41. Meisterstück

Der 1979 in Topeka/Kansas geborene und heute in New York lebende Lyriker Ben Lerner hat mit seinem furiosen Gedichtband „Die Lichtenbergfiguren“ ein Meisterstück moderner Sonettdichtung vorgelegt, in dem der Zusammenprall der ehrwürdigen Gedichtform Sonett mit den profanen Redeweisen und Fachsprachen des 21. Jahrhunderts kunstvoll inszeniert wird. „Ich hatte jede Dogmatik des Denkens, jede Sklerose der Abläufe abschütteln wollen“, heißt es in dem zweiten von insgesamt 52 Sonetten, in denen Lerner die alte Erhabenheitsrhetorik des Sonetts in lässiger Beiläufigkeit profaniert. …

In Deutschland war der junge New Yorker Dichter bis vor kurzem unbekannt, bis ihn die findigen Scouts des Wiesbadener Luxbooks Verlags entdeckten und ihn mit dem Dichter Steffen Popp in Verbindung brachten, der seinerseits zu den begabtesten Köpfen der jungen deutschen Lyrikergeneration gehört. Aus einem umfangreichen Mailwechsel der beiden Autoren und aus zahllosen Videotelefonaten entstand schließlich dieser geistreichste zweisprachige Lyrikband der letzten Jahre, der soeben mit dem renommierten Preis für internationale Poesie der Stadt Münster ausgezeichnet wurde. / Michael Braun, Badische Zeitung

Ben Lerner: Die Lichtenbergfiguren. Gedichte, zweisprachig. Übersetzt von Steffen Popp. Luxbooks Verlag Wiesbaden. 120 Seiten, 18,50 Euro.

Zweisprachige Lesung mit Ben Lerner und Steffen Popp, heute, Freitag, 20 Uhr,
Galerie im Alten Wiehrebahnhof, Urachstraße 40, Freiburg.

3 Comments on “41. Meisterstück

  1. ich hab auch gerade drin gelesen, die letzten zwei stunden. es sind irre gute gedichte. lange nicht mehr so gut amüsiert mit, und angeregt worden von einem gedichtband.

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  2. Ach ja. Ich lese den Band und bin begeistert. Von der Vielfalt in Lerners Krassheiten-Bilderwelt, der Vitalität, die auch von einem formal recht schmalen Register aus wunderbar zündet. Lakonik-Vaudeville, Absurditätszauber, Kurse in Entschränkung – gedanklicher wie visueller. Aber „Fachsprachen“? Man liest das immer wieder und selten stimmts. Ich blättere und finde eigentlich keine Belege. Das „rhomboide Spaßbad“ vielleicht? Oder „Über die Geschichte des Strukturalismus schrieb mein Vater ‚Bau dir ein Haus'“? Im Vordergrund scheint mir anderes zu stehen. Etwa ein mit Fröhlichkeit lasiertes, zwangspragmatisiertes Bewusstsein im Mahlstrom unserer Kultur- und Trieb-Alltage. Utopielösigkeit als Schönheit. Natürlich auch die Errichtung eines Metaphernmerzbaus für unsere surrealistischen Neigungen, Surrealismus(vor)liebe. Redeweisen ja, Fachsprachen nein.
    Ein sehr erfrischender Auftritt.

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