Was vermögen die Frauen

Jaroslav Seifert

(* 23. September 1901 in Prag; † 10. Januar 1986 ebenda)

Ihr fragt, was vermögen die Frauen?

Ihr fragt, was vermögen die Frauen?
Offenbar alles.

Legt jemand drei Strohhalme
über den Abgrund,
gehen sie leichten Fußes darüber.
Ich kann nicht erklären, wieso,
aber bedenkt,
ihre Füße erfanden den Tanz!

In freien Momenten
häkeln sie für den schwarzen Wald
die grünen Blätter des Farns.
Doch wenn sie nachts in den Wald geraten,
löschen sie mutig der Irrlichter Flämmchen,
damit sich der Wanderer auch in den Sümpfen
nicht ängstigen muß.

Sie rieten auch den verschämten Blumen,
mit traulichem Duft  
ihre Kelche zu füllen.
Aber wie Schwerter benutzen sie selbst
                                   die Düfte,
die noch gefährlicher sind,
als der Tropen gift’ge Skorpione.

Doch was man am meisten bewundern muß:
Sie schufen die weiblichen Brüste,
die herrlich sind
wie die Schlösser der Loire.
Vielleicht sogar herrlicher noch.
Und gleichzeitig können sie ihrem Kind
ein süßes Wiegenlied singen.
Und das wird geboren
                                genau neun Monde
nach ihrem Lied.

Und wollen sie sich verlieben,
dann flechten sie Fesseln, woraus auch immer,
und sei’s aus Altweibersommer.
Und ziehn sie so fest,
daß es blutet.
Doch sie vermögen zugleich mit bloßen Händen
ein drohendes Leck in der Liebe zu stopfen,
die schon dem Untergang nahe ist.

Aber sie können noch viele andere Dinge.
Sie schläfern mit einer Liebkosung die Leidenschaft ein,
wie einen ungebärdigen schreienden Säugling,
die schlafende Leidenschaft wiederum küssen sie wach.
Im Grund ist das gar nicht so schwer!

Lediglich aus ihrem Atem
können sie Vorhänge weben,
sie raffen sie leicht und lassen sie fallen,
damit man von gegenüber nichts sehen kann,
denn sie legen gerade die Kleider ab,
um sich langsam
mit ihrer Nacktheit zu schmücken,
die mit keiner Abendrobe von Dior
vergleichbar ist,
und sei sie mit goldenem Flitter besetzt.

Und was vermögen die Männer?
So sehr viel nicht.

Sie haben den Krieg erfunden,
die Not, die Verzweiflung, den Schrei der Verwundeten.
Sie können Kanonen gießen,
Städte in Trümmer legen
und erbärmlichen Männermut
dabei beweisen.

Sie erfanden die Tankstellen
und die Emanzipation der Frauen.

Und zum Dank für die Küsse in Frauenarmen
konstruierten sie einen Spezialstuhl,
damit die Frau
noch im letzten Schwangerschaftsmonat
an der Maschine arbeiten kann.

So ist das.
Das ist alles. Lebt wohl, macht’s gut.

Ihr wolltet eine Arie von mir,
hier ist sie!

1967
Deutsch von Annemarie Bostroem

Aus: Jaroslav Seifert, Wermut der Worte. Gedichte. Hrsg. Karl-Heinz Jähn. Berlin: Volk und Welt, 1985, S. 95-97

One Comment on “Was vermögen die Frauen

  1. Ptáte se, co dovedou ještě ženy?
    Patrně všechno.

    Jestliže někdo položí přes propast
    tři stébla slámy,
    přejdou po nich lehkou nohou.
    Jak, to neumím vysvětlit,
    ale připomeňte si,
    že jejich nohy vynalezly tanec.

    Ve volných chvílích
    uháčkují pro černý les
    listí kapradin.
    Octnou-li se však v lese za noci,
    odvážně zhasnou plamínky bludiček,
    aby pocestný ani v mokřinách
    neměl strach.
    Poradily i stydlivým květinám,
    aby své kalichy naplnily
    důvěrnou vůní.
    Samy však dovedou jako s mečem zacházet s vůněmi,
    které jsou ještě nebezpečnější
    než jedovatí škorpióni tropů.

    Co je však nejpodivuhodnější:
    vymyslily ženská ňadra
    a ta jsou krásná
    jako zámky na Loiře.
    Možná, že ještě krásnější.

    A zároveň dovedou zazpívat
    rozkošnou ukolébavku svému děťátku,
    které se narodí právě za devět měsíců
    od této jejich písně.

    Když chtějí však se zamilovat,
    upletou pouto z čehokoliv,
    třeba jen z babího léta.

    Ale zadrhnou je tak pevně,
    že vytryskne krev.
    Dovedou však také ucpat jen dlaní
    hrozivou trhlinu v lásce,
    která se už potápí.
    Svedou však ještě mnoho jiných věcí.
    Laskáním poručí vášni,
    aby usnula jako zlé, křičící nemluvně,
    a spící opět polibkem probudí.
    Ale to není tak těžké!

    Dovedou utkat záclony
    jen ze svého dechu,
    lehce je zřasí a opět shrnou,
    aby z protějších oken nebylo vidět,
    protože právě odkládají šat,
    aby si zvolna oblékly
    svou nahotu.
    A té se nevyrovnají
    ani večerní šaty od Diora
    pošité zlatým flitrem.

    A co dovedou muži?
    Není toho mnoho.

    Vymyslili si válku,
    bídu, zoufalství a nářek raněných.
    Umějí vykovat šílená děla,
    obrátit města v sutiny
    a při tom vystavovat na odiv
    ubohou mužskou statečnost.

    Vymyslili benzinové pumpy
    a emancipaci žen.
    A za polibky v jejich náručí
    zkonstruovali jim zvláštní sedačku,
    aby žena u stroje
    mohla ještě pracovat
    v posledním měsíci těhotenství.

    Tak je to.

    A to je vše, sbohem, adié.
    Chtěli jste na mně kantilénu,
    tady je!

    Quelle: http://www.gympt.cz/studium/opvk/cesky_jazyk/9_09.pdf

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