Pantokrator

Sergej Jessenin

(Сергей Александрович Есенин, * 21. September jul./ 3. Oktober 1895 greg. in Konstantinowo, Gouvernement Rjasan, Russisches Kaiserreich; † 28. Dezember 1925 in Leningrad)

PANTOKRATOR IV

Ja, blutrotes Traumpferd, erscheine
In die Gabeldeichsel der Welt
eingespannt! Ach, selbst die reine
Milch ist mir lang schon vergällt.

Streu über pazifische Ferne
dein Wiehern und – zögere nicht!
Als Glöckchen nimm dir die Sterne,
kaltes und klirrendes Licht.

Greif als Kummet den Regenbogen,
den Polarkreis als Sattelschnur.
Dann los!, die Erde gezogen
auf eine andere Tour!

An unseren Erdball, den schweren,
gefesselt mit Mähne und Schwanz,
spreng durch die Wolkenbarrieren
in jenes Land voller Glanz …

O ihr Guten im Paradiese!
Schockiert sieht die ölige Schar
der Seligen von ihrer Wiese:
Wir stürmen den Himmel sogar!

Februar 1919

Deutsch von Adolf Endler

Aus: Sergej Jessenin, Gedichte. russ./dt. Leipzig: Reclam, 1975 (3., veränd. u. erw. Aufl.), S. 91

Pantokrator (griech. παντοκράτωρ, dt. auch Pankrator) bedeutet All- oder Weltenherrscher. (Wiki)

In der 1. Auflage stand eine ältere Übersetzung:

PANTOKRATOR IV

Steig hernieder zu uns, rotes Pferd,
und dann spann dich ein ins Geschirr der Erde!
Wie bitter wurde all unsre Milch
unterm brüchigen Dach der Zeit.

Weit übers Wasser daher
o gieße uns dein dumpfes Geschnaub
und glockenhell mit dem Stern gieße aus
seinen kalten Glanz ohne Stemenstaub!

Häng dir den Regenbogen als Krummholz um,
den Polarkreis ans Geschirr geschnallt,
so zieh unsere Erde nur bald
heraus auf eine andere Spur.

Fahr los mit der Mähne des Morgenrots,
häng die Erde dir an den Schwanz,
in die Höhen, über den Wolkenkranz
jag hinein in ein glückliches Land!

Mögen, die selig sind mit der Lampe,
im Himmel uns trinken lind
auf ihren Feldern von weitem schon sehen,
daß wir zu ihnen als Gäste kommen und winken.

Deutsch von Adelheid Christoph.. Jessenin, Gedichte russ./dt. 1. Aufl. 1965, S. 95

Пантократор 4

Сойди, явись нам, красный конь!
Впрягись в земли оглобли.
Нам горьким стало молоко
Под этой ветхой кровлей.

Пролей, пролей нам над водой
Твое глухое ржанье
И колокольчиком-звездой
Холодное сиянье.

Мы радугу тебе — дугой,
Полярный круг — на сбрую.
О, вывези наш шар земной
На колею иную.

Хвостом земле ты прицепись,
С зари отчалься гривой.
За эти тучи, эту высь
Скачи к стране счастливой.

И пусть они, те, кто во мгле
Нас пьют лампадой в небе,
Увидят со своих полей,
Что мы к ним в гости едем.

1919

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