„Die gebrannte Performance“ nominiert

Die gebrannte Performance. Eine Audio-Retrospektive.
Bestenliste der Schallplattenkritik

Foto: Gezett
Foto: Gezett

Wortkonzert, Sprechperformance, Konfrontation. Thomas Klings Werk und der Performancecharakter seiner Lesungen prägten die deutschsprachige Lyrik auf dem Weg ins 21. Jahrhundert. Das im Frühjahr erschienene Hörbuch „Die gebrannte Performance“ ist eine Audio-Retrospektive zum Werk des Lyrikers. Sie wurde für den Preis der deutschen Schallplattenkritik nominiert (Bestenliste 3-2015).
Am Donnerstag, 20. August 2015, wird die einzigartige Sammlung von Tondokumenten auf dem Kulturgut Haus Nottbeck in Oelde-Stromberg von Norbert Wehr, Ulrike Janssen und Norbert Hummelt multimedial vorgestellt. Beginn 19.30 Uhr.

Thomas Kling hatte stets eine genaue Vorstellung von dem Vortrag seiner Gedichte vor Publikum: „1. Kein Genuschel bitte. 2. Didaktik hat weder im Gedicht noch auf der Bühne etwas verloren. Also: bitte keine autoexegetischen Turnübungen. 3. Bittebitte keine Mätzchen mehr! Und 4. siehe 1.: Kein Genuschel bitte.“ Was zunächst formstreng klingt, steht in keinem Verhältnis zu der eigenwilligen und experimentierfreudigen Art des literarischen Auftritts, für den Kling den Begriff „Sprachinstallation“ prägte. Auf außergewöhnliche kunstvolle Weise näherte sich Kling seinem Sprachstoff, forschte nach seiner Geschichte, zerlegte ihn, setzte ihn neu zusammen und wusste ihn so zu inszenieren, dass er einen neuen, sinnlichen Zugang zum Wort und zum Gedicht ermöglichte. Nicht zuletzt mit seiner Stimme gelang es Kling, Sprach-Räume zu gestalten.

Das im April 2015 im Lilienfeld Verlag Düsseldorf erschienene Hörbuch „Die gebrannte Performance – Lesungen und Gespräche“ stellt als einzigartige Sammlung von Tondokumenten eine Art Biografie in Auftritten dar und setzt die typischen Kräfte einer Kling-Lesung wieder frei. Auf vier in der Schriftenreihe der Kunststiftung NRW erschienenen CDs sind seine prägnantesten Lesungen aus den 1980er und 1990er Jahren sowie zwei Gespräche mit dem Autor gebannt. In der multimedialen Präsentation des Hörbuchs auf dem Kulturgut stellen die Herausgeber Norbert Wehr und Ulrike Janssen sowie der Autor und Kling-Freund Norbert Hummelt den herausragenden Dichter und seine literarischen Verfahren vor, die zwar in der Literaturgeschichte wurzeln, von dort aus aber ganz eigene Wege einschlagen.

Thomas Kling (1957-2005) lebte und arbeitete auf der Raketenstation Hombroich bei Neuss. Er erhielt zahlreiche renommierte Preise, darunter 1994 den Else-Lasker-Schüler-Preis für Lyrik, 1999 den Deutschen Kritikerpreis und 2001 den Ernst-Jandl-Preis. Zum Sommersemester 2011 richtete die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn zu Ehren des 2005 verstorbenen Lyrikers eine Thomas-Kling-Poetikdozentur ein.

Ulrike Janssen ist freie Hörfunkautorin und -regisseurin. Für das auf einem Gedichtzyklus von Thomas Kling basierende Hörspiel „vogelherdrecherche“, eine Koproduktion von Deutschlandfunk und Hessischem Rundfunk, erhielt sie 2011 den Karl-Sczuka-Förderpeis. Norbert Wehr ist Herausgeber des „Schreibheft. Zeitschrift für Literatur“ sowie Literaturkritiker, Hörfunkautor und Moderator. Zuletzt erschien von ihm (hrsg. zusammen mit Ute Langanky): Thomas Kling, „Das brennende Archiv“ (2012). Der Lyriker, Essayist und Übersetzer Norbert Hummelt lehrte u.a. am Deutschen Literaturinstitut Leipzig ist Redakteur der Zeitschrift Text + Kritik und Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland. Für seine Gedichte wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

DO 20.08.2015 | 19.30 Uhr
Lesung – Hörbuchpräsentation
Thomas Kling: Die gebrannte Performance. Ein Hörbuch.
Vorgestellt von Ulrike Janssen, Norbert Wehr und Norbert Hummelt
In Kooperation mit der Kunststiftung NRW.
Eintritt: VVK 7,00 EUR / 5,00 EUR; AK 9,00 EUR / 7,00 EUR

KuStift_Kling_Hardcover RZ.indd

Weitere Informationen unter Tel.: 0 25 29 / 94 55 90 und www.kulturgut-nottbeck.de

Museum für Westfälische Literatur – Kulturgut Haus Nottbeck
Landrat-Predeick-Allee 1
59302 Oelde-Stromberg

Öffnungszeiten: Dienstag – Freitag: 14.00 – 18.00 Uhr
Samstag, Sonntag und an Feiertagen: 11.00 – 18.00 Uhr

One Comment on “„Die gebrannte Performance“ nominiert

  1. Und nun steht sie auf der Bestenliste des Preises der deutschen Schallplattenkritik, und das ist keine Nominierung mehr, sondern bereits eine Auszeichnung! Glückwunsch also an alle Beteiligten dieses großartigen Hörbuchs, das diesen Namen wirklich verdient: was man hier erhält, ist nämlich nur als ein solches zu erhalten.

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