S‘ist Issa

Dieses Zitat aus einem Haiku habe ich seit Jahrzehnten im Kopf, aber weiß ich, wer er ist? In meiner Bibliothek stehen 3 Dutzend Bände japanischer Verse, in vielen auch Haiku von Issa (dessen Geburtstag heute ist) – aber die meisten Haikuanthologien sind nach den Jahreszeiten geordnet und streuen Issas Haikus bunt darunter, und kein Register. Dabei gibt es Bücher von ihm, ein autobiographisches mit Versen, aber das habe ich nur auf Englisch: „The year of Issa“. Issa ist eigentlich der Vorname, Wikipedia weiß:

Kobayashi Issa (jap. 小林 一茶; * 15. Juni 1763 in Kashiwabara, Provinz Shinano (heute: Stadtteil von Shinano, Präfektur Nagano); † 5. Januar 1828 ebenda; bürgerlicher Name: 小林 信之 Kobayashi Nobuyuki, Kindheitsname: 小林 弥太郎 Kobayashi Yatarō)

Aber wir bleiben bei dem Namen, mit dem er sich selber nennt, Issa. Wiki sagt: „Fröhlichkeit, buddhistische Genügsamkeit und Zufriedenheit bestimmen Issas Werke.“ Hmm – etwa dieses Bild geben viele Haikuanthologien her. Natürlich, schöne kleine Jahreszeit-Stimmungen, aber wars das? In meiner ersten Anthologie –das Penguin-Taschenbuch für damals sehr üppige 21,85 Mark gekauft – liegt ein Lesezeichen aus einem Kalender vom März 1983, direkt daneben steht:

One bath
after another –
how stupid.

Winter lull
no talents,
thus no sins.

Harmlosfröhlich klingt das nicht. Und aus dem autobiographischen Buch kenne ich das Gedicht auf den Tod eines seiner Kinder:

The world of dew
Is the world of dew,
And yet …
And yet …

Liebe Verlegerinnen, liebe Dichter, gebt uns bitte mehr vom yet! Es müssen nicht immer 17 Silben sein, wenn es deutlich kürzer geht, wie die englischen Beispiele zeigen. Merkwürdigerweise scheint auch die deutsche Sprache oft weniger als 17 Silben für den gleichen Inhalt zu brauchen, und dann? „Poetische“ Füllsel? Bitte nicht. Ja, es gibt auch geschwätzige Haiku – in Übersetzungen. Die drei englischen Beispiele sollen mein Geburtstagsblatt sein.

3 Comments on “S‘ist Issa

  1. Das Buch von G. S. Dombrady „Kobayashi Issa’s ORA GA HARU“ haben Sie nicht?
    Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens, Hamburg. Supplementband XII. Tokyo 1959, 269 Seiten. [Kommisionsverlag Harrassowitz, Wiesbaden] Eine Ausgabe mit dem gleichen Namen (Ora-ga haru bedeutet „mein Frühlung“) gibt es bei booklooker, allerdings ist die Seitenzahl niedriger, nämlich 192.

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    • Nein, dieses Buch habe ich nicht. Von den Veröffentlichungen der Gesellschaft habe ich nur ein Heft über No-Theater. Im englischen Sprachraum ist die Situation ganz anders. Es gibt eine Reihe Einzelveröffentlichungen, darunter (die erste habe ich):
      – The year of my life. A Translation of Issa‘ s Oraga Haru by Noboyuki Yuasa, University of California Press Berkeley and Los Angeles 1960
      – Dumpling Field: Haiku Of Issa. Lucien Stryk Noboru Fujiwara Swallow Press 1991
      – The spring of my life : and selected haiku, übersetzt von Sam Hamill. Random House,
      Shambhala 1997
      – Hass, Robert The Essential Haiku: Versions of Basho, Buson, & Issa. Ecco Press, 1995
      Beneidenswert!

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      • Wenn Sie wollen kann ich Ihnen das Dombrady-Buch schenken. Es geht nichts über die Arbeit eines deutschen Japanologen oder Sinologen, und das sage ich als Nichtdeutscher!
        Ich könnte es heute noch versenden, wenn Sie mir Ihre Adresse mitteilen. Öffentlich, hier als Antwort, oder wenn Sie das nicht möchten, unter kellendonkj bei gmail.

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