38. Die Zeitungen schweigen

Ein Zustandsbericht von 1893:

Man redet jetzt viel von einem „jungen Oesterreich“. Es mag etwa drei, vier Jahre sein, dass das Wort erfunden wurde, um eine Gruppe, vielleicht eine Schule von jungen, meist Wiener Litteraten zu nennen, die durch auffällige Werke, einige auch schon durch schöne Versprechungen in der Gesellschaft bekannt, ja sie selber meinen wohl sogar: berühmt wurden. Die Menge weiss freilich ihren Namen nicht, weil die Zeitungen von ihnen schweigen: denn die Wiener Presse (ungleich der Berliner, die unermüdlich in den Gymnasien sucht, um den Abonnenten jedes Quartal einen neuen Unsterblichen zu liefern) ist beleidigt, wenn ein Wiener Talent haben will, und scheut kein Mittel, gewaltsam den Störenfried zu vertuschen. Aber die Kenner schätzen sie, und schöne, kluge, empfängliche Frauen lauschen ihren Versen. Da können sie das Andere leicht verschmerzen.

Anfang von: Hermann Bahr, Das junge Österreich

Hermann Bahr: Das junge Österreich. I. Deutsche Zeitung, Wien, 23 (1893) #7806, Morgen-Ausgabe, 1-2. (20.9.1893) (mehr)

37. Valentin

Gibt es eine Marktlücke für echte Lyrik?

Eine Schachtel Pralinen, den schönen Duft, einen Strauß Rosen, ein Gedicht auf einer verzierten Grußkarte: Am Valentinstag (14. Februar) sollten gerade die Herren ein Geschenk für die Liebste parat haben – oder doch nicht?* / WAZ

*) Und warum nicht wechselseitig?

36. Sonnet C

textkette. gute gedichte ins facebook

Lyrikzeitung dokumentiert die gemeinfreien Texte der auf Facebook vor 3 Tagen begonnenen Anthologie Textkette. Ausgehend von einem Gedicht Kurt Tucholskys entwickelte sich in kurzer Zeit eine umfangreiche, schier exponentiell wachsende Anthologie nach folgendem Verfahren: Wer bei einem bereits vorhandenen Gedicht auf “Gefällt mir” klickt, erhält von der Person, die das Gedicht vorgeschlagen hat, einen Autor benannt, von dem er/sie wiederum ein Gedicht auswählen muß.

Ausgewählt von Bettina Boeck (nominiert von Esther Ackermann)

William Shakespeare (1564-1616)

Sonett C

Where art thou Muse that thou forget’st so long,
To speak of that which gives thee all thy might?
Spend’st thou thy fury on some worthless song,
Darkening thy power to lend base subjects light?
Return forgetful Muse, and straight redeem,
In gentle numbers time so idly spent;
Sing to the ear that doth thy lays esteem
And gives thy pen both skill and argument.
Rise, resty Muse, my love’s sweet face survey,
If Time have any wrinkle graven there;
If any, be a satire to decay,
And make Time’s spoils despised every where.
Give my love fame faster than Time wastes life,
So thou prevent’st his scythe and crooked knife.

35. Damenringkampf

textkette. gute gedichte ins facebook

Lyrikzeitung dokumentiert die gemeinfreien Texte der auf Facebook vor 3 Tagen begonnenen Anthologie Textkette. Ausgehend von einem Gedicht Kurt Tucholskys entwickelte sich in kurzer Zeit eine umfangreiche, schier exponentiell wachsende Anthologie nach folgendem Verfahren: Wer bei einem bereits vorhandenen Gedicht auf „Gefällt mir“ klickt, erhält von der Person, die das Gedicht vorgeschlagen hat, einen Autor benannt, von dem er/sie wiederum ein Gedicht auswählen muß.

Ausgewählt von Michael Gratz (nominiert von Florian Voß)

Heinrich Nowak

Damenringkampf

Die Eine ist recht üppig; lächelt froh
Im Vollbewußtsein ihrer Kampfeslüste;
Zwei runde Kreise zeichnen ins Trikot
Die Warzen ihrer kolossalen Brüste.

Die Andere ist schlank, und hart und fest
Ist jeder Muskel, den sie spielen läßt.
Das Hirnchen hinter blondem Haaresknoten
Ist sicher vollgepfropft mit süßen Zoten.

Wie sie sich fernher mit den Augen messen
Schweigt die Musik – und sie umfassen sich –
Und wie sie Schenkel fest auf Schenkel pressen,

Wälzt auf der Schlanken schwer die Dicke sich
Und bohrt den Kopf in deren Psychebrust.
Aus aller Augen rinnt die wüste Lust –

aus: Heinrich Nowak: Die Sonnenseuche. Das gesamte Werk (1912-1920). Wien, Berlin: Medusa, 1984. Zuerst veröffentlicht 1913.

Bild aus „Simplicissimus“

Zeitschriftenabdruck 1926

34. Singt Neruda

Ute Lemper:

Ich wollte ein Programm schaffen, das musikalisch auf dem französischen Chanson, dem argentinischen Lied und dem Tango basiert, verbunden mit wunderbaren Texten. Doch als ich mich durch die lateinamerikanische Literatur las, musste ich feststellen, dass sich diese Poesie im Grunde nicht vertonen lässt.

Christoph Forsthoff (Die Welt):

Warum nicht?

Lemper:

Es würde diese Texte banalisieren, denn die meisten sind politisch, da ihre Schreiber in ihrer Poesie ihre Rebellionen formuliert haben gegen die Systeme, in denen sie aufgewachsen und unterdrückt wurden. Bis mir dann dieses Büchlein mit den kleinen, kompakten Gedichten Pablo Nerudas in die Hände fiel. Es lag in meiner Tasche wie meine kleine Bibel: Gedichte aus verschiedenen Epochen seines Lebens, mit einer Struktur, die sich einfach in Musik umsetzen ließ, weil sie bereits eine Musikalität in sich tragen.

/ mehr

33. Goethe-Döner

Gesehen in Hannover und der Lyrikzeitung freundlich überlassen von Kristoffer Cornils

Zum (möglichen) Hintergrund vgl. hier.

Auszug:

Nach Prüfung des obenstehenden Beweismaterials :

Goethe ist Muslim, ein Muslim braucht nicht mehr zu sagen als was Goethe geschrieben hat.
Kann jemand das gegenteil beweisen!!

32. Poetopie

die offen sichtliche Unwirklichkeit eines Kinofilms bewirkt, dass ich mich selbst als wirklich wahrnehme

Hansjürgen Bulkowski

31. Mitleid mit den Lyrikfernen

Es ist eine bedauerliche Tatsache, dass Gedichtbände heutzutage nur wenige Leser finden. Man mag das zurückführen auf die Gier des Deutschunterrichts nach normierbaren Interpretationen, auf den Mangel an Werbung, die sich die auf Lyrik spezialisierten Verlage nicht in dem Umfang leisten können, wie es wünschenswert wäre oder meinetwegen auf das Wirken irgendeiner internationalen Verschwörung – leugnen lässt es sich nicht. Die Reaktionen auf diesen Missstand variieren typbedingt: Manche geben sich dem wohligen Gefühl hin, Teil einer kleinen und familiären Gruppe von Lyrikliebhabern zu sein, andere werden angesichts der Stapel pastellfarbener Prosabände in Buchhandlungen, die keinen Platz für Lyrik zu haben glauben, von kalter Wut gepackt oder auch von Mitleid mit all denen, die ihr Leben fristen müssen, ohne sich je an einem Gedicht erfreuen zu können.

Liest man die Gedichte in Jan Skudlareks Debütband „Elektrosmog“, herrscht – so erging es jedenfalls mir – das Mitleid mit den Lyrikfernen vor. Denn diese Gedichte sind eine Einladung, sich auf Lyrik einzulassen; eine Einladung, die man kaum ausschlagen kann und von der ich mir wünsche, dass jeder, der bereit ist, Augen und Ohren zu öffnen (der Mund wird ihm hier und da vor freudigem Erstaunen auch noch offenstehen), sie erhalten möge. / Dirk Uwe Hansen, Signaturen

Jan Skudlarek: Elektrosmog. Gedichte. Wiesbaden (Luxbooks Labor) 2013. 80 S., 19,80 Euro.                           

30. Zwei Engellieder

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Lyrikzeitung dokumentiert die gemeinfreien Texte der auf Facebook vor 3 Tagen begonnenen Anthologie Textkette. Ausgehend von einem Gedicht Kurt Tucholskys entwickelte sich in kurzer Zeit eine umfangreiche, schier exponentiell wachsende Anthologie nach folgendem Verfahren: Wer bei einem bereits vorhandenen Gedicht auf “Gefällt mir” klickt, erhält von der Person, die das Gedicht vorgeschlagen hat, einen Autor benannt, von dem er/sie wiederum ein Gedicht auswählen muß.

Ausgewählt von Michael Gratz (nominiert von Sven Wenig)

Peter Hille (1854-1904):

2 Engellieder

Knabe

Hält die Augen in die Welt
Wie zwei schwarze Renner.
Zügelt sie kaum,
Aller Helden Held:
Weit dein Traum,
Reich ohne Raum.

Das Mädchen

Gestern noch ein dürftig Ding,
Das so grau und albern ging,
Nichts an ihm zu sehen –
Und muß heut behutsam sein,
Wie wenn im Mai die Blüten schnein,
Daß nicht all verwehen.

Wie wenn ich Blüten an mir habe,
Als sei ich eine Gottesgabe –
Ein reines Wunder bin ich ja,
Wie nie ich eins mit Augen sah.
Und muß mich sehr zusammennehmen
Und schämen.

Warum? Weil ich so blühend bin
Und weil der Wind treibt Blüten hin,
Die nicht am Baum erröten
Und voller Vorsicht sind
Und Unschuld und Erblöden –
Der dumme Wind!

Ein paar Aphorismen:

Was ist der Dichter? Ein immer sprossendes, furchtbares, rastlos bebendes Hirn.

Dichten, wie ich’s verstehe, heißt nicht schöne Worte, heißt schönes Leben machen.

Ein echter Dichter haßt nichts so sehr wie das Poetische.

29. Swift-Speare

Sogar Shakespeare oder Goethe sind wohl nicht mehr lange vor elektronischer Konkurrenz sicher, denn ein Forscher des MIT Media Labs hat eine Algorithmus-Maschine erstellt, die allen poesieaffinen Menschen helfen soll, Gedichte zu schreiben.

schreibt die Computerwelt. Wie die Dichtertitanen in den Text kommen ist nicht ganz klar, denn wenn ich den Text richtig verstehe, soll der Computer poesieaffinen Menschen wohl nicht helfen, Gedichte von Shakespeare und Goethe zu schreiben. Das sind so Aufhänger. Trotzdem spannend:

Er begann ein Sonett zu schreiben, indem er Wörter aus einem Pool wählte, die der Algorithmus vorschlug.

„Um gute Poesie zu schreiben, musste ich aber weiter antizipieren als bis zum nächsten Wort“, erklärt Matias gegenüber dem Fachmagazin TechCrunch. „Welche Voraussagen können getroffen werden, wenn ich dieses statt einem anderen Wort wähle? Dazu entwickelte ich das Touchscreen-Interface, um zukünftige Voraussagen für poetisches Schreiben zu treffen.“ Swift-Speare soll jedoch mehr ein kreatives Schreibwerkzeug sein, als ein künstlicher Poet.

Die Technologie ist nicht ohne Präzedenz. So gibt es bereits Konzepte wie zum Beispiel Pentametron, was jambische Pentameter in Tweets aufspürt. „Algorithmen, die nach Poesie suchen, sind genau das Gegenteil meiner Arbeit“, meint Matias. „Diese suchen unerwartete Poesie in gewöhnlichen Texten. Meine Arbeit mit Swift-Speare sucht jedoch unter bereits existierender Poesie nach der Möglichkeit neuer Dichtung, die noch nicht geschrieben wurde.“

28. Adam Zagajewski

Adam Zagajewski verteidigt „das Recht auf Unendlichkeit“, gegen den nüchternen Zeitgeist, die „Notwendigkeit der Leidenschaft gegen das Diktat der Ironie“. Er fordert „Wildheit“ und den Mut, tiefgehende persönliche Erfahrungen auszusprechen. Produktion: DLF 2014

Hier (Manuskript zum Download)

Zitat

O-Ton  Adam Zagajewski
Für mich war das immer ein Symbol der Heiligkeit, das Lachen. Die Leute, die einen gewissen Grad des Heiligsten erreicht hatten, die lachten viel, die hatten diese lockere Attitüde:

Zitator Adam Z.
Ein Bibelwort, das nie geschrieben wurde: "Komm zu mir, denn ich bin widerspruchsvoll wie du selbst".

O-Ton  Adam Zagajewski
Das ist schwarzer Tee. Ich trinke selten den grünen Tee, weil der schwarze Tee gibt mir die Inspiration. Nicht jeden Tag, aber manchmal doch.

Es passiert manchmal, dass Studenten oder Leute in einer Lesung fragen: "Wie machen Sie das, wie schreiben Sie Gedichte?" Ich sage: "Man braucht zwei Sachen: schwarzen Tee und Musik. Wenn man beides hat, kann man schreiben".

27. Rätselhaft

Nachrichten sind der Treibstoff der Moderne. Wir halten es kaum einen Tag ohne sie aus, und trotzdem ist ihr Wesen uns rätselhafter als antike Lyrik.

Die Welt 8.2.

26. American Life in Poetry: Column 455

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

I don’t remember ever having a blind date, but if I had, I suspect it would have gone just as the one goes in this poem by Jay Leeming, who lives in New York state.

Blind Date

Our loneliness sits with us at dinner, an unwanted guest
who never says anything. It’s uncomfortable. Still

we get to know each other, like students allowed
to use a private research library for only one night.

I go through her file of friends, cities and jobs.
“What was that like?” I ask. “What did you do then?”

We are each doctors who have only ourselves
for medicine, and long to prescribe it for what ails

the other. She has a nice smile. Maybe, maybe . . .
I tell myself. But my heart is a cynical hermit

who frowns once, then shuts the door of his room
and starts reading a book. All I can do now is want

to want her. Our polite conversation coasts
like a car running on fumes, and then rolls to a stop;

we split the bill, and that third guest at the table
goes home with each of us, to talk and talk.

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Jay Leeming’s most recent book of poems is Miracle Atlas, Big Pencil Press, 2011. Poem copyright © 2011 by Jay Leeming and reprinted by permission of the author and the publisher. Introduction copyright © 2014 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

25. Hashem Shaabani hingerichtet

Die US-amerikanische Poetry Foundation teilt mit, daß am 27.1. auf Anweisung des iranischen Präsidenten Hassan Rohani der Dichter und Aktivist Hashem Shaabani hingerichtet wurde. Laut Radio Free Europe habe ein Islamisches Revolutionstribunal ihn und 14 weitere Personen im vergangenen Juli zum Tode verurteilt, u.a. weil sie einen „Krieg gegen Gott“ führten. Nach Presseberichten sei die Todesstrafe durch Hängen vollstreckt worden.

Shaabani war während seiner dreijährigen Haft schwer gefoltert worden. Human Rights Voices schreibt:

Seine Freunde kannten ihn als einen Mann des Friedens und der Verständigung, der innerhalb des despotischen Khomeinisystems dafür kämpfte,  individuelle Freiheitsräume auszuweiten. In einem Brief aus dem Gefängnis, den seine Familie zugänglich gemacht hat, schrieb er, er habe nicht schweigen können, wenn Menschen willkürlich und unrechtsmäßig verurteilt und hingerichtet wurden. Er habe versucht, das Recht jeden Volkes auf ein freies Leben mit vollen Bürgerrechten zu verteidigen. „Die einzige Waffe, die ich in meinem Kampf gegen diese furchtbaren Verbrechen je benutzt habe, war die Feder.“

24. Neuer Gedichtband von Franz Hodjak

Die deutsche Literatur aus Rumänien ist ausgewandert nach Deutschland, und eine ganze Weile sind ihre Dichter hier angelegentlich willkommen geheißen worden. Da waren neue Stimmen, sie kündeten von einer merkwürdigen, bisweilen bösen alten Welt, und man genoss, dass diese untergegangen und doch in Texten so aufgehoben war und man einen wohligen Schauer zu beziehen vermochte, weil man sie so vermittelt erhielt und nicht unvermittelt hatte erleben müssen. Dieser auch als „Exotenbonus“ (Peter Motzan) apostrophierte Aufmerksamkeitsvorschuss ist verbraucht, die Securitate-Wirrnisse haben die Szenerie vernebelt, der Widerhall schwillt ab zum Nachhall. Der „Betrieb“ wirft früher oder später einen jeden auf sich selbst zurück, viel Selbstbewusstsein, ja Eigensinn ist nötig, im literarischen Tun noch einen Sinn zu sehen – und viel Gelassenheit gegenüber dem Markttreiben.

Der Eigen-Sinnigsten und Gelassensten einer ist Franz Hodjak. Er war und ist so sehr Dichter, dass er es auch im Überdruss noch vermag, mit seinem sanften kargen Wort die sirrende und dröhnende Wirklichkeit hüben und drüben, die alte und die neue, zu übertönen und dem Leser, den er freundschaftlich zum Komplizen macht, ein paar Verse lang das Empfinden zu schenken, er wäre ihrer enthoben, ja stände über ihr. Hier ist ein Therapeut am Werk, der Hoffnung gibt, die er selbst nicht mehr hat. (…)

Wäre da nicht die streng stilsichere – gleichsam vom „Meißel“ geführte – Hand des Dichters, der sich jeden Überschwang versagt, sich zurücknimmt und die Bilder diszipliniert, indem er sie weiterdenkt oder -spinnt, immer allerdings auf eine eigentümlich gegenständliche und zugleich transzendierende Art: „Es gibt Tage, da rollen dir bloß / Sellerieköpfe über den Weg wie Gesichter // aus einem Märchen mit bösem Ausgang“ („Grammophon“). Das Furchtbare ist wirklich und umgekehrt – und das ist das Märchenhafte dran! Bei Franz Hodjak kann man lesen, wie Unerträgliches erträglich geschrieben wird.

Man muss sich nur einlassen darauf, er macht es einem leicht. Er schreibt eine Lyrik, die nicht allein Selbstaussage ist, sondern einbezieht, den Leser allemal – und dann die anderen, denen die Texte zugeeignet sind. Der Dichter bekennt sich eingangs zu den „auffallend viele(n)“ Widmungsgedichten, tatsächlich beherrschen sie den Band. All diese Menschen, einmal in sein „Leben getreten, sind … nicht mehr wegzudenken“. Ist da ein Widerspruch? Einerseits praktiziert der Poet die Auflösung der Wirklichkeit im Gedicht, andererseits holt er per Widmung Menschen aus derselben in selbiges herein, „erdet“ und konkretisiert also seine Verse mit den mitdichtenden Gedanken an mitmenschliche Existenzen. / Georg Aescht, Siebenbürgische Zeitung

Franz Hodjak: „Der Gedanke, mich selbst zu entführen, bot sich an“. Gedichte. Lithographien von Hubertus Giebe. Verlag SchumacherGebler, Dresden 2013, 100 Seiten, 22,50 Euro, ISBN 978-3941209-28-2