Spießer-Expressionismus

Man spricht vom „expressionistischen Jahrzehnt“, bequemerweise meist von 1910 bis 1920 (was 11 Jahre sind). Aber wie alle solche Schubläden ist der Begriff zu eng (Sind die in den 20er Jahren „Nachgeborenen“ wie Georg Kulka oder Erich Arendt wirklich nur Epigonen?) und zu weit. Dass der Expressionismus tot sei, hörte man schon wenige Jahre nach dem ersten Aufkommen des Wortes (ich spreche von Expressionismus in der Literatur, nicht von bildender Kunst, Tanz oder Film…). 1919 ist da schon sehr spät, aber selbstverständlich schossen die Dadaisten (von denen einige kurz vorher selber Expressionisten, andere kurz danach oder zugleich Surrealisten waren) gegen die humorlose, spießige, bürgerliche Kunstübung der Expressionisten. Hier der Berliner Dadaist Raoul Hausmann mit einem Pamphlet von 1919 („Die absolute Unfähigkeit, etwas zu sagen, ein Ding zu fassen, mit ihm zu spielen — dies ist der Expressionismus…“) und einer Karte an Tristan Tzara in Paris.

Raoul Hausmann

(* 12. Juli 1886 in Wien; † 1. Februar 1971 in Limoges)

Karte an Tzara, 15.1.1919. Beide aus „Das Lachen Dadas. Die Berliner Dadaisten und ihre Aktionen. Gießenb: anabas, 1989, S. 120 u. 116

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