Kategorie: Europa

„Kohln holn – sonst wird das nix“

Kohln holn
Los raus jetz Zusammreißen Aufstehn Mann/So iss das
Leben Sonst wird das Nix/Ich reiß mich zusamm jetz,
solang biß nich mehr beisamm bin Reiß ich mich/Iss
gut/Küß mich/Mußt du immer das letzte Wort Ham/– – –

Das Gedicht als Sprachabenteuer

Fremdsprachiges Gedicht

Die Lippen liebkosen fremde Wörter, Knospen,
die nur für ein anderes Volk erblühen.
Die Zunge schmiedet Phoneme; hölzerne Klötze, ohne Farben,

wie sie klappern, harmonieren, stumme Rhythmen klopfen,
Wände, Räume, Häuser, Städte bilden,
in denen ich wandele, eine Binde über den Augen, Wachs in den Ohren.

Und die Finger tasten nach leeren Rahmen, ohne Funktion.
Warum singen die Laute dennoch, warum gleiten s, I und m so hübsch
und lassen die Sirenen ihre Arien fließen; a, e, i, o, u?

Nietzsche in Turin

Ich kann mir keine Bücher kaufen,
ich sitze in den Librairien:
Notizen –, dann nach Aufschnitt laufen: –
das sind die Tage von Turin.

Käslob

Eier-Käse wohl gewürzet
Gelb gemacht, in Topf gestürzet,
Ist belobt, gesund und gut.
Und die runden Käse-Küchlein
Wohlgebacken können gut sein,
Machen alle frisch den Mut.

Getanzt

wir wollen alle getanzt werden
wie Mistpapiere soll man uns zerknüllen
die Fieberschlampen sollen aus den Trögen steigen
so nackt, daß nur die Augen ihr Gesicht verhüllen

2 Naturgedichte

132 Wörter, 1 Minute Lesezeit Heike Fiedler Windböen Basel, 2015Als hätte der Sturm die Worte zerrissen, Zelte in die Luft gehoben, Blätter über Kiesel gefegt, die Äste im Wind, der Regen tropft in den Fluss m.einer SpracheVon den Ufern der Wupper, Rhône, Rhein, der Sommer… Continue Reading „2 Naturgedichte“

„Politik und Poesie“

Wer Ohren hat zu sehen der wird schmecken.

1 anagramm u. 1 gedicht

es ist schwer, nicht vom vollmond
zu reden. es ist schwer, nicht zu
sagen, in mondgeflochtenen pantinen
steigt er himmelwärts, der freund

Rückwärts

Die teure Schachtel mit mir, dem teuren
Verblichenen, stieg schnell empor.
Der Deckel klappte hoch, und ich
erhob mich und fühlte gleich: drei
Geschosse fuhren aus meiner Brust
in die Gewehre der Soldaten, die
abmarschierten, schnappend
aus der Luft ein Lied,
im ruhig festen Tritt
rückwärts.

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Ihr Irren

Ihr, Lieben, Trunkenbolde, Zeterer, lausige Schimpfer,
Maulhelden, Knallköpfe, Süßschnaufende, Zyniker, Zweifler,
ihr Melancholiker jenseits des Mondes

Manchmal

die Liebe sucht Eingang
durch die Rundungen eines Knopflochs,
und der Tod verabschiedet sich
im Fall mit einem Fehltritt
von der letzten Stufe.

Der Tscheche und der Deutsche

Die verkaufte Braut
ist auf deutschen Bühnen wie zu Hause
wir verstehen uns mit den Deutschen
Österreich und das Reich sind unsere Heimat
Wilhelm der Zweite treibt Sport in seinem Exil

Der Baum der Kneipen

Und dann gingen wir noch
Den Maler Ebert am Stadtrand besuchen
Da stellten wir fest: Frühjahr war: den Wiesen am Fluß
Wuchs schon was und die Sträucher
Beblätterten sich und Vögel
Rieselten raus. Wo er wohnt
Ist die Saale sanft gebogen und die Schwärze
Überspannt mit zierlicher Wölbung ein Brückchen.

Lassen Sie das Kontinuum frei

Bitte versuchen Sie,
mich nicht in Begrifflichkeiten zu fassen.
Lassen Sie das Kontinuum frei.
Die Ranunkeln sind Handelsklasse A.
Kann der Wasserhahn nicht stehen bleiben?
Pathos tropft!
Ich schwöre.
Mein Parfum heißt L’INTERDIT.
Es ist so wunderbar, ein „R“ über die
Zunge rollen zu lassen.
Mache ich aber nicht.
Contenance!