112. Mariniert

Den notwendigen theoretischen Hintergrund legte er dabei mit den poetischen Überlegungen Emmanuele Tesauros, einem der bedeutendsten Rhetoriker des Barock. Die zugehörige Praxis illustrierte Stillers anschließend anhand dreier ausgewählter Texte aus dem umfangreichen Werk Marinos. (…) Als besonders kunstvoll präsentierte sich so beispielsweise ein Text aus Marinos erster Gedichtsammlung, La Lira, der die Angebetete des lyrischen Ichs beim Kämmen beobachtet, wobei es die goldenen Fluten ihrer Haarpracht mit den wilden Wogen des Meers gleichsetzt.
Zwar vermochte Stillers auf diese Weise nach eigener Aussage „nur einen winzigen Ausschnitt“ der Barockliteratur zu beleuchten – die Leitfrage der Vortragsreihe „Was ist Barock“ konnte er jedoch bravourös beantworten, indem er diese besondere Form der Dichtkunst klar von der Renaissance abgrenzte und im Vergleich mit zeitgenössischen Kollegen Marinos stilistische Besonderheiten des „Marinismus“ hervorhob.
Am Ende eines spannenden Vortragsabends war es Stillers gelungen, den Eichstättern neue Perspektiven auf die vermeintlich „schwülstige“ Lyrik des Barock zu eröffnen und die ihr oftmals unterstellte Künstlichkeit als veritable Kunstfertigkeit zu enthüllen.

/ Barbara Hefele, Donaukurier

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