Kategorie: Europa

Dialog

Eine Seite der „Aktion“, 18. Juni 1913 Else Lasker-Schüler Doktor Benn Er steigt hinunter ins Gewölbe seines Krankenhauses und schneidet die Toten auf. Ein Nimmersatt, sich zu bereichern an Geheimnis. Er sagt: „tot ist tot“. Dennoch fromm im Nichtglauben liebt er die Häuser der… Continue Reading „Dialog“

Mond

Konrad Weiß (* 1. Mai 1880 in Rauhenbretzingen bei Schwäbisch Hall; † 4. Januar 1940 in München) Der Mond Ein abgebrochenes Stück, Dem goldnen gleich vom Pol Herabgedrückt zum Hohl Der bangen Mitternacht, Bleibt ihm mit scharfem Rand zurück, Wem? Diesem, der da blickt,… Continue Reading „Mond“

Prosagedicht

Georg Kulka (* 5. Juni 1897 in Weidling/ Niederösterreich; † 29. April 1929 in Wien) CHARISMA Winkel. Wahn. Witzig. Fletschen. Überwältigt. Loch. Zuschnüren. Speere. Anfechten. Mager. Schlottern. Entzwei. Pupille. Aufgeschnitten. Erwägung. Besudeln. Jung. Stolpern. Zersinken. Schlaf. Mißgeschickt. Galopp. Kauern. Stellung. Brauen. Narkose. Geschehen. So.… Continue Reading „Prosagedicht“

Haus der Sprache

Karl Kraus (* 28. April 1874 in Jičín, Böhmen; † 12. Juni 1936 in Wien) Bekenntnis Ich bin nur einer von den Epigonen, die in dem alten Haus der Sprache wohnen. Doch hab’ ich drin mein eigenes Erleben, ich breche aus und ich zerstöre… Continue Reading „Haus der Sprache“

Hatem

Johann Wolfgang von Goethe Hatem Locken, haltet mich gefangen In dem Kreise des Gesichts! Euch geliebten braunen Schlangen Zu erwidern hab‘ ich Nichts. Nur dies Herz, es ist von Dauer, Schwillt in jugendlichstem Flor; Unter Schnee und Nebelschauer Ras’t ein Ätna dir hervor. Du… Continue Reading „Hatem“

Wizlaw schrieb das

Die Natur im Nordosten ist langsamer. Dieses Jahr aber zwei Wochen früher. Deshalb ein Mailied, ein altes von Rügen. Wald und Feld liegen ausgebreit’ in wundervoller Farben Kleid; die süßen Vögelein sind schon da. Sie üben ihren süßen Schall fröhlichen Herzens überall mal ich… Continue Reading „Wizlaw schrieb das“

3 Fassungen

Louise Labé (* ca. 1524 in Lyon; † 25. April 1566 in Parcieux- en-Dombes bei Lyon) Ô beaus yeus bruns, ô regards destournez, Ô chaus soupirs, ô larmes espandues, Ô noires nuits vainement attendues, Ô jours luisans vainement retournez : Ô tristes pleins, ô… Continue Reading „3 Fassungen“

Silja Walter 100

Silja Walter (* Cécile Walter am 23. April 1919 in Rickenbach bei Olten; † 31. Januar 2011 im Kloster Fahr) TÄNZERIN Der Tanz ist aus. Mein Herz ist süß wie Nüsse, Und was ich denke, blüht mir aus der Haut. Wenn ich jetzt sacht… Continue Reading „Silja Walter 100“

Zufällige Gedanken bey dem Rath einiger Freunde

Christiana Büsching (auch Christiane Büsching, geborene Polyxena Christiane Auguste Dilthey; * 11. Dezember 1728 in Köthen, Anhalt; † 22. April 1777 in Berlin) Aus: Zufällige Gedanken bey dem Rath einiger Freunde, sich in mehreren Wissenschaften zu üben Ja meine unschuldsvolle Lieder, Die nur Natur… Continue Reading „Zufällige Gedanken bey dem Rath einiger Freunde“

Die Wahrheit ist von neuem geborn

Zu dem Leser dieser nachfolgenden Büchlein Ulrich von Hutten Die Wahrheit ist von neuem geborn,   Und hat der Betrug sein Schein verlorn, Des sey Gott jeder Lob und Ehr,   Und acht nicht fürder Lügen mehr Ja, sag ich, Wahrheit was verdruckt, (a)… Continue Reading „Die Wahrheit ist von neuem geborn“

kultur

norbert c. kaser (* 19. April 1947 in Brixen, Südtirol; † 21. August 1978 in Bruneck) Aus: norbert c. kaser: gedichte (gesammelte werke band 1) Hrsg. Sigurd Paul Scheichl. Innsbruck: Haymon, 1988, S. 413 svp: Südtiroler Volkspartei it.: Italiener

Hymne auf die schwarze Fassade am Rande der Nacht

Ludwig Meidner (* 18. April 1884 in Bernstadt an der Weide, Schlesien; † 14. Mai 1966 in Darmstadt) Hymne auf die schwarze Fassade am Rande der Nacht Abendröte, windige, du enteilst? Ihr Türen, ihr schnarchenden Türen. Ihr Treppen, ihr Flure, ihr wilden, wilden Fenster.… Continue Reading „Hymne auf die schwarze Fassade am Rande der Nacht“

Aus den Sonetten an Ead

Anton Wildgans (* 17. April 1881 in Wien; † 3. Mai 1932 in Mödling, Niederösterreich) XXVIII. Sie ist die Eine, die wie ein Magnet Die Wünsche anzieht, daß sich nichts zerstreue. Sie ist die Gestrige und immer Neue, Die Ratende, die ohne Wink versteht.… Continue Reading „Aus den Sonetten an Ead“

Notre Dame

Poesiealbum 147. Julian Przyboś. Berlin: Neues Leben, 1979, S. 13

Litteraten

Gustav Sack (* 28. Oktober 1885 in Schermbeck; † 5. Dezember 1916 bei Finta Mare, Rumänien) Litteraten Wie sich das spreizt und plusternd bläht, wie sich das auf den Hacken dreht, wie sich das neigt und artig schwänzelt und zierlich umeinander tänzelt, wie sich… Continue Reading „Litteraten“