Man klagt

„Man klagt, daß unsere Poeten nicht ernst genommen werden, vor allem die lyrischen“, stellte Max Frisch 1947 fest. Er fand das ganz in Ordnung – bei „Poeten, die Poesie machen, die hinter ihrem und unserem Bewusstsein zurückbleibt“. Das will sich heute kein Lyriker und keine Lyrikerin mehr nachsagen lassen. Ihre Anstrengungen, auf der Höhe der Zeit zu sein, sind meist unübersehbar. Dennoch kann man die Klage, dass Gedichte nicht ernst genommen werden, immer noch hören, auch außerhalb der Schweiz. Die Betroffenen darf man allerdings nicht fragen. Sie nehmen sich und ihre Gedichte natürlich fast alle ernst – und fühlen sich fast alle zu wenig ernst genommen. Das haben sie mit Erzählern und Dramatikern gemeinsam, außerdem mit Kritikern, Professoren und Friseuren. / Dieter Lamping, literaturkritik.de

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