108. American Life in Poetry: Column 430

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

There are many fine poems in which the poet looks deeply into a photograph and tries to touch the lives caught there. Here’s one by Tami Haaland, who lives in Montana.

Little Girl

She’s with Grandma in front
of Grandma’s house, backed
by a willow tree, gladiola and roses.

Who did she ever want
to please? But Grandma
seems half-pleased and annoyed.

No doubt Mother frowns
behind the lens, wants
to straighten this sassy face.

Maybe laughs, too.
Little girl with her mouth wide,
tongue out, yelling

at the camera. See her little
white purse full of treasure,
her white sandals?

She has things to do,
you can tell. Places to explore
beyond the frame,

and these women picking flowers
and taking pictures.
Why won’t they let her go?

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. “Little Girl” from When We Wake in the Night, by Tami Haaland, ©2012 WordTech Editions, Cincinnati, Ohio. Poem reprinted by permission of Tami Haaland and the publisher. Introduction copyright © 2013 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

107. Midtown News

Von diversen Standorten in und um Midtown Manhattan – momentan sehe ich den East River unter der Queensborobridge, ab und zu fährt der Schatten einer Seilbahn durchs Bild – werde ich die nächsten Tage bei Gelegenheit Gesehenes, Gehörtes und Gelesenes vermelden.

Die SAC Capital Advisers, der Spitzen-Hedge-Fond, der jetzt „systematischer Verbrechen“ beschuldigt wird (was ist der Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?), erklärt, er habe eine „starke Kultur“ der Gesetzestreue, um Insiderhandel zu verhindern und verfüge auch über über eins der rigorosesten Programme zum Schutz von Hedge Fonds im ganzen Land. Die Firma erklärte, sie gebe Dutzende Millionen Dollar dafür aus und unterhalte eine aggressive Kontrolle von Kommunikationen und Transaktionen. Sie beschäftige Spitzenanwälte, die die Einhaltung der Gesetze überwachen, insgesamt arbeiten 38 Vollzeitanwälte daran. Woraus sich die Frage ergibt, was haben die getan? Fragt die New York Times auf Seite 1.

In einer Wahlsaison voll von „misbehaving men“ wirbt eine Kandidatin um die Gunst der New Yorker Wähler mit einer klaren Botschaft: I’m not one of them, ich gehöre nicht dazu.

Ein halbes Jahrtausend nach Gutenberg erlebt die Bibel ihren i-Moment. Eine von der evangelikanischen Kirche produzierte kostenlose Bibelapp namens YouVersion ist dabei, den Umgang mit der Heiligen Schrift umzukrempeln. Die App umfaßt 600 Übersetzungen in mehr als 400 Sprachen, und sie sei nicht konfessionell gebunden und auch für Katholiken, Russisch-Orthodoxe oder „Messianische Juden“ geeignet. In diesem Monat habe sie bereits 100 Millionen Downloads erreicht. Jen Sears aus Oklahoma City sagt, ihre Bibel liege zu Hause auf dem Nachttisch, wurde aber in den letzten vier Jahren, seit sie die YouVersion heruntergeladen habe, nicht mehr benutzt. Wenn sie beten wolle, greife sie zum Telefon und nicht zur Bibel.

Stay tuned.

106. Poetopie

dank Neurophysiologie – mein Gehirn weiß noch weniger Bescheid als ich

Hansjürgen Bulkowski

105. Gestorben

NACHRUF: TOD DES 10. NAHBELLPREISTRÄGERS

Bereits am 18.6.2013 starb der 10. Nahbellpreisträger 2009 Karl-Johannes Vogt im Alter von 93 Jahren

“Wem niemals ahnend / Letztes Wissen offenbar / den treibt kein Genius, kein Gott / . . . / doch auch du bist Stufe wie jene großen Geister aus Antike und Neuzeit / und müsstest Stufe um Stufe erklimmen / um aus ihren Asservaten das Dasein zu erfahren; / . . .” 
K-H. Vogt, Auszug aus: LETZTES GEDICHT (2012)

Am Abend des 18.6.2013 verstarb unser geschätzter Dichterkollege Hans Vogt im Alter von 93 Jahren. Das G&GN-Institut trauert um den Freund aus der Jülicher Heimat und Senior der Nahbellpreisträger. Sein letztes Gedicht gleicht einem Resumeé seiner Sicht auf die zivilisatorischen Möglichkeiten des Menschen zur Selbsterkenntnis, er feilte daran noch ein Jahr zuvor und trug es uns bei Besuchen mit seiner pathetisch-sachlichen Expressivität Zeile für Zeile auswendig vor. Dabei verströmte seine ruhige Stimme eine bescheidene und dennoch bestimmende kühle Wortmagie. Öffentlich wollte er seine Lyrik nicht selbst vorlesen, hielt seine Stimme für nicht geeignet, doch in jüngeren Jahren kam der engste Freundeskreis in den Genuss von Kurzgeschichten und Auszügen aus seinen Romanen bei regelmäßigen Wohnzimmer-Lesungen. Als er dann im Jahre seines 90sten Geburtstages 2009 den 10.Jubiläums-Nahbellpreis gewann, war er trotz des hohen Alters ein Newcomer in der Lyrikszene, denn seine Gedichte waren bis dato noch nie veröffentlicht worden, obwohl ihm sogar Nobelpreisträger Heinrich Böll in einem persönlichen Brief schon Jahrzehnte früher seine Wertschätzung ausgesprochen hatte. Die einzige öffentliche Performance ausgewählter Gedichte von Karl-Johannes Vogt fand in seiner Anwesenheit zum Auftakt der Poesieschlacht am Weltpoesietag 2010 im Düsseldorfer zakk statt, Sprecher war sein Herausgeber Tom de Toys vom G&GN-Verlag.
ORIGINALQUELLE:
 Poemie

104. Rolf Haufs gestorben

Er gehört zu den wichtigsten Lyrikern des 20. Jahrhunderts: Am Freitag ist der Autor Rolf Haufs im Alter von 77 Jahren in Berlin gestorben. Als Journalist beim Sender Freies Berlin hatte er sich als Kenner ostdeutscher Autoren profiliert.
Der gebürtige Düsseldorfer schrieb neben Gedichten auch Prosa, Kinderbücher und Hörspiele. Als Journalist beim Sender Freies Berlin erwies er sich als Literatur-Kenner. „Sehr geschätzt wurde er für seine zahlreichen Kontakte zu Autoren, vor allem auch Autoren der DDR“, heißt es im Nachruf der Akademie der Künste in Berlin. Viele Schriftsteller lud er zu Lesungen in seine Sendungen ein.

Von 1962 bis 1967 war Haufs Mitglied der Gruppe 47. Von 1970 bis 1996 gehörte er dem PEN-Zentrum der Bundesrepublik Deutschland an, seit 1987 war er Mitglied der Akademie der Künste. Deren Sektion Literatur leitete Haufs von 1997 bis 2009 stellvertretend.

„Wir sind bestürzt und traurig“, erklärte der rbb-Kulturchef Stephan Abarbanell. Er würdigte Haufs als einen der wichtigsten deutschen Lyriker des 20. Jahrhunderts. „Im SFB war er zudem drei Jahrzehnte lang ein Literatur-Journalist, der seinesgleichen suchte. Für die Hörerinnen und Hörer in Ostberlin war seine Arbeit häufig die einzige Möglichkeit, sich über die westdeutsche Literatur und den Literaturbetrieb auf dem Laufenden zu halten.“ / RBB

103. American Life in Poetry: Column 429

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

Here’s a poem by Robin Chapman, from Wisconsin, that needs no introduction, because we’ve all known an elderly person who’s much like this one.

Time

My neighbor, 87, rings the doorbell to ask
if I might have seen her clipping shears
that went missing a decade ago,
with a little red paint on their shaft,
or the iron turkey bank and the porcelain
coffee cup that disappeared a while back
when her friend, now dead, called the police
to break in to see if she were ill, and have we
had trouble with our phone line, hers
is dead and her car and driver’s license
are missing though she can drive perfectly
well, just memory problems, and her son
is coming this morning to take her up
to Sheboygan, where she was born
and where the family has its burial lots,
to wait on assisted living space, and she
just wanted to say we’d been good neighbors
all these how many? years, and how lucky
I am to have found such a nice man
and could she borrow a screwdriver,
the door lock to her house is jammed.

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2012 by Robin Chapman, whose most recent book of poems is the eelgrass meadow, Tebot Bach, 2011. Poem reprinted from the Alaska Quarterly Review, Volume 28, nos. 1&2 (Spring/Summer 2011) by permission of Robin Chapman and the publisher. Introduction copyright © 2013 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

102. Poetry refuses the harness

Poetry is the sea that cracks the frozen axe within us. It brings the Nothingness we need; Death enters the room with poetry’s spotlights—the gaps falling where they may—and causes anxiety or gives  escape.  (…) Unlike movements purporting to produce nothing in opposition to the capitalist push, poetry’s refusal to turn pure product or to quantify services rendered is threatening. Poetry surfaces Nothing; it generates and compels. Those with superficial hungers hope to harness the beast for capital gain. “I have slain the thing, the blight that creates unquantifiably.” So goes the patriarchal-hand-in-hand-with-capitalism impulse to conquer, claim, and control anything of value. Poetry refuses the harness in ways philosophers are still trying to name.

          The reason we go to poetry is not for wisdom, but for the dismantling of wisdom.
–Jacques Lacan

/ Amy King, Boston Review 

101. Schlagstock-Ode

Über den hölzernen Schlagstock, der über ihr von der Decke baumelt, und das in Blockbuchstaben beschriebene Papier daran gibt Angela freundlich Auskunft: Es sei eine Ode auf Mussolinis Schwarzhemden. „Heiliger Knüppel“, heißt es da, „der du jedes Hirn erleuchtest, immer wirst nur du das sein, was der Faschist verehrt.“

(Was wir schon ahnten.)

Aus dem Souvenirladen „Letzte Fahne“ in Mussolinis Geburtsort Predappio berichtete die Berliner Zeitung am 25.7. (S. 3)

100. American Life in Poetry: Column 428

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

Lots of us find ourselves under the interested fingers of dermatologists, who prosper on the fun we once had out in the sun. Here George Bilgere of Ohio, one of our most amusing American poets, sits back in his skin doctor’s chair and reminisces about a party that took place years ago.

Basal Cell

The sun is still burning in my skin
even though it set half-an-hour ago,
and Cindy and Bob and Bev and John
are pulling on their sweatshirts
and gathering around the fire pit.

John hands me a cold one
and now Bev comes into my arms
and I can feel the sun’s heat,
and taste the Pacific on her cheek.

I am not in Vietnam,
nor is John or Bob, because
our deferments came through,
and we get to remain boys
for at least another summer
like this one in Santa Cruz,
surfing the afternoons in a sweet
blue dream I’m remembering now,

as the nurse puts my cheek to sleep,
and the doctor begins to burn
those summers away.

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2012 by George Bilgere, whose most recent book of poems is The White Museum, Autumn House Press, 2010. Poem reprinted by permission of George Bilgere. Introduction copyright © 2013 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

99. Counterargument – 3000 Books

It’s something of a sport to say that poetry is dying, but nearly 3,000 books currently on display in Battery Park City offer a strong counterargument.

The 21st annual showcase at Poets House collects poetry books released in the past year by about 700 different publishers. On display through Aug. 3, the books will eventually move upstairs to be absorbed into the organization’s library of more than 50,000 titles.

The public is free to browse through the books in the showcase, including the latest collections by John Ashbery and Adrienne Rich; “Troubling the Line,” an anthology of work by transgender poets; the nearly 1,000 pages of “The Collected Poems of James Dickey”; and the splendidly titled “I Am a Phenomenon Quite Out of the Ordinary,” a collection of notebooks, diaries and letters by the avant-garde Russian poet Daniil Kharms, who died in 1942. / New York Times 3.7.

98. American Life in Poetry: Column 427

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

You can’t get closer to our hunter-gatherer ancestors than by clawing in the earth with your fingers. Here’s a delightful poem about digging for bait by Marsha Truman Cooper, a Californian.

A Knot of Worms

As day began to break, we passed
the “honk for worms” sign,
passed it honking again
and again, to wake up the worms
my dad said. It was only
about another half mile to
the aspen grove and our worm digs.
The humus, spongy and almost
black, turned over easily.
I used my bare hands to put
some moist earth into a coffee can
and, as the aspen glittered
in the risen sun, I gently
slid the fresh, fat bait into my container.
I heard the worms still in the ground
gurgle as they tried to escape,
while the ones in the can began
to ball up as their numbers grew.
Streamside, surrounded by mountains
with snow lingering into summer,
I picked out a worm and my dad
arranged it on the hook to save
my small fingers. Now you can purchase
a time-share on that land.
The colony of aspen, thinned
by the builders, continues to
tremble. No amount of honking
brings back the worms.

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2012 by Marsha Truman Cooper. In 2013, Finishing Line Press will publish the chapbook, A Knot of Worms. Poem reprinted by permission of Marsha Truman Cooper. Introduction copyright © 2013 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

97. Rise. and in deep, and

H.P. Lovecrafts kosmische Horrorgeschichten beschreiben eine Welt buchstäblich jenseits menschlichen Verstehens – seine Helden sehen das Universum von monströsen Göttern regiert, deren bloßer Anblick unseren Verstand angreift.

In dem 2011 entstandenen experimentellen Gedicht Cthulhu on Lesbos von David Jalajel wird das reflektiert durch Wendungen aus Lovecrafts Geschichte “The Call of Cthulhu” (1928), die ohne Rücksicht auf konventionelle Syntax in sapphische Strophen arrangiert werden:

Dark to visit faithful But Great had ever
Old The carven idol was great Cthulhu,
None might say or others were like the old but
Things were by word of

Mouth. The chanted secret — was never spoken
Only whispered. chant “In his house at R’lyeh
Dead Cthulhu waits of the found be hanged, and
Rest were committed

(…)

Prance and slay around in by sinking black else
World by now be screaming with fright and frenzy.
Knows the end? has risen may sink, and sunk may
Rise. and in deep, and

/ Futility closet 

96. Panne im Kopf

Ich war ja mal Messdiener, 2 Wochen lang und muss mir aufregen bei sowenig Viagra im Verstand?

Oder hat mann diese Priesterinn der Keuschheit mal ihre politische Vorstellungen laut keuchen lassen.

Ein Abschließender Kommentar weiter unten.

Oder sollten die politischen Sommerlöcher ab 30 Grad anders bewertet werden?

Web am 25.07.2013, 12:34 Uhr

„Sex im Freien:

Ärger um Bußgeldkatalog in Berlin Draußen ist es schon ziemlich warm. In vielen Wohnung ist es noch wärmer. Kein Wunder, dass da so manch einer auf die Idee kommt, das Schäferstündchen mit dem Partner nach draußen zu verlegen. Doch das ist verboten und kann teuer werden. In Berlin sieht der Bußgeldkatalog 150 Euro Strafe für sexuelle Handlungen in öffentlichen Parkanlagen vor – für Arbeitnehmer. Hartz-IV-Empfänger allerdings zahlen nur einen Bruchteil dessen. Und das stinkt der Bundesagentur für Arbeit gewaltig.

Im Sommer spielen die Hormone verrückt. Viele Wohnungen heizen sich wahnsinnig auf. Da wirkt so ein abgelegener Schattenplatz in einem Park geradezu einladend auf viele Pärchen. Wer allerdings beim Quickie erwischt wird, muss tief in die Tasche greifen. Die Strafe variiert von Stadt zu Stadt. In München kostet Sex im Freien beispielsweise 200 Euro Bußgeld, in Berlin nur 150 Euro. Mit einem Unterschied: In Berlin müssen Hartz-IV-Empfänger ein Vielfaches weniger zahlen, nämlich nur 34 Euro.

Das kritisiert die Bundesagentur für Arbeit in der „Bild“. Diese Handhabung biete falsche Anreize, meint eine Sprecherin der Agentur. „Das spaltet die Gesellschaft. Im Straßenverkehr gibt es ja auch nur einen Bußgeldkatalog.“

Laut Statistik wurden im vergangenen Jahr 234 Berliner „in flagranti“ erwischt, berichtet die Tageszeitung „BZ“. Die Dunkelziffer dürfte um einiges höher liegen.

Angestoßen hat die Diskussion im Übrigen der Bürgermeister von London. Boris Johnson hatte sich in seiner Kolumne für den „Telegraph“ über den Bußgeldkatalog der Berliner lustig gemacht.“

Machtperversion im Amt

Falsche Anreize meint eine Sprecherin:
das spaltet die Gesellschaft,
Quickie´s im Freien, für Hartz4 Empfänger zu Billig.
Der Bußgeldkatalog ist uns nicht scharf genug,
kritisiert die Bundesagentur für Arbeit.

Resümee: kannste dir kein Auto leisten,
trefft euch in den Bedürfnisanstalten der Jobcenter
und treibt es bis zur Heißglut;
bis in die politische Metapher hinein.

Franz – Jürgen, „Panne im Kopp“, Fragt Dich der Junge aus dem Pott.
Jg.56

Ein Moloch an Abgrundtiefer
gesellschaftlicher Deformationsarbeit
Ihre Bundesagentur für Dummheit.

Rainer Wieczorek, 25.7.2013


Rainer Wieczorek (Künstler/Soziologe/DADAsoph) http://www.rainerwieczorek.de

POSTANSCHRIFT: „Produzentengalerie Rainer Wieczorek“ Reuterstr. 85 in 12053 Berlin, 030 61 3456 2

ATELIER: „Evolutionsbüro“ Reuterstraße 84

95. Sprossvokale

Der zweite Teil des Buches ist, wenn man so will und wie das Sonettgedicht schon angedeutet hat, der Form gewidmet, der in Struktur verfestigten Vergangenheit also, die zuweilen, wenn man sich allzu sklavisch an sie hält, zum Gefängnis werden kann, wie wir aber am Sonett schon sahen, findet Sanjosé einen produktiven Umgang mit der Überlieferung und das, was an ihr Information ist, kostet er aus, das tote Holz aber lässt er ruhig weiter verrotten. Im besten Fall wird es zum Humus für spätere Versuche. In diesem Kapitel steht an vorletzter! Stelle ein Epitaph, das ich hier gern zitieren möchte:

GRAB=SCHRIFT AVF IHN SELBST

DANN SATTLE ICH MEIN LINDENBOOT
DANN PUTZ ICH MEINEN SILBERKNA
VF DANN LEGE ICH MEIN WELTTVCH
VM VND GEHE BILLIG IAGEN

Im letzten Teil, dem ohne Titel, präsentiert Sanjosé im Grunde Naturgedichte. Aber diese Naturgedichte sind sich der sprachlichen und politischen Verfasstheit ihres Gegenstandes sehr wohl bewusst und natürlich spielt der Autor hier mit seiner Zweisprachigkeit. Ein Gedicht zum Beispiel heißt Holundersirup und der Autor gibt an, dass es aus dem Katalanischen übersetzt ist. Holunder, und auch der aus den Blüten gewonnene unglaublich schmackhafte Sirup ist aber eher mit Mittel-und Osteuropa verbunden, diesen Sirup konnte ich selbst zuerst in Ostbayern genießen. Im Gedicht heißt es:

Schließ nicht die Augen.
Die Türme existieren nicht.
Wenn du verrückt werden musst,
wirst du es ohnehin werden.

Àxel Sanjosé ist etwas Überraschendes gelungen. Auf knappen Raum präsentiert er in diesem Band Gedichte, die trotz konzeptioneller Stringenz eine außerordentliche Vielfalt erzeugen, vielleicht nach dem Vorbild der Sprossvokale.

/ Jan Kuhlbrodt, Signaturen


Àxel Sanjosé: Anaptyxis. Gedichte. Rimbaud Verlag Aachen 2013. 49 S. 12,- Euro.

94. „Haiku-Mörder“

Im ländlichen Japan in der Präfektur Yamaguchi soll ein 63-Jähriger fünf Menschen getötet und zwei Häuser in Brand gesetzt haben. Berichten der englischsprachigen „Japan Times“ zufolge hinterließ der Verdächtige ein Haiku, ein traditionelles japanisches Gedicht.

An einem Fenster nahe der Eingangstür zum Haus des vermutlichen Täters fanden die Ermittler die ominösen Zeilen. (…) Das Gedicht besagt: „Beim Feuer legen, macht Rauch Freude, einem Kerl vom Land.“ / Focus