Kategorie: Deutschland

Ludwig Greve 100

mitten im Lila, dem dunkel
auferstandenen Licht des Sommers,
blendet der neue Tag
und trocknet wie Augen sie

Die Stadt

Kohlenwagen, Leierkastendrehn,
Bauplatz, Gärtnereien, endlos Planken.
Wolken, die am Ruß der Essen kranken,
Treiben fort in traurigem Verwehn.

Dreizeiler

Liebesgedicht
auf den Kotzbeutel geschrieben:
Marmor bricht. Wir nicht.

Luzifer

Er führte den neuen Tag heran.
Fackel tragend war er zu Pferde unterwegs.

Septembertag

Eines blauen Tages stand ich voller Glück
unter einem Baum, von dem die Eicheln sprangen
ein krummbeiniger Köter schnüffelte an der Hinterlassenschaft
eines anderen Hundes.

Chymische Hochzeit

Es geht also darum, ein „Gefühl“ zu entwickeln für die Schönheiten der Chemie/Alchemie/Sprachalchemie – Sprachalchemie hier nicht als unverbindliches Einwerfen diesbezüglicher Vokabeln in Texte

Vielleicht könnte ich wie

Das Licht steht dir so gut
Wie nah es dir kommt
Wie es sich auf deine Narben legt

Wandelbar ist alles

Die Hängenden Gärten sacken
Vornüber, schwer verschüttet.
Gondwana schrumpft zu Darmstadt.

biographie

jene sogenannte
biographie
die zettel
die kontoauszüge

Kunstgeschichte

Jahrhunderte hindurch wurden in alle Dinge Tiefen hineingeheimnist, die sie niemals hatten. Das hat sehr viel Unheil angerichtet.

Rebecca Horn (1944-2024)

Rebecca Horn  (* 24. März 1944 in Michelstadt; † 6. September 2024 in Bad König) Am 6. September starb die vielseitige Künstlerin und Autorin Rebecca Horn im Alter von 80 Jahren. Sie schrieb Gedichte, war aber auch eine visuelle Poetin, die das Erzählerische und das Märchenhafte liebte. Sie machte Filme von einer… Continue Reading „Rebecca Horn (1944-2024)“

Erinnere dich

Agnieszka Lessmann ÜBERSETZUNGENWasser am Morgen am Abend Licht erinnere dichIn der Wüste Brot und Regen die verbotene Zone am BergWir fuhren ostwärts am Tag und standen still in der Nachtder Zaun erhebt sich plötzlich und teilt Wasser und Wüste die Zone im Morgen der… Continue Reading „Erinnere dich“

Frommer Sünder

So schwank ich zwischen Gut und Bösen
Gleich einem Rohr vom Wind bewegt.

Gewölk

eine kleine öffnung ein einstieg ins all noch
nicht aber ein freiraum umrahmt von lockerem grauweiß

Morgenrot – leuchtest mir zum frühen Tod

Die Welt ist ganz von Sinnen;
ihr hilft kein Mensch kein Gott!
So laßt uns denn beginnen:
Wir legen sie in Schutt und Schrott.