Gaston Salvatore ist tot

Der deutsch-chilenische Schriftsteller Gaston Salvatore ist am Freitag in Venedig im Alter von 74 Jahren gestorben. Er wurde am 29. September 1941 in Valparaiso / Chile geboren. 1965 kam er nach Berlin und studierte an der FU Philosophie, Soziologie und Politikwissenschaften. Während der Studentenzeit lernte er Hans Magnus Enzensberger kennen, der ihn ermunterte, in deutscher Sprache zu schreiben. Nach dem Militärputsch in Chile 1973 wurde ihm der chilenische Paß entzogen. Er war mit Rudi Dutschke befreundet und einer der Aktivisten der „68er“ Studentenbewegung. 1969 wurde er wegen Landfriedensbruchs – gemeint waren Proteste gegen den Vietnamkrieg – zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Zu einer Anklage gegen Dutschke war es wegen des Attentats auf Dutschke nicht gekommen. Salvatore floh ins Ausland, wurde aber 1972 bei einer Veranstaltung im Hessischen Staatstheater in Darmstadt verhaftet, „weil die Amnestie, die der damalige Bundeskanzler Willy Brandt für die verurteilten Mitglieder der Studentenbewegung erlassen hatte, nur für deutsche Staatsbürger galt. Salvatore schlug den Polizisten vor, den Bundespräsidenten Gustav Heinemann, der den Feierlichkeiten beiwohnte, persönlich zu diesem Zwischenfall zu befragen. Daraufhin erhielt Salvatore umgehend eine unbefristete Arbeitserlaubnis in Deutschland.“ (Wikipedia)

„Am 7. November 1983 wird der chilenische Dichter und Revolutionär Gaston Salvatore, ein Mann großbürgerlicher Herkunft und allerbester Manieren, aus dem deutschen Kulturleben verbannt. Eine Hassschrift, wie man sie nur selten liest, erscheint an diesem Tag im Spiegel. Sie trägt den Titel Ein Papagallo der Prominenz und hat die rufmörderische Absicht, den aufstrebenden Schriftsteller als Irrtum der deutschen Zeitgeschichte, als Parvenü des Betriebs zu deklarieren. Über 20 Jahre später ist das Projekt vollbracht: Den Jüngeren ist heute der Chilene, einer der schillerndsten Intellektuellen der Achtundsechziger, kein Begriff mehr. Nach Erscheinen des Spiegel-Artikels, der Schmähungen überdrüssig geworden, zog Gaston Salvatore sich ganz nach Venedig, wo er seinen Zweitwohnsitz hatte, zurück.

Ja, sagt Gaston, während er sich energisch eine Zigarette anzündet, er wolle nicht klagen, aber was hätte er schon werden können in einem Land, das, etwas grob betrachtet, nur eine einzige Klasse herausgebildet habe: das Kleinbürgertum.“ (Adam Soboczynski, DIE ZEIT Nr. 8/2011)

Nachruf auf Spanisch

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