Kategorie: Europa

38. Paul Celan-Anspielungstest

O-Ton Gott: „Wer Autos anzündet, der nimmt dabei übrigens in Kauf, dass unvorhergesehener Weise jemand verletzt werden könnte.“ Antwort Ahne: „Ick wees, Gott. Wer Autos fährt, nimmt dit, übrigens ooch in Kauf.“ – An anderen Stellen ist Gott überaus souverän. Er spricht sich für… Continue Reading „38. Paul Celan-Anspielungstest“

37. Klang des Brotes

Siebenbürgisch hat nicht mehr so viele Sprecher, aber offenbar viele Varianten. „Brot“ hat in jedem Dorf einen anderen Vokal, lese ich: Wie wir um das tägliche Brot beten. Adolf Schullerus Wenn einmal in Zeiten der Not – Gott behüte uns davor! – wir Siebenbürger… Continue Reading „37. Klang des Brotes“

36. Atom-Sponsoring?

Die Veranstalter des Erlanger Poetenfestes geraten wegen der Zusammenarbeit mit dem Atomkonzern Areva zunehmend in die Kritik von Literaturfreunden. Um künftig auf die Unterstützung des Unternehmens verzichten zu können, haben sie bundesweit zu einem „Bürger-Sponsoring“ aufgerufen. Das Poetenfest gilt als wichtiger Literaturtreff vor der Frankfurter Buchmesse.… Continue Reading „36. Atom-Sponsoring?“

35. Unverkäufliche Gedichte

Ich möchte hier die aussterbende Berufsgruppe der Lyriker, zu der ich auch gehöre, ins Licht der Öffentlichkeit rücken. Wenn ich nicht gerade mit meiner Kolumne befasst bin, in der ich äußerst tiefschürfende Kommentare zu allem und jeden anbringe, schreibe ich Gedichte. Gedichte sind etwas… Continue Reading „35. Unverkäufliche Gedichte“

33. Lyrisches Gedächtnis

Adlers «Gesammelte Gedichte» liegen nun erstmals vollständig in einer mustergültigen Edition vor. Sie gelten Hauptmotiven wie dem Blick, den Jahreszeiten, dem «Gedächtnis». Diese Gedichte sind lyrisches Gedächtnis. Mnemosyne, nach Hesiod die Mutter der Musen, stand Pate, Gedicht um Gedicht. «Scharf hinzuhören in die Muschel… Continue Reading „33. Lyrisches Gedächtnis“

32. „Keine Gedichte mehr.“

Kurwenal war nicht von Schönheit gesegnet. Er sah, schreibt der britische Mediziner Jan Bondeson in seinem kuriosen Buch „Amazing Dogs“, eher wie eine fette Wurst aus. Er war deutsch-national, ein treuer Anhänger des Reichspräsidenten Hindenburg. Doch war er auch eigensinnig und grantelte gern. Zum… Continue Reading „32. „Keine Gedichte mehr.““

31. bed a ccat

Elisabeth Mann Borgese, eine der Töchter Thomas Manns, baute für ihren Setter Arli eine Schreibmaschine, die er mit der Schnauze bedienen konnte. Seine Gedichte wurden sogar gedruckt. Als sein Meisterwerk gilt „bed a ccat“: cad a baf bdd af dff art ad abd ad… Continue Reading „31. bed a ccat“

29. Schlagabtausch

In der „Welt“ kann man heute unter der Überschrift „Der Schlagabtausch“ einen Literaturkrimi zwischen Karl Kraus und Franz Werfel lesen: sehr empfohlen! Kostpröbchen: Verehrtester Herr, erlauben Sie, das ich Ihnen für die Ehre und Freude vielmals danke, die Sie mir durch die Veröffentlichung meiner… Continue Reading „29. Schlagabtausch“

28. Prosa des Dingworts

Lyrik, hat Günter Eich notiert, habe wesentlich mit dem „Dingwort“ zu tun, schon das Verb sei letztlich ein Indiz für Handlung – und damit eine Angelegenheit des Romans. So gesehen, entfaltet Christoph Meckel in seiner jüngsten Publikation „Russische Zone“ über weite Strecken eine lyrische… Continue Reading „28. Prosa des Dingworts“

27. dornburger spruchreife

Judith Zander favorisiert freirhythmische Verse. Deshalb sollte man nicht Fingerübungen in strengen metrischen Formen übersehen: „westwärts & außer form“ etwa ist ein Sonett und „diotima“, in Anlehnung an das gleichnamige Gedicht von Friedrich Hölderlin, eine Ode. Eines der schönsten Gedichte ist fraglos „dornburger spruchreife“,… Continue Reading „27. dornburger spruchreife“

26. Arendt ist ok

Bei Fixpoetry ein Fixative von Frank Milautzcki über ein Gedicht von Erich Arendt, das in Kolumbien entstandene „Trinklied“  aus dem Tolú-Zyklus: Arendt war also prinzipiell ok. – Man konnte etwas damit anfangen. Es gab Momente darin, in denen es ein authentisches Ich gab. “…… Continue Reading „26. Arendt ist ok“

25. Erich Mühsam

Keine unmittelbare Lyrik-Meldung, aber trotzdem großartig: Der soeben im Verbrecher Verlag erschienene erste Band der Tagebücher Erich Mühsams ist von der Darmstädter Jury zum „Buch des Monats August“ gewählt worden. Wie Verleger Jörg Sundermeier mitteilt, sei das Buch, dessen gleichzeitige Edition im Internet und… Continue Reading „25. Erich Mühsam“

24. Steinbachers Labyrinthe

Christian Steinbacher ist ein Wortakrobat, wie man ihn sich schöner kaum vorstellen könnte. Nichts wäre seinen Gedichten fremder als simple Einfühlung oder gar ein kruder Realismus. Vielmehr gilt: «Hier lebt kein Eindruck, nur Verflochtenheit.» Es sind kleine Labyrinthe, die den Leser immer wieder in… Continue Reading „24. Steinbachers Labyrinthe“

22. Federico Hindermann 90

Ein Dichter, ständig unterwegs zwischen den Sprachen (Italienisch und Deutsch; daneben liest – und liebt – er die französische und die englische Literatur) sowie zwischen den europäischen Grenzen (die Wurzeln in Piemont, der lange Aufenthalt in Aarau, die Lektorenstelle in Oxford, die Professur in… Continue Reading „22. Federico Hindermann 90“

21. Sprechgedichte

aus Lyrikwiki Labor Sprechgedicht  Ein 1957 von Ernst Jandl geprägtes Wort für eine neue Art Gedichte, die „erst durch lautes lesen wirksam“ werden. Jandl, der 1956 in dem Gedichtband „Andere Augen“ relativ konventionelle Gedichte veröffentlicht hatte, begann 1956 unter dem Einfluß der amerikanischen Dichterin… Continue Reading „21. Sprechgedichte“