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Veröffentlicht am 1. November 2026 von lyrikzeitung
Heute vor 1030 Jahren wurde in einer Schenkungsurkunde Kaiser Ottos III. an den Freisinger Bischof erstmals der Name „Ostarrîchi“ erwähnt – Österreich. Zum „Namenstag“ habe ich ein Gedicht gesucht. Die Wahl fiel auf einen Dichter, der seine Heimat verlassen musste, um zu überleben: Theodor Kramer. Sein „Selbstporträt 1946“ entstand im britischen Exil, elf Jahre vor seiner Rückkehr nach Österreich.
Buschig ist mein Haar, ist strähnig
schon von Grau durchsetzt ein wenig,
schmerzhaft mein Gedärm verwachsen
und mein Herz macht mir schon Faxen.
Alles Laue, Halbe haß ich,
was an Geld kommt ein, verpraß ich;
was ich weiß – nicht viel – das weiß ich,
auf die Neunmalweisen scheiß ich.
Einstand stets ich für die Armen,
oft mit mir kommt mir Erbarmen;
nötig hätt ich oft ein Fuder –
alle sind wir arme Luder.
Blau schon schwillt mir das Geäder,
unbeirrt führ ich die Feder;
schön ist's, Tag für Tag zu schreiben:
dies und das davon wird bleiben.
Aus: Theodor Kramer, Gesammelte Gedichte I (von III), hrsg. Erwin Chvojka. Wien, München, Zürich: Europaverlag, 1984, S. 612.
Kategorie: Österreich, DeutschSchlagworte: Autorenporträt, Österreich, Österreichische Lyrik, Exilliteratur, Exillyrik, Nationalsozialismus, Ostarrîchi, Otto III., Selbstporträt 1946, Theodor Kramer
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