Kategorie: Deutschland

die müssen doch wohl eine macke habn

Gabriele Stötzer ich bin nicht rosa luxemburg du bist nicht clara zetkin uns ham se nicht die köpfe geschorn uns ham se nicht die köpfe geschorn ich bin kein dünner darmverschluß du bist kein schienbeinmuskel uns ham se nicht vor die köpfe geschlagen uns… Continue Reading „die müssen doch wohl eine macke habn“

in der pathologie

Auch 100 Jahre nach Benn keine leichte Kost. In dessen „Mann und Frau gehen durch die Krebsbaracke“ zeigt ein Mann seiner Frau, wo er arbeitet. Ein Gedicht wie das von Gabriele Stötzer wäre vor 100 Jahren kaum möglich gewesen. Bei ihr ist es eine… Continue Reading „in der pathologie“

Waldmeister

Barbara Köhler

Wetterzeichen

Johannes Bobrowski (* 9. April 1917 in Tilsit; † 2. September 1965 in Berlin) WENN VERLASSEN SIND Wenn verlassen sind die Räume, in denen Antworten erfolgen, wenn die Wände stürzen und Hohlwege, aus den Bäumen fliegen die Schatten, wenn aufgegeben ist unter den Füßen… Continue Reading „Wetterzeichen“

Meine Dichtungen, deklamiert

Else Lasker-Schüler An mich Meine Dichtungen, deklamiert, verstimmen die Klaviatür meines Herzens. Wenn es noch Kinder wären, die auf meinen Reimen tastend meinetwegen klimperten. (Bitte nicht weitersagen!) Ich sitze noch heute sitzengeblieben auf der untersten Bank der Schulklasse, wie einst … Doch mit spätem… Continue Reading „Meine Dichtungen, deklamiert“

Wiedersehen mit Berlin

Mascha Kaléko Wiedersehen mit Berlin Berlin, im März. Die erste Deutschlandreise, Seit man vor tausend Jahren mich verbannt. Ich seh die Stadt auf eine neue Weise, So mit dem Fremdenführer in der Hand. Der Himmel bläut. Die Föhren lauschen leise. In Steglitz sprach mich… Continue Reading „Wiedersehen mit Berlin“

Heut roth und morgen todt

Luise Hensel (* 30. März 1798 in Linum, Mark Brandenburg; † 18. Dezember 1876 in Paderborn) Unbegreiflich Sie rechnen viel und zählen, Und Eins ist doch nur noth. Sie sorgen stets und quälen Sich nur um’s Erdenbrod. Sie schaffen, tauschen, wählen, Und bald doch… Continue Reading „Heut roth und morgen todt“

Bettelsong

Jo Mihaly (eigentlich: Elfriede Steckel, Geburtsname: Elfriede Alice Kuhr; * 25. April 1902 in Schneidemühl; † 29. März 1989 in Seeshaupt, Bayern), Tänzerin, Schauspielerin, Schriftstellerin Bettelsong Ach quatsch mich nicht an, Mensch Mit deinem Sermon lehr du mich die Welt verstehn! Wat weisst denn… Continue Reading „Bettelsong“

An einen Baum am Spalier

Sophie Mereau-Brentano (* 27.03.1770, † 31.10.1806) An einen Baum am Spalier Armer Baum! – an deiner kalten Mauer festgebunden, stehst du traurig da, fühlest kaum den Zephyr, der mit süßem Schauer in den Blättern freier Bäume weilt und bey deinen leicht vorübereilt. O! dein… Continue Reading „An einen Baum am Spalier“

Da verwandelte sich Rilke

  Aus: Melanie Katz: Silent Syntax. Gedichte. Wiesenburg: hochroth, 2018

Homo sapiens

Richard Leising (* 24. März 1934 in Chemnitz; † 20. Mai 1997 in Berlin) Homo sapiens Der Mensch lebt nicht vom Brot allein Er will auch sein Rettich und Eisbein. Unsertäglichbrot genügt ihm nich Er schreit nach seinem Brotaufstrich. Von der Wiege bis zum… Continue Reading „Homo sapiens“

Abenteuer der deutschen Grammatik

Yoko Tawada Die japanisch-deutsche Schriftstellerin wurde am 23. März 1960 geboren. 4 Seiten aus: Yōko Tawada: Abenteuer der deutschen Grammatik. Gedichte. Tübingen: konkursbuch Verlag Claudia Gehrke, 2010

L’origine du monde

Hans Arnfrid Astel L’ORIGINE DU MONDE (November 1996) für Courbet & Lacan Die Innenlippen blinzeln aus den äußern. Im Lebenswasser spiegelt sich das Land, lachendes Ufer aller Landungswünsche. Hier springt die Welt zur Welt bei der Geburt, nachdem zuvor die Welt zur Welt gedrungen.

Wozu Lyrik heute?

Hans Arnfrid Astel Hilde Domins Frage „Wozu Lyrik heute?“ erinnert mich an einen Witz, wo der Leutnant den Rekruten fragt, „Weshalb soll der Soldat sein Gewehr nicht fallen lassen?“ worauf dieser antwortet, „Ja, warum soll er eigentlich nicht?“ Aus: Neues (& Altes) vom Rechtsstaat… Continue Reading „Wozu Lyrik heute?“

Aus Leibeskräften

Hans Arnfrid Astel (eigtl. Arnfrid Astel, Pseud. Hanns Ramus, * 9. Juli 1933 in München; † 12. März 2018 in Trier), deutscher Lyriker Aus Leibeskräften brüllt er ins leere Weltall. Man hört ihn nicht weit. Aus: Sternbilder. West-östliche Konstellationen. Heidelberg: Wunderhorn Verlag, 1999