Taback

Hans Aßmann von Abschatz

(* 4. Februar 1646 in Breslau; † 22. April 1699 in Liegnitz)

Taback: überſezt aus dem Barclayo.

Pflantze/ deren Rauch das Gifft
Bunter Schlangen übertrifft/
Welche die Natur verbannt
In ein weit-entlegnes Land.
Wo der Wilden tummer Geiſt
Seine Larven Götter heiſt/
Wo der Barbarn freche Schaar
Weyland unbeherrſchet war.
Wer/ o mehr als Höllen-Kraut/
Hat der Fichte dich vertraut?
Weſſen unbehirntes Haubt
War der Sinnen ſo beraubt/
Daß es dich in unſer Land
Durch die weite See geſandt?
Kunte nicht Neptun das Schiff/
So durch ſeine Wellen liff/
Und dergleichen ſchnöde Laſt
Hielt gefangen um den Maſt/
Durch der Winde raſend Heer
Stürtzen in das tieffſte Meer/
Treiben auff erhöhten Sand/
Schlagen an der Klippen Wand/
Führen auff ein falſches Bay
Schmettern in viel Stück entzwey!
Konte nicht der Jupiter
Aller Sternen Ober-Herr/
Auff das ſchwancke Waſſer-Hauß
Blitz und Donner ſchütten aus/
Und verzehren durch die Glutt
Schneller Flammen Schiff und Gutt.
Aber/ ach! als Streit und Krieg
Uberall behielt den Sieg/
Als ſich unſer Vaterland
Richte hin mit eigner Hand/
Als das Blutt aus naher Schoß
Durch des Freundes Hände floß/
Als die Mutter ihrem Sohn
Halff durch arge Gifft davon/
Fehlte bey dem Krieges-Joch
Dieſe Peſt/ diß Ubel noch.
Dieſes muſt auff friſcher Bahn
Seyn den Fremden nachgethan/
Dieſes muſt in kurtzer Zeit
Seyn gelitten weit und breit/
Biß es worden ſo gemein
Daß es ärger nicht kan ſeyn.
O verkehret-neuer Brauch!
O beſchwerter Höllen-Rauch/
Wer kan deinen Nebel-Dunſt
Uns beſchreiben nach der Kunſt?
Wer kan bringen auffs Papir
Was für Schaden ſteckt in dir?
Des Avernus ſchwartzer See
Schicket nimmer in die Höh
Aus dem faulen Schwefel-Bruch
Einen ſolchen Mord-Geruch;
Wenn ſie Flegeton bewegt
Und Cocytus überſchlägt.
Wann in Radamantus Haus
Ihre Fackeln löſchet aus
Die um Schultern Haubt und Haar
Viel-beſchlangte Schweſter-Schaar/
Findet ſich kein ſolcher Rauch
Als auff dieſes Krautes Brauch/
Welches um die Stirne flieht
Und den tollen Kopff durchzieht/
Welches den Verſtand bekriegt/
Angebohrnes Naß beſiegt.
O Gewächſe/ deſſen Gifft
Baſiliſcen übertrifft/
Hätte bey der alten Welt
Herculem den kühnen Held
Cacus der verſchlagne Mann
Mit Tabac geblaſen an/
Seiner Helden-Armen Krafft
Hätte nichts an ihm geſchafft.
Hätte deinen Nutz erkannt
Das berühmte Grichen-Land/
Würde man/ ſtatt andrer Gifft/
Haben deinen Brauch geſtifft/
Würdeſtu der Dichter Schaar/
So damahls im Leben war/
Von des Höllen-Hundes Speyn
Zweiffels-frey entſproſſen ſeyn.
So den Vater denn durch Mord
Hätt ein Sohn geſchicket fort/
Würde für ihn Brand und Glutt/
Hahn und Affe/ Sack und Flutt/
Creutz und Galgen/ Rad und Strang/
Schweffel/ Pech und Folter-Banck/
Geiſſel/ Bley und andre Pein/
Allzuſchlecht geweſen ſeyn:
Des Tabackes Nebel-Nacht
Würd ihn haben umgebracht.

Antwort.

Warum verweiſt man uns der edlen Blätter Brauch?
Spielt nicht der kluge Hof/ die meiſte Welt mit Rauch?
Manch gutter Einfall glimmt aus unſer Pfeiff herfür.
Wer ſpielt und buhlt verderbt mehr Zeit und Geld/ als wir.

Hans Aßmann von Abschatz: Gedichte. Leipzig und Breslau (Christian Bauch) 1704.

http://www.zeno.org/Literatur/M/Abschatz,+Hans+Aßmann+von/Gedichte/Gedichte/Vermischte+Gedichte/Taback%3A+übersezt+aus+dem+Barclayo

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