44. USA: „Wieder eine wenig bekannte Europäerin“

Die New York Times veröffentlicht einen AP-Artikel, der so beginnt:

Herta Müller, eine wenig bekannte, in Rumänien geborene Autorin, die wegen der kritischen Darstellung des Lebens hinter dem Eisernen Vorhang verfolgt wurde, gewinnt den Literaturnobelpreis 2009 – eine Auszeichnung, die auf den 20. Jahrestag des Zusammenbruchs des Kommunismus verweisen soll.

Die Entscheidung wird die Kontroverse um die Tendenz der Akademie beleben, den Preis an europäische Autoren zu vergeben.*

Nunja – wer etwas „wenig bekannt“ nennt, verortet sich selbst. Ich will mich ja nicht mit Amerika vergleichen: mir ist der Name ein Begriff, seit ich in den 70er Jahren zum erstenmal einen Satz von ihr in einer rumäniendeutschen Zeitschrift las. Eine irre, elektrisierende Prosa! Von deutschen Zeitungen jedenfalls erwarte ich zuversichtlich, wenn ein in Deutschland wenig gedruckter Autor ausgezeichnet wird, was schon vorgekommen ist, daß sie nicht nörgeln, sondern erschrocken sagen: O, das müssen wir schnell nachholen! In den Staaten ist man nicht so zimperlich:

Der allgemeine Konsens in den letzten Jahren [allgemein-amerikanisch, soll das heißen!] sei, daß der Nobelpreis ein „Witz“ sei, wie Roger Straus, Ko-Gründer von Farrar, Straus and Giroux einmal sagte, oder, wie es Charles McGrath, früherer Herausgeber der New York Times Book Review, diplomatischer ausdrückte, ein „großes Mysterium“. / L&Poe 2006    Okt #37.    Nobelwetten und Damenfußball

Weiter hieß es in dem damaligen Bericht über amerikanische Reaktionen:

Der ideale Kandidat für den Nobelpreis wäre eine Lesbe aus Asien, so zitiert der Meinungs-Leader (bzw. seine Autorin),  und deutet gar an, Czeslaw Milosz 1980 und William Butler Yeats 1923 hätten den Preis primär aus politischen Gründen bekommen.

* Also Europäer wie Nagib Mahfus, 1988 (Ägypten), Octavio Paz, 1990 (Mexiko), Nadine Gordimer, 1991 (Südafrika), Derek Walcott, 1992 (Karibik), Toni Morrison, 1993 (Afro-USA), Kenzaburo Oe, 1994 (Japan), Gao Xingjian, 2000 (China – nach offiziell chinesischer Ansicht aber Franzose), V. S. Naipaul, 2001 (Karibik), J. M. Coetzee, 2003 (Südafrika),  Orhan Pamuk, 2006 (Türkei), Doris Lessing, 2007 (Britin, geboren in Iran). Irgendwie stimmts schon – nicht nur bei Pamuk.

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