Vom Jazzpianisten Thelonius Monk

stammt das  Diktum, das Wichtigste sei, was man nicht spiele.  Einen ähnlichen Sinn für Raum besitzt der in  Liechtenstein und Wien lebende 44-jährige Lyriker und  Prosaist Michael Donhauser. Sein letzter Gedichtband  hiess «Sarganserland». Der geographische Ort ist darin  weniger wichtig als die Räume, die er für die Dinge (ein  Stück Strasse, ein Wegbord beispielsweise) schafft.  Räume, in denen die räumlichen die Geschichte der  zeitlichen Dinge (Erinnerungsbilder einer Beziehung,  einer Liebesgeschichte vielleicht) zu erzählen  vermögen. Donhausers Gedichte erinnern an die  ruckenden alten Filme – es fehlen immer ein paar  Bilder. Manchmal müsste man sonst Angst haben: Wie  kann einer aus Wörtern wie «sanft», «Wunde», «warm»  ein gestochen scharfes Gedicht machen. Aber  Donhauser setzt die Wörter aus, nimmt ihnen die  sentimentale Aura. Seine Strophen sind fragil und  stabil zugleich, wie Trockenmauern: Die Wörter reden  miteinander, geben sich Raum, schaffen Passagen. / Samuel Moser NZZ 6.3.01

Lyrik und Revolution

Gioconda Belli gehört zu den großen Frauengestalten Mittel- und Lateinamerikas. Aus der Oberschicht Nicaraguas stammend, eine gefeierte Dichterin, agierte sie im Untergrund für die Sandinisten, bis diese 1979 den Diktator Somoza stürzten. In „Die Verteidigung des Glücks“ erzählt Belli, wie die sandinistische Herrschaft von Beginn an unter einem schlechten Stern stand. / Oberösterreichische Nachrichten 3.3.01

Ein gewaltiger Brocken

ist anzuzeigen, ein Standardwerk schon nach Erscheinen: rund 2  500 Seiten englischer und amerikanischer Lyrik von Chaucer bis Heaney, chronologisch  geordnet und hilfreich kommentiert durch pointierte Dichterbiografien. Bei den  Übersetzungen gibt es naturgemäß immer viel zu meckern, was in diesem Fall besonders  viel Vergnügen bereitet, da die Ausgabe zweisprachig ist. / Berliner Zeitung 3.3.01


James Merrill (1926-95) won two National Book Awards, a National Book Critics Circle Award, a Pulitzer Prize, a Bollingen Prize and the Library of Congress’s Bobbitt National Prize for Poetry. This week, we’ve created a unique overview of the poet’s work. In addition to reviews of his „Collected Poems“ and Alison Lurie’s memoir of Merrill and his lover, David Jackson, we are presenting audio recordings of Merrill reading a number of his poems, including a 1967 appearance at New York’s 92nd Street Y. / New York Times 4.3.01

Merrill´s poem „164 East 72nd Street“

39 Minuten vom Autor gelesene Gedichte

Besprechung in der Los Angeles Times


„Alle bekannte Literatur ist in der Sprache des common sense gehalten“, hat Paul Valéry erkannt, „bis auf die von Arthur Rimbaud.“ Die Verlockung zu ihr geht weiter, und sie wird nie enden, solange es junge Männer gibt, die bei ihrer schier unausweichlichen Rimbaud-Lektüre rote Ohren bekommen, und sie werden nicht aussterben. Rimbauds Verse sprühen auf ihre abenteuerlich suggestive, nie ganz zu entschlüsselnde Weise ewige Jugendlichkeit. Das musste gerade auf einen Mann wie Paul Verlaine von höchster Anziehungskraft sein. Verlaine war eher eine poetische Mimose, der es niemals einen schlechten Vers zu schreiben gelang. / Die Welt 3.3.01

:: und was ist mit jungen Frauen?

Mehr Rimbaud 1 /


LONDON – Canada may soon have a Poet Laureate. But before submitting resumes, applicants should consider the  slings and arrows endured by Britain’s national wordsmith.

Andrew Motion, 49, writes about stuff most poets would not touch with a 10-ft-pole. Since starting a 10-year stint as  Britain’s Poet Laureate in 1999, he has crafted verses on the Salvation Army, a telephone helpline for children and the  Trades Union Congress. / National Post 3.3.01


Frankfurter Anthologie 3.3.: Wolfgang Brenneisen über Brecht: „Der Pflaumenbaum“. – In der Reihe „Das neue Gedicht“ der „ Welt “ spricht Richard Pietraß über Charles Simic: „Stein“.

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Berlin — Zum 2. Unesco-Welttag der Poesie am 21. März finden in Berlin Autoren unterschiedlicher Sprache zusammen. Sie werden gemeinsam an der Übersetzung ihrer Gedichte arbeiten, wie die Literaturwerkstatt Berlin mitteilte. Zu dem Lyrikertreffen vom 17. bis 21. März werden Teilnehmer italienischer, amerikanischer, französischer, flämischer, griechischer und deutscher Sprache erwartet. Sie haben jeweils zehn Texte vorgelegt, die vorab übersetzt wurden. Später werden die Texte auf der Internetplattform http://www.lyrikline.org präsentiert.

Lyrik gibt es zum Welttag der Poesie auch im ZDF und im Deutschlandradio Berlin. Im Nachtstudio des ZDF ist am 21. März eine dreistündige Aufzeichnung aus dem Hauptadtstudio des Senders unter dem Motto „Die Stimme kommt zum Text — Die lange Nacht der Poesie“ mit Lautpoeten, experimentellen Dichtern, Wortkünstlern und Slamern zu sehen. Deutschlandradio strahlt Mitschnitte am 22. März und 5. April jeweils um 0.05 Uhr aus. ddp / Die Welt 2.3.01


„Zeit“ gelobt Besserung:

Anfang und Ende der „Zeit“-Literatur heute mit Lyrik: aus S. 45 belobt Konrad Heidkamp eine CD mit 100 klassischen amerikanischen Poetenstimmen („ein unglaublicher Fund“), und auf S. 52 bespricht Benedikt Erenz den Band „Irrläufer“ von Walle Sayer (s. a. NZZ ). Hinzu kommt eine Textprobe von Alexander Lernet-Holenia . – Den Artikel über die CD-Edition begleiten 9 mp3-Hörproben von Lawrence Ferlinghetti bis Elizabeth Bishop über Pound und Plath. Nix wie hin ! Mehr Sayer 1 / 2 /


Über Boris Pasternaks Familienkorrespondenz schreibt der „ Bund „, 1.3.01


Am Montag zeigte „di folkzakademi“

aus Leipzig das Brecht-Gedicht „Die Erziehung der Hirse“ als Theaterperformance. Auf wundersame Weise kritisierte sie Überproduktion und Ertragssteigerungswahn – gleichermaßen sozialistisches wie kapitalistisches Problem – anhand eines Texts, der noch dem Fortschritt zu huldigen scheint. Später diskutierten Autoren wie Thomas Oberender, Ralf Bönt oder Axel Preusz, was sie mit Brecht verbindet. Die einen wurden in der Schule mit ihm gequält, die anderen konnten ihn selbst im Literaturstudium umgehen. Sie bezweifelten die Möglichkeit, heute noch klare Fronten aufzubauen, wie Brecht, der große Vereinfacher, es tat, würdigten aber sein Bekenntnis zur Ästhetik. /Tagesspiegel 1.3.01


Der 1999 verstorbene Literaturwissenschaftler und Germanistikprofessor zeigt  postum noch einmal, was es mit dem «Dichterischen» auf sich hat. Das Buch «Das  erneute Gedicht» bringt einen Extrakt aus Paul Hoffmanns poetologischem  Lebenswerk, eingeführt von Uwe Kolbe unter dem treffenden Titel «Eine genaue  Liebe. Paul Hoffmanns wissenschaftliche Arbeit» /Schaffhauser Nachrichten 1.3.01


Leider nicht mehr lieferbar? Freund aller Autoren: Wolfram Göbel druckt Bücher auf Bestellung

Ulrike Draesners 1995 bei Suhrkamp erschienener erster Gedichtband „Gedächtnisschleifen“ wurde 1999 wieder aus dem Verlagsprogramm genommen. Ebenso der Band „Flußbild mit Engel“ vonKathrin Schmidt. Trugen die Autorinnen, die inzwischen auch Prosa veröffentlicht haben, bei Lesungen Beispiele aus diesen Gedichtsammlungen vor, mussten sie den Zuhörern, die Genaueres darüber wissen wollten, erklären: „Das Buch ist leider nicht mehr lieferbar.“

Das hat sich jetzt geändert. Im VLB, dem Verzeichnis lieferbarer Bücher, tauchen beide Bände wieder auf, diesmal mit dem Verlagsvermerk „Buch & Media“. Mit dieser Angabe erscheinen auch andere Lyrikbände im VLB, die vor vielen Jahren einmal irgendwo herausgekommen und inzwischen (fast) vergessen sind – solche von Richard Pietraß („Notausgang“, 1980 bei Aufbau), Jürgen Theobaldy („Blaue Flecken“, 1974 bei Rowohlt), Günter Kunert („Warnung vor Spiegeln“, 1970 bei Hanser) und Rolf Haufs („Straße nach Kohlhasenbrück“, 1962 bei Luchterhand). Insgesamt 24 Neuauflagen bis dato vergriffener Gedichtbände listet die Buch & Media GmbH in ihrem Startprogramm der „Lyrikedition 2000“ auf. Dazu kommen sechs Neuerscheinungen von Richard Wagner, Hugo Dittberner und anderen. Verantwortlich für Auswahl und Lektorat zeichnet der erfahrene Literaturwissenschaftler und Kritiker Heinz Ludwig Arnold. Die Rechte für die Editionen verbleiben bei den Autoren. Auflagenhöhe? – Gibt es eigentlich nicht. Denn das ist das Besondere an dieser Edition: Die Bücher entstehen samt und sonders als so genannte Books on Demand, als Bestellbücher. Allein die Nachfrage regelt die Zahl der produzierten Titel. / Cornelia Geissler , Berliner Zeitung 1.3.01


In Poesie gewandelt klingt Politik so: „Ach, das Stöhnen dringt / aus dem tiefen Berg des Bewusstseins / und der verräterische Stich / enthüllt die Wut der Herzen.“ Deutsche Romantik? Nein: arabische Postmoderne. Die Verse mit dem Titel “ Kuwaitischer Widerstand“ stammen von Khazna Buresly und finden sich in einer Lyrik-Anthologie, die zugleich politische Streitschrift ist. „Das Echo kuwaitischer Kreativität“, heißt sie. /Tagesspiegel 1.3.01

«Irrläufer»: Gedichte von Walle Sayer

„Nicht nur die mit Literaturpreisen überhäuften und als Junggenies gehandelten DDR-Lyriker blicken zurück auf die spezifische Situation ihrer eigenen Geschichte – ihre (weit weniger beachteten) westdeutschen Kollegen tun es nicht minder. Einer von ihnen ist der im badischen Horb lebende Walle Sayer, der – 1960 in Bierlingen bei Tübingen geboren – zu den hoffnungsvollsten Stimmen seiner Generation zu zählen ist.“ / NZZ 28.2.01


How they sleep : Ein Gedicht über die Engländer  teilt die Times Literary Supplement mit:

Simon Armitage The English

They are a gentleman farmer, living
on reduced means, a cricketer´s widow
sowing a kitchen garden with sweet peas.
A lighthouse keeper counting aeroplanes.
Old blackout curtains staunch the break of day.
Regard the way they dwell, the harking back:
how the women at home went soldiering on
with pillows for husbands, fingers for sons;
how man after man emerged at dawn
from his house, in his socks, then laced his boots
on the step, locked up, then steadied himself
to post a key back through a letterbox.
The afternoon naps, the quaint hours they keep.
But since you ask them, that is how they sleep.


Der amerikanische Lyriker Archie Randolph Ammons ist am 25. Februar im Alter von 75 Jahren einem Krebsleiden erlegen. Der 1926 bei Whiteville in North Carolina geborene Ammons begann während des Dienstes bei der US-Marine im Zweiten Weltkrieg zu schreiben.

Ammons‘ Naturdichtung wurde in der Nachfolge von Emerson, Whitman und Thoreau gesehen, unter den moderneren Lyrikern standen ihm Robert Frost, William Carlos Williams, Wallace Stevens und der von Ammons besonders bewunderte John Ashbery nahe. / NZZ 28.2.01

Mehr Ammons 1 /

Mr. Ammons, for example, was inspired to compose his poetry about garbage after spotting piles of it rotting near Interstate 95 in Florida:

garbage has to be the poem of our time because
garbage is spiritual, believable enough
to get our attention, getting in the way, piling
up, stinking, turning brooks brownish and

Gestorben

Der spanische Dichter José García Nieto, Träger des Cervantes-Literaturpreises, ist am Dienstag im Alter von 87 Jahren in einem Madrider Krankenhaus gestorben. Seine in Themen und Struktur konservative Lyrik wird als „Neoklassizismus“ der Zeit nach dem Spanischen Bürgerkrieg (1936-1939) beschrieben. Häufig wiederkehrende Motive sind Gott, Vaterland und Familie. / Süddeutsche 28.2.2001

Perec

Jacques Roubaud, Harry Mathews und andere erinnern sich an Georges Perec in einem Dossier des Nouvel Observateur . – Hier auch weitere Oulipo-Beiträge: Laun des membres les plus actifs de la Oulipo, Jacques Jouet, scrit un poeme par jour depuis huit ans. / 27.2. 2001

Ausstellung

Über eine Georg-Heym-Ausstellung in Basel schreibt die NZZ / 27.2.2001

Elisabeth Borchers 75

Und doch haben die Objekte noch eine Bedeutung, und so lädt sich die leere Szenerie metaphysisch auf, verbinden sich die „Palmen“ mit den biblischen „Psalmen“. Am Ende ist der Gedichtraum erfüllt von Stimmen: „Leer / Alles leer / Die Stühle / Der Platz unterm Schirm / Das große Haus / Das kleine Haus / Die Fenster, die Türen / Die Palmen, die Psalmen / Sand und Strand / Wasser und Wind / Weder Mensch noch Tier / Und alles redet und schweigt / und ruft“. Auf der Höhe solcher Gedichte, hier geben wir Arnold Stadler recht, „ist noch nicht alles verloren, wenn alles verloren ist“.

Von Elisabeth Borchers ist soeben im Suhrkamp Verlag ein Band mit Gesammelten Gedichten erschienen, Alles redet, schweigt und ruft, ausgewählt und mit einem Nachwort versehen von Arnold Stadler. / FR 27.2.2001

Lichtenwald erinnert an Rose Ausländer

„Sie kamen / mit scharfen Fahnen und Pistolen / schossen alle Sterne und den Mond ab / damit kein Licht uns bliebe / damit kein Licht uns liebe // Da begruben wir die Sonne / Es war eine unendliche Sonnenfinsternis.“ Die jüdische Lyrikerin Rose Ausländer erlebte und überlebte diese Sonnenfinsternis, die meisten ihrer Angehörigen aus der Bukowina aber wurden von den Deutschen ermordet. Rose Ausländer, die mit 22 Jahren ihre ersten Gedichte veröffentlichte, schrieb auch weiterhin in deutscher Sprache, diese Sprache war ihr „Mutterland“ und blieb es auch nach der Emigration in die USA. / Stuttgarter Zeitung 26.2.01

Wo bist du, Licht

Wo bist du, Jugendliches! das immer mich / Zur Stunde wekt des Morgens, wo bist du, Licht!“ So beginnt Friedrich Hölderlins Gedicht „Der blinde Sänger“, und diese Worte hat der Komponist Claude Vivier einer Mezzosopranstimme zu singen gegeben in seinem Stück „Wo bist du, Licht!“ für Sängerin, Streichorchester, Schlagzeug und Tonband. Wie der Titel andeutet, bekommen vor allem die letzten drei Worte Gewicht in diesem Stück, sie werden wiederholt und abermals wiederholt, sie werden zu einer Litaneiformel. / Berliner Zeitung 26.2.01

Der Terror kennt keine Regeln

Der Anfang vom Ende begann für Ossip Mandelstam 1934 – verhaftet wegen eines Epigramms gegen Stalin, den „Verderber der Seelen und Bauernabschlächter“, und geistiger Freiheiten, die nicht ins sowjetische Imperium passten. …

Paul Celan hat den Dichter Ossip Mandelstam für den deutsch-sprachigen Raum entdeckt. Er übertrug Gedichte mit jüdischen, tragischen Themen. Es gibt aber auch viel Leichtes: Verse über moderne Phänomene wie Fußball, Tennis, Tourismus oder Eiscreme.

Mandelstams Lebensgeschichte ist äußerlich wenig fröhlich – er war bettelarm und starb im Gulag; das Wort steht für das System der Straf- und Arbeitslager in der UdSSR von 1930 bis 1955. Seit Solschenizyns Werk „Der Archipel Gulag“ wird die Bezeichnung im Westen verwendet: Glavnoe Upravlenije Lagerej – Hauptverwaltung der Lager. / Netzeitung

Poet laureate task poem?

NO SUBJECT is too esoteric, it seems, for the poet laureate. Andrew Motion, holder of the post since 1999, has written a work to mark the 200th anniversary of the national census. His previous work has celebrated such unlikely subjects as Childline, the TUC conference and the Salvation Army.

All of Us, 32 lines of rhyming couplets, begins with a look back through time to when Britan’s mostly rural population was „a field full of folk“, and moves forward to today’s „stadium hulks“ of football crowds.

(mehr incl. Leseprobe in der Sunday Times v. 25.2.) / Eine weitere Kritik mit Faksimile des Gesamttexts hier .

Bloß keine Klagen

Lang einstudiert sind auch die Wörter, wenn sie endlich auf dem Blatt stehen, weil viele andere dieselben Motive verwendet haben. Der Scrabble-Spieler freut sich über jede neugefundene Kombination, aber er weiß auch, dass er an Vorhandenes andockt. Er schreibt im Wortsinn weiter.
Begegnet einem jemand mit einem Anliegen, das er nur schwer artikulieren kann, handelt es sich mit etwas Glück um einen Dichter: Was Joseph Brodsky über die Stimme schrieb, gilt bei Senser für die Hand: Erlaubte meinen Stimmbändern / alles, bloß keine Klagen. Das ist eine seltene Haltung, am Ende nicht in Schrecken zu verfallen, weil Vieles ungesagt geblieben ist, sondern abzuschließen mit einem lang und früh geübten soviel dazu! / Hendrik Rost, Netzeitung .

Armin Senser, Großes Erwachen, Gedichte, 106 Seiten, Hanser Verlag, München 1999, DM 25,00

Neu

Die FAZ v. 24.2. bespricht ein Büchlein über Rimbauds Stuttgart-Aufenthalt („das Elend und die Langeweile des Dichters in der schwäbischen Stadt“), die Frankfurter Rundschau die Bände 5 u. 6 der „ Mikrogramme “ von Robert Walser (dazu ein Gespräch mit Werner Morlang über die Entzifferungsarbeit), die „Süddeutsche“ Franz Hessel: Sämtliche Werke in fünf Bänden sowie den von Fritz u. Sieglinde Mierau herausgegebenen „Almanach für Einzelgänger

Das neue Gedicht

In der Frankfurter Anthologie vom 24.2. stellt Norbert Mecklenburg ein Goethe-Gedicht vor: „Behandelt die Frauen mit Nachsicht…“ – Das neue Gedicht der „Welt“: Uwe Grüning stellt „Die Morgenröte“ von Federico Garcia Lorca vor.

Donnergrollen der Seel

Quirinus Kuhlmann, der reisende Ekstatiker und Lyriker wird 350 Jahre alt. Der am 25. Februar 1651 in Breslau geborene Quirin Kuhlmann war ein wandelnder Widerspruch. äußerst begabt und belesen, hat er als Kind erhebliche Sprachschwierigkeiten. Polterer, Stotterer oder stark entwicklungsverzögert – die Quellenlage schwankt. Der Widerspruch ist auch das Element von Kuhlmanns Nachwirkung geblieben. Von seinen gut vierzig Werken sind heute gerade einmal zwei im Handel, das Frühwerk der „Himmlischen Libesküsse“ und die beiden Bücher des „Kühlpsalters“, jener Gedichtsammlung also, die das Hauptwerk Kuhlmanns darstellt. …

Der Dichter des „Kühlpsalters“ war ein fahrender Schreiber, der sich nach einem Erleuchtungserlebnis auf eine Tour begab, die ihn durch Europa und Kleinasien bis hin nach Moskau führte. Kuhlmann wird in London, Paris und Amsterdam, in Genf und Lausanne, in Leiden, Edinburg und York von den höchsten Würdenträgern empfangen, aber er wird am Ende 1689 in Moskau nach monatelanger Folter zum einzigen deutschen Dichter, den man ob seiner Kunst verbrennt. / Dieter Kief, Berliner Zeitung 24.2.01

Warum

Auf die Frage, warum er vor Publikum lese, antwortete er: Erstens könne ein Lyriker vom Verkauf seiner Bücher nicht leben; und zweitens gehe manchmal ,,in den Augen der Zuhörer etwas vor, das für alle Risiken entschädigt“. .. Reiner-Kunze-CD im Hörverlag / Frankenpost 23.2.01