01-30

30. Januar
  • 1599: Hans Georg von Schleinitz, deutscher Verwaltungsbeamter und Gelegenheitsdichter *
  • 1603: David Denicke, deutscher Jurist und Kirchenlieddichter *
  • 1730: Thomas Osbert Mordaunt, britischer Soldat und Poet *
  • 1760: Jonas Rein, norwegischer Dichter, Abgeordneter der verfassungsgebenden Versammlung *
  • 1775: Walter Savage Landor, britischer Dichter und Schriftsteller *
  • 1781: Adelbert von Chamisso, deutscher Schriftsteller und Botaniker (Peter Schlemihls wundersame Geschichte) * (Lyrikzeitung)
  • 1789: Wolf Heinrich Graf von Baudissin, deutscher Diplomat, Schriftsteller und Übersetzer (Shakespeare, Molière) *
  • 1809: Georg Friedrich Blaul,  Pfarrer und Pfälzer Heimatdichter *
  • 1868: Richard Nordhausen, deutscher Dichter und Schriftsteller *
  • 1869: William Carleton, irischer Schriftsteller †
  • 1878: Anne Catherine Ingeborg Andresen-Bödewadt, deutsche Lehrerin und Regionalschriftstellerin *
  • 1901: Hans Erich Nossack, deutscher Schriftsteller *
  • 1905: Eduard Ebel, deutscher evangelischer Pfarrer und Dichter (Leise rieselt der Schnee) †
  • 1923: Alexander Brändle, deutscher Schriftsteller (Kinderbücher, Science Fiction, Gedichte) *
  • 1923: Franz Brümmer, deutscher Lehrer und Lexikograph †. Herausgeber von Eichendorffs Gedichten. Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten (in der letzten Fassung fast 10.000 Schriftsteller)
  • 1928: Karl Bleibtreu, zeitweise einflußreicher naturalistischer Schriftsteller †. Kämpfte später gegen die Haupt- und SudermännereiLyrisches Tagebuch. Heterogene Lyrik, 1885. Bücher über militärische Fachfragen. (Lyrikzeitung)
  • 1933: „Machtergreifung“ Adolf Hitlers, in Wirklichkeit eine Machtübergabe durch Reichspräsident Paul von Hindenburg. Wolfgang Koeppen kam an diesem Tag von München nach Berlin zurück, er sagte, plötzlich habe er bemerkt, daß er jüdische Freunde hatte.
  • 1933: „Wie eine Flamme schlägt es über Deutschland auf: Adolf Hitler ist Reichskanzler! Millionen Herzen sind angezündet, Jubel und Dankbarkeit suchen nach einem Ausbruch.“ (Reichssender Köln am Abend)
  • 1933: Am Abend des 30. Januar versammelt der neue Reichsinnenminister Frick die Vertreter der Berliner Presse. Er versprach, daß die neue Regierung sich von allen Vorgängerregierungen durch eine weitgehende Wahrung der Pressefreiheit unterscheiden würde.
  • 1935: Richard Brautigan, US-amerikanischer Schriftsteller *. Sein Buch  Trout Fishing in America, Forellenfischen in Amerika, 1967, wurde ein Bestseller mit „Millionen verkaufter Exemplare weltweit“ (Writers‘ Almanac). (Lyrikzeitung)
  • 1943: Pierre-Barthélemy Gheusi, französischer Schriftsteller †
  • 1944: Hermann Kükelhaus, deutscher Dichter †
  • 1972: britische Fallschirmjäger erschießen 27 unbewaffnete Demonstranten in Derry, Nordirland, “Bloody Sunday.”

Leseecke 22

FullSizeRenderLeseecke ist eine Rubrik, die sich langsam, Stück für Stück der digitalen Veröffentlichung aller 154 Sonette Shakespeares in Günter Plessows Übersetzung und dem Originaltext (im Jubiläumsjahr 2016 bei Signaturen) anschließt und hier Leseecke und Forum zur Diskussion über die Sonette und / oder Übersetzungen sein kann. Jedenfalls ich werde an 154 Tagen (mit Zwischenraum, um durchzuschaun) mir jeweils eins der Sonette vornehmen und hier den Originaltext und zusätzliches Material anbieten. Einladung zum Pendeln von Shakespeare zu Plessow und zurück (wenns sein muß auf Umwegen über Schlegel/Tieck, Bodenstedt, George, Kraus & Co). (Die Zahl neben dem Wort Leseecke ist die Nummer des Shakespearesonetts). Zur Originalschreibweise: u / v und i / j sind fast regellos austauschbar, liue lies live, ioy lies joy.
Sonette 22-28 bei Signaturen hier
Bisherige Folgen der Leseecke hier.

22

MY glasse shall not perswade me I am ould, 
So long as youth and thou are of one date,
But when in thee times forrwes I behould,
Then look I death my daies should expiate.
For all that beauty that doth couer thee,
Is but the seemely rayment of my heart,
Which in thy brest doth liue, as thine in me,
How can I then be elder then thou art?
O therefore loue be of thy selfe so wary,
As I not for my selfe, but for thee will,
Bearing thy heart which I will keepe so chary
As tender nurse her babe from faring ill,
   Presume not on thy heart when mine is slaine,
   Thou gau'st me thine not to giue backe againe.

Einige Anmerkungen zum Text:

1 glasse Spiegel

2 are of one date gleich alt werden

forrwes furrows (Furchen, Runzeln) Gildon 1710 verbessert: sorrows

4 expiate sühnen, hier: beenden: dann hoffe ich, daß der Tod meine Tage beenden wird

6 seemely seemly (passend) rayment

9 wary wachsam

10 will: will be wary

11 chary behutsam, sanft

13 presume not on beharre/bestehe nicht auf slaine erschlagen, getötet

14 gau’st gavest

Deutsche Fassung von Stefan George:

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Quellen

  • Q = Shake-speares Sonnets. Never before imprinted (1609) (Quelle der Originaltexte)
  • B = Benson, Poems: Written by Wil. Sh. (1640)
  • Burrow = W. Shakespeare: The Complete Sonnets and Poems. Ed. Colin Burrow (Oxford World’s Classics), Oxford University Press, 2002
  • B/H = Shakespeare, The Sonnets. Hrsg. Raimund Borgmeier, Michael Hanke. Stuttgart: Reclam, 2006
  • Borgmeier = Shakespeare: The Sonnets. Die Sonette. Engl. u. in ausgewählten deutschen Versübersetzungen. Hrsg. Raimund Borgmeier. Stuttgart: Reclam, 1974

01-29

Sonntag, 29.1.
  • 1129: Minamoto no Shunrai, japanischer Dichter †
  • 1455: Johannes Reuchlin, deutscher Philosoph und Humanist *
  • 1632: Johann Georg Graevius, deutscher klassischer Philologe und Textkritiker *. Edierte Textausgaben von Hesiod (1667), CatullusTibullus et Propertius (1680) sowie verschiedene Werke Ciceros.
  • 1688: Emanuel Swedenborg, schwedischer Wissenschaftler, Mystiker und Theologe *. Immanuel Kant war von seinen Visionen gar nicht amüsiert. In seiner Schrift Träume eines Geistersehers (1766) nennt er ihn einen „Kandidaten des Hospitals“ und „Erzphantast unter allen Phantasten“, seine Arcana caelestia bezeichnet Kant als „acht Quartbände voll Unsinn“. Demgegenüber Swedenborgs Einfluß auf Künste und Wissenschaften bis heute. (Lyrikzeitung)
  • 1763: Johann Gottfried Seume, deutscher Schriftsteller * (Spaziergang nach Syrakus) 
  • 1763: Louis de Racine, französischer Dichter †.  „… le bon versificateur, fil du grand poète Racine …“ „der gute Versemacher. Sohn des großen Dichters Racine“ (Voltaire)
  • 1834: Johann Gaudenz von Salis-Seewis, Schweizer Dichter †. Seine Freunde nannten ihn die „Bündner Nachtigall“. Bunt sind schon die Wälder
  • 1845 – Das Gedicht „The Raven“ (Der Rabe) wird im The Evening Mirror in New York veröffentlicht, die erste Publikation mit dem Namen des Autors, Edgar Allan Poe. (Lyrikzeitung)
  • 1860: Ernst Moritz Arndt, deutscher Schriftsteller, Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung †. 1933-1945 und 1954-2017 Namenspate der Greifswalder Universität (Lyrikzeitung | Textkette)
  • 1863: Fryco Rocha, niedersorbischer Dichter und Schriftsteller *. Da es keine Unterrichtsmaterialien für Sorbisch gab, schrieb er Geschichten und Gedichte dafür.
  • 1888: Edward Lear, britischer Maler, Illustrator und Schriftsteller †. Edward Lears kompletter Nonsens: Limericks, Lieder, Balladen und Geschichten. „Ins Deutsche geschmuggelt“ von Hans Magnus Enzensberger. Insel, Frankfurt am Main 1977. (Lyrikzeitung)
  • 1888: Men Rauch, Schweizer Ingenieur, Politiker und Dichter *
  • 1896: Herbert Cysarz, sudetendeutscher Germanist *. Deutsche Barockdichtung. Renaissance, Barock, Rokoko. Leipzig 1924.
  • 1901: Heinrich Anacker, schweizerisch-deutscher Schriftsteller, Hitlerverehrer und Verfasser propagandistischer Lyrik * Wir werdend Volk, wir sind der rohe Stein – / Du, unser Führer, sollst der Steinmetz sein; / der Steinmetz, der mit schöpf´rischer Gewalt / den Stein erlöst von seiner Ungestalt./ Schlag immer zu! Wir halten duldend still,/ da deine strenge Hand uns formen will.
  • 1915: Halfdan Rasmussen, dänischer Lyriker *
  • 1932: Zu Mitgliedern der Preußischen Akademie der Künste gewählt: Gottfried Benn, Rudolf G. Binding, Alfons Paquet, Ina Seidel
  • 1961 In Paris entsteht Paul Celans Gedicht Tübingen, Jänner. Hier der Schluß:
    Käme,
    käme ein Mensch,
    käme ein Mensch zur Welt, heute, mit
    dem Lichtbart der
    Patriarchen: er dürfte,
    spräch er von dieser
    Zeit, er
    dürfte
    nur lallen und lallen,
    immer-, immer-
    zuzu.(„Pallaksch. Pallaksch.“)
    Mehr
  • 1962: Olga Tokarczuk, polnische Schriftstellerin *
  • 1963: Robert Frost, US-amerikanischer Dichter, vierfacher Pulitzerpreisträger †. Sprach Gedichte bei der Amtseinführung John F. Kennedys. (Lyrikzeitung | Textkette)
  • 1966: Josef Winckler, westfälischer Schriftsteller, einer der Gründer des rheinischen Autorenkreises Werkleute auf Haus Nyland,  †
  • 1991: Yasushi Inoue, japanischer Schriftsteller †
  • 2003Leslie Fiedler, US-amerikanischer Literaturwissenschaftler und -kritiker †. Führte den Begriff Postmoderne in die Literaturwissenschaft ein. Pionier der Gender- und Queer Studies
  • 2008Helga Goetze, deutsche Künstlerin, Schriftstellerin und politische Aktivistin †. Warb an der Berliner Gedächtniskirche für Ficken ist Frieden. Veröffentlichte Gedichte und stickte Bilder.

01-28

Sonnabend, 28.1.
  • 814: Karl der Große stirbt in Aachen
  • 1549: Elijah Levita, deutsch-jüdischer Dichter, Humanist und Sprachwissenschaftler †. Auch Elia Levi Ben Ascher Aschkenasi („Elia, Sohn des Ascher, genannt der Deutsche“) oder jiddisch Elje Bocher. Ritterdichtungen, Psalmenübersetzungen. Direkter Vorfahr des britischen Premierministers David Cameron.
  • 1558: Jakob Micyllus, deutscher Humanist, Dichter und Pädagoge †
  • 1582: John Barclay, schottischer Dichter und Satiriker * (Argenis, 1621, dt. von Martin Opitz, 1626)
  • 1726: Christian Felix Weiße, deutscher Schriftsteller *
  • 1750: Caroline von Herder, Ehefrau, Herausgeberin und Biografin Johann Gottfried von Herders *
  • 1754: Der Begriff Serendipity wird erstmals durch den englischen Autor Horace Walpole in einem Brief an Horace Mann verwendet für eine zufällige Beobachtung von etwas, das gar nicht das ursprüngliche Ziel einer Untersuchung war.
  • 1754: Ludvig Holberg, dänisch-norwegischer Dichter †
  • 1755: Samuel Thomas Soemmerring, deutscher Anatom, Anthropologe, Paläontologe und Erfinder, Entdecker des „gelben Flecks“ im Auge * (Über die Schädlichkeit der Schnürbrüste, Mainz 1788. Über das Organ der Seele, Königsberg 1796 (mit einem Beitrag von Immanuel Kant). Hölderlin: Sömmerings Seelenorgan)
  • 1802: Hölderlin schreibt an seine Mutter aus Frankreich: „Diese letzten Tage bin ich schon in einem schönen Frühlinge gewandert, aber kurz zuvor, auf den gefürchteten überschneiten Höhen der Auvergne, in Sturm und Wildniß, in eiskalter Nacht und die geladene Pistole neben mir im rauhen Bette – da hab‘ ich auch ein Gebet gebetet, das bis jetzt das beste war in meinem Leben und das ich nie vergessen werde.“
  • 1805: Mihály Csokonai Vitéz, ungarischer Dichter †
  • 1819: Johann Karl Wezel, deutscher Dichter, Schriftsteller und Pädagoge † (Belphegor)
  • 1820: Ádam Pálóczi Horváth, ungarischer Dichter †
  • 1829: Albrecht Ludwig Berblinger, deutscher Flugpionier (Brecht: Der Schneider von Ulm) †
  • 1853: José Martí, kubanischer Nationaldichter * (Lyrikzeitung)
  • 1868: Adalbert Stifter, kein österreichischer Heimatdichter, wie Wikipedia behauptet, sondern ein großer deutscher Schriftsteller †
  • 1877: Johann Rudolf Kölner, Schweizer Publizist und Dichter †
  • 1880: James De Mille, kanadischer Professor für klassische Literatur und Schriftsteller †
  • 1894: Felix Fechenbach, deutscher Journalist und Dichter *
  • 1900: Hermann Kesten, deutscher Schriftsteller *
  • 1901: Takahashi Shinkichi, japanischer Lyriker *
  • 1918: John McCrae, kanadischer Dichter, Schriftsteller und Mediziner † an einer Krankheit im Militärhospital in Frankreich. (Kriegsgedicht In Flanders Fields | Lyrikzeitung)
  • 1928: Akiko Baba, japanische Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin *. Sie veröffentlichte Studien zum mittelalterlichen japanischen Nō-Schauspiel, zur Tanka-Lyrik, zur Rolle der Frauen in der japanischen Literaturgeschichte und zur Figur des Teufels in der japanischen Literatur. Daneben verfasste sie selbst moderne Nō-Dramen, die unter anderem am Nationaltheater von Tokio aufgeführt wurden, und trat als Autorin von Tanka hervor. Eine Auswahl ihrer Gedichte aus den Jahren 1955 bis 1998 in englischer Übersetzung erschien 1999 unter dem Titel Heavenly Maiden Tanka.
    being alone is fine
    I am fine being alone
    the white magnolia tree
    tosses into the sky
    several hundred blossoms
  • 1933: Der „unbeschäftigte“ Schauspieler Dewald sagt zu Gustaf Regler in Imitierung von Hitlers Stimme: „Tausend Ehrengäste. Auch Herr Ernährungsminister. Na, wird sein letztes Auftreten gewesen sein. ‚Kleintier dominiert‘, sagte er. Stimmt. Stimmt überall. Dank der Sozis. Aber das wird ja jetzt bald anders werden. General ohne Rückgrat dulden wir nicht mehr lange. (…) Presse immer daneben. Noch reichlich viel Judenlümmel darunter. Sollten schon im Ausland sein. Vierzehn Jahre Marxismus sind um, nicht wahr?“
  • 1936: Ismail Kadare, albanischer Schriftsteller *
  • 1939: William Butler Yeats, irischer Dichter † (Lyrikzeitung)
  • 1940: Miguel Barnet, kubanischer Schriftsteller und Ethnologe * (El Cimarrón)
  • 1943: Manfred Jendryschik, deutscher Erzähler und Lyriker, Essayist und Herausgeber * (Lyrikzeitung)
  • 1960: Zora Neale Hurston, US-amerikanische Anthropologin und Schriftstellerin †. Hurston sammelte die Geschichten, Lieder, Tänze und Gebete der schwarzen Bevölkerung und stellte sie u.a. in einer Produktion am Broadway vor.
  • 1966: Maik Lippert, deutscher Schriftsteller * (Lyrikzeitung)
  • 1972: Dino Buzzati, italienischer Schriftsteller †
  • 1972: Radikalenerlaß
  • 1983: Bryher, britische Schriftstellerin †. Geliebte und Freundin von H.D.
  • 1987: Michail Gorbatschow fordert in seiner Rede und Schlusswort auf dem Plenum des ZK der KPdSU Reformen – Beginn von Perestroika und Glasnost.
  • 1996: Joseph Brodsky, russisch-US-amerikanischer Dichter und Literaturnobelpreisträger † (Lyrikzeitung)
  • 2008: Marie Takvam, norwegische Dichterin und Schriftstellerin †
  • 2013: Ceija Stojka, österreichische Schriftstellerin und Künstlerin, Holocaust-Überlebende †

Sinn und Form 1-2017 b) Bonnefoy und Koeppen

Auch in Sachen Lyrik ist Sinn und Form vornehm (ich sage nicht: akademisch)[✺]. Bei deutscher Gegenwartslyrik eher zurückhaltend, lieber einem kleinen Stamm von Autoren die Treue haltend als neueste Namen riskierend. Und sonst auf Klassizität und große Namen orientiert. Das erste Heft des Jahrgangs 2017 beginnt mit dem 2016 verstorbenen französischen Dichter Yves Bonnefoy großartig mit dem Abdruck des auf Deutsch noch nicht veröffentlichten Langgedichts Weiter vereint, das Elisabeth Edl und Wolfgang Matz übersetzt haben, eine Lebensbilanz, Auszug:

Was haben wir gewollt?
Nur das, den Worten einen Sinn bewahren.
Sie waren unser Becher, die Sprache,
ich hebe ihn für euch und mit euch,
sind das unsere Stimmen, dies Durcheinander
von Echos unter dem Gewölbe, dunkel, dann diese Stille?
Mit Gewalt sind Unbekannte bei uns eingedrungen,
sie gehen wie ein Wind durch uns hindurch,
und unser Saal wird voll, wird leer.

Dem folgt eine Erinnerung an Bonnefoy von Wolfgang Matz. Der „späte“ Auftritt des Dichters in Berlin im Juni 2011 wird so beschrieben:

… und als nach den mehr oder minder lauten Auftritten der zeitgenössischen Lyrik-Szene dieser alte Mann langsam auf die Bühne ging und anhob zu seiner wie aus der Zeit gefallenen, feierlichen, sehr französischen Rezitation, da spürte man ergriffenes Staunen bei dieser Begegnung mit etwas fast Vergessenem: der großen Poesie.

Ja, so ist Sinn und Form. Staunenswert Matz‘ Bericht vom späten Bonnefoy. Am 1. Juli 2016 ist er gestorben. Wenige Wochen zuvor  waren noch zwei Bücher erschienen, das eine beginnt mit dem Gedicht Weiter vereint. Das Spätwerk, schreibt Matz, verändere „in extremis den Blick auf Yves Bonnefoys gesamtes Werk, ja dieses gesamte Werk selber“. Bonnefoy, der einen 1964 begonnenen Text vernichten wollte und ihn zuvor noch einmal liest, „glaubt … zum ersten Mal seinen eigenen Text, glaubt sich selber zu verstehen und damit auch das, was das Gedicht immer unabschließbar gemacht hat“. Weder verbrennt er es noch schreibt er es einfach fort, sondern er fügt ihm eine ungewöhnliche „Selbsterforschung, Selbstdeutung“ hinzu, nicht um anderen seine Poetologie zu erklären, sondern um für sich selber herauszufinden, „was ihn angetrieben hat sein ganzes langes Leben“. An der Übersetzung dieses Buchs, „L’écharpe rouge“ (Der rote Schal) wird gearbeitet. Sinn und Form, wie ich sie liebe.

Auch Ulla Berkéwicz schreibt Erinnerungen auf. Erinnerung ist vielleicht das Schlüsselwort für die Vornehmheit dieser Zeitschrift. Nicht die Niederungen der Gegenwart sind ihr Feld, sondern die durch Erinnerung beschworene große Zeit. Sie schreibt Erinnerungen an Wolfgang Koeppen. Was für ein Elternhaus:

Koeppen kannte ich von Kindesbeinen, im Elternhaus wurde er vorgelesen, und für die Prosaverse gab’s dort ein Flügelwort: „Koeppen“. Koeppen wie Jazzen wie Rocken.

Berkéwicz schreibt wider den öffentlichen Unsinn über Koeppen. Wunderbar diese Szene:

Einmal stellte er sich: „Meine Herren, Ihre Fragen machen mich verlegen, meine Antworten werden mir schaden“, sprach er freundlich lächelnd und fuhr fort: „Ich durfte jung die Carceri von Piranesi betrachten und bin in diesem bewundernswerten grausamen Labyrinth verirrt geblieben, gefesselt, geängstigt und unbegreiflich entzückt. Es war die Gewalt des Ästhetischen, des Möglichen, des Spiels. Vielleicht aber war mir aufgegeben, nach einem Ausweg zu suchen, den ich nicht finden werde. – Vergessen Sie also alle Deutungen und das Mißgefasel. Es ist komplizierter, meine Herren. Die Idee ist zu erschreckend für die Schreibmaschine.“

Und auf die Frage: „Wie lenken Sie sich von der Verzweiflung ab?“ antwortete er: „Ich lenke mich überhaupt nicht ab, ich riskiere den Wahnsinn.“

Sinn und Form 1/ 2017. 69. Jahr. 144 Seiten, 11 Euro

[✺]

aka|de|misch <Adj.>:

1. an einer UniversitäŠt od. Hochschule erworben, erfolgend, Ÿüblich, vorhanden: eine -e Position; a. [vor]gebildet sein.

2. a) (bild. Kunst abwertend) herköšmmlich u. formal musterhaft, aber unlebendig u. ohne Verve: eine Kunst von -er BläŠsse; ein a. gemaltes PorträŠt;

b) (abwertend) lebensfern, trocken, theoretisch, voller Abstraktionen: ein in -em Stil verfasster Aufsatz;

c) mŸüßig, üŸberflŸüssig: wenn es bei diesem Preis bleibt, wird die Frage sowieso a.

© Duden – Deutsches Universalwöšrterbuch, 6. Aufl. Mannheim 2006 [CD-ROM].

Haftstrafe wegen Kritik an Erdoğan

Der türkische Dichter Yılmaz Odabaşı wurde am Mittwoch zu 20 Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt, weil er in einer Kolumne im Jahr 2015 den Präsidenten beleidigt haben soll.

Das Innenministerium hatte im vergangenen Monat mitgeteilt, daß gegen 10.000 Menschen Untersuchungen wegen Verdachts auf „terroristische Propaganda“ oder Beleidigung hoher Beamter in sozialen Medien laufen. In den letzten 6 Monaten seien 1656 Benutzer sozialer Medien verhaftet worden. 1203 davon seinen „zur Bewährung“ entlassen worden. Die Zusammenarbeit mit Twitter, Facebook, Youtube und nationalen und internationalen Providern sei auf eine neue Stufe geführt worden.

Die neuen Verordnungen zum Ausnahmezustand vom 6. Januar erlauben es der Polizei, Informationen über die Identität von Internetnutzern einzuholen. / turkeypurge.com

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Namaste*

Willkommen bei Lyrikzeitung & Poetry News!. Sie finden hier 1. Tageszeitung: Jeden Tag um sechs ein Gedicht 2. Journal #04 – 2025 | #03 – 2023 | #02 – 2022) | #01 (Morgensternfest, 2021), 3. Archiv: viele tausend Nachrichten seit dem 1. Januar 2001.
– 15.000 Artikel, 2500 Abonnenten, 3 Millionen Klicks für Poesie –

*) Der Begriff setzt sich zusammen aus den Silben nama (verbeugen), as (ich) und té (du). Übersetzen lässt sich Namasté also mit „Verbeugung zu dir“ oder „Ich verbeuge mich vor dir“. Damit drückt man Ehrerbietung aus und erkennt die Anwesenheit des Gegenübers dankbar an. (Google)

Sie können uns bei WordPress abonnieren (siehe rechts).

L&Poe ’17-03

Liebe L&Poe-Leserinnen und -Leser,

img_4431seit Ende 2000 gibt es die Lyrikzeitung, 15 Jahre als Tages-, jetzt als Wochenzeitung. Jeden Freitag neu mit Nachrichten aus der Welt der Poesie. Poetry is news that stays news, sagt Pound. Heute mit: Hefter, Jeschke, Trump, Khider, Draesner, Orwell in Moskau und mehr. Weiter mit Shakespeare: Sonett 21 im Original und deutsch von Max Josef Wolf mit Anmerkungen. Viel Afrika! Im übrigen: 20. Jänner ist Lenztag und alle vier Jahre Inauguration day. Spruch der Woche: Hör auf zu leben, lies! Lesen!

Als Ganzes lesen    

Die Themen in dieser Ausgabe

[✺]

Das neue Gedicht

Martina Hefter

Auszug aus Die Halbtoten. Dramatische Dichtung

Der Igel da.

Was?

Er schaut so treuherzig.

Ich finde ja, er schaut kritisch.

Ich dachte erst, der Umriss des größten Igels wäre ein Feuer.

Doofe Avatare.

Ich hätt lieber was anderes gebastelt. Was Abstrakteres. Einen viereckigen belanglosen Raum.

Na da sitzt du doch tagaus tagein drin.

Gerade deswegen. Ich hätt gern ein Modell davon.

O Hybris.

Den belanglosen Raum kannst du herstellen, indem du ein kleines Fliegenpilzhäuschen auf das große klebst, und auf das kleinere noch kleineres.

Und dann noch ein kleineres.

Genau. Und noch eins. So lang, bis der kleinste Fetzen Buntpapier nicht mehr faktisch ist.

Bis ich da fertig bin, bin ich ja faktisch tot.

Tot bis du, wenn du belanglosen Raum gar nicht mehr definier kanns.

Schaut mal, ich hab mal schnell einen kleinen belanglosen Raum gebastelt. Einfach die vier Ecken eines Quadrats umgeschlagen, dann die Querseiten umgeklappt, einmal auf die andere Seite gedreht, die entstandenen Falzen an den eingeklappten Ecken rausgezogen, und dann in die Mitte ein Loch.

Wozu denn das Loch?

Damit Licht reinfällt.

Sehr schön. In der Zeit, die du da rumgebastelt hast, hast du trotzdem keinen Besuch bekommen. Da hättest du auch einen Igel basteln können.

Er hat ja eh kein Freund, die ihn besuch könnten. Alle längs tot.

Bei wem ist der belanglose Raum gerade?

Ich hab ihn! Hier, fang!

Hepp!

Gib!

Los, zu mir!

Da! Stülp ihn dir drüber!

Kuckuck!

Jetzt hört doch auf mit den Faxen. Ich will meinen Kako- Kaba- Kato-

Kakao.

Mit freundlicher Genehmigung der Verfasserin. Aus einem 2018 bei Kookbooks erscheinenden Buch.
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America I (Writers resist)

On Martin Luther King Jr. Day, some of America’s most celebrated authors gathered on the steps of the New York Public Library to protest Donald Trump’s attacks on freedom of speech.

Poet Laureate Robert Pinsky wrote a poem for the occasion, inspired by the battles against oppression of Gwendolyn Brooks and Polish poet Czesław Miłosz. “Now my fellow dissidents, we endure a moment of charismatic indecency. Charismatic indecency and sanctimonious falsehood beyond shame. Our polish grandfather Milosz and our African American grandmother Brooks endured worse than this. First fight then fiddle, she wrote,” read Pinsky from the poem.
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Donald The Scot

Als ich es las, hielt ich es für Parodie und mußte lange nach Anzeichen dafür suchen. Aber es gab keine, alles war blutiger Ernst. „Ein von Schottland inspiriertes Gedicht für Trumps Inauguration“ hieß die Überschrift. Das Gedicht nennt Obama einen Tyrannen, dessen usurpierte Macht ihm von Held Domhnall (schottisch für Donald) aus den Klauen gerissen wird. Held Domhnall rettet auch die Frauen, die Schwarzen und die Einwanderer (natürlich die Richtigen, z.B. Schotten, nicht die mörderischen Horden aus der Hölle Mexiko. Leider keine Parodie! Mehr hier
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Amerika III

Mathias Jeschke

Inauguration

Mann TRUMP, geh mir FORD! Ich KENNEDY,
ich weiß, was für ein LINCOLN Typ du bist!
Was WILSON POLK wie du schon bewirken,
wer kauft denn schon den CARTER im BUSH!
FILMORE müsste ein ganz, ganz andrer her,
NIXON fetter GARFIELD im REAGAN wie du,
Ein Typ, sehr COOLIDGE und TAFT, ja, Mann,
das wäre HAYES, das ist TRUMAN! Nun aber:
Möge bloß der Höchste sich unsrer OBAMA!

mathiasjeschke.de
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Chamissopreis für Abbas Khider

Der Schriftsteller Abbas Khider erhält den mit 15.000 Euro dotierten Adelbert-von-Chamisso-Preis der Robert Bosch Stiftung (der 2017 zum letzten Mal vergeben wird). Mit diesem Preis wird sein bisheriges Gesamtwerk geehrt. Darin erweise sich Abbas Khider „als sprachsensibler Beobachter der Verzweiflung, Verstörtheit, Wut und Hoffnung junger Männer, die ihre Heimat verlassen müssen und Zuflucht in Europa suchen“, so die Begründung der Jury.

(…) Abbas Khider wurde 1973 in Bagdad/Irak geboren. Aus politischen Gründen verfolgt, floh er 1996 aus dem Land. Vier Jahre lang zog er als illegaler Flüchtling durch Jordanien, Libyen und die Türkei. 2000 beantragte er in Deutschland Asyl, studierte in München und Potsdam Philosophie und Literaturwissenschaft. Heute lebt Abbas Khider in Berlin. Er veröffentlichte Gedichte in arabischer und in deutscher Sprache. Für seinen ersten Roman „Der falsche Inder“ (2008) erhielt er 2010 den Chamisso-Förderpreis. Mehr
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What is poetry?

Die Frankfurter Neue Presse berichtet über die erste Poetikvorlesung von Ulrike Draesner:

Und dann erging es ihr wohl ähnlich wie in dem Lyrikband „Subsong“ von 2014, einer sehr experimentellen Sprach- und Klang-erforschungsreise in Buchform. „What is poetry?“ heißt eine Gedichtüberschrift, ziemlich zum Schluss. Doch ausgerechnet unter diesem sehr theoretischen Titel wird Draesner so handlungsprall wie kaum je zuvor. Auf einmal nämlich, wenn alle Möglichkeiten ausgelotet und Grenzen immer wieder überschritten wurden, schießen Sprache, Laut, Satz und Handlung zusammen zur Geschichte. Dem Geheimnis auf die Spur zu kommen heißt immer auch: es als solches zu akzeptieren.

(…) In den nächsten Vorlesungen wird es weitergehen mit dem Roman, der Lyrik, der Übersetzung und dem Schreiben nach der Natur.

Campus Westend, Hörsaal 1, Frankfurt, bis 7. Februar, immer dienstags, 18.15 Uhr. Am 23. Januar liest Draesner um 19.30 Uhr im Literaturhaus Frankfurt

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Animal Farm I

Russischer Dichter Alexander Byvshev wird erneut wegen eines Gedichts zur Unterstützung der Ukraine angeklagt – unter sehr Orwellschen Umständen. (Sein russischer Wikieintrag ist mal vorsorglich verschwunden) Hier
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Animal Farm II: Welche Mitgliederliste?

L&Poe berichtete vergangene Woche, daß die weißrussische Autorin Swetlana Alexijewitsch, Literaturnobelpreisträgerin, das russische PEN-Zentrum verlassen hat. Jetzt erklärt das PEN-Zentrum, Alexijewitsch sei nie Mitglied  gewesen. Außerdem hätten nur 10% der Mitglieder protestiert, 90% unterstützten die Politik des Zentrums. Lesen Sie hier
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Die Shakespeare-Leseecke

geht weiter mit Sonett #21: SO is it not with me as with that Muse, deutsch von Max Josef Wolff: Nicht jener Muse gleichet mein Gedicht. 

 

 Hier die aktuelle und alle bisherigen Folgen

fullsizerender-37

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Gestorben
  • Am 14. Januar starb der portugiesische Architekt, Historiker, Essayist und Dichter Carlos Antero Ferreira (84)
  • Am 14. Nicolás del Hierro (82), spanischer Dichter (geb. 1934)
  • Am 15. der pakistanische Dichter Nasir al-Din Nasir Hunzai (100)
  • Am 16. der dominikanische Dichter und Schriftsteller Federico Jóvine Bermúdez (72)
  • Am 17. der polnische Dichter und Denker Marian Janusz Kawałko
  • Am. 18. der südafrikanisch-jamaikanische Schriftsteller Peter Abrahams (97). Abrahams wurde 1919 als Sohn eines Äthiopiers und einer Südafrikanerin mit afrikanischen und französischen Wurzeln geboren. Erste Texte und Gedichte erschienen in der Zeitung Bantu World. Er wurde wegen Landesverrats angeklagt und emigrierte nach England. Seit 1956 lebte er in Jamaika.
  • Am 18. der brasilianische Dichter und Herausgeber Toninho Mendes (geb. 1954)

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Neue Zeitschriften
  • Sinn und Form 1/2017. Wir aber haben viel nachzuholen. (Während populistische Politiker und Richter von aufgezwungener Völkermischung faseln.) Schwarze Literatur in Afrika und Amerika. Yves Bonnefoy. Elisabeth Borchers. Giorgos Seferis. Mopsa Sternheim. Alain Mabanckou. Hier
  • Ygdrasil. Journal of the Poetic Arts. January 2017. VOL XXV, Issue 1, Number 285 Editor: Klaus J. Gerken European Editor: Mois Benarroch. Contributing Editor: Jack R. Wesdorp. ISSN 1480-6401
    Gedichte von Holly Day, Shawn Chang, SIMON PERCHIK, Mark Young, Patricia Walsh, Changming Yuan, R. N. Taber, RD Larson
    Download

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Kurz gesagt
  • Das gegenwärtige Deutschland hat die Fremden akzeptiert; es war eine exemplarische Aktion, auch wenn sie riskant war, oder gerade weil sie in einer Zeit des religiösen und sonstigen Terrorismus so riskant war und ist. Eine große Rehabilitierung Deutschlands, eine große Frage für das Volk dieses Landes, das sich zurecht um die Zukunft sorgt. / Norman Manea: Exil und Kreativität. In: Sinn und Form 1/2017, S. 138
  • „Der Tod ist so alltäglich wie das Glas,/aus dem man, seinen Durst zu löschen, trinkt“ Hans Keilson, hier zu einer deutsch-niederländischen Ausgabe
  • Hör auf zu leben, lies! Mit dieser Maxime des portugiesischen Dichters Fernando Pessoa war eine Besprechung in der Los Angeles Times überschrieben. / LAT 30.9.01
  • «Wie der große Schweizer Dichter Carl Spitteler, Literatur-Nobelpreisträger, sagte: das größte Glück ist es, Freunde zu finden, mit denen wir die Atemluft und das Schicksal teilen» – Sagte der chinesische Präsident Xi Jinping beim Staatsbesuch in der Schweiz. Spitteler ist der einzige Schweizer, der den Literaturnobelpreis erhalten hat (1919). Das Zitat von mir aus der französischen Quelle rückübersetzt, die Quelle konnte ich nicht auffinden. Im Internet kursiert ein Spruch, der dem nah kommt: «Menschen zu finden, die mit uns fühlen und empfinden, ist wohl das schönste Glück auf Erden.» (mglw. aus: „Prometheus und Epimetheus“, 1881) – Vielleicht aus dem Chinesischen rückübersetzt? Eine schöne Übersetzungs-Irrfahrt: Deutsch – Chinesisch – Französisch – Deutsch.

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Kurz berichtet
  • Jacob Polley bekommt den TS Eliot-Preis 2016 für „Jackself“, laut Jury “ein Feuerwerk von einem Buch” / Guardian
  • In Vietnam wurden sieben Literaturpreise für 2016 vergeben, darunter zwei für Lyriker. Nguyen Viet Chien: To Quoc Nhin Tu Bien (Homeland From the Sea); Y Phuong: Vu Khuc Tay (Tay Dances), Vietnamesisch und in der Sprache der ethnischen Minderheit der Tay / Mehr
  • Ganz im Zeichen der Lyrik steht das Wochenende von Freitag bis Sonntag, 27. bis 29. Januar in Basel. Mit einem abwechslungsreichen Programm, für das die Basler Lyrikgruppe (Rudolf Bussmann, Wolfram Malte Fues, Claudia Gabler, Rolf Herrmann, Simone Lappert und Kathy Zarnegin) verantwortlich zeichnet, soll den Besuchern Einblick in die aktuelle Vielfalt des Genres gegeben werden: Neben einem Abend mit der Nobelpreisträgerin Herta Müller erwarten die Besucher ein Rundgang zum 100. Geburtstag des Basler Dichters Rainer Brambach und ein Workshop, in dem diese selbst dichterisch tätig werden können. / Mehr

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Meine Tweets der Woche

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Kalendarium 21.-27.1.

Kommenden Donnerstag ist Australia Day. Wieso werden so viele Fußballer am 26.1. geboren? Diese Woche Gedenktage für einen König, der im 18. Jahrhundert Homosexuelle vorm Tode rettete, sowie für Matthias Claudius, Joseph Scaliger,  John Donne, Rainer Brambach (100. Geburtstag), Jakob Michael Reinhold Lenz, Jesse Thoor, Derek Walcott, Ernst Blass, Wilhelm Klemm, Kaiser Hadrian, Peter Paul Zahl, Robert Burns, Dorothy Wordsworth, Eva Zeller, Wladimir Wyssozki, Gérard de Nerval und viele andere. Lesen Sie hier

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Rückblende L&Poe Oktober 2001

Thomas Kling und die Poeterey der Adenauer-Generation. Fundamentalisten schaffen es nicht und sind stolz darauf. Dank des Zaubers der Poesie darf das Wort auch in Volkes Munde immer wieder werden, was es bei Hafis von Haus aus war: fromm, frech und frei. Abu Nuwas (763 ca. 813) besang in höchst provokanter und heftiger Weise den Wein, der im Islam verboten ist, und die homosexuelle Liebe. Dafür wurde er ausgelöscht. Dies und viel mehr hier. Alle bisherigen Rückblenden hier.
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Zuguterletzt die wöchentliche Poetopie

des Berliner Schriftstellers Hansjürgen Bulkowski.

nach den schweren Stürmen ruht auf dem Boden ein leichter Schnee

Seit 2013 versendet Hansjürgen Bulkowski wöchentlich einen Aphorismus als Poetopie per eMail, 2013-16 sonntags in der Lyrikzeitung und von nun an jeden Freitag im L&Poe-Digest.

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Animula, vagula, blandula

Ein großartiges Gedicht des römischen Kaisers Hadrian (76-138), das mich immer fasziniert hat, besonders weil die ohnehin schwierige und rätselvolle lateinische Grammatik von einer Art Wortmetrik (nicht unähnlich den Klopstockschen Wortfüßen) beherrscht wird: 3 der 5 Verse bestehen aus 3 Wörtern. Ich wünschte, man könnte das auch so übersetzen.

Animula, vagula, blandula
Hospes comesque corporis
Quae nunc abibis in loca
Pallidula, rigida, nudula,
Nec, ut soles, dabis iocos.

Meine Rohübersetzung begänne mit

Seelchen, huschendes, holdes

Hier eine gelehrte, „zwar nicht wörtliche, aber dem Sinne nach richtige und gefällige Übersetzung“ (Quelle):

Mein Seelchen, freundliches Seelchen du,
so wanderlustig immerzu,
dein Leib war nur dein Gasthaus und nun
sollst du die letzte Reise tun
in jenes Reich,
wo alles so öd‘ und kahl und bleich,
in jene Nacht,
wo keiner mehr deine Spässchen belacht.

Hier eine von vielen englischen Übersetzungen (mehr hier)

Spirit fleeting, fluttering, seeing,
Friend and partner of my being,
Tarrying yet on earth and living;
Pallid, rigid, shalt thou roam
Sad, in shades and cheerless gloom,
Then no longer pleasure giving.
—REV. H. M. SCARTH

Hier noch eine automatische Googleübersetzung, nicht sehr sinntreu, aber poetisch dem Original nicht ganz unnah:

Kleine Seele, huschen, blandida
Die Gäste body count
Und abfahren jetzt an Orten
Pallidula, starr, blank,
Ebenso wenig, wie Sie es gewohnt sind, werden Sie Witze geben

 

Leseecke 21

FullSizeRenderLeseecke ist eine Rubrik, die sich langsam, Stück für Stück der digitalen Veröffentlichung aller 154 Sonette Shakespeares in Günter Plessows Übersetzung und dem Originaltext (im Jubiläumsjahr 2016 bei Signaturen) anschließt und hier Leseecke und Forum zur Diskussion über die Sonette und / oder Übersetzungen sein kann. Jedenfalls ich werde an 154 Tagen (mit Zwischenraum, um durchzuschaun) mir jeweils eins der Sonette vornehmen und hier den Originaltext und zusätzliches Material anbieten. Einladung zum Pendeln von Shakespeare zu Plessow und zurück (wenns sein muß auf Umwegen über Schlegel/Tieck, Bodenstedt, George, Kraus & Co). (Die Zahl neben dem Wort Leseecke ist die Nummer des Shakespearesonetts). Zur Originalschreibweise: u / v und i / j sind fast regellos austauschbar, liue lies live, ioy lies joy.
Sonette 15-21 bei Signaturen hier
Bisherige Folgen der Leseecke hier.

21

SO is it not with me as with that Muse, 
Stird by a painted beauty to his verse,
Who heauen it selfe for ornament doth vse,
And euery faire with his faire doth reherse,
Making a coopelment of proud compare
With Sunne and Moone, with earth and seas rich gems:
With Aprills first borne flowers and all things rare,
That heauens ayre in this huge rondure hems,
O let me true in loue but truly write,
And then beleeue me, my loue is as faire,
As any mothers childe, though not so bright
As those gould candells fixt in heauens ayer:
   Let them say more that like of heare-say well,
   I will not prayse that purpose not to sell.

Einige Anmerkungen zum Text:

1 that Muse jener Dichter (mit mir verhält es sich anders als mit jenem Dichter)

Stird stirred, inspiriert, stimuliert painted beauty a) übermäßig geschminkte Schönheit b) zweitrangige Darstellung

reherse rehearse, aufsagen, wiederholen, vielleicht: vergleichen

coopelment couplement, „Verkupplung“. Kann sich auch auf den Akt des Vergleichens (mit Sonne, Mond etc.) beziehen. Gildon 1710 schlägt vor: Complement Ergänzung, Vervollständigung

rondure Rund, hier: Erdenrund hems säumt, umrandet

10 ayer air

14 „ich will (dich) nicht anpreisen, weil ich dich nicht verkaufen will“

 

Deutsche Fassung von Max Josef  Wolff:

Nicht jener Muse gleichet mein Gedicht, 
Die aufgeschminkte Reize nur entflammen, 
Die, sich zu putzen, von dem Himmel spricht 
Und alle Erdenschönheit trägt zusammen, 
Um sich in prunkendem Vergleich zu paaren 
Mit Sonne, Mond, dem Schatz der See, der Welt, 
Dem jungen Lenz und allem Wunderbaren, 
Das sich gestaltet unterm Himmelszelt. 
Nein, wahr, wie ich empfinde, will ich singen, 
Und schöner, glaubt mir, ist kein Erdenkind 
Als meine Liebe, wenn auf Ätherschwingen 
Die goldnen Leuchten auch noch schöner sind! 
Laß andre schwatzen, mehr will ich nicht sagen, 
Ich will die Liebe nicht zu Markte tragen.

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Quellen

  • Q = Shake-speares Sonnets. Never before imprinted (1609) (Quelle der Originaltexte)
  • B = Benson, Poems: Written by Wil. Sh. (1640)
  • Burrow = W. Shakespeare: The Complete Sonnets and Poems. Ed. Colin Burrow (Oxford World’s Classics), Oxford University Press, 2002
  • B/H = Shakespeare, The Sonnets. Hrsg. Raimund Borgmeier, Michael Hanke. Stuttgart: Reclam, 2006
  • Borgmeier = Shakespeare: The Sonnets. Die Sonette. Engl. u. in ausgewählten deutschen Versübersetzungen. Hrsg. Raimund Borgmeier. Stuttgart: Reclam, 1974

Writers resist

On Martin Luther King Jr. Day, some of America’s most celebrated authors gathered on the steps of the New York Public Library to protest Donald Trump’s attacks on freedom of speech. In a protest called „Writers resist,“ Michael Cunningham, Laurie Anderson, Moustafa Bayoumi, Rick Moody, Art Spiegelman, Jacqueline Woodson, Eve Ensler, and dozens of others read poems and texts to guide contemporary Americans as they embark on the path of resistance to Trump’s administration. George Orwell, Allen Ginsberg and even Frank Zappa (offered by Art Spiegelman) were popular choices – as was, understandably, Martin Luther King.

„Our focuses used to be violation of freedom of the speech that happen abroad. We never dreamed that we would be turning our attentions at home, at the level we now need to,“ said Andrew Solomon, president of PEN America, a literary association that works to protect open expression. “As Chairman Mao and Joseph Stalin have started by going after the intellectuals whose words might form an opposition, so Trump started by going after us. We are the ground zero for his fight for total power,” he said, addressing New Yorkers holding protest banners and portraits of James Baldwin, Junot Diaz and Gwendolyn Brooks.

(…)

Poet Laureate Robert Pinsky wrote a poem for the occasion, inspired by the battles against oppression of Gwendolyn Brooks and Polish poet Czesław Miłosz. “Now my fellow dissidents, we endure a moment of charismatic indecency. Charismatic indecency and sanctimonious falsehood beyond shame. Our polish grandfather Milosz and our African American grandmother Brooks endured worse than this. First fight then fiddle, she wrote,” read Pinsky from the poem.
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“Language is the tool we use to build our political and democratic structures.” How writers are resisting Trump (and suggestions on how to give back). | Boston.com, GOOD Magazine

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L&Poe Rückblende – Oktober 2001

Thomas Kling lebt und kommt auch im Oktober öfter vor

Z.B. hier

„Das Abscannen von Gesichtsdaten“ nannte Thomas Kling in seiner Laudatio das poetische Verfahren von Friederike Mayröcker, und es ist, als hätten die jungen Lyriker eine Ahnin im alten Wien gefunden: eine Meisterin des physiognomischen Denkens, eine Dichterin, deren Poesie dem Körper verfallen ist, in des Wortes doppelter Bedeutung – und eine wunderliche Vortragskünstlerin: Denn was ist diese müde, mürbe, eintönige Stimme, die da aus dem schwarzen Vorhang der Haare und der lose hängenden Kleider hervordringt, wenn nicht ein leibhaftiges memento mori? / THOMAS STEINFELD, Süddeutsche 29.10.01

Und hier

„Ohne Österreich und die österreichische Literatur hätte ich einpacken können. Ich habe es geschafft, früh genug nach Wien zu gehen“, so Thomas Kling , erster Preisträger des Ernst Jandl Preises für Lyrik in seinen Dankesworten.

Poeterey der Adenauer-Generation

…und immer wieder die Aversion gegen die Poeterey der Adenauer-Generation: Noch liegt das Zischen der «Brandpfeile» in der Luft, die Kling in seiner Essaysammlung «Botenstoffe» gegen Enzensberger und Co. abgefeuert hat. … Kling ist Spurenleser, Zeichendeuter, Cross-Overianer, hat das Naheliegende mit dem «Fernhandel» kurzgeschlossen, fast «exzessiv» gedrängt von kulturarchäologischem Trieb und sprachlistiger Metaphernstürmerei. Bild- und Gemäldegedichte, auditiv einverleibbar, aus Zeit wird Schall und Raum, der Dichter zum «Ohr, mit dem das Hören erst erschrieben werden muss» («brennstabm»). /Alexander Marzahn , Basler Zeitung 24.10.01

Schule für Dichtung

„die sfd ist ein autonom verwaltetes institut, das sich inhaltlich und formal an der amerikanischen „jack kerouac-school of disembodied poetics“ orientiert. kein wunder, daß ober-beatnik allen ginsberg als einer der ersten dichtenden gastdozenten nach wien geladen wurde. die lehrkräfte werden über ein multinationales netzwerk rekrutiert, dem namhafte dichterfürsten wie ernst jandl, gerhard rühm oder gabriel garcia marquez angeschlossen sind. sechs unterrichtseinheiten à zwei stunden sind die basis der klassen; performances und symposien kommen begleitend hinzu.“
from rolling stone, dezember 1998
(Homepage der sfd )

Poesie gegen Gewalt: Adolf Muschgs Rede

Der kulturstiftende Spielwitz des Hafis: Mir ist in diesen Wochen kein vergleichbares Heilmittel gegen Gewalt vorgekommen. Ich habe seine Wirkung auch an den Umgangsformen gespürt, mit denen unsere Gastgeber der Gewalt in New York und Afghanistan begegnen: Sie haben von ihren Folgen mehr zu fürchten und lassen sich von dieser Furcht weniger beherrschen. Sätze wie: „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns.“ Oder geiles und ahnungsloses Gerede über den „Clash of Civilizations“ kommen Leuten, die Hafis lesen können, wie er seinen Koran gelesen hat, nicht über die Lippen, auch nicht angesichts des Komplexes „Terrorismus“. … Gerade heute ist es zumutbar, in ein und derselben Person zugleich guter Amerikaner und guter Nichtamerikaner, Muslim und Nichtmuslim, Jude und Nichtjude zu sein. Fundamentalisten schaffen es nicht und sind stolz darauf. / Adolf Muschg, FR 31.10.01

Hafis-Orakel

Goethe stach sich mit der Nadel Botschaften zur Lebenshilfe aus dem „Divan“; jetzt erfahren wir, daß man im Iran bis heute das Hafis-Orakel befragt, vom religiösen Führer des Landes bis zum Müllmann. Und vor allen andern die Liebenden. Hafis genießt als Dichter der Liebe im nichtarabischen Persien kaum geringere Autorität als der heilige Koran, dem der Dichter seinen Ehrennamen „Hafez“ verdankt. Nur: Dieser „Bewahrer des Korans“ verfügte über 99 Lesarten von Allahs Wort, und über vier gleichermaßen bindende Kommentare dazu. Als verfügte keiner über ihn, und seine Poesie blieb vergleichsweise ungebunden. Dank ihres Zaubers darf das Wort auch in Volkes Munde immer wieder werden, was es bei Hafis von Haus aus war: fromm, frech und frei. / Adolf Muschg, FAZ 30.10.01

Auch er schrieb Gedichte

Am Flughafen in Mashad hatte der Taxifahrer seinen abgegriffenen Hafez am Sitz neben sich liegen, wollte zuerst wissen, wie alt ich sei und las mir dann, bevor er sich erkundigte, wohin er mich noch bringen könne, den Anfang der 37. Ghasele vor, übersetzte und legte ihn mir aus. Er setzte mich an einem der großen Hotels gegenüber des Komplexes, in dem der Heilige Schrein steht, eine golden aufglänzende Kuppel, zu der alle Straßen führen. Auch er schrieb Gedichte. / Raoul Schrott, SZ 27.10.01

Man muß die Dichter verbrennen

In einer ähnlichen Entwicklung und im gleichen kulturellen Klima Bagdads fanden in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts großartige poetische Umwälzungen statt, die praktisch das Gegenstück zu der poetischen Revolution waren, die im 19. Jahrhundert in Frankreich stattgefunden hat. Es gab damals Dichter, die einem Baudelaire entsprachen, einem Verlaine, einem Rimbaud, sogar einem Mallarmé , eben in dem Auftreten eines sich radikal widersetzenden Individuums und die in sehr starker Weise die sprachliche Überschreitung als Motor des Gedichts geltend machten. Eines der wichtigsten Beispiele wurde von einem persischen Dichter gegeben, der aber in Arabisch schrieb, Abu Nuwas (763 ca. 813). Er war der Dichter, der in höchst provokanter und heftiger Weise den Wein besang, der im Islam verboten ist, und in seinen Amouren die homosexuelle Liebe. Das führt zur vielleicht lebendigsten Dichtung, die man heute lesen kann, in einer so lebendigen Sprache, als sei sie gestern geschrieben worden. … Wenn man zum Buchstaben des Islam zurückkehren möchte, muß man die Sufis und Theosophen verbrennen, die gewagt haben, frei zu denken wie Ibn Arabi, sie auf den Index setzen oder verbieten. Man muß die Märchen aus Tausendundeiner Nacht verbrennen und so weiter. Man wird dazu übergehen, einen sehr berühmten Dichter auszulöschen, ich habe ihn schon erwähnt, den Freidenker von Bagdad aus dem 9. Jahrhundert, Abu Nuwas . Man muß also feststellen, daß das Aufkommen dieses Islam der reinen Lehre gegen den Islam selbst als Kultur und Gesellschaftsordnung gerichtet ist./ Abdelwahab Meddeb: DIE KRANKHEIT DES ISLAM, in: Lettre international  54/ Herbst 2001

Und die Lyrik der Gegenwart?

Für die Haltbarkeit und Lebensdauer von Robert Gernhardt-, Durs Grünbein-, Sarah Kirsch- oder Thomas Kling-Gedichten gibt es derzeit zwar günstige Prognosen. Eine vorauseilende Sitzplatzreservierung für Gegenwartsdichter im Lyrik-Kanon ist aber noch nicht möglich. / Michael Braun , Basler Zeitung 1.10.01

Celan Realist

Er sah, dass Celan kein hermetischer L’art-pour-l’art-Dichter war, sondern «Realist» auf seine Weise. – Marina Dmitrieva-Einhorn hat die kostbaren Briefe, die ihr Vater und Celan zwischen 1944 und 1967 tauschten, behutsam und kenntnisreich ediert. / Beatrice von Matt, NZZ 27. Oktober 2001

Our modern problems

I don’t say that our modern problems are properly faced as they should be; they are solved in a hugger-mugger, bad fashion; but to wait till you get absolute values which you’ll never ever achieve that is infantilism or quixotic incompetence, to say the least.

Das ist kein Kommentar zur Weltlage – jedenfalls nicht zur jüngsten. Das schreibt Vater Ginsberg an Sohn Ginsberg (Allen). Ihr Briefwechsel erschien unter dem Titel “Family Business“ bei Bloomsbury in New York. NYT  30.9.01

Popular Poetry?

The Associated Press report of Billy Collins’s appointment as poet laureate in June was a document of startling philistinism. Under the headline „Popular Poet Named U.S. Laureate,“ it began: „Billy Collins, a popular poet who makes money at the job, is becoming the 11th U.S. poet laureate….Collins can collect $2,000 for a single reading of his poetry and Random House has reportedly offered him a publishing contract of at least $100,000 for three books….His one-year post as laureate will net him a $35,000 salary, a Washington office at the Library of Congress and few duties except to give more readings.“ Nor does Collins’s new publisher hesitate to beat the drum. The dust jacket of Sailing Alone Around the Room announces that Collins’s „last three collections of poems have broken sales records for poetry.“ All of this man-bites-dog astonishment condescends to poetry, where such small sums count as fortunes. Yet the very existence of a „popular poet“ is reassuring for an art seemingly doomed to ivory-tower irrelevance.

Collins’s verse makes clear, however, that his ideal reader is by no means the man on the street.

Sailing Alone Around the Room: New and Selected Poems by Billy Collins (Random House, 172 pp., $21.95) / Adam Kirsch, The New Republic 10.29.01

Tadeusz Rózewicz 80

Geboren wurde Rozewicz am 9. Oktober 1921 im polnischen Radomsko. Der Bildungsweg (Gymnasium, erste Gedichte in kleinen Blättern) verläuft unauffällig bis zur Katastrophe der Okkupation. In der Zeit arbeitet Rozewicz in der Fabrik und wird 1943/44 Widerstandskämpfer der Untergrundarmee – 1944 gibt es ein konspiratives Gedichtmanuskript «Waldechos», 1946 einen satirischen Band mit Versen, «In einem Löffel Wasser», 1947 dann den Gedichtband «Unruhe».

«Die zahmen Gegenstände beginnen sich zu beunruhigen und wüst aufeinander zu häufen, Photographien und Bücher voll stiller Träume zischen und winden sich. Bilder und Früchte, Wände und Fenster zeigen Feuerzungen. Sie brechen plötzlich aus und brüllen.» In einem solchen Pfingstwunder des Unbelebten gingen die Worte der Menschen verloren.

*

„Für mich war Lyrik eine Aktion und kein Schreiben schöner Gedichte“, sagte Rozewicz einmal vor allem über seine frühen Werke. „Meine Sache waren nicht Gedichte, sondern Fakten.“ Seine Gedichte standen in starkem Widerspruch zur romantischen Tradition der polnischen Dichtung. Doch mit seiner „Poesie für Entsetzte, für Überlebende“ traf er den Nerv der Nachkriegsgeneration. / Wiener Zeitung 9.10.01

Léopold Sedar Senghor 95

War die Poesie von Senghor und seinen Freunden zu Anfang auch „rassebedingt“, so habe sie doch, meint Jean-Paul Sartre, das Potenzial gehabt, ein „Gesang für alle“ (auch für die Europäer) zu werden. Das „Neger-Sein“ (dem Jean-Paul Sartre in seiner berühmt gewordenen Einleitung „Schwarzer Orpheus“ zu Senghors „Anthologie“ die philosophische Weihe verliehen hatte), dieses „Neger-Sein“ beinhaltet auch schon im Verständnis von Senghor und seinen Mitstreitern all die Ambivalenzen und widerstreitenden Tendenzen zwischen Autonomie, Anpassung und Kooperation. (schreibt Hans-Jürgen Heinrichs zum heutigen 95. Geburtstag des senegalesischen Autors Léopold Sédar Senghor) / FR 9.10.01

Cohens Vorliebe für Reime

Ich hatte schon immer eine Vorliebe für Reime. Diese Form bringt nicht nur  ästhetische Vorteile mit sich. Eine meiner Lieblingszeilen auf meinem neuen  Album heißt: „I dont trust my inner feelings. Inner feelings come and go.“ Auf  diesen Satz bin ich allerdings nur deshalb gekommen, weil die Strophe davor „I  know that Im forgiven, but I dont know how I know“ lautete und ich etwas  brauchte, das sich auf „know“ reimt. Man ist durch die Zwänge des Reims  genötigt, sich intensiver mit den Worten und letztlich auch mit deren Qualität  auseinander zu setzen./ Leonard Cohen in einem taz -Interview, 13.10.01

Habermas Lyriker

Vielleicht ist der heurige Friedenspreisträger, der 1929 in Düsseldorf geborene Jürgen Habermas, doch im Grunde ein Lyriker? Auf eine Bitte der Zeit an Dichter, ihre Lieblingswörter zu nennen, antwortete Jürgen Habermas vor einem Jahrzehnt u. a. mit diesen Wörtern: „aber“; „sofern“; „dennoch“; „eingedenk“. / Richard Reichensperger, Der Standard 13.10.01

Erika Mitterer in Wien gestorben

„Ich kenne die Namen nicht mehr, /die Namen der neuen Autoren. / Die Minister verwechsle ich meistens. / Die Namen der Hausgenossen memorier ich / anhand der Türschilder / Wer war ich wirklich? Und was bin ich selber? // Ich habe zu lange gelebt!“: Aus diesem letzten Gedicht in einer erst heuer, mit Hilfe ihres Sohns Martin Petrowsky herausgegebenen dreibändigen Gesamtausgabe ihrer Lyrik spricht Ruhe, Ironie, Zuversicht.
Erika Mitterer war, das wußte sie ohne Bitternis zu ertragen, aus der Mode gekommen. / Die Presse 16.10.01

Ferner starben im Oktober 2001
  • Am 13. Willi Habermann, schwäbischer Mundart-Dichter (79)
  • Am 15. Anne Ridler, britische Lyrikerin (89)
  • Am 19. der russische Dichter und Publizist Aleksandr Aronow (67)
  • Am 25. der kamerunische Dichter René Philombe (geb.. 1930)
  • Am 26. Elizabeth Jennings, englische Lyrikerin (75)

Donald der Schotte

Eine schottische Zeitung entdeckte es zuerst. Aber ich gebe zu, als ich es las, hielt ich es für Parodie und mußte lange nach Anzeichen dafür suchen. Aber es gab keine, alles war blutiger Ernst. „Ein von Schottland inspiriertes Gedicht für Trumps Inauguration“ hieß die Überschrift. Eine amerikanische Poetenvereinigung habe ein Gedicht zu dem Anlaß vom heutigen Freitag (20.1.) geschrieben. Der preisgekrönte amerikanische Dichter Joseph Charles MacKenzie von der Society of Classical Poets habe es verfaßt und spiele darin auf Trumps schottische Wurzeln an. Dem Gedicht liege der Gedanke zugrunde, „an die klassische Tradition zu rühren, die es durch die gesamte amerikanische Geschichte hindurch gegeben habe“. Habe, spiele, sei – wie schon gesagt, es scheint kein Hoax. Das Gedicht beginnt mit der Strophe

Come out for the Domhnall, ye brave men and proud,
The scion of Torquil and best of MacLeod!
With purpose and strength he came down from his tower
To snatch from a tyrant his ill-gotten power.
Now the cry has gone up with a cheer from the crowd:
“Come out for the Domhnall, the best of MacLeod!”

Auf der Seite der klassischen Poeten erklärt der Autor:

  • Die Refrains am Ende jeder Strophe werden von den Zuschauern der Zeremonie gesprochen.
  • Domhnall, die schottische Form des Namens Donald, wird wie “TONE-all” ausgesprochen.
  • Torquil war der königliche Stammvater der MacLeods of Lewis, Torquil MacLeod, und der Geburtsort von Präsident [elect, hätte es da noch heißen müssen] Trumps Mutter

Man weiß nicht, was schlimmer ist, der politische Inhalt oder die poetische „klassische Form“. Ein paar Aussagen in schnöde Prosa übersetzt:

  • Wenn die Freiheit bedroht wird durch die Ketten der Sklaverei … suchen wir einen Führer von wahrem Mut und soliden Tugenden … Er wird uns nicht vergessen, uns Menschen der Menge, die den Domhnall wählten, den besten MacLeod!
  • Als verkrüppelnde Korruption unsere Nation besudelte und unsere Wirtschaft in Stagnation versank … bildete das Vergessene eine große Menschenmenge, zu verteidigen den Domhnall, den besten MacLeod!
  • Als wahrer Freund der Migranten von fern und von nah heißt er die Würdigen willkommen, doch schützt unsere grenze, damit nicht eine mörderische Horde, für die die Hölle die Norm ist, unser Leben bedroht und unsere Nation deformiert!
  • Der schwarze Mann, vergessen, in Armut sterbend, der arme Mann, der kranke Mann, mit weinenden Kindern, die Jungen ohne Arbeit oder hinter Gittern … sie alle bewillkommnen die Menge, die für den Domhnall kämpft, den besten MacLeod!
  • Während alte Vetteln den Frauen beibringen, auszusehen und sich aufzuführen wie wir Männer, kommt der Domhnall und verteidigt die schutzlosen Verlorenen…
  • Doch bei all seiner großen Weisheit … reichen seine Kinder, der hübsche Trumpclan, an ihn heran, und Melania die Schöne, Europens Blume mit ihrem langen wehenden Haar etc.

Manche Zeitungen hielten das für Trumps Inaugurationsgedicht. Der Dichter höchstselbst meinte, Trump solle der erste Republikaner sein, der ein Inaugurationsgedicht habe. Kein dröge akademisches wie bei Clinton und Obama, sondern ein kraftvoll heiteres, klassisches: seins. Aber die Nachricht erreichte den Domhnall nicht mehr. Oder das Gedicht traf nicht seinen Geschmack. Oder Gedichte überhaupt sind nicht sein Fall. Oder seine Berater rieten ab. Oder oder.

Mehr davon bei http://www.scotsman.com

Oder bei dem klassischen Poetenverein selbst, wo man das Gedicht, vorgetragen „von einer wunderbaren schottischen Stimme“, anhören kann. (Ich gebe zu, für meine Ketzerohren hört sich auch der Vortrag nach Parodie an. Aber es ist ernst gemeint, das scheint sicher.)

Kalendarium 3/2017

Gedenktage 21.-27. Januar

Sonnabend 21.1.
  • 1532: Ludwig Helmbold, lutherischer Kirchenlieddichter *. Vom deutschen Kaiser Maximilian II. 1566 zum poeta laureatus gekrönt
  • 1609: Joseph Justus Scaliger, französischer Philosoph und Naturwissenschaftler †. Seine berühmte Poetik in 7 Bänden erschien postum und wurde viel genannt und wenig gelesen.
  • 1765: Christian Braunmann Tullin, norwegischer Dichter †
  • 1773: Alexis Piron, französischer Jurist und Schriftsteller †. Arbeitete als Anwalt in Besançon. Um 1718 verlor er das Amt wegen seiner Ode à Priape.
  • 1793: Bürger Louis Capet, der ehemalige König Ludwig XVI., wird in Paris  guillotiniert.
  • 1794: Adolf Ludwig Follen, deutscher Burschenschafter, Schriftsteller und Verleger * (Textkette)
  • 1815: Matthias Claudius, deutscher Dichter (Der Mond ist aufgegangen) † (Textkette | Lyrikzeitung)
  • 1823: Imre Madách, ungarischer Dichter * (Die Tragödie des Menschen)
  • 1831: Achim von Arnim, deutscher Dichter † (Lyrikzeitung)
  • 1856: Benedictus Gotthelf Teubner, deutscher Buchhändler, Verlagsgründer (Teubnersche Verlagsbuchhandlung) †
  • 1868: Ludwig Jacobowski, deutscher Lyriker, Schriftsteller und Publizist *
  • 1872: Franz Grillparzer, österreichischer Schriftsteller †
  • 1878: Egon Friedell, österreichischer Schriftsteller *
  • 1902: Ernst Wichert, deutscher Schriftsteller und Jurist † (nicht mit Ernst Wiechert zu verwechseln)  „Dichter und Richter“ genannt. War Mitbegründer der Deutschen Genossenschaft dramatischer Autoren und Komponisten, Leipzig 1871, später Verband Deutscher Bühnenschriftsteller, der älteste überregionale Autorenverband in Deutschland.
  • 1912: Rainer Maria Rilke sendet die erste seiner Duineser Elegien von Duino an Marie Taxis.
  • 1961: Blaise Cendrars, schweizerisch-französischer Schriftsteller † (Lyrikzeitung)
  • 1963: Franz Jung, deutscher Schriftsteller, Ökonom und Politiker † (Lyrikzeitung)
  • 1975: Mascha Kaléko, Schweizer Dichterin † (Lyrikzeitung | Textkette)
  • 1997 (vor 20 Jahren): Hans Egon Holthusen, deutscher Schriftsteller † (Lyrikzeitung)
  • 2008: Mit dem Tod von Marie Smith Jones stirbt die Eyak-Sprache aus.

Sonntag 22.1.

  • 628: Anastasius, persischer Mönch, Märtyrer und Heiliger † Trat zum Christentum über, wurde dafür gefoltert und gehängt. Patron der Goldschmiede; hilft gegen Kopfschmerzen und Raserei.
  • 1349: Die etwa 400 Mitglieder umfassende jüdische Gemeinde in Speyer wird durch ein Pogrom bei den Judenverfolgungen zur Zeit des Schwarzen Todes vernichtet. (Lyrikwiki)
  • 1536: Bernd Knipperdolling, Führer der Täufer in Münster † Auf dem Prinzipalmarkt in Münster werden die Anführer der Münsterschen Täufer, Jan van Leyden, Bernd Krechting und Bernd Knipperdolling, öffentlich gefoltert und hingerichtet.
  • 1561: Francis Bacon, englischer Philosoph, Staatsmann, Autor und als Wissenschaftler Wegbereiter des Empirismus *
  • 1572: John Donne, englischer Schriftsteller * (Textkette | Lyrikzeitung)
  • 1657: Niels Aagaard, dänischer Schriftsteller und Gelehrter †
  • 1729: Gotthold Ephraim Lessing, deutscher Dichter der Aufklärung * (Lyrikzeitung)
  • 1767 (vor 250 Jahren): Johann Friedrich Pierer, deutscher Mediziner und Lexikograf *
  • 1788: George Gordon Byron, britischer Dichter, Teilnehmer am Freiheitskampf der Griechen * (Lyrikzeitung)
  • 1820: Hermann Lingg, deutscher Dichter *
  • 1840: Rosa Maria Antonetta Paulina Assing, deutsche Lyrikerin, Erzählerin, Übersetzerin, Scherenschnittkünstlerin und Erzieherin †
  • 1849: August Strindberg, schwedischer Schriftsteller und Dramatiker * (Lyrikzeitung)
  • 1860: Aennchen Schumacher, deutsche Gastronomin, Sammlerin studentischen Liedguts („Ännchen-Liederbuch“) *
  • 1886: Oskar Jellinek, österreichischer Schriftsteller *
  • 1904: George Balanchine, russischer Choreograph, Gründer des American Ballet *
  • 1917 (vor 100 Jahren): Rainer Brambach, Schweizer Schriftsteller * (Lyrikzeitung)
  • 1921: Krzysztof Kamil Baczyński, polnischer Dichter *
  • 1922: Howard Moss *. Langjähriger Poetry Editor The New Yorker.
  • 1945: Alfred Wolfenstein, expressionistischer Lyriker, Dramatiker und Übersetzer † (Textkette | Lyrikzeitung)
  • 1945: Else Lasker-Schüler, Dichterin † (Lyrikzeitung | Textkette)
  • 1945: Jan Skala, sorbischer Publizist und Schriftsteller †
  • 1947: Ingrid Puganigg, österreichische Schriftstellerin *
  • 1966: Kawada Jun, japanischer Lyriker und Wirtschaftsmanager †
  • 1976: Charles Reznikoff, US-amerikanischer Poet † (Lyrikzeitung)
Montag 23.1.
  • 1570: In Linlithgow verübt James Hamilton of Bothwellhaugh einen Anschlag auf den schottischen Regenten James Stewart, 1. Earl of Moray. Es ist das weltweit erste Attentat mit einer Feuerwaffe.
  • 1729: Johannes le Francq van Berkhey, niederländischer Naturforscher, Dichter und Maler *
  • 1751: Jakob Michael Reinhold Lenz, eins der jungen Genies des Sturm und Drang * (Lyrikzeitung)
  • 1761: Friedrich von Matthisson, deutscher Lyriker und Prosaschriftsteller * (Lyrikzeitung)
  • 1762: Christian August Vulpius, deutscher Schriftsteller, Schwager Goethes (im Unterschied zu Goethe ein Erfolgsschriftsteller seiner Zeit; „Rinaldo Rinaldini“) *
  • 1777 (vor 240 Jahren): Christian Friedrich Daniel Schubart wird auf Befehl des württembergischen Herzogs Carl Eugen verhaftet und auf der Festung Hohenasperg zehn Jahre lang eingekerkert. (Textkette)
  • 1843: Friedrich de la Motte Fouqué, deutscher Dichter der Romantik †
  • 1849: Elizabeth Blackwell wird nach ihrer Promotion die erste Ärztin in den USA.
  • 1878: Oton Župančič, slowenischer Schriftsteller *
  • 1889: Rikard Long, färöischer Dichter und Literaturkritiker *
  • 1891: Antonio Gramsci, italienischer Schriftsteller, Politiker und Philosoph *
  • 1893: José Zorrilla y Moral, spanischer Dichter und Dramatiker †
  • 1905: Jesse Thoor, deutscher Schriftsteller * (Lyrikzeitung)
  • 1923: Franz Rieger, österreichischer Schriftsteller *
  • 1927: Hilma Kristina Elisabet Angered-Strandberg, schwedische Schriftstellerin †
  • 1929: Hannelore Valencak, österreichische Schriftstellerin *
  • 1930: Derek Walcott, karibischer Dichter und Schriftsteller aus St. Lucia, Nobelpreisträger * (Lyrikzeitung)
  • 1939: Ernst Blass, deutscher Dichter, Kritiker und Schriftsteller des frühen Expressionismus † (Lyrikzeitung)
  • 1939: Fred Wah, kanadischer Dichter, Schriftsteller und Hochschullehrer *
  • 1944: Hugo Achugar, uruguayischer Schriftsteller, literarischer Essayist und Dozent *
  • 1960: Wolfgang Kayser, deutscher Germanist und Literaturwissenschaftler † Seine Bücher wurden jahrzehntelang nachgedruckt: Kleine deutsche Versschule (1946, 25. Aufl. 1995) – Das sprachliche Kunstwerk. Eine Einführung in die Literaturwissenschaft (1948, 20. Aufl. 1992)
  • 1968: Matthias Stührwoldt, deutscher Autor *
  • 1968: Wilhelm Klemm, deutscher Lyriker †. Ernst Jandl: „Mein lyrischer Proviant zwischen 1938 und 43, als Gymnasiast, hatte aus je drei Gedichten von Stramm, Wilhelm Klemm und Johannes R. Becher bestanden, aufgefunden in einer Gedichtsammlung aus dem Jahr 1926.“ In: Ernst Jandl: Autor in Gesellschaft. Aufsätze und Reden. (Poetische Werke 11). München: Luchterhand, 1999, S. 35. Die Anthologie ist „Die Lyrik der Gegenwart“ (Oskar Benda), Wien u. Leipzig 1926. (LyrikzeitungTextkette)
  • 1986: Joseph Beuys, deutscher Aktionskünstler, Bildhauer, Zeichner, Kunsttheoretiker und Hochschullehrer †
  • 1989: Salvador Dalí, spanischer Maler, Grafiker, Schriftsteller, Bildhauer und Bühnenbildner, Hauptvertreter des Surrealismus †
Dienstag 24.1.
  • 76: Hadrian, römischer Kaiser †. Unternahm ausgedehnte Reisen durch sein weites Reich, förderte den Wohlstand und stärkte die Infrastruktur. „Da er nur wenige Kriege führte, war seine Regierungszeit für den weitaus größten Teil des Reichs eine Epoche des Friedens. Er verzichtete auf Eroberungen und gab die von Trajan im Partherkrieg gewonnenen Gebiete auf, womit er einen scharfen und umstrittenen Kurswechsel vollzog. Auf militärischem Gebiet konzentrierte er seine Bemühungen auf eine effiziente Organisation der Reichsverteidigung. Diesem Zweck dienten insbesondere seine Grenzbefestigungen, darunter der nach ihm benannte Hadrianswall. Überschattet wurde seine Regierungszeit jedoch von seinem gespannten Verhältnis zum Senat, in dem er viele erbitterte Feinde hatte.“ (Wikipedia)  (Eine utopische Idee aus der Vorzeit: Volker Braun, Neuer Zweck der Armee Hadrians). Schrieb ein bedeutendes, schwer übersetzbares Gedicht: Animula, vagula, blandula. (Text, Übersetzung und Kommentar hier)
  • 1670: William Congreve, englischer Dramatiker und Dichter *
  • 1712: Friedrich II., „der Große“, König von Preußen, Kurfürst von Brandenburg, Verächter der deutschen Literatur *. Schrieb Unmengen französischer Gedichte, die weder in Frankreich noch in Deutschland jemand groß aufregen.
  • 1732: Pierre Augustin Caron de Beaumarchais, französischer Dramatiker *
  • 1746: Gustav III. von Schweden, schwedischer König *. „Er war gegen die Todesstrafe und führte 1778 ein Gesetz ein, das diese dem König vorbehielt. Er verhängte sie nie, was ihm scharfe Kritik wegen übertriebener Milde bei Sittlichkeitsdelikten einbrachte, da insbesondere die Ausübung der Homosexualität mit der Todesstrafe belegt zu werden pflegte. Er wurde verdächtigt, selbst homosexuell zu sein.“ (Wikipedia) Holte den Dichter Carl Mikael Bellman an seinen Hof.
  • 1776: E. T. A. Hoffmann, deutscher Schriftsteller, Jurist und Komponist, Kapellmeister und Musikkritiker, Zeichner und Karikaturist *
  • 1809: Carl Friedrich Zelter gründet in Berlin die erste deutsche Liedertafel.
  • 1852: Ján Kollár, slowakischer Lyriker, Altertumsforscher und Sprachwissenschaftler †
  • 1889: Victor Eftimiu, rumänischer Schriftsteller *
  • 1895: Albin Zollinger, Schweizer Schriftsteller * (Lyrikzeitung)
  • 1895: Eugen Roth, deutscher Lyriker und Erzähler * (Lyrikzeitung)
  • 1900: „Obwohl sie sich vom Berg bereits zurückgezogen haben, besiegt eine demoralisierte Buren-Armee im Zweiten Burenkrieg in der Kapkolonie die gleichfalls demoralisierten Briten, die in Unkenntnis der Lage in der Schlacht von Spion Kop ebenfalls abgezogen sind.“ (Wikipedia)
  • 1913: Wolf von Niebelschütz, deutscher Schriftsteller und Historiker *
  • 1935: In den Vereinigten Staaten kommt nach einer vorausgegangenen Testphase das erste Dosenbier, abgefüllt von der Brauerei Gottfried Krueger Brewery Company, in den Handel. (Wikipedia)
  • 1941: Neil Diamond, US-amerikanischer Sänger und Liedermacher *
  • 1947 (vor 70 Jahren): Felix Timmermans, belgischer Dichter und Maler †
    2007 (vor 10 Jahren): Wolfgang Iser, deutscher Literaturwissenschaftler † (Der implizite Leser, Der Akt des Lesens)
  • 2011: Peter-Paul Zahl, deutsch-jamaikanischer Schriftsteller † (Lyrikzeitung)
Mittwoch 25.1.
  • 390: Gregor von Nazianz, Bischof in Kappadokien, Kirchenlehrer, Heiliger und Dichter, Schutzpatron der Dichter †
  • 1635: Daniel Casper von Lohenstein, deutscher Dichter * (Lyrikzeitung)
  • 1640: Robert Burton, englischer Schriftsteller und anglikanischer Geistlicher †
  • 1759: Robert Burns, britischer Schriftsteller und Poet der Aufklärung * (Lyrikzeitung | Textkette)
  • 1776: Joseph Görres, deutscher Publizist*
  • 1777: Karoline Jagemann, deutsche Sängerin und Schauspielerin *. Über eine Intrige von ihr stürzte Goethe als Theaterdirektor. Nachfolgerin wurde Jagemann. Goethe war mit dem Herzog befreundet, aber Jagemann war seine Geliebte. Übrigens hat der junge Schopenhauer ein Liebesgedicht für sie geschrieben.
  • 1804: Antoni Edward Odyniec, polnischer Lyriker, Dramatiker und Übersetzer *
  • 1831: Ernst August Friedrich Klingemann, deutscher Schriftsteller der Romantik †. (Ihm werden die „Nachtwachen“ des Bonaventura zugeschrieben)
  • 1855: Dorothy Wordsworth, britische Poetin und Tagebuchautorin, Schwester von William Wordsworth † (Lyrikzeitung)
  • 1876: Herbert Eulenberg, deutscher Dichter und Schriftsteller *
  • 1882: Virginia Woolf, britische Schriftstellerin *
  • 1885: Kitahara Hakushū, japanischer Schriftsteller *
  • 1887: Johannes Carl, deutscher evangelischer Theologe, Konsistorialrat und Dichter †
  • 1889: Nakamura Kenkichi, japanischer Lyriker *
  • 1902: Nakano Shigeharu, japanischer Schriftsteller *
  • 1923: Eva Zeller, deutsche Schriftstellerin * (Lyrikzeitung)
  • 1925: Paul Pörtner, deutscher Schriftsteller und Übersetzer *
  • 1938: Wladimir Semjonowitsch Wyssozki, russischer Schauspieler, Dichter und Sänger *
  • 1986: Ernst Schnabel, deutscher Schriftsteller und Pionier des Radio-Features †
  • 1997: Karl Werner Aspenström, schwedischer Lyriker und Essayist †
  • 2012 (vor 5 Jahren): Knud Wollenberger, deutschsprachiger Lyriker dänischer Nationalität †
Donnerstag 26.1.

Viele Fußballer wurden am 26.1. geboren. Was war sonst?

  • 1275: Ulrich von Liechtenstein, mittelhochdeutscher Dichter †
  • 1628: Der kaiserliche Feldherr Wallenstein kauft heimlich die beiden Herzogtümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Güstrow, der Schlingel.
  • 1725: Johann Christopher Jauch, deutscher Theologe und Barockdichter †
  • 1725: Sulchan-Saba Orbeliani, georgischer Mönch, Politiker und Schriftsteller †
  • 1761: Jens Zetlitz, norwegischer Lyriker *
  • 1781: Achim von Arnim, deutscher Dichter der Heidelberger Romantik * (Lyrikzeitung)
  • 1783: Helmina von Chézy, deutsche Dichterin und Librettistin *
  • 1788: Erste Sträflingskolonie in Australen, Australia Day
  • 1793: Nicolas-Germain Léonard, französischer Dichter und Romanautor †
  • 1797 (vor 220 Jahren): Therese von Jacob, deutsche Schriftstellerin, Volksliedforscherin und Slawistin *
  • 1804: Delphine Gay, französische Dichterin *
  • 1833: Josef Barák, tschechischer Politiker, Journalist und Dichter *
  • 1849: Thomas Lovell Beddoes, britischer Dichter †
  • 1854: Eli Marcus, deutscher Schriftsteller und Schauspieler *
  • 1855: Gérard de Nerval, französischer Schriftsteller † (Lyrikzeitung)
  • 1859: Richard Wossidlo, deutscher Ethnologe *
  • 1863: Hans Fraungruber, österreichischer Schriftsteller *
  • 1865: Sabino Arana Goiri, spanischer Dichter und Politiker *
  • 1878: Rudolf Alexander Schröder, deutscher Schriftsteller * (Lyrikzeitung)
  • 1881: Alfons Paquet, deutscher Journalist, Schriftsteller und Dichter *
  • 1884: Edward Sapir, US-amerikanischer Ethnologe und Linguist *
  • 1891: Ilja Grigorjewitsch Ehrenburg, russischer Schriftsteller und Kriegsberichterstatter * (Lyrikzeitung)
  • 1915: Akaki Zereteli, georgischer Schriftsteller und Politiker †
  • 1935: Lee Baxandall, US-amerikanischer Schriftsteller, Übersetzer und Aktivist der Nudismusbewegung *
  • 1940: Rafael Martínez, kolumbianischer Sänger, Komponist und Dichter *
  • 1941: Jochen Missfeldt, deutscher Schriftsteller *
  • 1945: Ulrich Gumpert, deutscher Jazzmusiker *
  • 1948: Heinrich Sohnrey, deutscher Volksschriftsteller und Publizist †
  • 1948: Thomas Theodor Heine, deutscher Maler, Zeichner und Schriftsteller †
  • 1974: Siegfried von Vegesack, deutscher Schriftsteller †
  • 2003: Annemarie Schimmel, deutsche Islamwissenschaftlerin † (Lyrikzeitung)
  • 2014: José Emilio Pacheco, mexikanischer Schriftsteller † (Lyrikzeitung)
Freitag 27.1.