Der Lyriker Norbert Hummelt und der Lektor Klaus Siblewski haben (…) gemeinsam ein Buch geschrieben mit dem lapidaren Titel „Wie Gedichte entstehen“. Im Rahmen von „Coburg liest“ boten sie mit Hilfe dieses knapp 300 Seiten starken Bandes mancherlei interessante Einblick in den kreativen Prozess lyrischer Produktion, ohne dabei freilich eine fürsorgliche Warnung zu vergessen: Ein Rezeptbuch für ehrgeizige Hobbypoeten will ihr Buch nicht sein. / infranken.de
Das Buch von Brigitta Eisenreich „Celans Kreidestern“ (Suhrkamp) bringt mehr, als ich erwartet hatte. Etwa Details, die Celans zunehmende Verdunkelung, seine beiden letzten Jahre, auch dokumentarisch belegen. Etwa wenn die Autorin die von Celan angestrichenen Stellen im Tod des Empedokles (Hölderlin) mitteilt (Opfertod).
Bestechend, was man über Celans Blick auf die Rolle des Dichters erfährt. Etwa Celans Beschäftigung mit „Von einer Generation, die ihre Dichter vergeudet hat“ (Roman Jakobson), wo auch der in seinen Texten längst vorweggenommene Selbstmord Majakowskis Thema ist. Oder ein Vortrag aus dem Jahr 1907, „Der Dichter und diese Zeit“ (Hugo von Hofmannsthal). Daraus hat der der bereits extrem fremd wirkende Celan Brigitta Eisenreich vorgelesen. Darunter waren auch diese Zeilen.
„So ist der Dichter da, wo er nicht da zu sein scheint, und ist immer an einer anderen Stelle als er vermeint wird. Seltsam wohnt er im Haus der Zeit, unter der Stiege, wo alle an ihm vorüber müssen und keiner ihn achtet. Dies unbekannte Wohnen im eigenen Haus, unter der Stiege, im Dunkel, bei den Hunden, fremd und doch daheim; als ein Toter, als ein Phantom im Munde aller, ein Gebieter ihrer Tränen, gebettet in Liebe und Ehrfurcht, als ein Lebendiger gestossen von der letzten Magd und gewiesen zu den Hunden und ohne Amt in diesem Haus, ohne Dienst, ohne Recht, ohne Pflicht, als nur zu hungern und zu liegen und in sich dies alles immerfort bei Tag und Nacht abzuwiegen und ein ungeheures Leiden, ungeheures Geniessen zu durchleben … “
Auf 266 Seiten über Paul Celan erfährt man von Brigitta Eisenreich, wie „anders“ alles gewesen ist. Ein verblüffend „abweichend“ geschriebenes Buch. Mit vielen Dokumenten, Briefen, Anmerkungen, und Verweisungen. Selbst der Kundige wird staunen. Kompliment an die Autorin und den Verlag.
Wilhelm Fink, Hamburg
vgl. # 99. Celans Tausend und drei Leben
Lied der Maler
Johannisbeerfarbene Töne:
Man schafft das unvergleichlich schöne
Wunder der Lippen nur durch jene.
Das Ockergelb, das Braun, das Rot,
Das sich Parfümen gleich darbot,
Färbt wie Landstriche, welche tot.
Strahlt auf der Leinwand das moderne
Und helle Bleiweiß als Laterne,
Hält’s Nacht und trübe Öde ferne.
Zinnober, Kobalt, Ultrameer
Und Kadmium, Millionen schwer,
Uber euch wundern wir uns sehr.
Indem sie auf die Leinwand kamen,
Entstanden unverhüllte Damen,
Sonne und Sterne in dem Rahmen.
Man kriegt nur eine Kleinigkeit;
In dieser wechselhaften Zeit
Sind Käufer nicht eben gescheit.
Was soll es! Tau wird einen nähren,
Kann man dich irisiert aufstören,
Schöne Natur, die du in Ehren!
Chanson des peintres
Laques aux teintes de groseilles
Avec vous on fait des merveilles,
On fait des lèvres sans pareilles.
Ocres jaunes, rouges et bruns
Vous avez comme les parfums
Et les tons des pays défunts.
Toi, blanc de céruse moderne
Sur la toile tu luis, lanterne
Chassant la nuit et l’ennui terne.
Outremers, Cobalts, Vermillons,
Cadmium qui vaux des millions,
De vous nous nous émerveillons.
Et l’on met tout ça sur des toiles
Et l’on peint des femmes sans voiles
Et le soleil et les étoiles.
Et l’on gagne très peu d’argent,
L’acheteur en ce temps changeant
N’étant pas très intelligent.
Qu’importe ! on vit de la rosée,
En te surprenant irisée,
Belle nature, bien posée.
Aus: Charles Cros, Die Krallenkette und verstreut gedruckte Gedichte. Übersetzt und benachwortet von L. Partisander. Essen: Die Blaue Eule 1995, S. 12f.
Charles Cros, „Dichter-Physiker“, 1842 – 1888, erfand vor Edison den Phonographen.
© (Für die Auswahl) Michael Gratz 2000.
Der YouTube-Kanal des G&G-Instituts präsentiert die Video-Dokumentation
über 8 gesellschaftskritische Gedichte von Karl-Johannes Vogt, die von seinem
Herausgeber Tom de Toys am „Welttag der Poesie“ (21.3.2010) als Opener der
Poesieschlacht im Düsseldorfer zakk performt wurden: http://www.artNewCologne.de
Bereits seit dem 18.3.2010 lassen sich sechs Wochen lang ausgewählte Gedichte von Karl-Johannes Vogt als Schachtel in ehemaligen Zigarettenautomaten in NRW ziehen:
„WIEVIEL EWIGKEIT VERTRÄGT DER MENSCH?“ enthält auch „HAB MITLEID“!
http://www.LiteraturAutomat.eu (u.a. im „zakk“-Foyer, Fichtenstr.40, Düsseldorf)
SPEZIAL-DOKU ZEIGT VOGT BEIM ZIEHEN SEINER SCHACHTEL IM ZAKK:
http://vids.myspace.com/index.cfm?fuseaction=vids.individual&videoid=104022191
Heute in der Lyrikmail ein Gedicht von Karl-Johannes Vogt: Hab Mitleid
Einen würdigen Abschluss fand die Ausstellung im Künstlerhaus mit Stahlskulpturen von Bernd Dürr. Sie war von der Archivarin im Stadtarchiv Ursula Thamm angestoßen worden als Erinnerung an den aus Marktoberdorf stammenden Bildhauer. Exakt zu seinem zehnten Todestag griff eine Lesung noch einmal die Gedichte auf, die Paul Wühr dem jüngeren Künstler gewidmet hatte. Sie beschäftigen sich kenntnisreich mit dem Themenkreis von Form und Skulptur im Raum. Die wiederholten Treffen und Gespräche mit dem in Italien lebenden Dichterfreund waren Meilensteine in der künstlerischen Entwicklung von Bernd Dürr. / Allgäuer Nachrichten, Marktoberdorf
Greifswald, Koeppenhaus
Freitag | 23.04.2010 | 20:00 Uhr | Eintritt frei
Lesung und Ausstellungseröffnung
Angelika Janz stellt eine Auswahl ihres beeindruckend umfangreichen bildkünstlerischen und poetischen Schaffens in der Galerie des Literaturzentrums Vorpommern aus. Seit den 70er Jahren ist die gebürtige Düsseldorferin künstlerisch tätig und hat dabei einen ganz eigenen, unverwechselbaren Stil entwickelt. Weithin bekannt ist die doppelbegabte Künstlerin vor allem durch ihre Textfragmente. Sie spielt mit Worten, verknüpft sie und lässt mit den Fragmenttexten eine hinreißende Poesie entstehen. Angelika Janz zählt zu den wichtigsten Vertreterinnen der deutschen Visuellen Poesie. Nicht nur der experimentelle Umgang mit der Literatur, auch die Verbindung von Wort und Bild durch Bildtextcollagen gehört zum Oeuvre der Künstlerin.
Angelika Janz wurde 1952 geboren. Die studierte Germanistin, Kunsthistorikerin und Philosophin war Gründungsmitglied der Jazzband TRILEMMA und mehr als 20 Jahre Mitarbeiterin am Folkwang Museum in Essen. Ihre Gedichte, Hörspiele, Aktionen, Performances und Ausstellungen sind mit einer Reihe von Preisen bedacht worden. Neben Einzelpublikationen ist sie mit zahlreichen Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien vertreten. Darüber hinaus ist ihre Lyrik in die polnische Sprache übertragen worden.
Heute lebt Angelika Janz in Aschersleben (Vorpommern), wo sie u. a. Schreib- und Hörspielwerkstätten organisiert. Seit 2005 ist sie Leiterin der mobilen Kinderakademie im ländlichen Raum. Für ihr ausserordentliches Engagement ist Angelika Janz 2008 mit dem ZeitzeicheN, dem Deutschen Lokalen Nachhaltigkeitspreis der Deutschen Umwelthilfe und der Grünen Liga ausgezeichnet worden.
Zur Eröffnung der Ausstellung wird Angelika Janz eine Auswahl an Gedichten und Prosa vortragen.
Der Eintritt ist frei.
Eine Anthologie wird präsentiert. Es vibriert, es rumort, es bewegt sich etwas in der jüngsten deutschen Literatur. Neben den Versuchslaboren Leipzig und Berlin haben sich in Städten wie Kiel, Hamburg, Hildesheim und Köln magnetische Zentren für junge Autoren gebildet
Eingeladen sind einige der wichtigsten Stimmen, deren Debüts in den nächsten zwei Jahren erscheinen werden: Konstantin Ames (Gewinner des Open Mike 2009), Simone Kornappel, Thien Tran (Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium der Stadt Köln).
22.04.2010, 20 Uhr
Buchhandlung Wiederspahn
Wilhelmstraße 8
65185 Wiesbaden
Eintritt: 8/5 Euro
IN MEMORIAM
Mit lauten Worten für die Belange des Arbeitgebers
Schriftsteller ERICH WEINERT wurde am 4. August 1890 in Magdeburg geboren. Er starb am 20. April 1953 in Berlin / B.Z. 20.4.
– Er war auch als Politiker tätig, so im Krieg als Präsident des „Nationalkomitees Freies Deutschland“ und in der frühen DDR als Vizepräsident der Zentralverwaltung für Volksbildung. In Wilmersdorf erinnert eine Gedenktafel an sein Wohnhaus, sagt die B.Z. Jeder Schüler in der DDR kam mit seinen Gedichten, Balladen, Liedern in Kontakt, mancher wird noch Zeilen auswendig wissen, vielleicht aus der Ballade „John Scheer und Genossen“, aus „An einen deutschen Arbeiterjungen“, vielleicht auch: „Mit milder Würze gehts nicht mehr / Gebt mal den roten Pfeffer her“. Ernst Jandl wird ihn nicht gekannt haben, als er um 1957 das Wort „Sprechgedicht“ prägte („Das Sprechgedicht wird erst durch lautes Lesen wirksam“). Weinert schrieb 1934: „Wie ich Sprechdichter wurde“. Was er in seiner kurzen DDR-Zeit schrieb, wirkte müde und blaß. Manche seiner Gedichte bleiben aktuell, oder werden’s wieder. Hier paar Zitate und ein Gedicht:
1923 schrieb er in dem Gedicht „Der Antisemeeting“: „Und als man zu Tätlichkeiten schritt, / Da machten sogar die Hammel mit.“
Die Staatsgewalt geht vom Volke aus, klar. (Brecht frug: „Aber wo geht sie hin?“ Peter Paul Zahl hat auch was beizutragen). Weinert 1928:
Natürlich muß unsere Staatsgewalt
Vom Volke ausgehen!
Aber natürlich mit Vorbehalt!
Wir brauchen doch nicht alles zu wissen!
Denn manches hinter den Staatskulissen
Könnte die Staatssicherheit
Und die nationalen Belange gefährden.
Drum muß eben mal von Zeit zu Zeit
Die Öffentlichkeit ausgeschlossen werden!
[jetzt wirds aktuell, auwei!:]
Z.B., wenn Stresemann für unser Geld
Die verarmte Ruhrindustrie unterhält,
Das geht doch höchstens Herrn Stresemann,
Aber uns nichts an!
Aus „Der Reichsdichter“, 1933:
Geschult an Wessels trittgefaßten Jamben
Vom Skrupel der Grammatik nicht befleckt,
litt Lanzenknöbel nie am Intellekt.
In seinen eisernen Bandithyramben
War nichts als Aufbruch, der im Blute steckt.
Auch nicht schlecht: „Bei Dichters“ (1925):
Neulich war ich bei Dichters eingeladen
Da roch es nach Lorbeern und Gesprächen mit Gott.
Es gab lyrische Hammelkarbonaden
Und hinterher Aphorismenkompott.
Herr Dichter sprach über die letzte Schaffensepoche
und kaute gedankenvoll Petersilie.
Es kam mir vor wie ein Bild aus der Woche:
Der Dichter im Kreise seiner Familie!
Frau Dichter machte in Seelenergüssen
Und sprach, als Herr Dichter mal austreten ging,
Von der Tragik derer, die dichten müssen.
Worauf sie noch mal mit Kompott anfing.
Mehr hier (12.3.). Jetzt ein Gedicht:
Ein Ochse meldet sich zu Wort
Verehrte Anwesende, lassen Sie mich
Ein bescheidenes Wort in die Waagschale werfen!
Ich finde es unverantwortlich,
Die Gegensätze im Volk zu verschärfen.
Ich bin nicht von der modernen Art,
Ich habe noch meinen deutschen Glauben
und schlichten Ochsenverstand bewahrt.
Den kann man mir Gott sei Dank nicht rauben.
Sie vertreten heute so radikal
Umsturz und Auflehnung gegen das Schlachten,
Ich meine, man sollte die Dinge mal
Von einer höheren Warte betrachten.
Den Schlächterstand und den Ochsenstand
Gab es zu allen Zeiten auf Erden:
Sie sind geschaffen, fürs Vaterland
Zu schlachten und geschlachtet zu werden.
Und wenn der Schlächter sein Banner entrollt,
Dann müssen wir Ochsen zu sterben wissen!
Das hat die Vorsehung so gewollt,
Vor der auch wir Ochsen uns beugen müssen.
Nur eine gottverlassene Partei
bezeichnet die heilige Sache mit Morden.
Und außerdem ist die Schlächterei
Doch heute wirklich human geworden.
In dieser zivilisierten Zeit
Hat jeder Schlächter seinen Betäuber.
Was tun die nicht für die Ochsenheit!
Und so was nennen Sie Mörder und Räuber?
Nein, freiwillig gehen wir in den Tod!
Sie treffen mich nicht mit ihrem Gelächter.
Ich bin ein Ochse von altem Schrot
Und stehe in Treue zu meinem Schlächter!
(Und so rutscht Weinert, ohne daß ichs wollte, in meine Anthologie. Die DDR ist tot, es lebe Weinert.)
Der zwölfjährige Matthias Paulsen aus Miesbach hat ein Computerprogramm geschrieben, mit dem sich Muttertagsgedichte kreieren lassen. Die Erfindung seines Lyrik-Generators brachte Matthias jetzt den ersten Preis beim Landeswettbewerb „Schüler experimentieren“ ein. Das Programm muss lediglich mit Details wie Reimtyp oder Beruf der Eltern gefüttert werden – und schon spuckt der Rechner ein fertiges Gedicht aus. Die Software ist auch für Vatertage geeignet. / Die Welt 21.4.
Hofmannsthal konstatierte den Zerfall der Wörter, und Celan meinte, das Gedicht setzte sich aus. Kathrin Schmidt folgt dieser Vorgabe unfreiwillig. Nach einem Schlaganfall findet sie wieder zur Sprache: „ein rechtes leichlein liegt in der lakengruft, links überlebt. / oberhalb des kopfes flirren die monitore.“ … Und natürlich gibt es viele Gedicht-Gedichte voller Anspielungen – an Jandel etwa: „bist frau? bist eulen?“ / Erich Klein in Falter : Woche 16/2010 vom 21.4.2010 (Seite 21)
Blinde Bienen
Kathrin Schmidt
2010 | Kiepenheuer & Witsch, Köln
87 Seiten
EUR 17,50
Der Zürcher Dichter und Schriftsteller Jürg Schubiger hat Gedichte verfasst, die einen in Staunen versetzen können. Denn er hat als Erwachsener Gedichte für Kinder geschrieben, die nicht pädagogisch-sinnvoll-kindgerecht sind, nicht Lautmalerei-Nonsens, sondern Gedichte, auf der Höhe der Kunst, zu den wesentlichen Fragen und Dingen, versammelt im Band Der Wind hat Geburtstag. Und Wiebke Oeser, die schon das Kinderbuch Wo steckt Pepe? des Dichters Charles Simic mit dem farbigen Minimalismus ihrer Zeichnungen illustriert hat, hat nun auch in Schubigers Buch durch die Sparsamkeit ihrer bunten Striche die Deutungsoffenheit der Gedichte ins Bild gesetzt. / Elisabeth von Thadden, Die Zeit #15
Jürg Schubinger:Der Wind hat Geburtstag. Mit Illustrationen von Wiebke Oeser; Peter Hammer Verlag, 2010; 48 S., 12,90 €
Ein Abend des poesiefestival berlin widmet sich der kulturellen Vielfalt des Maghrebs.
Der Maghreb ist eine Region, die mehr als eine Kultur, eine Sprache oder eine Religion beherbergt. Das poesiefestival berlin widmet am 6. Juni 2010 einen Abend der kulturellen Pluralität dieser Region mit Frankophonen und Arabophonen Lyrikern aus Marokko, Algerien, Tunesien und Libyen. Mit dabei sind u.a. Mohammed Bennis (Marokko), Bouzid Herzallah (Algerien), Salem Okaly (Libyen), Youssef Rzouga (Tunesien) sowie die berberische Band Ithran.
Der Maghreb, arabisch für „Westen“, ist ein kulturelles Bindeglied zwischen der arabischen und europäischen Welt. In ihm treffen sich jüdische, christliche, islamische ebenso wie afrikanische und europäische Einflüsse, Arabisch wird dort ebenso gesprochen wie Berberisch und Französisch. Die Dichter Mohammed Bennis (Marokko), Salem Okaly (Libyen), Habib Tengour (Algerien), Siham Bouhlal (Marokko), Bouzid Herzallah (Algerien) und Youssef Rzouga (Tunesien) zeigen die verschiedenen poetischen Dimensionen des vielstimmigen Maghrebs.
In einem Poesiegespräch gibt Mohammed Bennis, einer der wichtigsten Stimmen der maghrebinischen Kultur und einer der bedeutendsten Dichter der zeitgenössischen arabischen Lyrik, Einblick in sein Werk und die Poesiewelt Nordafrikas.
Ithran gehört zu den bekanntesten berberischen Bands und revolutionierte die nordafrikanische Musik, in dem sie orientalische Einflüsse mit westlichen vermischten. Für ihre Texte arbeiten sie regelmäßig mit berberischen Dichtern wie Said Moussaoui und Ahmed Alkadiri zusammen. Im Maghreb genießt Ithran Kultstatus, für das poesiefestival berlin kommen sie zum ersten Mal nach Berlin.
Das poesiefestival berlin findet vom 4. – 12. Juni 2010 statt. Der diesjährige Fokus liegt auf dem Mittelmeer.
Das poesiefestival berlin wird gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds und findet statt in Kooperation mit der Akademie der Künste.
Mit freundlicher Unterstützung der MARITIM Hotels Berlin.
poesiefestival berlin 2010
Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin
So 6. Juni 2010 18.30 Uhr
Poesiegespräch: Die Welten Mohammed Bennis’
Mit Mohammed Bennis (Marokko) Moderation: Michael Roes (Autor, Deutschland)
So 6. Juni 2010 20.00 Uhr
Zweisprachige Liebe: Poesie aus dem Maghreb
Mohammed Bennis (Marokko), Salem Okaly (Libyen), Habib Tengour (Algerien) und Siham Bouhlal (Marokko), Bouzid Herzallah (Algerien) und Youssef Rzouga (Tunesien)
So 6. Juni 2010 22.00 Uhr
Konzert: Ithran
Mit Ithran (Marokko)
Ein Buch für eine Million Leser – so wenig wird jedes Jahr für die arabischen Leser übersetzt. Die Stiftung Kalima („Wort“) will deshalb mit finanzieller Unterstützung der Kulturbehörde von Abu Dhabi jährlich mindestens 100 Titel übersetzen – aus dem Chinesischen, dem Urdu, dem Hindi und aus europäischen Sprachen. Silke Lode sprach mit Mustafa al-Slaiman, der mit Deutsch den größten Programmbereich von Kalima betreut.
Al-Slaiman: Jeder Text hat seine Eigenarten, mit denen man sich anfreunden muss. „Diana“ von Joachim Sartorius war ein solcher Text, ein Liebesgedicht. Da heißt es: „Ich habe den Rücken der Welt im Wasser gesehen.“ Der Rücken als Ganzes ist in der arabischen Literatur unerotisch. Die Schulter oder der Fuß sind wesentlich erotischer. Nur anschauen oder den Blick sogar etwas zurücknehmen klingt in der arabischen Poesie verführerischer als anfassen. Das sind Details, aber wenn man „Diana“ wörtlich übersetzt, bleibt nichts mehr von der Erotik.
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