Über uns das reine Gezweig

Carles Riba

(* 23. September 1893 Barcelona, † 12 Juli 1959 ebd.)

Über uns das reine Gezweig…

Über uns das reine Gezweig
und in den Augen die Welt sich vergißt,
in deinen Armen die Hoffnung ist –
das Wasser fließt und still steht die Zeit.

Das Wasser leidet und die Zeit verdirbt.
Wir sind alt wie die Welle und das Blatt,
wie der Traum, der uns gefangen hat;
zwischen dir und mir eine Rose stirbt.

Der Rose und, Geliebte, dir
hab ich Herbst und Frühling gebracht,
so wie ein leichter Blick sich sacht
in der Nacht an Schatten verliert.

C1946)

Deutsch von Peter Brasch, aus: Ein Spiel von Spiegeln. Katalanische Lyrik des 20. jahrhunderts. Katalanisch und deutsch. Hg. Tilbert Stegmann. Leipzig: Reclam, 1987, S. 43

Per amunt la brancada …

Per amunt la brancada pura
I en els ulls el món oblidant-se
I en els teus braços l’esperança
L’aigua corre i el temps s’atura

L’aigua sofreix i el temps sospira
Som vells com la fulla i com l’ona
Com el somni que ens empresona
Entre tu i jo una rosa expira

A la rosa i a tu estimada
He donat tardor i primavera
Com una mirada lleugera
En la nit a una ombra pensada.

2 Comments on “Über uns das reine Gezweig

  1. Ich gehe hier d’accord, auch wenn eine Nachdichtung sicher weit mehr Freiheit beanspruchen darf als eine Übertragung und mir Braschens Text als Neuschöpfung durchaus gelungen scheint.

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  2. so sehr ich mich freue, den großen carles riba hier zu finden: der text ist auch ein beispiel dafür, wie der reimzwang die übersetzung verdirbt. dass im original (2. str., 1.z.) die zeit »seufzt« und eben nicht »verdirbt« – geschenkt (und den verlust der parallelkonstruktion dazu). aber in den letzten beiden zeilen geht es dann doch sehr weit weg, inklusive vertauschung des subjekts und völliger unkenntlichmachung und banalisierung des eigentlichen bildes:
    wörtlich (und zwar als fortführung des satzes »Der Rose und dir, Geliebte, gab ich Herbst und Frühling«:
    »So wie nachts einen leichten Blick / einem gedachten Schatten.«
    nix sacht.

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