In der Frankfurter Anthologie stellt Ulla Hahn ein Gedicht von Marie-Luise Kaschnitz vor: „Gennazzano am Abend/ Winterlich/ Gläsernes Klappern/ Der Eselshufe…“ – Lyrik auch bei den Kollegen von der „Welt“: Ich bin wie ein Kind, das nicht mehr weinen darf . Gedicht von Michel Houellebecq
Zu den dunkleren Traditionen des Leonce-und-Lena-Wettbewerbs, der ja dem Dichter-Nachwuchs gewidmet ist, gehört auch die Ignoranz der Vorjurys, die mit blamabler Beharrlichkeit die interessanten jungen Dichter dieser Jahre einfach übersahen. So konnte Thomas Kling, der diesmal als Ehrengast des „Literarischen März“ geladen war, in schöner Ironie den Darmstädter Mundartdichter Ernst Elias Niebergall paraphrasieren, um seine eigene Chancenlosigkeit in Erinnerung zu rufen: „Ich kumm in Darmstadt uff kahn grihne Ast“. / schreibt Michael Braun in der FR, 27.3.01
erinnert sich ihrer Lebensjahre mit Louis Fürnberg:
Von Lotte Fürnberg, die „die Wende nur schwer verkraften“ konnte, kommt ein zögerliches Ja. „Vielleicht mußte man unsere Erfahrungen machen. Wir haben große Hoffnungen gehabt. Fürnberg ist aus Güte Kommunist geworden, aber wir haben viel Falsches geglaubt, große Fehler gemacht. Nicht in der Struktur sahen wir das Übel, sondern in einzelnen Menschen wie Stalin.“ Nach einer Pause: „Es ist so viel Blut umsonst geflossen.“ / Berliner Zeitung 26.1.01
by Tristan Tzara , translations by Julian Semilian / Exquisite Corpse . A Journal of Letters and Life
by Wolf Biermann , translated by Ina Pfitzner / Exquisite Corpse . A Journal of Letters and Life
Hier stellt „Die Welt“ alle Beiträge zur 68er Debatte zusammen, am 26.1. immerhin 20 (aber nicht den ihres Mitarbeiters Biermann.)
Die Berliner Akademie der Künste huldigt den Dichter. Von Jörg Plath / Tagesspiegel 25.01.2001
Klaus Wagenbach hätte Angela Merkel gern ein wenig Nachhilfeunterricht erteilt, gemeinsam mit Peter Rühmkorf und an seinem Beispiel. Doch die stolze Bürgerin einer „seit 1949 ununterbrochen freiheitlichen, solidarischen, weltoffenen Republik“ fehlte in der Akademie der Künste unentschuldigt, und so erfuhr sie rein gar nichts von dem Fredenbeker Bananenaufstand.
Robert Walsers Schreibtisch privat. Zum Abschluss der sechsbändigen Mikrogramm-Ausgabe . Von Dieter Borchmeyer / Die Zeit 04/2001
Zum 250. Geburtstag von Jacob Michael Reinhold Lenz:
Goethe war sein Schicksal, im Leben und beinahe auch noch post festum. Als Jacob Michael Reinhold Lenz, der streng pietistisch erzogene, dann aber durch die Vorlesungen Kants, die er während seines Studiums in Königsberg besucht hatte, und auch durch die Lektüre von Rousseau, Shaftesbury und Pope durchaus aufklärerisch geläuterte Pfarrerssohn, als intellektueller Stallbursche zweier livländischer Barone nach Strassburg kam, alsbald Mitglied der Salzmann’schen Gesellschaft wurde und den damals gerade voll im Saft stehenden, kraftgenialischen Jung-Olympier kennen lernte, riss es ihn hin und mit. Eine fulminante literarische Initiation. Innerhalb weniger Jahre schreibt er sich in die vorderste Reihe der jungen Wilden… / NZZ 23. Januar 2001
Erotische Gedichte von Dieter Schlesak
Nicht voyeurhaftes Ausstellen, sondern alle Nuancen der Liebe zwischen Willkommen und Abschied, Lust und Verzweiflung an der Liebe machen Sog und Reiz der erotischen Gedichte Schlesaks aus. Es ist von daher aber eher weniger die Lippe-Lust-Tendenz als wiederum das Umspielen und Verschweigen, was immer noch ein gutes (erotisches) Liebesgedicht auszeichnet. / Süddeutsche Zeitung vom 23.01.2001
gesteht man das Murmeln zu. Das Raunen über die Bedeutung ihres Lebens und Werks darf zeitlupenhaft durch die Feuilletons wandern. Und zärtlich schleichen dabei die Eitelkeiten wie verwöhnte Katzen ums gepflegte autobiografische Erinnern. Im Grunde genommen ist das nicht weiter schlimm. Wenn es sich allerdings um politische Dichter wie den 71-jährigen Peter Rühmkorf handelt, der zeitlebens mit den schrillen Schellen seiner Lyrik an das vielleicht nie gänzlich vorhandene Gewissen der Bundesrepublik anschepperte… (Während „man“ bekanntlich bei der „Welt“ ganz uneitel auf das unerschrocken mahnende Dichterwort wartet. -Rühmkorf, geben Sie es – fragen Sie nach dem verschwundenen Biermann -Artikel über ’68 und Springer‘ , 19.1.!?) / Die Welt 22.1.01
Willi Winkler zum Tod des Schriftstellers Gregory Corso / Süddeutsche Zeitung 20.1.01
Gregory Corso, a Candid-Voiced Beat Poet, Dies at 70 / New York Times January 19, 2001
Obituary Gregory Corso
Clown prince of the Beat Generation who survived a tough New York childhood to become the friend and rival of Kerouac and Ginsberg. The Beat Generation has lost the last of its heroes. / The Times JANUARY 22 2001
IN SEINEN BRIEFWECHSELN. Zwischen den Zeilen – der Lyriker und die DDR:
Von 1925 bis 1977 reichen die Briefe von und an Peter Huchel, welche eindrücklich die Selbstbehauptung eines Dichters in schwieriger Zeit dokumentieren: Im Zentrum steht seine Zeit als Redaktor der Zeitschrift „Sinn und Form“ und der mit seiner Entlassung einsetzenden Schikanen des DDR-Regimes. / Der Landbote (Winterthur) 21.1.01
PETER HUCHEL (1903-1981) IN SEINEN BRIEFWECHSELN. Zwischen den Zeilen – der Lyriker und die DDR
Von 1925 bis 1977 reichen die Briefe von und an Peter Huchel, welche eindrücklich die Selbstbehauptung eines Dichters in schwieriger Zeit dokumentieren: Im Zentrum steht seine Zeit als Redaktor der Zeitschrift „Sinn und Form“ und der mit seiner Entlassung einsetzenden Schikanen des DDR-Regimes. / Der Landbote (Winterthur) 21.1.01
Tomas Fitzel: Die innere Apparatur des menschlichen Selbst. „Von wenigen betrauert, von keinem vermißt“. Jacob Michael Reinhold Lenz zum 250. Geburtstag:
Im Winter 1988/89 stürmten zwei Studenten der Theaterwissenschaften aus dem Zuschauerraum hinauf auf die Bühne des Berliner Schiller Theaters und sprachen schon während ihres Laufs einen Text: „Was ihr Tugend nennt, ist Schminke, womit ihr Brutalität bestreicht. Ihr seyd wunderschöne Masken mit Lastern und Niederträchtigkeiten ausgestopft wie ein Fuchsbalg mit Heu, Herz und Eingeweide sucht man vergeblich.“ / FR 20.1.01
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