Krieg

Am 12. September 1985 starb Lajzer Ajchenrand, jiddischer Dichter (Polen, Frankreich, Schweiz, Israel). „Die Schweiz verweigerte ihm aus formalen Gründen die Staatsbürgerschaft.“

KRIEG

Wolkens grine speien mit Gall.
Toitlich Geher roischt durch Welder.
Varlosener Acker demert in Varfall —
Broine Durscht gießt iber Felder

Varloschene Sonn. Ziehen Hungertritt
Einsame Gaßn kalt un star —
Tiefer Schmerz! der Scheguen hit
Mutters Schotn in schweigendn Altar.

Varlorener Wind — von bloie Fliegl
Rinnen Troppens wie schwere Klagn —;
Schotns ziehen von zebrochene Spiegl
Varkrampte Finger wie dunkele Fragn.

In Eibikeit varsunkn alle Stufn —
Groisam wartn Kranke durch Necht —
Stolze Pein! Maluchem schwarze rufn
Starbende Krieger zum letztn Gefecht!

Varkoilte Oign umgehoier un schwer
In sei der glihender Bang —
A Faierschein in jeder Trer
Zittert oif un lescht sich lang . . .

Aus: Lajser Ajchenrand, Hörst Du nicht. Jiddische Gedichte. Zürich: Posen, 1947, S. 12f

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