Dada Kaukasus

In kurzer Folge, teilweise sich überschneidend, lösten sich in Tbilissi mehrere Dada-Formationen ab. Aus dem «Syndikat der Futuristen» ging die Gruppe «41°» hervor, die unter der Leitung von Igor Terentjew und mit Unterstützung von Krutschonych zur wichtigsten Fraktion des georgischen Dadaismus werden sollte. Rund fünfzig Buchveröffentlichungen – Manifeste, theoretische Schriften, «transmentale» Gedichte und Dramen – erschienen ab 1917 bis 1919 in einer Auflage von jeweils 250 Exemplaren. Die mehrheitlich illustrierten und typographisch kühn komponierten Bücher gaben sich schon durch ihre Titel als dadaistische Artefakte zu erkennen: «Zärtlichkeitsrekord» und «17 Stusswaffen» (Terentjew), «esEl zu mietEn» und «Janko könIg der albAner» (Sdanewitsch ), «Malacholie im Kopfstand» und «Fettsucht der Rosen» (Krutschonych) und anderes mehr. Als «Grundgesetz dichterischen Redens» proklamierte die Gruppe «41°» die konsequente Verbindung von klangähnlichen Wörtern zu «hintersinnigen» Texten, die nicht mehr bedeuten, bloss noch lauten sollten; gefordert waren auch Neologismen, Fremdwörter, Slang, herausgestellt wurde die poetische Qualität von Druckfehlern und Versprechern, und man verwies auf den Zufall als Kreativitätspotenzial. / Felix Philipp Ingold, NZZ 5.7.02

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