Zwey Grenadier‘

Heinrich Heine

(* 13. Dezember 1797 Düsseldorf; † 17. Februar 1856 in Paris)

Die Grenadier

Nach Frankreich zogen zwey Grenadier‘,
Die waren in Rußland gefangen.
Und als sie kamen in’s deutsche Quartier,
Sie ließen die Köpfe hangen.

Da hörten sie beide die traurige Mähr:
Daß Frankreich verloren gegangen,
Besiegt und zerschlagen das große Heer, —
Und der Kaiser, der Kaiser gefangen.

Da weinten zusammen die Grenadier‘
Wohl ob der kläglichen Kunde.
Der Eine sprach: Wie weh wird mir,
Wie brennt meine alte Wunde!

Der Andre sprach: das Lied ist aus,
Auch ich möcht mit dir sterben,
Doch hab‘ ich Weib und Kind zu Haus,
Die ohne mich verderben.

Was scheert mich Weib, was scheert mich Kind,
Ich trage weit bess’res Verlangen;
Laß sie betteln gehn wenn sie hungrig sind, —
Mein Kaiser, mein Kaiser gefangen!

Gewähr‘ mir Bruder eine Bitt‘:
Wenn ich jetzt sterben werde,
So nimm meine Leiche nach Frankreich mit,
Begrab‘ mich in Frankreichs Erde.

Das Ehrenkreuz am rothen Band
sollst du auf’s Herz mir legen;
Die Flinte gieb mir in die Hand,
Und gürt‘ mir um den Degen.

So will ich liegen und horchen still,
Wie eine Schildwacht, im Grabe,
Bis einst ich höre Kanonengebrüll
Und wiehernder Rosse Getrabe.

Dann reitet mein Kaiser wohl über mein Grab,
Viel Schwerter klirren und blitzen;
Dann steig ich gewaffnet hervor aus dem Grab,
Den Kaiser, den Kaiser zu schützen.

Aus: Gedichte von H. Heine. Berlin 1822, S. 77f

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