprechschrott pressen

In der Berliner Akademie der Künste ist eine Ernst-Jandl- Ausstellung zu sehen:

Wo immer Ernst Jandl auftrat, bereiteten seine Abende Vergnügen, stimmten nachdenklich, boten abgründigen Witz. Wie im Zoo schnaufte, schlurfte, rotzte es, wenn er leis bis laut anhob, im Stakkato ratterten Phoneme, Silben, Wortbrocken ab, wenn er in Fahrt kam, die Zunge überschlug sich, wenn das furiose Ende nahte mit „schtzngrmm t-t-t-t grrrmmmm“, dem schlagendsten, grimmigsten Antikriegsgedicht, das im vorigen Jahrhundert entstanden ist. Jandl – ein Ungetüm, mag man liebevoll sagen, eins, das Sprache intrigant vernichtet und aus deren Trümmern Neues baut, ein Sprechaktionist, der aufliest, was aufzulesen ist, der den Wortmüll anfaßt, um ihn mit Wortmüll anzugreifen. Jandl geht davon aus: Mäuler haben alle, Sprache haben alle, Sprechfehler machen gleichfalls alle. / junge Welt 01.02.2001

Vor 100 Jahren wurde Marie Luise Kaschnitz geboren

Sie verteidigte 1960 Paul Celan gegen gehässige Plagiats-Vorwürfe. Sie trat 1972 in Zeitungsanzeigen für die Wahl Willy Brandts ein. Sie sympathisierte mit der Frankfurter Hausbesetzer-Szene. Marie Luise Kaschnitz war es zuweilen herzlich leid, mit wohlmeinenden Ehrentiteln ins Eck der Harmlosigkeit gerückt zu werden: „Niemand will wissen, ob ich es mit den Roten Zellen halte . . . Die Frage, ob ich ein auf der Flucht befindliches Mitglied der Baader-Meinhof-Gruppe in meiner Wohnung versteckt hätte, ist mir nie gestellt worden. Statt dessen soll ich von Rom erzählen.“ In den 70ern hätte sie schon die Vermeidung der Bezeichnung „Baader-Meinhof-Bande“ unter Sympathisanten-Verdacht bringen können. Kaschnitz war – jedenfalls seit 1943 – ein waches politisches Wesen. Wenn man ihr diese Pranke gar nicht zutraut, sollte man bedenken, dass Marie Luise Josephine von Holzing-Berstett, am 31. Januar 1901 als Offizierstocher in Karlsruhe geboren, 1974 in Rom gestorben, von Familie und Freunden „Leu“ genannt wurde. Liegt es an ihrer beinahe krankhaften Bescheidenheit, dass heute nur wenige wissen, was für ein Schatz in ihrem Werk ruht? Als Dolf Sternberger ihr 1948 die Mitherausgeberschaft der Wandlung anbot, antwortete sie: „Denke daran, wie dumm, wie schüchtern und wortkarg ich in Gesellschaft wirklich gebildeter Männer bin . . . Denke auch daran, daß ich 4/5 des Tages Dienstmädchen und Köchin sein muß . . . Denke daran, daß ich nicht nur im Positiven, sondern auch im Negativen eine Frau bin: ein ermüdbares, alle Öffentlichkeit scheuendes und faules Wesen, ein nur im künstlerischen Ausdruck vielleicht ernst zu nehmendes Individuum.“ / SZ vom 31.01.2001 Feuilleton

Zeitungsschreibers Stoßseufzer

Da atmet man richtig auf, denn oft haben Gegenwartsgedichte ja etwas entsetzlich Peinliches, und das nicht nur, weil sie meist zu betulich und wichtigtuerisch sind. Vielmehr liegen sie vor allem deshalb so oft grausam daneben, weil viele Lyriker in Gedichten unter ihr sonstiges Denk- und Empfindungsniveau gehen, gerade so, als könnte man mit Gedichten alles machen.

Frühlingsgedichte.Ausgewählt von Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell. Reclam, Stuttgart 2001. 85 S., 5 Mark.

Norbert Hummelt:Zeichen im Schnee.Gedichte. Luchterhand,München 2001. 104 S., 18,50 Mark.

Rainald Goetz:Jahrzehnt der schönen Frauen.Merve, Berlin 2001. 213 S., 26 Mark.

Sergej Jessenin:Ein Rest von Freude.Gedichte. Aus dem Russischen von Paul Celan, Elke Erb,Rainer Kirsch u.v.a. Luchterhand, München 2001. 172 S., 19,50 Mark

/ (31.1.01)

Nicht gefallen

dem herrn unserem gott / hat es ganz und gar nicht gefallen / dass gustav e. lips / durch einen verkehrsunfall starb . Als experimentierfreudiger Autor hat er seit Ende der 50er-Jahre die Lyrik und Prosa der deutschschweizerischen Literatur erneuert. Heute wird Kurt Marti 80 Jahre alt und mit einer Neuedition seiner „Leichenreden“ geehrt. /Aargauer Zeitung 31.1.01

Kurt Marti 80

Das erste Buch des Pfarrers hieß „Boulevard Bikini“. Man muss sich das vorstellen: Schweiz, 1958, die selbstgefällige Nation war noch intakt, erst allmählich machten sich einige Stimmen breit, die den Mythos der erfolgreichen „Landesverteidigung“ nicht glaubten; auch 1968 war noch in weiter Ferne, und da schreibt Kurt Marti, 37, Pfarrer in Niederlenz, auch in seinem zweiten Band, den „republikanischen Gedichten“, Texte gegen die spießige Umgebung, voller Spott, den er nie ganz verlieren wird: „Die Damen knien im Dome schulternackt, / noch im Gebet kokett und photogen, / indes die Herren, konjunkturbefrackt, / diskret auf ihre Armbanduhren sehn.“ / Süddeutsche Zeitung 31.1.01