16. Poetische Schöpfungsseligkeit

Man mache die Probe beim Gedicht auf eine Schnecke: ‚die schnecke betrachten, während sie uns/ kaum wahrnehmen kann, zu eilige schemen/ jenseits der bühne, flüchtiges am rande/ eines anderen größeren dramas,/ und das heißt: schnecke.‘ Und als wolle Wagner zeigen, dass er alles kann, gilt gleich das nächste Gedicht dem Hagel: ‚hagel-// körner, aus denen nichts wachsen wird./ bis auf die kostbare stille danach,/ das kühle hagelfeld der stille.‘

Das größere Drama, das Schnecke heißt, und die Stille nach dem Hagel: Wann hat es das in der deutschen Lyrik seit Barthold Heinrich Brockes“ ‚Irdischem Vergnügen in Gott‘ aus dem 18. Jahrhundert gegeben? Gewiss, immer wieder, hie und da. Jan Wagner bietet seine poetische Schöpfungsseligkeit schlanker als der voluminöse Brockes, biedermeierfrei, bubenhaft überraschend, mit begeisternder Könnerschaft. Er ist einer unserer Besten. / GUSTAV SEIBT, SZ 4.2.

JAN WAGNER: Australien. Gedichte. Berlin Verlag, Berlin 2010. 102 Seiten, 18Euro.

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