2. Mehr als Lyrik

MAZ: Frau Cotten, Sie sind eine erfolgreiche Lyrikerin, bezeichnen sich aber selbst nicht als Lyrikerin! Warum?

Ann Cotten: Ich bezeichne mich als gar nichts. Den Begriff Lyrik finde ich irreführend, er kommt eigentlich von einer lieblichen Unterabteilung der Dichtung. Es gibt einen gewissen Stil von junger deutscher Lyrik, der auf mich sehr harmlos wirkt. Sie sagen „wir“, verwenden das Präteritum und stellen ihre anonymisierten Erinnerungen unverbindlich in den Raum. Da finde ich den Begriff Dichter schon passender. Ich möchte das nicht bis ins Letzte definieren, aber Dichtung fordert mehr ein als Lyrik. Außerdem kann Dichtung auch Prosa sein.

Haben Sie Vorbilder?

Cotten: John Donne, Dylan Thomas. Vor ein paar Wochen habe ich damit begonnen, Essays von Benn zu lesen. Da hat man mir Affinitäten nachgesagt, bevor ich ihn überhaupt gelesen hatte. Ach ja, Konrad Bayer mag ich sehr. Celan mag ich überhaupt nicht, diesen Kitsch mit zusammengesetzten Hauptwörtern.

Wurden Sie nicht sogar mal mit Paul Celan verglichen?

Cotten: Wenn ich denjenigen treffe, gibt es eine Schlägerei.

/ Märkische Allgemeine Zeitung

Ann Cotten: Florida-Räume. Suhrkamp, 250 Seiten, 19,80 Euro.

One Comment on “2. Mehr als Lyrik

  1. Im Vergleich dazu Dürrenmatt, der in „Schriftstellerei als Beruf“ den begriff „Dichter“ negativ besetzt.

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