Anneke Brassinga

Bei faustkultur ein Gespräch mit der niederländischen Lyrikerin Anneke Brassinga, Auszug:

Bernd Leukert: Es interessiert mich, wie Sie zu Ihren Gedichten kommen.

Anneke Brassinga: Eines meiner Gedichte mit dem Titel „Kennwörter“ habe ich buchstäblich geträumt: die Worte, nicht die Bilder. Ich bin nachts aufgewacht und habe es ganz schnell aufgeschrieben, denn ich wusste, dass es später schnell verschwindet, wenn man es nicht sofort aufschreibt. Und ich finde das immer noch ein sehr gutes Gedicht, weil ich es nicht geschrieben habe. Es ist mir im Traum gegeben worden. Da habe ich auch nicht gewusst, was kommen würde.

(…)

Wir kennen sehr wenig von niederländischer Dichtung in Deutschland. Mich hat überrascht, dass Michael Krüger vom Hanser Verlag uns mit einem Band einen Dichter vorgestellt hat, Remco Campert.

Er ist schon seit den 50er Jahren bei uns berühmt, und er hat auch ein großes Publikum. Jetzt ist er, glaube ich, 85, und er schreibt noch immer. Er hat auch eine Rubrik in einer Zeitung.

Dann muss er ja schreiben.

Nein, ich glaube, er macht es, weil es Spaß macht und weil man nicht aufhören kann zu schreiben. Und er hat noch im letzten Jahr einen Gedichtband publiziert. – Aber es gibt auch andere: Hans Faverey. Das war ein großer Lyriker. Er schrieb sozusagen aus dem Geist der Vorsokratiker. Ganz neu und bildstark. Und seit er wusste, dass er Krebs hatte, erschienen Gedichte, die seinen Umgang mit dem Tod zeigen, den Tod, den man leiblich in sich trägt. Das macht das sehr direkt.

Wie bei Rilke.

Ja. Und Lucebert!

Der auch Künstler ist, eine Doppelbegabung.

Ja. Aber er hat auch die Sprache der Dichtung wesentlich verändert.

Wie ist der Einfluss solcher Leute, die in Holland so bekannt sind? Kann man sagen, der interessiert mich nicht? Oder ist er immer da?

Ich glaube, Lucebert ist immer da. Er ist das Zwanzigste Jahrhundert. Er hat eigentlich die freie Lyrik eingeführt, in der es mehr auf die Metaphorik und den Klang ankommt und nicht so sehr auf die Form. Vor den 50er Jahren hatten wir nur diese Formdichter: Sonette und Reime.

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