For those who still find listening to poetry as exciting a leisure-time pursuit as re-sitting your O-levels, a possible cure awaits. A new website, http://www.poetryjukebox.com/ offers anyone with a computer (and sound chip) samples of more than 40 poets reading their own work. / The Independent 27.9.03
Über „die Rückkehr des Silben zählenden Prinzips in die Lyrik“ und andere „Pop“-Phänomene schreibt Moritz Bassler in der taz vom 26.9.03 (bzw. sprach es, auf der Hallenser Feuilletontagung).
„Das Schlimmste, was unserer Lyrik passieren kann, ist die Marginalisierung“, sagt Alexej Aljochin, der Verleger der wichtigsten russischen Poesie-Zeitschrift Arion. „Gedichte dürfen nicht wie im Westen zum Privatvergnügen der Philologen werden.“ Aber so weit werde es nicht kommen. Natürlich läsen weniger Menschen als früher Verse. Doch die damalige Bedeutung des Dichters sei ein Ausnahmezustand gewesen. Poeten hätten Funktionen ausüben müssen, für die die Medien zuständig seien. Heute aber nehme der professionelle Lyriker seinen eigentlichen Platz in der Gesellschaft ein: als eine schöpferische intellektuelle Instanz. Nicht marginal, aber auch nicht massenfähig. Woher er seine Hoffnung schöpfe, den Leser nicht zu verlieren? „Nach der Perestrojka wurde nur experimentiert, das hat uns um die Leserschaft gebracht. Jetzt aber fangen Gedichte wieder zu sprechen an und wollen verstanden werden“, sagt Aljochin. Beispiele? Maxim Amelin und Gleb Schulpjakow. …
„Doch warum werden all diese Namen in Deutschland vollkommen ingnoriert?“, fragen mich Lyriker und Verleger, denen ich in Moskau begegne. „Wer von unseren Leuten ist denn überhaupt drüben bekannt?“ – „Genadij Ajgi, Olga Sedakowa und die Konzeptualisten“, antworte ich und stoße auf allgemeine Verblüffung: „Ja, es gibt sie alle zwar, aber sie haben seit über zwanzig Jahren nichts wesentlich Neues mehr zu sagen.“ Was kann ich darauf erwidern? Ist nicht selbst die russische Moderne hierzulande nur durch eine Hand voll Autoren vertreten? Angeblich die besten. Doch warum fehlen dann in diesem Kanon ausgerechnet die Stimmen, auf die sich so viele Lyriker heute beziehen: Innokentij Annenski, Wladislaw Chodassewitsch, Michail Kusmin, Georgij Iwanow, Eduard Bagrizkij?
/Alexander Nitzberg, Die Zeit Literaturbeilage, 40/03
Am 8. und 15. Oktober 2003 in der Lesezeit des DLF: Von Achmatowa bis Mandelstam – Russische Poesie im Originalton (Alexander Nitzberg liest seine dt. Übersetzungen)
Zwei einschlägige Anzeigen aus der Times of India
Poetry: we need writers
Publish, be read, and get paid. Start writing poetry instantly!
http://www.bloggingnetwork.com/
Free Poetry Contest
We have cash awards and an ezine, Forums and Poetry Ambassadors, too.
http://www.VoicesNet.com
/ 23.9.03
We’re celebrating the 115th anniversary of T.S. Eliot’s birth by revisiting James Wood’s eloquent defense of the poet against charges of anti-Semitism, first published in TNR in 1996… / schreibt The New Republic 23.9.03
Sachlich, böse und was sonst, B. B.? Editionen für Bertolt Brecht, vorgestellt in der Akademie der Künste / Sybille Walter, ND 23.9.03
Hussein Al-Mozany schreibt in der FAZ vom 22.9.03 über den seit 1980 in Köln lebenden irakischen Dichter und Verleger Khalid Al-Maaly.
Khalid Al-Maaly (Hg.): Zwischen Zauber und Zeichen. Moderne Arabische Lyrik von 1945 bis heute 2000
560 Seiten Gebunden
ISBN 3-89930-242-7 € 25.50
Hier wird erstmals auf Deutsch die arabische Lyrik seit Beginn der arabischen Moderne ausführlich vorgestellt. 100 Lyrikerinnen und Lyriker aus dem gesamten arabischen Sprachraum sind mit sorgfältig ausgewählten und mit repräsentativen Gedichten in dieser Anthologie vertreten. Mit Gedichten von Adonis, Sa’adi Yussuf, Sargon Boulus, Mohammed Bennis u.a.
„Der Iraker Al-Maaly, der seit 1980 in Köln im Exil lebt, ist selber Dichter und Übersetzer arabischer und deutscher Lyriker wie Darwisch, Celan und Benn, die meisten Übertragungen sind darum seine eigenen. Um es kurz zu machen: sie lesen sich ausgezeichnet.“ (Neue Zürcher Zeitung)
Khalid al-Maaly, 1956 im Irak geboren, 1979 Flucht nach Frankreich aus politischen Gründen, lebt seit 1980 in Köln. Mehrere Buchpublikationen auf Arabisch (siehe auch unser arabisches Programm) und Deutsch. Zahlreiche Lyrikübersetzungen aus dem Arabischen und dem Deutschen und Herausgeber der arabischen Literaturzeitschrift Uyoun. Gründer und Inhaber des Al-Kamel Verlags für Publikationen in arabischer Sprache.
Khalid Al-Maaly
Landung auf dem Festland. Lyrik
1997 96 Seiten
ISBN 3-89930-156-0 € 12.30
Khalid Al-Maaly
Gedanken über das Lauwarme
1994 159 Seiten
ISBN 3-89930-047-5 € 12.30
Khalid Al-Maaly
Eine Phantasie aus Schilf. Lyrik, Arabisch-Deutsch Übersetzer: Stefan Weidner
1994 167 Seiten
ISBN 3-89930-039-4 € 12.30
Khalid Al-Maaly / Suleman Taufik
Mittenaus, Mittenein. Lyrik aus dem Irak Übersetzer: Khalid Al-Maaly / Stefan Weidner
1993 122 Seiten Paperback
ISBN 3-89930-038-6 € 12.30
Nachrufe auf den am Wochenende in Wien gestorbenen Schriftsteller Helmut Eisendle: FR 23.3.03 / FAZ 22.9.03 / NZZ 23.9.03 / Die Presse 22.9.03
Auch in titel:
Rüdiger Heins über
Ted Hughes: Prometheus auf seinem Felsen. Zweisprachige Ausgabe. Übertragen von Jutta und Wolfgang Klaußen. Insel 2003. Gebunden. 95 Seiten. 13,80 Euro.
ISBN 3-458-19230-1
Ted Hughes: Etwas muß bleiben. Gedichte Englisch und Deutsch. Übertragen von Jutta und Wolfgang Kaußen. Suhrkamp 2003. Gebunden. 191 Seiten. 14,80 Euro. ISBN 3-518-22352-6
sowie: Das Gilgamesh-Epos. Hörspiel von Raoul Schrott . DHV Der HörVerlag 2001. CD-Rom, Audio-CD. 195 Min. ISBN 3-89584-505-1
/ 22.9.03
Im Großen und Ganzen herrscht eine melancholische, ja fast elegische Grundstimmung in dieser Anthologie, und es scheint, wie Mirko Bonné es formuliert, „Herbst im nervösen Jahrhundert“ zu sein. Neben dem ewigen lyrischen Thema der Liebe wendet sich die jüngste Lyrikergeneration in einem erstaunlichen Maße der Natur und dem archaischen Landleben zu: Da glitzern die Libellenflügel, zwitschern die Vögel, pflügen die Bergbauern den Acker, und bei Sabine Schiffner „grasen Kühe“ und „das stroh liegt schon lange in ballen da im herbstwind“. Kein Spur zeigt sich hier von Rebellion und Aufbruch, vielmehr scheint man der entzauberten (Medien-) Welt den Rücken zu kehren und in der Natur sowie im Natürlichen dem Geheimnis und dem Mythos hinterher zu spüren. …
Auf höchstem Niveau – sowohl im Hinblick auf Form, Rhythmus wie Variationsbreite, Sprachgewalt und (Hinter-) Sinn – präsentiert sich in Lyrik von Jetzt der Hamburger Nicolai Kobus. In „der dichter“ stellt er die Intention des Rilke-Klassikers „Der Panther“ ironisch-philosophisch auf den Kopf: „man wirft dir fleisch tagtäglich durch die stäbe / zu fressen hast du also, und warum / wünscht du dir, dass es keine stäbe gäbe? / die freiheit bringt dich doch nur um.“ / Karsten Herrmann, titel-Magazin, 22.9.03
Björn Kuhligk/Jan Wagner: Lyrik von Jetzt. DuMont 2003. Gebunden. 420 Seiten. 14,90 Euro. ISBN 3-8321-7852-X
Michael Collier (poet laureate in Maryland) kommentiert in The Baltimore Sun vom 21.9.03 das Gedicht „Eternity“ von Hart Crane über einen Hurrikan von 1926. Hier der Anfang des Gedichts:
September – remember!
October – all over.
Barbarian Adage
After it was over, though still gusting balefully,
The old woman and I foraged some drier clothes
And left the house, or what was left of it;
Parts of the roof reached Yucatan, I suppose.
The Habimah National Theater of Israel is visiting the United States for the first time in 40 years, with a four-day run (it ends tomorrow) at Symphony Space. It brings theatrical intelligence and moments of real power to „Kaddish L’Naomi,“ its staging of Allen Ginsberg’s a gorgeous lamentation for his dead, mad mother.
The poem, whose title is the same as that of the Jewish prayer for the dead, begins:
Strange now to think of you, gone without corsets & eyes, while I walk on the sunny pavement of Greenwich Village.
downtown Manhattan, clear winter noon, and I’ve been up all night, talking, talking, reading the Kaddish aloud, listening to Ray Charles blues shout blind on the phonograph
the rhythm the rhythm — and your memory in my head three years after — And read Adonais‘ last triumphant stanzas aloud — wept, realizing how we suffer —
And how Death is that remedy all singers dream of, sing, remember, prophesy as in the Hebrew Anthem, or the Buddhist Book of Answers — and my own imagination of a withered leaf — at dawn —
Dreaming back thru life, Your time — and mine accelerating toward Apocalypse,
the final moment — the flower burning in the Day — and what comes after . . .
There is so much in this 1956 poem: the Bible, Whitman, Blake, the ancient sound of Aramaic (Kaddish is said in Aramaic) and the modern rhythm of bop. / NYT 20.9.03
NZZ füllt am 20.9.03 ein ganzes Dossier zu Korea. Hier Auszüge aus einem Überblick von Ludger Lütkehaus:
Die Lyrik, die sich in Korea eines ganz anderen Zuspruchs als hierzulande erfreut, geht ohnehin andere Wege. Die 1955 in Ulchin geborene Kim Hyesoon(«Die Frau im Wolkenschloss») lässt in ihren so exquisiten wie gesuchten «kühnen» Metaphern die Sterne gerne in den Brunnen des Himmels fallen. Der 1921 in Seoul geborene, 1969 bei einem Autounfall ums Leben gekommene Kim Soo-Young («Der Wächter der Wolke»), der im Korea-Krieg von den nordkoreanischen Truppen zwangsrekrutiert wurde, aber auch dem südkoreanischen Präsidenten «Mister Rhee» ein sarkastisches lyrisches Monument setzen kann, vereinigt ein anarchisches Temperament mit einer zur Not Heidegger-fähigen Intelligenz.
Am zugänglichsten, gleichwohl unverwechselbar die Gedichte des 1941 in Seoul geborenen Germanisten Kim Kwang-Kyu («Die Tiefe der Muschel»), eines Autors, der politisch sein kann, ohne den Witz und die Poesie zu vernachlässigen, in seinen besten Stücken ein koreanischer Heine: «Über die Berge / durch Felder / laufen auch die Azaleen und Forsythien zum Norden über / Im Sommer sind der Kuckucksruf / Und auch das Fröschequaken / überall gleich.»
Matthias Politycki hat sich jüngst sehr geschämt, als er im Fernsehen zappend einen deutschen Dichter traf. Um die Ehre der deutschen Gegenwartslyrik zu retten, machte er sich auf die Suche – und wurde fünffach fündig. Die Ehre der deutschen Lyrik ist männlich, bildungsgesättigt und teilweise heiter. Neben Wolf Wondratschek, Hellmuth Opitz, Steffen Jacobs und Rudolf Bussmann machte er einen Zufallsfund:
Das grüne All. Ein Poem aus dem Regenwald, als dessen Verfasser gar kein genuiner Lyriker zeichnet, sondern ein renommierter Verhaltensforscher, einer, der sich seit Jahren in den verschiedensten Dschungeln herumtreibt … – Volker Sommer, und nun hat er nicht etwa einen Rettet-die-Schönherit-der-Tropen-Gesang angestimmt, sondern einen auf das Grauen, das im Herzen der Finsternis bislang von der Literatur oft beschworen, meiner Kenntnis nach aber noch nie so detailliert beschrieben wurde: „Am rabenschwarzebn Schwanz,/ kopfüber aufgehangen/ im Geäst,/ dreht zwischen flinken tatzen/ die Schleichkatze/ den Mond rund (…)“. … Der kurze Aufschein des Schönen wirkt fast wie ein Hohn, und das Gedicht erweist sich an seinem Ende als ein dunkles, sehr dunkles Gebet… / FR 20.9.03
Volker Sommer: Das grüne All. Ein Poem aus dem Regenwald. Radius Verla
Neueste Kommentare