10. Ungesagtes sagen

Inwiefern das Ungesagte und Unsagbare doch zur Sprache finden können, problematisierten zu Beginn [der Herbsttagung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt] die in London lebende Autorin Anne Duden, der Schweizer Schriftsteller und Dramatiker Lukas Bärfuss und der Wiener Lyriker und Romancier Robert Schindel. Schindel, der anders als die meisten seiner Angehörigen, die Schoah als Kind durch Zufall überlebte, schilderte, wie er über Lektüren und durch ein indirektes Sprechen über den von seiner Familie erlebten Schrecken eine Art „Tapetenmuster“ für die Gewinnung seiner eigenen Sprache ausbildete. Dem „Ungesagten“, das in der Gewalt eines letztlich unfassbaren Suizids beschlossen liegt, stellt sich Lukas Bärfuss in seinem für den Schweizer Buchpreis nominierten Roman „Koala“. Und Anne Duden begreift das Schreiben als einen geradezu somatischen Übersetzungsakt, der Physis und Schmerz in Schrift verwandelt. / Volker Breidecker, Süddeutsche Zeitung 27.10.

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