Mein Volk und ich

SALVADOR ESPRIU (1913-1985)

Mein Volk und ich

Pompeu Fabra, unser aller Lehrmeister,
zum Gedächtnis.*

Wir tranken unvermischt
herbe Weine des Spotts,
mein Volk und ich.

Hörten, zu widerlegen nicht,
Argumente des Säbels,
mein Volk und ich.

Eine Lektion der Pflicht
mußten wir hören,
mein Volk und ich.

Das gleiche Geschick
eint uns auf ewig,
mein Volk und mich.

Wer herrscht, wer dient?
Sind nicht zu trennen,
mein Volk und ich.

Wir haben das Recht
wider Diebe und Heuchler,
mein Volk und ich.

Bewahrten sie schlicht,
die Worte der Sprache,
mein Volk und ich.

Uns entmutigten nicht
alle Stufen der Trauer,
mein Volk und mich.

Im Brunnen sehr tief,
schaun wir nach oben,
mein Volk und ich.

Recken empor zum Licht
uns erwartungsschwer beide,
mein Volk und ich.

*) Pompeu Fabra (1868—1949) gilt als Vater des modernen Katalanisch, da er die grammatischen, lexikalischen und orthographischen Normen in seinen Standardwerken für alle Katalanen verbindlich festgelegt hat.

Deutsch von Roland Erb. Aus: Ein Spiel von Spiegeln. Katalanische Lyrik des 20. Jahrhunderts. Mit 7 Farbzeichnungen und 3 Collagen von Antoni Tàpies. Katalanisch und deutsch. Hrsg. Tilbert Stegmann. Leipzig: Philipp Reclam, 1987, S. 113/115

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