45. Aktuell in Wien

Armes Wien – a never ending story!

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  • Helmut Seethaler 

    Heut frueh vorm FJ-Bahnhof: 3 ! Polizisten reisen 100e meiner gedichte herunter,die i naechtens an eine verschmutzte saeule klebte.
    War dabei nach meinem nachtdienst einen automaten-cafe zu holen: da stuermen 3 uni(n)formierte zur saeule,als muessten sie das volk vor drohender gefahr retten.
    Gleich beklebi ALLE saeulen vor diesem bahnhof. Dann wird ein mannschaftswagen der wiener polizei ausruecken
  • Kris Rusi Ja,die haben anscheinend echt keine anderen Probleme.. 

    vor 28 Minuten ·
  • Helmut Seethaler Das is unser wiener „problem“, dass meist kane haben… 

    vor 25 Minuten ·
Helmut Seethaler

44. Lautland im Literaturcafé

In seinen Performances gurgelt, rappt und schmatzt Valeri Scherstjanoi bekannte und erfundene Laute. Im FIGARO-Lesecafé trifft der Lautpoet auf den Dichter Michael Lentz – ihre Begegnung kann zu einem Fest lyrischer Improvisation werden. Wer Angst vor experimenteller Lyrik hat, dem wird sie von Lentz und Scherstjanoi spielend genommen. / MDR Figaro

Angaben zur Sendung

FIGARO Lesecafé: Lautland – Lyrik in Form mit Michael Lentz und Valeri Scherstjanoi

Sendung:
So, 10.04.2011, 16:05-17:30 Uhr

Ort:
Moritzbastei, Leipzig

Gäste sind herzlich willkommen, der Eintritt ist frei.

Wiederholung:
Di, 12.04.2011, 22:00-23:30 Uhr

Moderation:
Michael Hametner


Literaturhinweise

Michael Lentz: Offene Unruh – 100 Liebesgedichte, 192 S.,
S. Fischer Verlag
ISBN-13: 978-3100439260

Valeri Scherstjanoi: Mein Futurismus, 160 S.,
Matthes & Seitz Berlin, Mai 2011,
ISBN 978-3882216189

Alexei Jelissejewitsch Krutschonych „Phonetik des Theaters“
Übersetzt, eingeleitet und kommentiert von Valeri Scherstjanoi.
1. Auflage
ISBN 978-3-9813470-5-0
Paperback: 19×12
10 Euro

Valeri Scherstjanoi: lauter scherben: texte zeichnungen chronik
Books on Demand
EUR 18,80

43. Marion Poschmann Stadtschreiberin

drei Monate lang wohnhaft auf dem Stadtfriedhof, in direkter Nähe zu Hölderlins Gebeinen: Marion Poschmann

(Schwäbisches Tagblatt) – ganz so schlimm ist es wohl nicht. Offenbar stimmt davon nur, daß

sie Hölderlins Grab auf dem Stadtfriedhof von ihrem Fenster im Stadtschreiberhäuschen aus sehen kann

Für 3 Monate ist sie Stadtschreiber(in) in Tübingen – die Stelle ist seit neuestem der Lyrik vorbehalten. „Alleinstellungsmerkmal“ heißt das in Pol.-Tech-Speak. Wir aber gratulieren und wünschen eine schöne und produktive Zeit!

42. Noch einmal Hethiter

L&Poe Woche der türkischen Poesie

Die Türkei fordert die Rückgabe einer Sphinx, wurde vor kurzem gemeldet und von manchen Zeitungen kommentiert. Dahinter verbirgt sich eine komplizierte Geschichte, schrieb die Süddeutsche am 30.3. Seit etwa 100 Jahren weiß man, daß es außer ägyptischen und griechischen auch hethitische „Sfingen“ gibt, eine davon kam nach Berlin. Der Prähistoriker Kurt Bittel, der seit 1931 die Grabungen in der hethitischen Hauptstadt Hattuscha leitete, schrieb: „Die Löwen am westlichen, die Sphingen am südlichen und der Gott am östlichen Tor der Oberstadt gehören zu den größten Leistungen, die hethitische Künstler in der Zeit des Großreiches vollbracht haben.“

Über den politischen Hintergrund schreibt SZ-Autor Klaus Kreiser:

„Unbekümmert darum, dass das Hethitische sozusagen eine Tante der jüngeren indoeuropäischen Sprachen ist, erklärte der Gründer der Türkischen Republik die zweifelsohne aus dem Norden eingewanderten Hethiter zu Angehörigen einer ersten türkischen Migrationswelle aus Innerasien nach Anatolien.

Der Brauch und Missbrauch von Archäologie und Anthropologie für den türkischen Nationalismus erhielt so in den dreißiger und vierziger Jahren freie Bahn. Atatürks Ziehtochter Afet war die wichtigste Propagandistin dieses Projekts. Sie erklärte, den Türken sei keine kulturelle Periode fremd. Das Eigentumsrecht an Anatolien reiche in unvordenkliche Zeiten zurück. Gleichzeitig legte Hamit Zübeyir Kosay, ein in Budapest und Berlin als Ethnologe ausgebildeter Wolga-Tatare, die Ruinen von Alacahöyük bei Çorum frei. Seine Überzeugung war, bronzezeitlichen Funde und Befunde seien Beweise dafür, dass ‚die türkische Rasse in der Vorgeschichte nicht weniger aktiv war als in historischen Perioden‘.

Damit war der Grundwiderspruch der noch immer aktuellen türkischen Vorstellung von Nationalgeschichte in die Welt gesetzt. Der Anthropologe Suavi Aydin beschreibt ihn mit einem Satz: Man beanspruche einerseits einen Platz in der europäischen Zivilisation, andererseits berufe man sich auf eine türkische Herkunftsgemeinschaft. Plakativen Ausdruck fand dieser Bezug auf Sumerer und Hethiter in der Bezeichnung großer staatlicher Unternehmen in der Textil- und Bergbaubranche (Sümerbank, Etibank).“

41. Meisterstück

Der 1979 in Topeka/Kansas geborene und heute in New York lebende Lyriker Ben Lerner hat mit seinem furiosen Gedichtband „Die Lichtenbergfiguren“ ein Meisterstück moderner Sonettdichtung vorgelegt, in dem der Zusammenprall der ehrwürdigen Gedichtform Sonett mit den profanen Redeweisen und Fachsprachen des 21. Jahrhunderts kunstvoll inszeniert wird. „Ich hatte jede Dogmatik des Denkens, jede Sklerose der Abläufe abschütteln wollen“, heißt es in dem zweiten von insgesamt 52 Sonetten, in denen Lerner die alte Erhabenheitsrhetorik des Sonetts in lässiger Beiläufigkeit profaniert. …

In Deutschland war der junge New Yorker Dichter bis vor kurzem unbekannt, bis ihn die findigen Scouts des Wiesbadener Luxbooks Verlags entdeckten und ihn mit dem Dichter Steffen Popp in Verbindung brachten, der seinerseits zu den begabtesten Köpfen der jungen deutschen Lyrikergeneration gehört. Aus einem umfangreichen Mailwechsel der beiden Autoren und aus zahllosen Videotelefonaten entstand schließlich dieser geistreichste zweisprachige Lyrikband der letzten Jahre, der soeben mit dem renommierten Preis für internationale Poesie der Stadt Münster ausgezeichnet wurde. / Michael Braun, Badische Zeitung

Ben Lerner: Die Lichtenbergfiguren. Gedichte, zweisprachig. Übersetzt von Steffen Popp. Luxbooks Verlag Wiesbaden. 120 Seiten, 18,50 Euro.

Zweisprachige Lesung mit Ben Lerner und Steffen Popp, heute, Freitag, 20 Uhr,
Galerie im Alten Wiehrebahnhof, Urachstraße 40, Freiburg.

40. Shortlist des kanadischen Griffin Poetry Prize

Der kanadische Griffin Poetry Prize wird jährlich in Höhe von je $65,000 an einen kanadischen und einen ausländischen Dichter vergeben. Jeweils $10,000 gehen an die übrigen Teilnehmer, die es auf die siebenköpfige Shortlist brachten, so daß keiner leer ausgeht. Insgesamt waren 450 Bücher aus 37 Ländern und aus mehr als 20 Sprachen nominiert.

Auf der Liste für Kanada stehen:

  • Dionne Brand, „Ossuaries“ (McClelland & Stewart) (eine Erzählung in Gedichten von Romanlänge)
  • Suzanne Buffam, „The Irrationalist“ (House of Anansi Press)
  • John Steffler, „Lookout“ (McClelland & Stewart)

Internationale Liste:

  • Seamus Heaney (Irland), „Human Chain“ (Farrar, Straus and Giroux)
  • Adonis (Syrien) „Adonis, Selected Poems,“ translated by Khaled Mattawa (Yale University Press)
  • Francois Jacqmin (Belgien), „The Book of the Snow,“ translated from French by Philip Mosley (Arc Publications)
  • Gjertrud Schnackenberg (USA), „Heavenly Questions“ (Farrar, Straus and Giroux).

/ Michael Oliveira, The Canadian Press

39. American Life in Poetry Celebrates Sixth Anniversary

Free Column Restores Tradition of Poetry in Newspapers

CHICAGO — The Poetry Foundation is pleased to announce the sixth anniversary of American Life in Poetry, a project that brings free poetry content to newspapers around the country. Founded by former U.S. Poet Laureate Ted Kooser, who selects and introduces the poems featured in the column, American Life in Poetry regularly runs in newspapers across the country, from the Times Union (Albany, NY) to the Lincoln Journal Star(Lincoln, NE), and is published in a range of Internet outlets, reaching more than three million readers each year.

Over the last six years the column has featured more than 300 poets, including National Book Critics Circle Award winner Edward Hirsch, National Book Award finalist Alicia Ostriker, various poets representing large and small regions of the country, and a number of young poets from public school writing programs. The column not only brings contemporary poetry to a wider audience but also restores poetry’s place in newspapers, where the column is well received by regular readers.

“One of the great pleasures is receiving notes from readers who have been following the column in newspapers, and who have been especially touched by a poem they’ve seen. These letters mean so much to us. Touching another person’s heart is what poetry is all about,” said Kooser.

American Life in Poetry is available to newspaper editors, free of charge, for inclusion in either print or online editions.

Register to receive American Life in Poetry, and explore the column archive, at www.americanlifeinpoetry.org.

38. Vater und Sohn

Sein Vater stand an der Seite von Mao Zedong, als dieser auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1949 die Volksrepublik China ausrief. Ai Qing war der Vorzeigepoet der Kommunistischen Partei, seine Gedichte waren Pflichtlektüre in den Schulen (und Chinas Präsident Hu Jintao und Premier Wen Jiabao können gewisse noch immer auswendig aufsagen). Das bewahrte ihn nicht davor, Ende der Fünfzigerjahre als Konterrevolutionär gebrandmarkt und in die Wüste Gobi verbannt zu werden.

Nun droht seinem Sohn ein ähnliches Schicksal und droht China erneut eine wichtige Stimme zu verlieren: Ai Weiwei wurde auf dem Pekinger Flughafen verhaftet, nachdem sein Projekt publik geworden war, in London marmorne Nachbildungen der um sein Atelier postierten Überwachungskameras auszustellen. Mit der Installation hätte er dem Regime einmal mehr den Spiegel vorgehalten, wie es niemand sonst in der Volksrepublik wagt. / Manuela Kessler, Tages-Anzeiger

 

37. Das ideale Gedicht

Die Gedichte von Petra Ganglbauer, so wie sie in diesem Gedichtband versammelt sind, sind strenge Meditationen um ein Weiß, um eine Leere, die es so nicht gibt. Unter keinen Umständen und wie wir es auch drehen gibt. Das ideale Gedicht. Dieses Nicht gibt die Forschungsrichtung, die Perspektive des Lauschens in diesen Versen vor. Sie machen mir den ständigen Abgrund klar, über den ich täglich gehe. Das Unleserliche eines jeden Moments, das Durchschossene, Kontingente. Das sofortige Vergessen des letzten gesagten Wortes in meiner Rede. / Silke Peters, fixpoetry.com

Petra Ganglbauer: Die Überprüfung des Meeres. Gedichte. Edition Art Science, Wien-St.Wolfgang, 2010.

 

36. Huchel und Kundera

Als Ludvík Kundera (1920-2010) Mitte der 1950er Jahre Schwierigkeiten in Prag und Brünn hatte, half ihm Huchel, so gut er konnte. Als Huchel in den 1960er Jahren verfemt war, unterstützte ihn Kundera.

1958 veröffentlichte Kundera, Vetter des Romanciers Milan Kundera, seine ersten Übersetzungen der Gedichte Huchels, 1964 brachte er „Chausseen Chausseen“ in tschechischer Sprache heraus. 1963 nannte Huchel Ludvík Kundera „den einzigen Freund in schwierigen Jahren“. / Märkische Allgemeine

Peter Huchel und Ludvík Kundera, Gespräch zwischen Eduard Schreiber und Hans Dieter Zimmermann, Lesung von Hans-Jochen Röhrig, 12. April um 20 Uhr im Peter-Huchel-Haus, Hubertusweg 41, Wilhelmshorst.

 

35. Bartschs Berg-Werk

Bartsch fasziniert mehr das Nordische und Germanische – vor allem aber ist Mitteldeutschland seine poetische Provinz, das Mansfeldische zumal, wo Novalis, der romantische Poet der »Hymnen an die Nacht« und der Bergbau-Pionier, der Salinenassessor und Amtshauptmann wirkte. Bartsch widmet ihm den Zyklus »Licht der Erde Salz des Himmels«. Auf eine »Gebrauchte Landschaft« wird das Loblied gesungen, auf die Werk-Tätigkeit einer Kultur- und Geisteslandschaft: »Fabel fährt Schlittschuh auf geronnener Zeit / Wer in die Tiefe will hat es nicht weit«

Bartschs Poesie könnte als Grabungs- und Grubenarbeit klassifiziert werden, als Berg-Werk mit Mundlöchern, Klagen, Gängen, Blindgängen, Vorgängen, Einschlüssen, Schächten, Querschlägen, Fahrten zu verbrochenen Strecken. Stollen werden vorgefunden aus alten Zeiten und weitergetrieben oder neue werden angelegt. Faltungen und Verwerfungen der Gesteinsschichten können, so die Terminologie des Geologen, als Schichtenkopf an die Erdoberfläche kommen. / Jürgen Engler, ND 7.4.

Wilhelm Bartsch: Mitteldeutsche Gedichte. Mitteldeutscher Verlag. 136 S., geb., 16 €.

34. Wagners Wortwandern

Zwischen zwei Polen reimt sich Jan Wagners Gedicht-Buch „Australien“ ins Offene, Fremde, Neue. Den einen könnte man mit Joseph von Eichendorff nennen: „Ach, wer da mitreisen könnte!“ Den anderen mit Fernando Pessoa: „Nur äußerster Mangel an Einbildungskraft rechtfertigt, dass man auf Reisen geht; existieren ist reisen genug.“ Romantik à la Eichendorff findet sich in dieser Wagner-Welt-Lyrik durchaus, wenngleich nicht plump-platt. Vielmehr greift der findige Dichter lustvoll intelligent zu den altehrwürdigen Registern, schaltet vielleicht sogar Demutspfeife und Tremulant zu, ergötzt sich an überlieferten Formen, die ihm so nett erscheinen, dass er sie – um formalen Ballast erleichtert – übernimmt in sein Wortwandern. / Rolf-Bernhard Essig, FR 6.4.

Jan Wagner: Australien. Gedichte. Berlin Verlag 2010, 106 Seiten, 18 Euro.

33. Weißrussland: schwarze Liste mit unerwünschter Kultur

Das Papier wirkt unwirklich, wie eine Reminiszenz an die alte Zeit der Parteiendiktatur. Es ist dünn, ähnlich dem Papier, das man in der Sowjetunion gebrauchte. Es fehlen Stempel, Unterschriften, all die Insignien, die das Papier als ein offizielles Dokument der weißrussischen Bürokratie ausweisen würden. ‚Spisok‘, Liste, steht auf Russisch über den Namen der 57 Musiker, Autoren und Schauspieler. Bekannte weißrussische Bands wie N.R.M., Krambambulja, Lyapis Trubeckoi oder das Theaterprojekt ‚Belarus Free Theatre‘ stehen auf dieser Liste. Auch der Song-Schreiber Zmicier Wajzjukjewytsch, ein enger Freund des Dichters Uladzimier Njakljaeu, der bei den Präsidentschaftswahlen 2010 antrat, dann am finalen Wahlabend von Sicherheitskräften zusammengeschlagen und ins KGB-Gefängnis verschleppt wurde. / SZ 29.3.

32. Concerning My Neighbors, the Hittites

 

L&Poe Woche der türkischen Poesie

BY CHARLES SIMIC

 

Great are the Hittites.
Their ears have mice and mice have holes.
Their dogs bury themselves and leave the bones
To guard the house. A single weed holds all their storms
Until the spiderwebs spread over the heavens.
There are bits of straw in their lakes and rivers
Looking for drowned men. When a camel won’t pass
Through the eye of one of their needles,
They tie a house to its tail. Great are the Hittites.
Their fathers are in cradles, their newborn make war.
To them lead floats, a leaf sinks. Their god is the size
Of a mustard seed so that he can be quickly eaten.

They also piss against the wind,
Pour water in a leaky bucket.
Strike two tears to make fire,
And have tongues with bones in them,
Bones of a wolf gnawed by lambs.

Mehr

Hittite ist das englische Wort für Hethiter. Was er mit den Hethitern zu tun hat? Immerhin stammt er aus Serbien, da herrschten die Nachfolger der Hethiter.

31. Zarathustras Hymnen

L&Poe Woche der türkischen Poesie

Bevor die arabische Invasion im 7. Jahrhundert dem Land, das wir heute Iran nennen, den Islam brachte, war Persiens mächtiges Reich der Sitz einer ganz anderen Religion. Der Zoroastrianismus hat heute nur noch ein paar hunderttausend Anhänger in der Welt, hauptsächlich Parsis in Indien und eine Minderheitengruppe in Iran. Und doch war es die offizielle Religion eines mächtigen Reiches. Auf ihrem Höhepunkt war das Persische Reich so groß wie das ottomanische Reich ein Jahrtausend später.  Die Namen persischer Könige wie Cyrus, Darius und Artaxeres finden sich in historischen Dokumenten im ganzen Mittleren Osten und Kleinasien. Sie tauchen sogar unter den mächtigen Eroberergestalten des Alten Testaments auf.

Wenig weiß man über den Religionsstifter Zoroaster (Zarathustra). Seine Lebenszeit wird von Fachleuten mit einer riesigen Spanne zwischen 1700 und 500 vor Christus angegeben, die meisten nehmen den Zeitraum des 6. oder 7. Jahrhunderts an. Zoroaster war die griechische Namensform – ins einer eigenen Sprache (Avesta) war er als Zarathustra bekannt.

Im Westen gilt er heute meist als eine Art antiker orientalischer Guru. In seiner neuen Übersetzung der heiligen Texte des Zoroastrianismus widerspricht der Oxforder Professor M.L. West und nennt ihn „einen revolutionären religiösen Denker und Führer, der aus dem Nichts von irgendwo im fernen Mittelasien in der Frühzeit der iranischen Geschichte auftauchte“.

Zoroaster nannte sich selber einen Dichter-Propheten. Erst nach seinem Tod wurde Theologie und Riten des Zoroastrianismus entwickelt und wurden zur Hauptreligion des ersten persischen Reichs bis zur Eroberung durch Alexander den Großen. Im Zweiten Persischen Reich im 2. Jahrhundert nach Christus wurde es wiedererrichtet und erlebte seine Blütezeit bis zum Aufstieg des Islam.

Die Hymnen (Gathas) und eine Liturgie in sieben Kapiteln  (Yasna Haptanhaiti) wurden im wesentlichen vor dem 3. jahrhundert vor Christus zusammengestellt. Von urprünglich 21 Kapiteln sind nur 14 erhalten, einige davon fragmentarisch. Diese Gedichte sind in einer sehr archaischen Sprache verfaßt, dem älteren Awesta. Die verfügbaren Übersetzungen weichen beträchtlich voneinander ab. West glaubt, daß es daran liegt, daß sie meist von Linguisten stammen, die den religiösen Kontext und den Glauben des modernen Zoroastrianismus ignorierten.

Seine neue Übersetzung ist äußerst lesbar.

Am überraschendsten ist vielleicht, daß zu einer Zeit polytheistischer Religionen Zarathustra vorschlug, den vielen Göttern (daiva) den einen wahren Herrn (ahura) entgegenzustellen. Diesen wichtigsten Herrn nannte er Ahura Mazda (den Achtsamen Herrn). Die verschiedenen Forscher schwanken in ihren Übersetzungen, ob sie die anderen Wesen als Götter oder als Engel oder Dämonen bezeichnen. West bezieht sich auf die zarathustrische Praxis, die auch von den islamischen Invasoren geteilt wurde, von einem einzigen Gott auszugehen. So bekommt Zarathustra eine Abraham vergleichbare Rolle, der die Lehren der Sonnen- und Mondanbeter zurückwies und sich dem einen wahren Gott zuwandte.

West übersetzt in einem poetischen Stil, der an die Psalmen und Sprichworte des Alten Testaments erinnert. Zarathustra nennt Gott nicht in abstrakten Begriffen, sondern nach seinen Eigenschaften: der Wahre, der Gute Gedanke, Mitleid, Freigebig oder die Herrschaft. Das erinnert an die hebräischen Gottesnamen: El Emet, der Gott der Wahrheit; El-Zaddik, der Rechtmäßige Gott, El-Shaddai, der Allmächtige Gott, El Olam, der Ewige Gott, wie auch in den 99 Namen Allahs. / MARION JAMES, İSTANBUL, Today’s Zaman 27.2.

“The Hymns of Zoroaster: A New Translation of the Most Ancient Sacred Texts of Iran,” by M.L. West, published by IB Tauris (2010), 15 pounds in paperback ISBN: 978-184885505-2