Gestorben

Vor kurzem erhielt er noch einen Preis für sein Gesamtwerk und präsentierte das Projekt Ruinen der Zukunft. Jetzt ist Michel Butor, einer der „Miterfinder“ (NZZ) des Nouveau Roman, der auch Dichter und Essayist war, kurz vor seinem 90. Geburtstag gestorben, meldet der Figaro.

In seinen Stadtporträts, wie sie schon früh, etwa in «Le Génie du lieu» (1958), versammelt sind, führt Butor auf subtile Weise vor, dass Individuen, Architekturen oder Texte als Knotenpunkte, als Verknüpfungen in einem historischen und geographischen Gewebe zu sehen sind. Es hängt alles mit allem zusammen. «Intertextualität» nannte man das späterhin an gelehrter Stelle. Die «stereophone Etüde» namens «6 810 000 Liter Wasser pro Sekunde» (1965) ist eines von Butors vielen ästhetischen Experimenten, die diesem Befund Rechnung tragen wollen: Gesprächsfetzen von zeitgenössischen Besuchern der Niagarafälle und Passagen von Chateaubriands romantischer Sicht des Naturspektakels werden gegeneinander montiert. (…)

Immer ging Butors literarisches Schaffen mit der Reflexion über Kunst und Literatur einher. Seit 1960 (und bis 1982) erschienen in fünf Lieferungen, römisch durchnummeriert, seine Aufsätze unter dem Titel «Répertoire»; wahre Glanzstücke kunst- und literaturtheoretischer Essayistik, die auch stilistisch (aber eben nicht nur stilistisch) den «Noten zur Literatur» eines Adorno überlegen sind – wenn man denn wirklich ins Innerste der Moderne eindringen will. / Jürgen Ritte, Neue Zürcher Zeitung

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