Veröffentlicht am 5. August 2023 von lyrikzeitung
Jerome Rothenberg
A SENECA MEMORY At Harry Watt's old place above the Allegany River Leo Cooper tells me: "I could have been the first "American Indian "rabbi were it not for my love "of pork
EINE SENECA-REMINISZENZ Im alten Haus von Harry Watts oben am Allegany River erzählt mir Leo Cooper: »Ich hätte der erste »amerikanisch-indianische »Rabbi werden können wäre da nicht meine Liebe »zu Schweinefleisch
Deutsch von Barbara Felicitas Tax und Norbert Lange, aus: Jerome Rothenberg: A Seneca Journal (1978). Ein Seneca-Journal. Aus dem amerikanischen Englisch von Barbara Felicitas Tax und Norbert Lange. Moloko Print, 2022, S. 152f.
Die Seneca sind einer der sechs Stämme der Irokesenliga im Staat New York.
Veröffentlicht am 4. August 2023 von lyrikzeitung
Mit dem alten Sparta verbindet man im allgemeinen die Vorstellung von einer Art permanentem Heerlager, in dem man die Kinder sobald wie möglich den Müttern wegnahm, um sie allem erdenklichen Drill und grausamen Mutproben zu unterwerfen und zwischendurch nur kärglich mit der berüchtigten schwarzen Suppe zu füttern – Sparta, das ist der Gleichschritt marschierender Heere, die Heimat der unüberbietbar knappen, ›lakonischen‹ Antworten, der Staat, der große Teile der Peloponnes brutal versklavte. Können wir es uns vorstellen, daß es einmal eine Zeit gab, zu der in diesem Staatswesen ein Dichter und Musiker höchstes Ansehen genoß, der zarte Lyrik schrieb, der Mädchenchöre für Götterfeste einstudierte und Gesang und Tanz auf der Kithara begleitete? Diesen Mann gab es tatsächlich; er lebte in der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts v. Chr., hieß Alkman…
Aus: Gerhard Fink, DIE GRIECHISCHE SPRACHE. Eine Einführung und eine kurze Grammatik des Griechischen. Düsseldorf: Patmos, 2006, S. 37.
Aus diesem Buch stammt auch das heutige Gedicht von Alkman. Es ist vielleicht das schönste Beispiel griechischer Naturlyrik (und wird oft mit Goethes „Wanderers Nachtlied“ verglichen – Goethe könnte es sogar gekannt haben, es wurde 1773 veröffentlicht).
Alkman
(Ἀλκμάν Alkmán) war ein altgriechischer Chorlyriker des 7. Jahrhunderts v. Chr. aus Sparta. Er ist der älteste Dichter des alexandrinischen Kanons der neun Lyriker. (Wikipedia)

Veröffentlicht am 3. August 2023 von lyrikzeitung
Li Lichun
(Geboren 1961 in Guangzhou, China)
Diese Schar
Wir diese Schar von Leuten sind keine Dichter
Wir haben weder allzu übertriebene Illusionen
noch allzu viele verwirrte Gedanken
Wie leben? Darüber müssen wir nicht reden
Wir streben nach Geld und verabscheuen es zugleich
Wir strengen uns sehr an es zu verdienen und wieder
auszugeben
Wir rauchen, trinken und tanzen wie Cowboys
Wir schlendern auf der Straße, amüsieren uns und singen
Schlager
Ab und zu gehen wir mit Frauen ans Seeufer, in den Schatten
der Bäume, und erfreuen uns des Liebesspiels
Deswegen sagen manche Leute wir suchten nur das
Vergnügen
Sie sagen sogar es sei eine latente Krise vorhanden
Laßt das! Durch Tadeln kann das Leben nicht ersetzt werden
Von Depression und Melancholie wissen wir nichts
Fade Belehrungen mögen wir nicht
Jeden Tag leben wir auf unsere Art und Weise auf dieser Welt
Manchmal sind wir sehr dick manchmal aber sehr dünn
Ab und zu sind wir sehr fleißig, dann auch wieder ziemlich
faul
Tagsüber streunen wir ungekämmt und ungewaschen durch
die Gegend, abends sind wir dann schön und
sorgfältig gekleidet
Manchmal sind wir sehr böse manchmal sehr zärtlich
Wir fühlen uns grundlos glücklich
Wir fischen aus der Tasche einen zerbrochenen Spiegel und
sehen
den plötzlich gewachsenen harten Bart und bemerken erst
jetzt
wie reif wir geworden sind und voller Leidenschaft
Wir entsinnen uns plötzlich vor langen Jahren einige
Schriftzeichen gelernt zu haben
Schon damals haben wir versucht zu dichten
ohne viel an Reim und Motiv herumzufeilen
Wir diese Schar von Leuten sind alle Dichter
Aus dem Chinesischen von Zhang Yi aus: Chinesische Lyrik der Gegenwart. Chinesisch/Deutsch. Ausgewählt, kommentiert und herausgegeben von Lü Yuan und Winfried Woesler unter Mitwirkung von Zhang Yushu. Stuttgart: Reclam, 1992, S. 152ff


Er ist Bauarbeiter in Shenzhen, der Wirtschaftssonderzone, und schreibt in der Freizeit Gedichte. Vom Stil her gehört er zu der »Studentendichter-Gruppe«. Er hatte wenig Kontakt zu literarischen und künstlerischen Kreisen. Mit seinem Gedichtzyklus Diese Gruppe gewann er die Aufmerksamkeit der Autoren und des Publikums.
Aus: Arbeiterzeitung der Wirtschaftlichen Sonderzonen. 28. Mai 1986. (Ebd. S. 359)
Veröffentlicht am 2. August 2023 von lyrikzeitung
Bei Dao
(chinesisch 北岛, Pinyin Běidǎo; * 2. August 1949 in Peking)
SPRACHE Viele Sprachen sind in der Welt unterwegs Beim Zusammenstoß entstehen Funken mal Haß, mal Liebe Das hohe Haus der Vernunft bricht gerade stumm in sich zusammen Ein Korb, geflochten aus Gedanken flach wie Bambussplitter ist vollgestopft mit blinden Giftpilzen Vierfüßler auf der Felswand huschen über Blumen Ein Löwenzahn wächst heimlich in irgendeinem Winkel Der Wind hat seinen Samen fortgetragen Viele Sprachen sind in der Welt unterwegs Ihre Produkte machen das stille Leid der Menschheit weder leichter noch schwerer
Aus dem Chinesischen von Wolfgang Kubin, aus: L•U•F•T•F•R•A•C•H•T. Internationale Poesie 1940 bis 1990. Ausgewählt von Harald Hartung. Frankfurt am Main: Eichborn, 1991, S. 347
Veröffentlicht am 1. August 2023 von lyrikzeitung
Noch ein Text von Keith Waldrop aus „Potential Random“, übersetzt von Tim Holland und Barbara Tax. Etwas über Himmelskörper.
Potential Random X
Kein Zählen der
Toten und derer,
die sterben werden.
Kant dachte, die Erde hätte einmal wie Saturn einen Ring gehabt. Dieser hätte aus wässrigen Schwaden bestanden und umkreiste die Erde in einer Schönheit, die von den Bewohnern der Erde betrachtet und bewundert wurde.
Verloren ging damit für die Überlebenden, das heißt für uns, der Anblick dieses Rings in der höheren Atmosphäre, und damit das allerschönste Bild, vom Boden des Paradieses oder von einem jungen Planeten aus gesehen. Was geblieben ist, ist der Regenbogen – eine matte Erinnerung an den verlorenen Glanz.
Im Lauf der Zeit, durch die Bewegung eines Kometen oder aus einem anderen Grund, lösten sich die Wasser des Rings und stürzten zur Erde. In dieser Sintflut ging der größere Teil der sündigen Menschheit unter.
Im Mittelpunkt von jedem
System steht ein brennender
Körper.
Helle Sonne zwischen
Weinstock und Feigenbaum.
Zufällig haben
Sonne und Mond
genau die gleiche Größe.
Himmlische Phänomene – es gibt
so viele Sterne – verschmelzen entlang
meiner Blickachse.
Direkt vor meinen Augen lässt sich
eine Spinne herunter – langsam, total
weit weg, bis runter auf Augenhöhe.
Die Erde dreht sich im
Kranz der Sonne.
Hochebenen im
Staub, und auch
Elefanten, ach.
Hundert Meilen Umbra
über unzähligen
Flächen Tundra.
Ich versuche, mir einen
Reim zu machen, in dem dahinter
nicht hinterrücks ist.
Es deutet auf die
Idee eines Vogels hin.
Monströse Farben
bestimmter Dinge.
Monströse Dinge
unbestimmter Farbe.
Man muss sich entscheiden zwischen
dem Leben
und dem, was das Leben birgt.
Sonnenflecken gefrieren auf der Stelle.
Einen Strom entlang reisen,
die Straße unberechenbar.
Prassern und Henkern
geht es gut in der eroberten
Stadt.
Was wollte ich nur immer
sagen, aber
wie, in diesem Moment.
Potential Random X
No counting the
number of the dead, the number
of those who will die.
Kant thought Earth had at one time, like Saturn, a ring. Composed of watery vapors, it encircled the world in beauty, to be regarded and appreciated by Earth’s inhabitants.
In the course of time, from the action of a comet or other cause, the waters composing that ring were loosed and fell upon Earth and in that deluge the greater part of a sinful mankind perished.
Lost thereby, for the survivors, which is to say, for us: the sight of that ring in the upper air, the most exquisite view from the surface of Paradise or a young planet – our rainbow a faint reminder of the glory lost.
At the center of every
system is a flaming
body.
Bright sun between
grapevine and fig tree.
By coincidence,
sun and moon
are exactly the same size.
Celestial phenomena – there are
so many stars – merge along
my line of sight.
Directly before my eye descends
a spider – slowly, a ways
away, just down to eye-level.
Earth spins in the
sun's corona.
High countries in the
dust, and also
elephants, alas.
A hundred miles of
umbra over un-
counted acres of tundra.
I try to find some
sense in which behind is
not in back of.
It suggests the
idea of a bird.
Monstrous colors on
certain things.
Monstrous things in
uncertain colors.
One has to choose between
life
and what life contains.
Sunspots freeze in place.
Traveling some current, the
road imponderable.
Wastrel and hangman
thrive in the conquered
city.
What have I ever wanted to
say, but
how at this moment.
Aus: keith waldrop: gravitationen 2. ausgewählte gedichte (2000-2009). herausgegeben von david frühauf und jan kuhlbrodt. Frankfurt/Main: gutleut, 2018, S. 24ff
Veröffentlicht am 31. Juli 2023 von lyrikzeitung
Ich blättere lange im zweiten Band der Gedichtauswahl „Gravitationen“ des amerikanischen Dichters Keith Waldrop, der am 27. Juli gestorben ist. Ich müsste das Buch abschreiben. Kompromiss: wenigstens 3 Texte. Heute ein kurzer.
Potential Random XV Three lists remain: The first is a list of the living, who are now dead. The second records the saints and martyrs, those who laid down their lives to be with Jesus. They fly to Him, to miss the long repose. The third list is a list of the dead.
Potential Random XV Drei Listen bleiben: Die erste ist eine Liste der Lebenden, die jetzt tot sind. Auf der zweiten Liste: die Heiligen und die Märtyrer, die ihr Leben hingaben, um mit Jesus zu sein. Sie steigen zu ihm auf, um der langen Grabesruhe zu entgehen. Die dritte Liste ist eine Liste der Toten.
Der Zyklus „Potential Random“ wurde von Tim Holland und Barbara Tax übersetzt. Aus: keith waldrop: gravitationen 2. ausgewählte gedichte (2000-2009). herausgegeben von david frühauf und jan kuhlbrodt. Frankfurt/Main: gutleut, 2018.
Veröffentlicht am 30. Juli 2023 von lyrikzeitung
L&Poe featuring Versnetze. Heute:
Bertram Reinecke
Alba, Loschwitz Vereinzelt schwimmen Lichter von den Hängen Wie Weinstein der sich setzt in trüben Flaschen Erstorben sind die hektischen und raschen Bewegungen der Stadt, nur Nebel drängen Man ahnt mehr als man sieht, paar Armeslängen Entfernt die Äste anskizziert mit laschen Pinseln, selbst die Vögel sind verwaschen Nur gries getupfte Reste von Gesängen. Ein fremder Àther hat die Stadt gefressen Von drunten wälzt sich stumm der große Fluss Als Nebel hoch und höher unermessen. Hier blieb ich gerne, nicht bloß mit Verdruss Wüsst ich nicht heimlich ebenso indessen Dass solche Pracht auch wieder schwinden muss.
Aus: Versnetze_zehn. Deutschsprachige Lyrik der Gegenwart. Hrsg. Axel Kutsch. Weilerswist: Ralf Liebe, 2017. S. 27
Veröffentlicht am 29. Juli 2023 von lyrikzeitung
Silke Peters
Das Einhorn das Einhorn in seinem Garten / wir sind eingestiegen / eingebrochen / die lockeren Ziegel fallen / unter der Mauer / der Efeu an ihren Händen / die Wirbel / die Stimme rutscht aus / dies ist kein leck geschlagenes Beisammensein / und du zahlst Dieter / diesmal nehmen wir den Rest / der Regen rauscht glatt durch / wie geschmiert / messerscharfes Klirren / der eingelegte Guppy ist das Typusexemplar / er hat sich entfärbt / das leichte Aufleuchten wenn sie sich in ihrem Glas drehen / die reinste Teleskopage ist das / dann gilt alles als ein Blatt in der Heraldik / es gibt Chancen / die du dir von der anderen Seite aus ansehen kannst / wie nachträgliche Satzzeichen
Aus: Versnetze fünf. Deutschsprachige Lyrik der Gegenwart. Herausgegeben von Axel Kutsch. Weilerswist: Ralf Liebe, 2012, S. 47
Veröffentlicht am 28. Juli 2023 von lyrikzeitung
Hans Ehrenbaum-Degele
(* 24. Juli 1889 in Berlin; † 28. Juli 1915 „gefallen“ am Narew)
Der Dichter Es neigte sich die Schar der jungen Knechte Dem wirren Haar und dem zerschlißnen Rock. Die Straße weiter taperte die Rechte, Die Linke hielt sich krampfig fest am Stock. Scham schlug ihm rot empor: er war betrunken Und rang mit seinem Weg; und jäh erblaßt War er im Rinnstein stolpernd hingesunken Und raffte sich empor in wirrer Hast. Da kam's, daß er den Blick nach innen schlug, Wo er, buntwechselnd wie Geleucht der Meere, Wuchernder Blumen Fülle in sich trug. Und atemraubend gab der süße, schwere Duft seinem Sinn, der wie ein großer Falter In ihre tiefen Rätselkelche sank, Seltsamen Traum und schuf ihn zum Gestalter, Der Lust und Qual in seine Lieder zwang. So ging er, in sein Fühlen tief versunken, Betäubt von Fiebern, Künder schwüler Nächte. Man wich ihm schonend aus: er war betrunken. Es neigte sich die Schar der jungen Knechte.
Aus: Versensporn 33: Hans Ehrenbaum-Degele. Jena: Edition Poesie schmeckt gut, 2018, S. 10
Veröffentlicht am 27. Juli 2023 von lyrikzeitung
Heute vor 150 Jahren starb der russische Dichter Fjodor Tjutschew.
Fjodor Tjutschew
(russisch Фёдор Иванович Тютчев, wiss. Transliteration Fëdor Ivanovič Tjutčev, * 23. Novemberjul. / 5. Dezember 1803greg. in Owstug im Gouvernement Orjol; † 15. Julijul. / 27. Juli 1873greg. in Zarskoje Selo)
Der Brunnen Sieh, wie der lichte Strahl sich ballt, Sich zur leibhaften Wolke rundet; Sich, wie sein feines Sprühen, kalt Entflammt, im Sonnenschein verdunstet. Sieh, die Fontäne steigt und steigt, Sie rührt ans Höchste, ans Ersehnte Und sinkt dann doch als Staub ganz leicht Herab – hienieden muß sie enden. O menschliches Gedankenspiel – Fontäne, niemals zu erschöpfen! Was spannt, was beugt dich, welches Ziel Ist dir bestimmt vom unerkannten Schöpfer? Mit welcher Lust drängst du nach oben!.. Doch des Schicksals unsichtbare Hand Biegt deinen strammen Strahl zum Bogen, In Spritzern sinkst du auf den Brunnenrand. 1836
Deutsch von Felix Philipp Ingold, aus: „Als Gruß zu lesen“. Russische Lyrik von 2000 bis 1800. Russisch-Deutsch. Zürich: Dörlemann, 2012, S. 313
Ф. И. Тютчев Фонтан Смотри, как облаком живым Фонтан сияющий клубится; Как пламенеет, как дробится Его на солнце влажный дым. Лучом поднявшись к небу, он Коснулся высоты заветной – И снова пылью огнецветной Ниспасть на землю осужден. О смертной мысли водомет, О водомет неистощимый! Какой закон непостижимый Тебя стремит, тебя мятет? Как жадно к небу рвешься ты!.. Но длань незримо-роковая Твой луч упорный, преломляя, Свергает в брызгах с высоты.
Veröffentlicht am 26. Juli 2023 von lyrikzeitung
Irena Habalik
Wenn Tausende ertrinken Wer zählt sie? Eine Zählmaschine? Wer vergießt die Tränen? Das Meer? Wer besingt sie? Die Wellen? Wer erzählt ihr Leben? Die Fische? Wo liegen die Leichen? Am Grund? Tief, tiefer? Wer zündet die Kerzen an? Die Herzen? Der Gestrandeten? Der Ohnmächtigen? Und die Seelen? Liegen sie flach, dicht am Kadaver geklebt? Erheben sie sich nachts? Fliegen sie weg? Zu den anderen Planeten? Mars, Venus? Wir sehen sie fliehen, flimmern, uns zurufen, wir verstehen kein Wort staunen was soll der Fleck in unseren Augen Und wer sind wir auf der anderen Seite des Ufers?
Aus: Versnetze_zehn. Deutschsprachige Lyrik der Gegenwart. Hrsg. Axel Kutsch. Weilerswist: Frank Liebe, 2017, S. 302
Veröffentlicht am 25. Juli 2023 von lyrikzeitung
Thorsten Nesch
Gedichte sind nur Platzverschwendung Mario meint Gedichte seien nur Platzverschwendung Mag sein Aber man kriegt damit den Tag rum Ich stelle mich öfter vor den Computer Auch wenn gerade nichts Besonderes anliegt Denn mir fällt vieles erst beim Schreiben ein So dass ich mich zu den Standpunkt hingerissen fühle »Mein Computer ist kreativer als ich« So beginne ich zwischendurch Ein paar Telefonate mit Olli, Ingo, Markus, Conny Und eine Besoffene hat sich verwählt Sie will ein Taxi es wäre nett Wenn ich ihr die richtige Nummer geben könnte Dann bräuchte sie nicht noch bei der überteuerten Auskunft anzurufen Solidarität hat einen Körper: meinen Ich such ihr die Nummer von Thelemann-Mietwagen raus Und sie antwortet mit denen fahre sie grundsätzlich nicht Ein nächster Versuch Und ich habe Glück Meike meint ich wäre so lieb sie würde mich lieben Sie hätte noch gerne meine Telefonnummer Tut mir leid ich Hab noch was vor Watt machse n grad? Gedichte schreiben Ich lege auf Und gehe zurück zum Computer Und bei einem Gedicht weiß ich immer Wo ich stehen geblieben war
Aus: Kaltland Beat. Neue deutsche Szene. Hrsg. Boris Kerenski & Sergiu Stefanescu mit einem Vorwort von Peter O. Chotjewitz. Ithaka Verlag, 1999, S. 279
Veröffentlicht am 24. Juli 2023 von lyrikzeitung
Veröffentlicht am 23. Juli 2023 von lyrikzeitung
Noch einmal eins der Gedichte aus dem Deutschen von Felix Philipp Ingold. Die Gedichte dieses Büchleins (aus dem legendären Rainer Verlag) sind Umdichtungen, Parodien oder Übersetzungen von deutschen Gedichten aus dem klassischen und modernen Kanon jener Jahre aus dem Deutschen ins Deutsche. Wem das bekannt vorkommt, kann gerne hier kommentieren. Wenn nicht, auch gut, folgt am Abend die „Auflösung“.
Felix Philipp Ingold
Kaum Sympathie Für jenen Fisch Mit dem die Fut Verwandtschaft übt. Der Slip schon feucht Wie schwarz vom Blut Nicht einmal taugt Der Hunger trügt. Sein Monogramm im Falz Von bloßer Hand Beweis Er kann's. Und er war da Wer daran rührt Bekommt die Schrift Auf Stein diktiert.
Aus: Felix Philipp Ingold, Fremdsprache. Gedichte aus dem Deutschen. Berlin: Rainer, 1984, S. 23
Veröffentlicht am 22. Juli 2023 von lyrikzeitung
Kai Agthe
Wolfgang Koeppen ein Gemälde Caspar David Friedrichs betrachtend Die Erinnerung Eldena verbindet des Malers fehlende Figuren. Alter Mann, endlich heimkehrend in das Gemälde, in dem er seit langem schon erwartet wurde. Versunken in einer spröden Landschaft, die Pommern heißt und fern nun liegt. Ein Blick zurück in beider Kindheit, auf das baltische Meer, wo der Butt gerufen wurde, als das Wünschen noch half.
Aus: Versnetze. Das große Buch der neuen deutschen Lyrik. Weilerswist: Ralf Liebe, 2008, S. 33
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