Veröffentlicht am 25. April 2002 von rekalisch
Neues Interesse für Benn konstatiert die FR. Das Zitat zeigt, daß es dabei längst nicht vorrangig um “ Schlüssellochgucken “ geht:
Es kann kein Zufall sein, dass ausschließlich jüngere Rezensenten – Heribert Kuhn in der FR, Heinrich Detering in der FAZ und Norbert Hummelt im Schreibheft – Verständnis für Ziebarths Position und Persönlichkeit aufbrachten. Entsprechend subtil fielen ihre Deutungen des poetologisch relevanten Einflusses Ziebarths auf Benns letzten Gedichtband Aprèslude aus.
Die etwas über sechzig Briefe an Astrid Claes dürften, was Benns Libido-Equilibristik angeht, weniger Turbulenzen provozieren. Zwischen der damals 26jährigen ehrgeizigen Intellektuellen und dem berühmten Dichter fand ein von seiten der Frau kühn domptiertes Gespräch statt, das nicht ganz frei von Karriere-Kalkül war. Schließlich sorgte Benn dafür, dass ihre Gedichte in der Zeitschrift Akzente erschienen. Claes‘ Rezension von Aprèslude fiel dagegen negativ aus – was zumindest interessant ist. Denn Ziebarths Einfluss auf diesen Gedichtband bestreitet nicht einmal der unfreiwillige Schlüssellochgucker Theweleit. / Ina Hartwig, FR 25.4.02
Veröffentlicht am 25. April 2002 von rekalisch
Seit mehr als 1000 Jahren leben Juden in Deutschland, aber erstmals vor 230 Jahren schrieb einer von ihnen auf Deutsch, lesen wir in der NZZ:
Mit den 1772 anonym erschienenen «Gedichten von einem pohlnischen Juden» war dieser Anfang in Deutschland für die Literatur gesetzt. Davor gab es zwar jiddische, aber keine deutschsprachige jüdische Literatur. Der Verfasser dieser Gedichte, Isachar Falkensohn Behr , 1746 in Litauen geboren, vollzog den Weg jüdischer Söhne der Aufklärung… [Der junge Goethe rezensierte den Band in Frankfurt]. / Andreas Kilcher, NZZ 25.4.02
Isachar Falkensohn Behr: Gedichte von einem polnischen Juden. Hg. mit einem Nachwort von Andreas Wittbrodt. Wallstein-Verlag, Göttingen 2002. 104 S., Fr. 39.50
Veröffentlicht am 24. April 2002 von rekalisch
SZ: Wie viele Gedichte können Sie auswendig, Herr Leitner?
Leitner: Um die hundert, würde ich sagen. Sehr schön finde ich Giuseppe Ungarettis „Der Morgen“: „Ich erleuchte mich/durch Unermessliches. “ Ein sehr kurzes Gedicht. Doch darüber lohnt es sich nachzudenken. / SZ interviewte den Herausgeber der Zeitschrift „Das Gedicht“, Anton G. Leitner , zum 10. Jahrestag, 23.4.02 / Und hier im gleichen Blatt eine Laudatio. / Leitner s.a. Kölner Stadt-Anzeiger 24.4.02
Veröffentlicht am 24. April 2002 von rekalisch
In einer Betrachtung zu «Merkmalgedichten des 20. Jahrhunderts», die in der aktuellen Ausgabe der Literaturzeitschrift «Die horen» (Nr. 205) nachzulesen ist, liefert Waterhouse ein schroffes Dementi in Sachen «Wahrheit». Gedichte, so Waterhouse, haben es mit einem «weit verzweigten System von Unwahrheiten» zu tun, ja sie fungieren geradezu als «Retter» von «Unwahrheit».
Um diese irritierende Einsicht zu belegen, führt Waterhouse an einem Gedicht des Lyrikers Andrea Zanzotto das unausweichliche Misslingen jedweder Übersetzung vor. Als Spezialist für das Aufspüren klanglicher Echos und Konnotationen in den einzelnen Wörtern, entriegelt Waterhouse den ursprünglichen Bedeutungsgehalt des Wortes «vera» (= «wahr») und überführt es in eine «desintegrierte, aufgelöste Form von Wahrsein». Aus «vera» für «wahr» entsteht dann irgendwann «vertigo», also Schwindel, Drehung und Taumel. Wer Gedichte schreibt und übersetzt, begibt sich laut Waterhouse nicht in den Einflussbereich der «Göttin der Treueschwüre», sondern in die Einflusszone der lateinischen «Vertumnen», der «Wandelgötter, Verschieber, Übersetzer». / Michael Braun , Basler Zeitung 24.4.02
«Die horen», Nr. 205, edition die horen, Postfach 10 11 10, D-27511 Bremerhaven, 232 S., ca. Fr. 18.-.
«Wespennest», Nr. 126, Rembrandtstr. 31/4, A-1020 Wien, 120 S., ca. Fr. 22.-.
«Kolik», Nr. 17, Taborstr. 33/21, A-1020 Wien, 164 S., Fr. 12.-.
Veröffentlicht am 24. April 2002 von rekalisch
Zu der Handvoll wirklich imposanter Verse muss man sich erst durchkämpfen. Einer davon heißt „Abschied vom Fünften Zeitalter“ und schildert die Jugend des Autors in der DDR. Die Stimmung, die Grünbein da mit dunklem Timbre einfängt, führt einen in die beklemmende Welt des Sozialismus zurück, wenn er die Atmosphäre der grauen Städte beschwört: „Braunkohle hieß, was man morgens schon roch. Aus der Erde gegraben / Wie faule Kartoffeln, zischte sie durch die Öfen von Greifswald bis Greiz. / Am Boden zerrten, dem viel zu kurzen, Bagger, Schaufeln und Hände, / Bis alles schwarz war, die Straße rußbefleckt, ein Hausflur von Schaben. / Was Dante im kühnsten Albtraum nicht ahnen konnte – hier, gut beheizt, / Lag der jüngste der Höllenkreise, ein zerwühltes Gelände.“ Aber rings um solche Gedichte, die wie Leuchttürme in die Textlandschaft ragen, herrscht Ebbe. / Ulf Heise, Thüringer Allgemeine 24.4.02
Durs Grünbein: „Erklärte Nacht“, Suhrkamp, 18 Euro
Veröffentlicht am 24. April 2002 von rekalisch
Die Stadt Darmstadt hat den 13. Leonce-und-Lena-Preis für Nachwuchslyriker ausgeschrieben. Bewerben können sich deutschsprachige Autoren, die nicht älter als 35 Jahre sind. Die Preisverleihung ist für den 14. und 15. März 2003 geplant. «Wir erwarten zwischen 400 und 500 Einsendungen», sagte Fritz Deppert vom Lektorat am Montag bei der Vorstellung des Wettbewerbs. Der Preis dürfe künftig nicht mehr geteilt werden, um sein Ansehen zu steigern… Im Zuge der Euro-Umstellung wurde das Preisgeld von insgesamt 30.000 Mark auf 16.000 Euro angehoben. / Frankfurter Neue Presse 24.4.02
Veröffentlicht am 24. April 2002 von rekalisch
Das Letzte heute aus der taz: Der weltbekannte Lyriker Radovan Karadzic schlägt jetzt zurück – mit einem Lustspiel über die depperten Europäer und ihre serbischen Gehilfen. Mehr ist angedroht:
Dieses Werk beweise, meinte der Belgrader Rechtsprofessor Kosta Cavoski, dass sich „unser Held“ Radovan Karadzic nach wie vor nicht nur guter Gesundheit, sondern auch eines heiteren Gemüts erfreuen könne. Weitere Lyrikbände, politische Schriften und Literatur für Jugendliche von Karadzic sollen in Kürze veröffentlicht werden. / taz 24.4.02
Veröffentlicht am 23. April 2002 von rekalisch
Auch sonst heute (23.4.02) viel Lyrik in der Süddeutschen: Albert von Schirnding bespricht Günter Herburger , Arthur Schnabl berichtet aus Mähren, dem Land, das so viele stille Dichter hervorgebracht hat (wie Jan Skácel ), und Hartmut Kühne bereiste Alexandria, einstmals die Heimat des Dichters Kavafis – vor Gamal Abdel Nasser waren die Araber hier in der Minderheit).
Veröffentlicht am 23. April 2002 von rekalisch
Die taz steht da auch nicht nach und (23.4.02) zeigt das Weltende an:
Jakob van Hoddis: „Weltende – Die zu Lebzeiten veröffentlichten Gedichte“. Herausgegeben von Paul Raabe. Arche Verlag, Zürich, Hamburg 2001, 112 Seiten, 14,50 €
Veröffentlicht am 23. April 2002 von rekalisch
«Die Alten müssen glühn am Tagesende, toben / Und rasen, rasen gegen das Krepiern von Licht» – so zieht sich der Refrain durch Dylan Thomas ‚ «Do Not Go Gentle into that Good Night», die berühmte, wie als Gegenentwurf zu einem Totentanz komponierte Villanelle, die der walisische Dichter seinem sterbenden Vater widmete. Nichts vom zärtlichen Furor, der dies Gedicht diktierte, findet sich in Hassan Dawuds «Tage zuviel»… / so beginnt eine (Roman-)besprechung in der NZZ vom 23.4.02
Veröffentlicht am 23. April 2002 von rekalisch
Lyrik (sagt die Sächsische Zeitung) ist, wenn man sich geschwollen ausdrückt:
Der Oberbürgermeister bemühte die Lyrik. „Sport ist eine Tätigkeitsform des Glücks“, sagte Ingolf Roßberg bei seiner Eröffnungsrede am Sonnabend auf der 10. Dresdner Sportlergala im Westin Hotel Bellevue. / 23.4.02
Veröffentlicht am 23. April 2002 von rekalisch
Ausprunk liebt Bücher, aber die Menschheit liebt die Bücher nicht, zumindest nicht die, die Ausprunk geliebt sehen möchte. Französischer Surrealismus, Beckett, Lyrik. An der Innenseite der Ladentür klebt eine kleine schwarze Postkarte: „Die Welt ist schlecht“./ Berliner Zeitung 23.4.02
Veröffentlicht am 23. April 2002 von rekalisch
Wettbewerb: KARGO EUROPA Beteiligungsbedingung für das 4. Rheinsberger Autorinnen-Forum , das für 80 Schriftstellerinnen Platz bietet, ist ein bis zu fünfseitiger Text (Essay, Prosa, Lyrik, Szenisches), der sich mit der Idee und dem Motto des Forums KARGO EUROPA auseinandersetzt. Diese bis zum 31. Juli 2002 einzusendenden Texte (an: Geschäftsstelle des Autorenkreises, c/o Karin Preissler, Oderstr.10, 10247 Berlin) werden zugleich Gegenstand des Literaturwettbewerbs sein.
Veröffentlicht am 23. April 2002 von rekalisch
So inaugurierte der Klagenfurter Wieser Verlag soeben eine neue Reihe mitteleuropäischer Literatur. In der „Edition Zwei „, deren drei Starttitel seit wenigen Tagen vorliegen, soll dezidiert jungen, noch unbekannten Autoren eine erste Publikationsmöglichkeit in deutscher Sprache eröffnet werden. Zustande kam das ambitionierte Unternehmen durch eine gemeinsame Initiative von KulturKontakt Austria, das seit Jahren unermüdlich Kulturprojekte in Mittel-, Ost- und Südosteuropa fördert, und der Bank-Austria-Creditanstalt-Gruppe, deren Sponsorenprogramm momentan in dieselbe Richtung zielt.
Die schlichten, außen relativ unambitioniert grau gestalteten Bändchen stellen die ausgewählten Texte zweisprachig, in Originalfassung und – übrigens ausgesucht hervorragender – deutscher Übersetzung vor.
. . . nicht nötig, mich zu besuchen präsentiert eine erste Auswahl von Gedichten der 26-jährigen tschechischen Lyrikerin Katerina Rudcenková . / Der Standard 23.4.02
Veröffentlicht am 22. April 2002 von rekalisch
Mitte der sechziger Jahre war Saarlands gegenwärtiger Ministerpräsident Peter Müller gerade zehn und Schüler am Lebacher Realgymnasium. Ab und an brachte der Deutschlehrer Diehl einen merkwürdigen Menschen mit in den Unterricht, der als Hilfsarbeiter am Bau malochte, nebenbei aber schrieb und schrieb. „Uns besuchte heute der Dichter Johannes Kühn „, heißt es im erhaltenen Unterrichtsprotokoll, „er trug selbstverfaßte Gedichte vor.“ Über den Schüler Peter ist dann zu lesen: „Müller meinte, Kühn sei besser als Hölderlin. Unser Deutschlehrer widerlegte diese Irrlehre. Müller blieb bei seiner Meinung.“ – (Jetzt wurde Johannes Kühn Ehrenbürger seiner Gemeinde.) / FAZ 22.4.02
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