Nacht der Poesie auf dem Potsdamer Platz am 30. Juni 2001

Berlin (ots) – Unter dem Titel „Weltklang – Nacht der Poesie“ findet am 30. Juni 2001 zum zweiten Mal eine große Open-Air-Lyrikveranstaltung auf dem DaimlerChrysler Areal am Potsdamer Platz statt. Zehn international renommierte Dichterinnen und Dichter lesen aus ihren Werken. Die in der jeweiligen Muttersprache vorgetragene Lyrik ist klang- und rhythmusbetont. Eine von der Berliner Künstlerin Gunda Förster eigens für das Festival und den Platz konzipierte Licht-Klang-Installation unterstreicht diesen Aspekt und macht „Weltklang“ zu einem beeindruckenden Konzert aus Worten, Stimmen, Licht und Klang. Im Jahr zuvor waren über 5000 Besucher auf den Potsdamer Platz gekommen, um weltbekannten Dichtern wie Adonis, Ben Okri, Volker Braun und Inger Christensen zuzuhören. Die Veranstaltung, die von literaturWERKstatt berlin organisiert und von der DaimlerChrysler AG gesponsert wird, fand damals zum Abschluss des Literatur Express Europa 2000 statt.

Weitere Informationen:
literaturWERKstatt berlin
Dr. Thomas Wohlfahrt
Tel.: 030/48 52 45 22
Dr. Christiane Lange
Tel.: 030/48 52 45 36

Neues von der 68er –

„Welt“-Debatte mit (u.a.) einem zweiten, diesmal auch online zu findenden Biermann-Beitrag. Der „Chef-Kultur-Korrespondent“ des Blattes lobt die unvollkommene Demokratie und die Liberalisierung der CDU: „so rasant, dass schon 30 Jahre später eine junge evangelische FDJlerin“ Vorsitzende werden konnte. / Die Welt 27.1.01 (Außerdem im gleichen Blatt ein Gedicht von Biermann: „Kein Ton Iwrith“)

Kaschnitz

auch in der „Welt“: Eigenwillige Zeitzeugenschaft: Marie Luise Kaschnitz zum 100. Geburtstag. Von Hannes Schwenger:

Wie leicht geht einem die Floskel über die Lippen, jemand sei ein zeitgenössischer Autor. Aber was meint sie eigentlich? Marie Luise Kaschnitz hat es in einer Rede die Aufgabe der Schriftsteller genannt, „die Botschaften ihrer Zeitgenossen weiterzugeben“, während eine zeitgenössische Literaturgeschichte ihr als Autorin gerade ihre „Überzeitlichkeit“ (Ralf Schnell) nachrühmt (oder vorwirft?). / Die Welt 27.1.01

Nur auf Papier:

In der Frankfurter Anthologie stellt Ulla Hahn ein Gedicht von Marie-Luise Kaschnitz vor: „Gennazzano am Abend/ Winterlich/ Gläsernes Klappern/ Der Eselshufe…“ – Lyrik auch bei den Kollegen von der „Welt“: Ich bin wie ein Kind, das nicht mehr weinen darf . Gedicht von Michel Houellebecq

Dunkle Tradition

Zu den dunkleren Traditionen des Leonce-und-Lena-Wettbewerbs, der ja dem Dichter-Nachwuchs gewidmet ist, gehört auch die Ignoranz der Vorjurys, die mit blamabler Beharrlichkeit die interessanten jungen Dichter dieser Jahre einfach übersahen. So konnte Thomas Kling, der diesmal als Ehrengast des „Literarischen März“ geladen war, in schöner Ironie den Darmstädter Mundartdichter Ernst Elias Niebergall paraphrasieren, um seine eigene Chancenlosigkeit in Erinnerung zu rufen: „Ich kumm in Darmstadt uff kahn grihne Ast“. / schreibt Michael Braun in der FR, 27.3.01

Die Dichterwitwe Lotte Fürnberg

erinnert sich ihrer Lebensjahre mit Louis Fürnberg:

Von Lotte Fürnberg, die „die Wende nur schwer verkraften“ konnte, kommt ein zögerliches Ja. „Vielleicht mußte man unsere Erfahrungen machen. Wir haben große Hoffnungen gehabt. Fürnberg ist aus Güte Kommunist geworden, aber wir haben viel Falsches geglaubt, große Fehler gemacht. Nicht in der Struktur sahen wir das Übel, sondern in einzelnen Menschen wie Stalin.“ Nach einer Pause: „Es ist so viel Blut umsonst geflossen.“ / Berliner Zeitung 26.1.01

Three Tzarian Pieces

by Tristan Tzara , translations by Julian Semilian / Exquisite Corpse . A Journal of Letters and Life

Four Poems

by Wolf Biermann , translated by Ina Pfitzner / Exquisite Corpse . A Journal of Letters and Life

Welt-Debatte

Hier stellt „Die Welt“ alle Beiträge zur 68er Debatte zusammen, am 26.1. immerhin 20 (aber nicht den ihres Mitarbeiters Biermann.)

Peter Rühmkorf. Von links her zu beschreiten

Die Berliner Akademie der Künste huldigt den Dichter. Von Jörg Plath / Tagesspiegel 25.01.2001

Klaus Wagenbach hätte Angela Merkel gern ein wenig Nachhilfeunterricht erteilt, gemeinsam mit Peter Rühmkorf und an seinem Beispiel. Doch die stolze Bürgerin einer „seit 1949 ununterbrochen freiheitlichen, solidarischen, weltoffenen Republik“ fehlte in der Akademie der Künste unentschuldigt, und so erfuhr sie rein gar nichts von dem Fredenbeker Bananenaufstand.

Robert Walsers Schreibtisch

Robert Walsers Schreibtisch privat. Zum Abschluss der sechsbändigen Mikrogramm-Ausgabe . Von Dieter Borchmeyer / Die Zeit 04/2001

Der Wandelstern

Zum 250. Geburtstag von Jacob Michael Reinhold Lenz:

Goethe war sein Schicksal, im Leben und beinahe auch noch post festum. Als Jacob Michael Reinhold Lenz, der streng pietistisch erzogene, dann aber durch die Vorlesungen Kants, die er während seines Studiums in Königsberg besucht hatte, und auch durch die Lektüre von Rousseau, Shaftesbury und Pope durchaus aufklärerisch geläuterte Pfarrerssohn, als intellektueller Stallbursche zweier livländischer Barone nach Strassburg kam, alsbald Mitglied der Salzmann’schen Gesellschaft wurde und den damals gerade voll im Saft stehenden, kraftgenialischen Jung-Olympier kennen lernte, riss es ihn hin und mit. Eine fulminante literarische Initiation. Innerhalb weniger Jahre schreibt er sich in die vorderste Reihe der jungen Wilden… / NZZ 23. Januar 2001

Mails und Küsse

Erotische Gedichte von Dieter Schlesak

Nicht voyeurhaftes Ausstellen, sondern alle Nuancen der Liebe zwischen Willkommen und Abschied, Lust und Verzweiflung an der Liebe machen Sog und Reiz der erotischen Gedichte Schlesaks aus. Es ist von daher aber eher weniger die Lippe-Lust-Tendenz als wiederum das Umspielen und Verschweigen, was immer noch ein gutes (erotisches) Liebesgedicht auszeichnet. / Süddeutsche Zeitung vom 23.01.2001

Dichtern, die alt werden,

gesteht man das Murmeln zu. Das Raunen über die Bedeutung ihres Lebens und Werks darf zeitlupenhaft durch die Feuilletons wandern. Und zärtlich schleichen dabei die Eitelkeiten wie verwöhnte Katzen ums gepflegte autobiografische Erinnern. Im Grunde genommen ist das nicht weiter schlimm. Wenn es sich allerdings um politische Dichter wie den 71-jährigen Peter Rühmkorf handelt, der zeitlebens mit den schrillen Schellen seiner Lyrik an das vielleicht nie gänzlich vorhandene Gewissen der Bundesrepublik anschepperte… (Während „man“ bekanntlich bei der „Welt“ ganz uneitel auf das unerschrocken mahnende Dichterwort wartet. -Rühmkorf, geben Sie es – fragen Sie nach dem verschwundenen Biermann -Artikel über ’68 und Springer‘ , 19.1.!?) / Die Welt 22.1.01

Gestorben

Willi Winkler zum Tod des Schriftstellers Gregory Corso / Süddeutsche Zeitung 20.1.01

Gregory Corso, a Candid-Voiced Beat Poet, Dies at 70 / New York Times January 19, 2001

Obituary Gregory Corso

Clown prince of the Beat Generation who survived a tough New York childhood to become the friend and rival of Kerouac and Ginsberg. The Beat Generation has lost the last of its heroes. / The Times JANUARY 22 2001