With its sonorous language and jumped-up rhythms, the poetry of Hart Crane (1899-1932) is like Bruckner scored for jazz quartet. Its content is similarly syncretic: high-low, old style-new style. You need to bring a lot to his work — alertness, empathy, patience — to get something out of it. But what you get is the grandest American Romantic voice since Walt Whitman . / Holland Cotter, NYT *) 11.6.02
Leseprobe:
How many dawns, chill from his rippling rest
The seagull’s wings shall dip and pivot him,
Shedding white rings of tumult, building high
Over the chained bay waters Liberty —
Then, with inviolate curve, forsake our eyes
As apparitional as sails that cross
Some page of figures to be filed away;
— Till elevators drop us from our day
[Der amerikanische George -Biograf Robert] Norton hat getan, was vor ihm noch keiner getan hat: Er hat fast alles gesichtet, was das George-Archiv in Stuttgart hütet. Er hat alle Briefe von Georges Hand gelesen, und vermutlich auch alle Briefe an George. Er hat jeden Zettel umgedreht, in jedem „Geistbuch“ des Kreises geblättert, sich durch die riesige Masse an Memorialliteratur gearbeitet, die George wie eine undurchdringliche Hecke umgibt. Er ist in die Tiefe eines Dichterlebens gedrungen, und gleichzeitig hat er sich in die Zeit Georges eingelesen, hat versucht, sich ein Verständnis der deutschen Geschichte am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu verschaffen. Und erst nach all diesen namenlosen Exerzitien hat sich der junge – mit vierzig ist man noch jung für ein solches Werk – Autor hingesetzt und die monumentale Biographie Stefan Georges und seiner Kreise geschrieben. / Ulrich Raulff, Süddeutsche 11.6.02
ROBERT E. NORTON: Secret Germany. Stefan George and His Circle. Cornell University Press, Ithaca & London 2002. 847 Seiten, 58, 86 Euro.
Ins Tessin gehen 5000 Franken an Dubravko Pusek für seinen Gedichtband «Effetto Raman».
Das Prädikat «Buch der Schweizerischen Schillerstiftung 2002» erhielten «Der Billardtisch» von Bruno Steiger, «Le cerf-volant» von Nadine Mabille, «In sto monde tonde tonde» von Ugo Canonica und der rätoromanisch-deutsche Gedichtband «Monolog per Anastasia – Monolog für Anastasia» von Leta Semadeni . / Landbote 11.6.02
… aber New York besitzt ein Poets House:
When Stanley Kunitz and Elizabeth Kray founded Poets House as a library for poetry, Mr. Kunitz insisted that there be no apostrophe in the name of the organization because „nobody owns poetry.“ As he said recently: „It belongs to civilization. Nobody possesses poetry; poetry possesses you.“ … „Schools visit in the morning, editors come to research anthologies, international poets plug in to what’s going on in New York,“ said Lee Briccetti, the executive director of Poets House, adding that the library was especially of value to browsers. / NYT *) 10.6.02
HANS-HERBERT RÄKEL bespricht in der Süddeutschen vom 10.6.02
DURS GRÜNBEIN: Erklärte Nacht. Gedichte. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2002. 148 Seiten, 18 Euro
Breton, Philippe Soupault and Louis Aragon were acclaimed by Paul Valéry as ‚the three musketeers‘. In fact, rather than contenting themselves with derring-do, the surrealists were agents of apocalypse. Their fiercest creative glory lay in acts of destruction. Breton and Soupault warned the world in 1920 to ‚get ready for some explosions‘; Durozoi has also unearthed an obscure surrealist periodical, published in London in 1942, with the proud title Arson. / Guardian 9.6.02
History of the Surrealist Movement
Gérard Durozoi
University of Chicago Press £60, pp816
Antonio Machado ist für die Nachwelt der glaubwürdigste unter diesen erneuerungswilligen «Rittern der Hispanität» geblieben. Bewundert und verehrt, weil er ohne penetrante Fanfarenstösse mit seiner Lyrik ein Spanien wieder als im wörtlichen Sinne natürliche Präsenz verfestigte, das veredelnder Attribute nicht bedurfte, um es selbst zu sein.
Das heisst, dass Machado den erlesenen Lockungen des modernismo nicht erlegen ist. Dass er, von wenigen Ausnahmen abgesehen, der aristokratischen Idealität und dem ekstatischen Rausch jener Lyrik nicht verfiel, mit der der aus Nicaragua stammende Rubén Darío seit 1898 das poetische Klima in Spanien vom Muff eines prätentiösen Akademismus reinigte. / NZZ 8.6.02
Antonio Machado: Campos de Castilla. Kastilische Landschaften. Spanisch und Deutsch. Herausgegeben und übertragen von Fritz Vogelgsang. Ammann-Verlag, Zürich 2001. 352 S., Fr. 61.-.
Textprobe auf der Homepage des Ammann-Verlages.
Angelika Overath bespricht in der NZZ vom 8.6.02:
Czeslaw Milosz : Mein ABC. Von Adam und Eva bis Zentrum und Peripherie. Aus dem Polnischen von Doreen Daume. Verlag Carl Hanser, München 2002. 180 S., Fr. 27.90.
Mit einem Satz von Zagajewski: «Das ekstatische Element hängt zusammen mit der bedingungslosen Akzeptanz der Welt und sogar all ihrer grausamen und absurden Bestandteile.» Davon lebt schliesslich das Gedicht – nämlich da, wo es solche Berührungen mit der Welt und ihren Zeichen weiterreicht. Rimbaud fand dafür das Wort von den Illuminationen. «Etwas» stösst uns zu, kommt nahe heran, überwältigt und überwölbt schliesslich die cartesische Spaltung in res cogitans und res extensa, den Abgrund zwischen Denken und Materie. / Martin Meyer, Laudatio zum Konrad-Adenaiuer-Preis für Adam Zagajewski , NZZ 8.6.02
1960 bereits hatte Adorno in einem Kölner Vortrag Helms’ Lautexperimente und Klangverfremdungen als authentisch zeitgenössisch beglaubigt, da sie, in konsequenter Weiterführung Joycescher Permutationstechniken, kraft ihres hermetischen Gestus sich dem glatten Einverständnis mit der ideologisch beschädigten Sprache verweigerten. / STEFAN DORNUF, Süddeutsche 8.6.02
HANS G. HELMS: Musik zwischen Geschäft und Unwahrheit. edition text + kritik / Richard Boorberg Verlag, München 2001. 150 Seiten, 18 Euro
( NZZ gratuliert am 8.6.02 zum 70.)
Die Welt v. 8.6.02 druckt die Laudatio Rachel Salamanders auf Enzensberger zum Börnepreis. Darin zitiert ein Gedicht:
Es ist übertitelt mit „Arbeitsteilung“ und ist seinem letzten Gedichtband „Leichter als Luft. Moralische Gedichte“, entnommen.
„Dass die allermeisten/vom allermeisten / so gut wie gar nichts verstehen – / Lyrik z. B., Optionsgeschäfte, / Pseudoprimzahlen,/ und zu allem Überfluss noch / die Letzten Dinge – ,/ nur allzu verständlich! // Die allermeisten/ haben ganz andere Sorgen, / halten sich unbeirrt / an ihre Kinder und Krankenkassen, / Bett Geld Pop Sport, / an alles, / wovon die allerwenigsten nichts wissen wollen. // Wo kämen wir hin / mit unseren kleinen Gehirnen, / wenn alle an alles dächten? // Nur gelegentlich, / an allzu langen Abenden, / ein Blick nach drüben, / auf das erleuchtete Fenster, / wo andere leben, / und das taube Gefühl, / etwas versäumt zu haben.“
…Borchardt scherte aus und wurde Dichter. Die ersten zehn Gedichte, die ihm gelungen schienen, ließ er drucken und sandte sie an die Großen der Zeit: Swinburne, Maeterlinck, George und Hofmannsthal . Letzterer lud ihn ein, war charmiert von dem Enthusiasmus des jungen Poeten und zugleich befremdet: „Er hat die leidenschaftlichste Liebe für Verse, und declamiert fast unaufhörlich. Wenn es ohne auffallende Unhöflichkeit möglich ist, verlässt meine Frau augenblicklich das Zimmer, wenn er anfängt, Verse aufzusagen. Er brüllt. Er erschüttert die Fensterscheiben, gleichmäßig durch meine, seine und sonstige Verse (. . .) Er ist ein Enthusiast. In seiner Conversation tauchen unaufhörlich die zwei Worte ,berauschend‘ und ,bestürzend‘ auf. Ich habe die begründete Furcht, dass er in wenigen Wochen anfangen wird, wienerisch zu reden.“ / Gregor Eisenhauer, FR 8.6.02
(Siehe auch Klaus Bellin im “ Neuen Deutschland “ v. 8.6.02)
„Möge Ihre Regentschaft tausend Generationen, ja achttausend Generationen dauern – Bis der Stein zum Felsen wächst – Bis auf Felsen Moos wächst.“ So etwa lautet der Text der japanischen Nationalhymne „kimigayo“ (etwa: Die Regentschaft Unseres Kaisers) ins Deutsche übertragen. Die Lyrik basiert auf einem japanischen Gedicht unbekannter Herkunft. ….
© Salzburger Nachrichten 8.6.02 / ASIATISCHES LEXIKON
Von einem Leben zwischen Bebop und Beatnik, zwischen San Francisco und Chicago erzählt sie in ihrer Jazz-Poesie, von ihrem ersten Auftritt als Performerin, vom Leben außerhalb der Gesellschaft, das das Wesen des Beat prägt. Jedem im Publikum wird plausibel, warum Jack Kerouac , einer der Beat-Literatur-Heroen, mit dem ruth weiss zusammen Lyrik verfasste, sagte: „Die einzig wirklichen Menschen sind für mich die Verrückten, verrückt danach, zu leben, zu sprechen, die niemals etwas Alltägliches sagen, sondern brennen, brennen…“ / Fürther Nachrichten 7.6.02
Les Murray receives musical tribute, meldet die New York Times *) am 6.6.02
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