38. Das „ekstatisch-empirisch-esoterische mOMent“ der Direkten Dichtung; oder: 1 Unwort sagt mehr als 1000 Gedichte, aber was, bleibt offen (EEE-Teil 3)

„Einst war das Alter, da Ymir lebte,
Da war nicht Sand, nicht See, nicht salzige Wellen,
Nicht Erde fand sich noch Überhimmel,
Gähnender Abgrund, und Gras nirgends.“
(Die Ältere Edda)

G&GN-Institut, Berlin-Neukölle (Fortgeschrittener Anfang März 2010) / Ich (Sebastian Nutzlos) fühle mich nun als Vorsitzender persönlich durch den Verlauf der Debatte auf das Schlachtfeld gerufen. Alles begann mit der kritischen Nachfrage unseres Institutsmitarbeiters Herrn De Toys, ob der Jungautor Thien Tran das Bild der NULL zu Unrecht (nämlich „redundant“) verwende, insofern er in seinem Gedicht „Reduktion I“ dem Leser ernsthaft versichern wolle, daß die Unzahl einen Zustand des sanften Schwebens oder Hängens über dem Boden ermögliche, da die Null gerade die substanzlose BODENLOSIGKEIT symbolisiere, also KEINEN Boden nirgends erwarten lässt, geschweige denn eine Himmelsdecke (selbst in unendlicher Ferne nicht!), von der sich herabhängen ließe:

„… den Punkt halten / der die Waage im Gleichgewicht hält / und ich füge hinzu, ich / / versichere: es ist ein sanftes Schweben / oder hängen über dem Boden / Zustand Null …“
Thien Tran (*1979), in: Lyrikmail #2139 „Reduktion I“ (4.2.2010)
http://www.lyrikpost.de/blog/2010/02/04/lyrikmail-2139-tran/

Aufgrund Trans gekränkten Kommentares, daß sein Gedicht tatsächlich ERNST gemeint sei, ließe sich ergänZENd bereits die zweite Zeile insofern kritisieren, als daß wir bei unseren Recherchen keine einzige Kulturtradition entdeckten, die ein „Halten“ eines PUNKTES (rein mathematisch ein Synonym für die Null) in irgendeinem Bewußtseinszustand als realistisch beschreibt, so daß wir nun davon ausgehen müssen, daß Trans sogenannte „Lösung“ entweder eine neue paranormale, ja geradezu schamanistische Fähigkeit verkündet oder sein Gedankengut einer Art spätsurrealistischen Poetologie verpflichtet scheint. Beides wissen wir nicht, da der Autor sich zu seinem Text „nicht äußern will“, denn „T. Tran hat dafür keine Zeit“ (L&Poe-Kommentar am 2.3.2010 zu EEE-Teil 2). Verständlicherweise, denn preisgekrönte Dichter leben ja heutzutage dank Goethe-Institute und anderer Traditionshüter „über den Wolken“, jetten wie Topmanager um die Welt, um das vergessene Deutschland der Dichter und Denker wiederzubeleben. Auch Herr De Toys durfte bereits 2001 dank einer großzügigen Goethe-Spende seine damals frisch erfundene Quantenlyrik an der Universität von Sao Paulo uraufführen (bei Prof. Beil, dem ersten Dumontdichter der Stunde Null für Sehr Neuere Lyrik), was allerdings nachträglich eher wie ein trojanisches Pferd empfunden wurde. Tranische Pferde haben es da gewiss leichter, mit ihren „Spielfiguren oder Miniaturlandschaften“ ein gewisses ausgehungertes Fastfood-Klientel zu bedienen, denn Trans Reduktionen der Null auf seinen sehr persönlichen Erfahrungsbericht sind in einer derart metaphorisch-„indirekten“ und dadurch EXTREM-ESOTERISCHEN Sprache verpackt, die sich künstlerisch anmutig gibt wie des Kaisers neue Kleider (sein „Leid, ungerechtigkeit, Wunsch“ wirkt auf uns wahrlich „unpersönlich, unecht“), daß sein Weg in „die großen Zeitungen“ und zu irgendeiner „Ehrendoktorwürde“ dadurch vermutlich perfekt geebnet ist. Nahezu sprachlos stehen wir darum heute wie schon gesten und auch morgen und übermorgen mit offenem Munde vor einem rätselhaften Phänomen der Geschichtsschreibung: In Lexika sowie Kanon-beschwörenden Standard-Anthologien wird besonders ausführlich festgehalten, was die Masse auswendig lernen soll und angeblich sogar will, der Rest bleibt eher Geschichte – für „Eingeweihte“ (Insider als Outsider: Randlagen-Eigenbrödler)… Froh sind wir deshalb immerhin über das schillernde Hintergrundblubbern des kosmischen Monsters (tohu wa bohu = Tehomot & Behomot? kopulierende Urdrachen!) – dank Seife und anderer SubstanZEN für uns jederzeit abrufbar (nicht nur für Zenmeister!), wie schon Jean Gebser in seinem Hauptwerk „URSPRUNG UND GEGENWART“ (1949) bemerkte, wenn er die absolute Gegenwart als „ganzheitliche Leistung“ betrachtet, weil sie den Ursprung in einem überbewußten Nullzustand des meditatiefen Normalbewußtseins erfahrbar macht:

„Die Griechen waren davon überzeugt, daß die Dunkelheit die Urmutter aller Dinge sei und daß aus der Dunkelheit das Chaos entspringe. Dunkelheit und Chaos brachten dann die übrige Schöpfung hervor. Nach den hebräischen Schöpfungsmythen wa die Erde wüst und leer, bis Gott sie mit Licht überflutete und mit seinen Geschöpfen bevölkerte. Die älteren hinduistischen Überlieferungen berichten von einem Schöpfer, der die Butter des Chaos in die Erde schlägt, und altnordische Mythen künden von einer offenen Leere, die mit Eis bedeckt wurde; aus dem Chaos, das aus der Vermischung von Feuer und Eis hervorging, entsprangen dann Giganten. Leere und Unordnung kennzeichneten folglich den urzeitlichen, natürlichen Zustand des Kosmos, und ständig nagte an den Menschen die Furcht, am Ende aller Zeiten könnten Chaos und Leere wieder die Oberhand gewinnen. Die Null repräsentiert ebendiese Leere. Die Furcht vor der Null war jedoch keineswegs nur ein Unbehagen angesichts der Leere, sondern sie ging tiefer.“
Charles Seife, aus: Zwilling der Unendlichkeit
(2000: „Zero. The Biography of a Dangerous Idea“)

Das Institut für Ganz & GarNix dankt der Lyrikzeitung hiermit unter Strom für die Bereitschaft, auch abwegigen „Unterströmungen“ seitens ehemaliger „Außerliterarischer Oppositioneller“ (A.L.O.: A jetzt für anachronistisch? oder arational?) gegen das Vergessen & VerschanZEN ein leeres Flußbett auszuheben und sich nicht zu scheuen, Weltnachrichten aus ALLEN unter-dem-Teppich-hervorquellenden Eigenwelten bereitzustellen, die das legal sublimierte Verschieben der Gürtellinie enttarnen und kein Blatt vor den offenen Mund nehmen, sich ihrerseits gegen Verleumdung und Rufschädigung mit Hand und Fuß zu wehren. Der offensichtlich projizierte „kohlschwarze Frust“ eines Thien Tran, den die G&GN-Ticker zu sehr verwirren (indem er sie als „wirr“ empfindet), um seine abscheulichen Behauptungen wissenschaftlich zu untermauern (jaja, DIE Zeit nehmen sich andere!), hier würden „eine ganze Menge andere fe[r]nöstlicher Philosophien durcheinander“ gebracht (welche bitte??? wir möchten unsere eigene Bildungslücke füllen!!!), ist für uns wahrlich schwer zu „kapieren“ und befriedigt unsere kindliche Neugier keineswegs. Bleibt uns nur die Notlösung: Wir führen weiter schizophrene Scheingefechte, bis der Engel der Geschichte seine eigene Nichtexistenz geschichtlich nachweisen kann (ein Koan! Verwirrung selbstredend vorprogrammiert!). Und verabschieden uns mit einem brandneuen Beispiel für transesoterische „Direkte Dichtung“, das derzeit in unserem hauseigenen Lyrik-Labohr (ja, mit H wie damals zu Tacheleszeiten) für die luXXus-Edition auf www.wOManticum.de alchemistisch in ein königliches Fotocollagen-POEMiE-Design umgewandelt wird:

Tom de Toys, 6.3.2010 für Ex-O.O.
(14:02:17h c/o Schlachtensee)

ANTI-TV-GLOT-Zen
(SEEELENWARTUNG I)

und irgendwann irgendwo
mitten im wald einfach
nur stehen bleiben und
in die hervorbrechende
sonne starren das
telefon zücken
um dir zu erzählen
ES SCHNEIT PLÖTZLICH
sehr windige flocken
das eis auf dem see funkelt
und blendet ich glaube
das ist der geheime
frühling die wolkenfront
zwingt mich zur umkehr
ich komme nach
hause tief in mir selbst
wartet das nichts als
elektrische information
alle seelen…
anteile

Hier zur myspace-Version mit Videos

10 Comments on “38. Das „ekstatisch-empirisch-esoterische mOMent“ der Direkten Dichtung; oder: 1 Unwort sagt mehr als 1000 Gedichte, aber was, bleibt offen (EEE-Teil 3)

  1. Pingback: 75. Top-Posts « Lyrikzeitung & Poetry News

  2. http://www.killroy-media.de/slampoetry_1.html

    Literatur und Subkultur – nur ein Zeitgefühl? Neue Literatur – SOCIAL BEAT – als Antwort. Die rote „Bibel“. Eine szene-relevante Recherche mit Beiträgen von 74 Autoren und Autorinnen. „Die Literatur bebt …Vor allem wütend und dagegen – Poesie in Punk und Rap – Asphalt-Lyrik und Underground-Poser … In Deutschland geht wieder ein Gespenst um: Social Beat.“ SDR 3, Et Zetera, 22.03.1995 „Social Beat und Underground gehören unweigerlich zusammen. Aus Protest gegen Konventionen und wider die Langeweile hat sich hier eine Szene etabliert, die in ihren Texten unverblümt ihren Gefühlen, Träumen, Sehnsüchten Ausdruck verleiht.“ Unicum, 10/1995

    ISBN 978-3-931140-11-3
    ISBN 3-931140-11-3
    Killroy Media, 1997
    Social Beat SLAM!poetry
    224 Seiten
    Mit zahlreichen Abbildungen.
    Taschenbuch im A5-Format

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  3. ok, verschwindet wieder im spamfilter, vielleicht zu lang? dann eben nicht. dann kommt der INOFFIZIÖSE EEE-Teil4 in den myspace-blog, wo ihn keiner stört…

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  4. UND NUR FÜR DICH MICHAEL – ZUM PAUZEN MACHEN UND ABSCHALTEN VOM GAN-zen superliterarischen dudadoof-hickhack 🙂 hier ein hypnotisches video zum thema, gegen das natürlich KEIN ABER AUCH KEIN EINZIGES gedicht ankOMmt, ganz gleich welcher liga, welcher schule, welcher generation 🙂 ich konnte zwar nicht loch ness aber dafür das große dingsbumsdong für 10 sekunden einfangen, gleich hinterm zoo:

    MOBILE MEDITATION: „t r a n s Z E N t r i k“
    …sOMe ELEMENTS @ 7.3.2010: sun, water, wind, wood, wave for 10 transesoterically enlightened seconds in min 4:34-4:44 =

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  5. noch ne andre spielart…

    Hans Arp, in OPUS NULL:

    „Ich bin der große Derdiedas / das rigorose Regiment / (…) / Posaune ohne Mund und Loch / (…) im lichten Zelluloserock.“

    und im weiteren verlauf zwischen den zitierten zeilen auch noch ganz wunderbare körperteile, die die geschlechter voneinander unterscheiden oder auch nicht, das könnte den qualifizierten kOMmentatoren besonders gefallen, insofern es für ihre denkart nicht zu esoterisch ist 🙂

    „DER GROßE DERDIEDAS“ muß man sich erstmal auf der zunge zergehen lassen, was da alles an mythologischen anspielungen pitschpatsch drinsteckt, nixxxxxxx für weicheier, voll eso hinter der tarnkappe des dadas mit genitief und genital-s !!!!!!!!!!!!!!!!

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  6. ne ne, maulvotzen is supa! muß nur anders geschrieben werden: maulvot-ZEN 🙂 was immer das auch bedeuten mag, zumal das weibliche geschlecht hier mal wieder für mänliche muskelspiele herhalten muß. naja, souveräne damen lachen sich da doch nur schlaff… ich bin im übrigen ein liebhaber von farcen. und was den wahrlich ABERWITZIGEN vergleich mit topmanagern betrifft: ja, da hab ich auch ziemlich zynisch abgelacht, als mir das bild in den sinn kam. schön wärs ja, wenn wahr! allerdings stimmt das bild dann leider doch, insofern man GEWISSE gedichte als kaisers neue kleider empfindet (natürlich: jeder eben andere)*, die einen schleichenden bewußtseinscrash einleiten. spannend finde ich allemale, daß kOMmentatoren hier meist bierernst und böse sind, das grinZEN fehlt mir da ein bißßßchen… nebenbei: die ESOTERIK-debatte hat ja der (nach meiner meinung ebenfalls im glaspalast sitZENde) beleidigte tran angestoZEN, nicht ich. aber ich bin dankbar für seinen anregenden vorwurf, den ich eher als ritterschlag empfinde. tja, das ist natürlich nun oberpeinlich – denken die ewigen besserwisser. nicht erröten jungs, die scham verhindert das spiel! wir treffen uns dann an der endstation und zählen die wörter ZWISCHEN DEN ZEILEN mal durch. ich meine: DURCH! ach, forget it!

    *übrigens verstanden die brasilianischen deutschstudenten an der uni sao paulo (usp) KEIN EINZIGES wort deutsch, so daß sie noch nicht einmal merken konnten, daß ich quantengedichte vortrug und keine „normalen richtigen“ texte. das war wirklich komisch, irgendwie aber auch gruselig, denn ich fühlte mich selbst wie ein HURZ-plagiat, obwohl die quantenlyrik etwas todernstes ist 🙂 aber prof. Beil ertrugs immerhin mit guter laune, und dank meines einsatzes von kleinen musikinstrumenten war es für die studenten vielleicht trotzdem unterhaltsam 🙂 naja, eben noch so einen anekdote am wegesrand… vorallem schwit-ZEN tut man da drüben ziemlich, die lehrer in den deutschschulen wechseln ständig ihre hemden, weil die schweisssuppe unter den achseln extrem tabuisiert ist (man glaubts kaum, denkt man doch bei brasilien and lässige körperfreikultur etc) – der horror für neulinge, denn man braucht geschlagene 1-2 wochen, bis sich der körper auf das klima umgestellt hat. nur so als vorwarnung, falls hier ein mitlesender goethe-geförderter dichter auch mal das glück hat, da drüben… einen schönen tach dann allerseits – und immer schön böse gucken!!!! böööööööööööööse

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  7. ein „ausgehungertes fastfood-klientel“, haha, fast lustig, aber eben nur fast. sich nach dieser einlassung jetzt noch ernsthaft mit der angelegenheit beschäftigen zu wollen, ist eine farce – selten etwas dermaßen unqualifiziertes gehört oder gelesen. aber endlich durch diesen zufall doch mal wieder an ein schönes wort erinnert worden, das mir schon zu lange nicht mehr über die tastatur gekommen ist: maulvotzen! ein wort, wie für de toys und co. erfunden. ende der durchsage.

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  8. geh bitte, jetzt reichts:

    1. kein ernstzunehmender autor würde in der hier geforderten form das eigene gedicht erklären.

    2. zu trans gedicht: bei „zustand null“ denke ich vielmehr ans „00:00“ auf dem display des aufzeichnungsgerätes bzw. der digitalkamera oder ans „0,0“ einer personwaage oder an eine balkenwaage im gleichgewicht. da brauchts keine verquaste esoterik/exoterik-debatte und das ganze psychotische geschreibe von der „unzahl“ und ihrer „bodenlosigkeit“.

    3. „wartet das nichts als / elektrische information“ (t.d.t.): wer im glashaus sitzt, soll nicht mit nichts.

    4. wenn tom de toys‘ gedichte besser wären, könnte ich diese fremdscham verursachende neidschau besser ertragen. wenn notwendig, bitte über die preiskrönenden, aber nicht über die preisgekrönten schimpfen. der aberwitzige vergleich mit den topmanagern zeugt in der tat von „kohlschwarzem frust“.

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