Sein letztes Gedicht

John Keats

(* 31. Oktober 1795 in London; † 23. Februar 1821 in Rom)

Last Sonnet

BRIGHT Star, would I were steadfast as thou art—
Not in lone splendour hung aloft the night,
And watching, with eternal lids apart,
Like Nature's patient sleepless Eremite,
The moving waters at their priest-like task
Of pure ablution round earth's human shores,
Or gazing on the new soft-fallen mask
Of snow upon the mountains and the moors—
No—yet still steadfast, still unchangeable,
Pillow'd upon my fair love's ripening breast,
To feel for ever its soft fall and swell,
Awake for ever in a sweet unrest,
  Still, still to hear her tender-taken breath,
  And so live ever—or else swoon to death.

LETZTES SONETT

Standhafter Stern! O wäre ich wie Du,
der hell und hoch und doch nicht einsam brennt.
Du wachst. Du schließt die Lider niemals zu,
des Alls geduldiger Mönch, der Schlaf nicht kennt.

Du folgst den Strömen, die in heiliger Fülle
und reiner Flut das Erdenrund umfangen.
Blickst auf die sanfte, frisch gefallene Hülle
des Schnees, mit dem sich Berg und Tal behängen.

Und dennoch standhaft, willst Du Dich nicht rühren,
nur auf der Liebsten reife Brüste betten
Oh, ewig so dies Auf und Ab zu spüren,

für immer wach, in süßer Unrast Ketten,
fort, fort die Atemzüge hören, sehn,
so ewig leben — oder untergehn.

Nachdichtung von Arthur Zanker. Aus: Die Lyra des Orpheus. Lyrik der Völker in deutscher Nachdichtung. Hrsg. Felix Braun. München: Heyne, 1978, S. 659

Des Dichters letztes Sonett

Du weißer Stern! Wäre ich stet wie du,
Ich blickte nicht so abendeinsam nieder,
Ein Mönch, der seine ewig offnen Lider
Schlaflos zur Erde wendet, hinstarrt zu

Der Wasser wogend Spiel, die priesterlich
Des Erdballs Küsten reinigend umspülen,
Staunte hinab nicht, wie der Schnee mit kühlen
Gewanden sanft der Berge Bausch umflicht, —

Nein — wenn schon festgebannt, wollt’ unbewegt
Ich der Geliebten weicher Brust verkettet,
Mit süßer Unrast nur dem Auf und Nieder

Des Atems horchen und so sanft erregt
Dies Lauschcn rastlos leben, immer wieder,
Sonst nur den Traum, der mich zum Tode bettet.

Deutsch von Stefan Zweig. Aus: Lyrik des Auslandes in neuerer Zeit. Hrsg. Hans Bethge. 6.-10. Tsd, Leipzig: Max Hesse, o.J. (1. Tsd. 1907), S. 113

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