Nachruf zu Lebzeiten

Pier Paolo Pasolini 

(* 5. März 1922 in Bologna; † 2. November 1975 in Ostia)

Coccodrillo

Quando scapperò 
allora a lungo implorerà, in catalano, il contadino abbandonato.
Ho lunghe ali, io, e molta carne. Mi fece Dioniso Apollo mi disfece, 
e viceversa. Poco lessi Nietzsche, ma molto contestai i contadini, 
i laboriosi contadini, che piansero poi nelle lingue da me conosciute 
– tra cui la più cara di tutte quella dei Dogon –
piansero, sì, come sperano le fanciulle suicide, ma poco:
per poi, cosa volete, riprendere la zappa in mano.

agosto 1969


Nachruf zu Lebzeiten

Wenn es mich nicht mehr geben wird, 
wird der verlassene Bauer auf Katalanisch zu einem langen Lamento anheben. 
Ich habe lange Flügel, wisst ihr, und viel Fleisch. Dionysos hat mich gemacht, 
                                                                                           Apoll hat mich umgebracht 
und umgekehrt. Nietzsche las ich selten, doch den Bauern widersprach ich oft, 
den fleißigen Bauern, die schließlich weinten in den mir bekannten Sprachen 
– von denen mir jene der Dogon die teuerste ist –
weinten, ja, so hoffen die jungen Selbstmörderinnen, doch nur ein bisschen:
um dann, was meint ihr, den Spaten wieder in die Hand zu nehmen.

August 1969

Deutsch von Theresia Prammer. Aus: Pier Paolo Pasolini: Nach meinem Tod zu veröffentlichen. Späte Gedichte. Berlin: Suhrkamp, 2021, S.480f

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