„ich will verstanden werden / nur von dir nicht“

I want to be understood,
just not by you

(aus Ch. Bernstein: Me and my Pharao)

Bernstein ist Jahrgang 1950, einer der führenden Protagonisten der L=A=N=G=U=A=G=E-Poetry, die nach einer von ihm zusammen mit Bruce Andrews gegründeten Zeitschrift benannt wurde. Er wurde inzwischen Professor, lange im Clinch sowohl gegen die Abwehr als auch gegen die Umarmungen des Establishments und ist einer der bekanntesten avantgardistischen Dichter Amerikas (soweit die eben bekannt sind). Das ist einerseits Drang und andererseits auch seine Begabung, er ist virtuoser Poet, eloquenter Redner, begnadeter Essayist und ein unterhaltsamer Performer von  Texten.

Und es war für ihn keine leichte Übung, einen nicht bereits besetzten Flecken zu finden, wenn man sich ein Land vorstellt, in dem Gertrude Stein ihr Unwesen getrieben hatte, in dem die Beat-Generation ihre poetischen Arbeiten hinausgeheult hatte und andererseits die zweite Welle des Modernismus mit Frank O’Hara und Ashbury sich bereits etablierte.

(…)

Kann man denn das verstehen, was er schreibt? An dieser Frage scheiden sich die Geister, denn sie impliziert, dass der Fragende schon weiß, was verstehen ist, z.B., dass die Pflastersteine in ein säuberliches Mäuerchen eingesetzt werden, hinter dem das Ich sich wohl und sicher fühlt, wie ein Gartenzwerg auf seinem Rasen. Von diesem Ich, These, will Bernstein nicht verstanden werden, das ist das ‚not by you‘ aus dem Motto oben.

Was er an die Stelle der Konvention setzt ist – in meinen Augen – von sehr unterschiedlicher Qualität, experimentelles Schreiben enthält keine Erfolgsgarantie.  Aber Bernstein war immer ein virtuoser Sprachspieler, dessen Sätze oft krude Mischungen aus dem Wortschatz der Hochgebildeten mit Alltagswendungen sind, die nur selten da einrasten, wo der übliche Wortgebrauch es erwartet, häufig klangliche Übersprünge in den ‚falschen‘ Kontext vollziehen – immer herausfordernd und nie platt.

Die Auswahl von 35 Pflastersteinen Bernsteins, die Luxbooks 2014 in seiner Americana Reihe letztes Jahr ausgekippt hat, können jedenfalls als Schule zur Entwicklung lyrischer Trittsicherheit dienen. / Franz Hofner, Fixpoetry

Charles Bernstein
ANGRIFF DER SCHWIERIGEN GEDICHTE
Aus dem Amerikanischen von Tobias Amslinger, Norbert Lange, Léonce W. Lupette u. Mathias Traxler
Luxbooks
2014 · 380 Seiten · 29,80 Euro
ISBN: 978-3-939557-88-3

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