Dunkelheiten

Sergej Jessenin

(Сергей Александрович Есенин, wiss. Transliteration Sergej Aleksandrovič Esenin; * 21. September jul./ 3. Oktober 1895 greg. in Konstantinowo, Gouvernement Rjasan, Russisches Kaiserreich; † 28. Dezember 1925 in Leningrad)

Traumgesichte. Dunkelheiten.
Weiß – ein Pferd. Ich seh wen reiten.
Und die reitet, ist bald hier,
und die kommt, sie kommt zu mir.
Kommt, ist schön, ist wie das Licht,
und ich lieb sie, lieb sie nicht.

Hei, du Birke, Russenbaum!
Stehst am Weg, am Wegessaum,
kannst mir einen Wunsch erfüllen:
um der einen, Wahren willen
laß die Zweige Hände sein,
und die kommt, laß nicht vorbei.

Mond und Mondschein. Träume, Bläue.
Huf und Eisen passen heute.
O das Licht, das so geheime –
so, als leuchtets ihr, der einen!
Ihr, die solches Licht erhellt,
ihr, die’s nicht gibt auf der Welt.

Haderlump ich und Halunke,
versedumm und versetrunken.
Nun, sie kam ja, auf dem Zelter,
Herz, du sollst dich nicht erkälten –
Birkenrußland, dir zu frommen,
sei die Falsche mir willkommen.

2. Juli 1925

Вижу сон. Дорога черная.
Белый конь. Стопа упорная.
И на этом на коне
Едет милая ко мне.
Едет, едет милая,
Только нелюбимая.

Эх, береза русская!
Путь дорога узкая.
Эту милую, как сон,
Лишь для той, в кого влюблен,
Удержи ты ветками,
Как руками меткими.

Светит месяц. Синь и сонь.
Хорошо копытит конь.
Свет такой таинственный,
Словно для единственной –
Той, в которой тот же свет
И которой в мире нет.

Хулиган я, хулиган.
От стихов дурак и пьян.
Но и все ж за эту прыть,
Чтобы сердцем не остыть,
За березовую Русь
С нелюбимой помирюсь.

Июль 1925
Источник: https://sergey-esenin.su/stihi-o-lyubvi/vizhu-son-doroga-chernaya/

Deutsch von Paul Celan
(Anmerkung: „Sie“ müsste eigentlich „er“ sein, denn „der Tod“, um den es zu gehen scheint, derzumindest  in den Schlusszeilen der ersten zwei Strophen abgewehrt wird, ist im Russischen weiblich, смерть, smertj, sozusagen „die Tödin“.)

Aus: Sergej Jessenin: Gesammelte Werke 1: Gedichte. Berlin: Volk und Welt, 1995, S. 246. (Vorabdruck in Sinn und Form 2/1961). Mit dem russischen Text in: Jessenin, Gedichte. Russisch und deutsch. Hrsg. Fritz Mierau. Leipzig: Reclam, 1981, S. 206f.

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