Linguistisch exilierter Surrealist

Im Kriegssommer 1940 kehrte Ghérasim Luca auf abenteuerlichen Wegen via Italien nach Rumänien zurück, wo ihn aber der inzwischen offizialisierte Antisemitismus sogleich ins innere Exil zwang. Erst nach Kriegsende – während einer kurzen kulturellen «Renaissance», die der Machtergreifung der Kommunisten voranging – konnte Luca seine Aktivitäten wieder aufnehmen. Zusammen mit Virgil Theodorescu, Gellu Naum und weiteren Gesinnungsfreunden gründete er eine surrealistische Künstlergruppe, veranstaltete Ausstellungen, betrieb eine kleine Druckerei, produzierte in bescheidenem Umfang Bücher und Broschüren. Beim kurzlebigen «Verlag des Vergessens» (Editions de l’Oubli) und andern Kleinstverlagen gab Ghérasim Luca damals zwei Einzelpublikationen in rumänischer Sprache sowie mehrere Gedichtbände auf Französisch heraus. Ab 1947 richtete er sich, aus Protest gegen die repressive rumänische Kulturpolitik, im «linguistischen Exil» des Französischen ein, das nun definitiv zu seiner «unmütterlichen», mithin «antiödipalen» Dichtersprache wurde. / Felix Philipp Ingold , NZZ 18.5.02

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