Kriegsszene

Petr Křička

(* 4. Dezember 1884 in Kelč; † 25. Juli 1949 in Okarec, heute Ortsteil von Třebíč)

Medynia Głogowska

Über den Kopf die erste, die zweite pfiffen,
fliegen viel dichter schon.
Tiefer geduckt, im ängstlichen Spott noch begriffen,
bieten die Burschen Willkomm.

Fünferhaubitzen, da sind sie herangaloppiert,
Herrgott, dein Wille geschehe!
Mach ihre Seelen stark, wie das Schicksal regiert:
Mütterchen, armes, flehe;

sieh, als ein Stern steh ich dann über dem Walde,
brennender Talglichtstumpf,
und in der Ferne, gehn und entschwinden die Jahre,
verblasse, erlösche ich dumpf.

Vater, den Brief küß ich im Geiste, und deine Locken,
Mädchen, so fern von hier.
Und eine Springflut‚ die furchtbaren Liebeswogen
sprengen die Herzfestung mir;

Liebe zu allen, die leiden. Das düstre Erzittern
des Herzens lösen die Welln,
und die Angst, Angst vor dem allzu bittren
Kelch, meines Volkes Kelch.

Lukášek, Vávra, rechtschaffene Burschen, ihr edlen
von dem mährischen Grund,
Gott wird einst richten. Wir, die wir ehrlich lebten,
sterben auch ohne Schuld.

‚Vorwärts!‘ Sie laufen, sie laufen nach meinen Befehlen,
schon in gelichteten Reihn . . .
Jesus, demütiger, stiller, den sie quälen,
du wollest bei uns sein! . .

8. 10. 1914

Aus dem Tschechischen von Roland Erb. Aus: Die Sonnenuhr. Tschechische Lyrik aus 11 Jahrhunderten. Teil 3: 1900 – 1950. Hrsg. Ludvík Kundera. Leipzig: Reclam, 1987, S. 93/95

Medynia Głogowska ist ein Dorf im Südosten Polens. Im Ersten Weltkrieg fanden in dieser Gegend im damals zu Österreich-Ungarn gehörenden Galicien blutige Kämpfe statt. Die jungen Burschen aus Mähren starben dort auf Befehl des Kaisers.

One Comment on “Kriegsszene

  1. Medynia Glogowska

    Nad hlavou první, druhá hvizdly hluše,
    již hustě lítají.
    Skrčeni, vtipem rozpačitým, suše
    je hoši vítají.

    Houfnice páté tryskem najíždějí. –
    Buď, Pane, vůle tvá!
    Jak osud silnou učiň duši její:
    Matičko ubohá,

    hleď, hvězdou budu, u nás nad lesinou
    světýlkem planoucím
    a v daleku, jak roky jdou a minou,
    blednoucím, hasnoucím.

    List otcův líbám v duchu, vaše vlásky,
    děvčátko vzdálené.
    A vlna těžká, strašný příboj lásky
    zalévá srdce mé,

    k těm, kteří trpí. Srdce zmučeného
    křeč tupá jihne v něm
    i úzkost, úzkost nad národu mého
    přehořkým kalichem.

    Lukáško, Vávro, chlapci ušlechtilí
    z moravské dědiny,
    Bůh rozsoudí. My, čestni, jak jsme žili,
    umřeme bez viny.

    „Vpřed!“ Běží, běží dle povelu mého
    zřidlými řadami…
    Ježíši tichý, srdce pokorného,
    smiluj se nad námi!…

    8. X. 1914

    Q.: https://www.kulturni-noviny.cz/nezavisle-vydavatelske-a-medialni-druzstvo/archiv/online/2020/24-2020/medynia-glogowska

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