Kurzer Bericht

Kurzer Bericht zur Präsentation der Preisträger des Literarischen März 2015 im Lyrik Kabinett am 26. März

Von Kristian Kühn

http://signaturen-magazin.de/die-preistraeger-des-literaris…

Auszüge:

1

Als erste las Özlem Özgül Dündar, Mitgewinnerin des Wolfgang-Weyrauch-Förderpreises 2015: „Wenn der Verstand das Gespräch verlässt“  –  und zwar in München – darauf wurde hingewiesen – mit neuem Vortragsstil. Einem, der die enge Bindung an die schriftlich gestaltete Korsettform unterläuft und damit ein wenig auch die Laudatio in Darmstadt („Beschädigung des Subjekts durch eine beschädigte Sprache“), also ohne Hervorhebung ihrer Kürzel im Text und ohne Zeilenzäsur. Später im Gespräch soll sie noch einmal intonieren, als sei hier Darmstadt (nur mit den Initialkürzeln u und n für „und“ und „nicht“, was zu Brüchen und Synkopen führt und dem Text gerade beim U – aus dem Bauch heraus  – körperliches Empfinden zumischt, wie im 18. Jahrhundert das „Oh“).

2

Nach Dündar, trat die zweite Gewinnerin des Wolfgang-Weihrauch-Förderpreises diskret lächelnd ans Stehpult, Anja Kampmann. Döring erwähnte zuvor ihre ausgezeichnete Versarbeit, ihren fein gesponnenen „Gedichtkörper des Landschaftsgedichts“, doch auch die „Angst, die sich nicht ausspricht, aber anspricht“.
Wie schon zuvor Dündar, outriert auch sie ein bisschen, zwar nicht laut, vielleicht ist es auch nur das dämonisch tiefe Licht der Leselampe, rötlich widerstrahlend, eher versonnen, dafür Geheimnisse provozierend.

3

Döring moderierte als Höhepunkt des Abends nun den Gewinner des Leonce- und Lena- Preises, David Krause, nicht ohne zuvor noch allgemein zu ergänzen, dass sich im Laufe der letzten zehn Jahre eine beinah heimliche, aber wesentliche Änderung in der Lyrik und im Rezeptionswillen vollzogen habe, denn es gebe „keine aufgeregten lyrischen Jungdichter mehr – sie beherrschen den Vortrag.“ Was Krause betrifft, erwähnte er eine schmerzvolle Sehnsucht, die das Bedauern festhalte – und seine „sprachgesungene Selbstsuche“, und was selten sei, dass ein Poet seine Gedichte auswendig vortrage.

Auf mich wirkte Krause, wenn auch nicht optisch und vielleicht unsicherer, eher so, wie ich mir einen jungen Walt Whitman vorstelle denn einen Rolf Dieter Brinkmann, allerdings ohne den globalen Anspruch des Amerikaners. Aber zum Teil ebenso mantrisch.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: