Afrika im Gedicht

Gedichte? Und dann auch noch aus Afrika? Wen soll das interessieren, nein danke, lautete der Tenor bei den Verlegern, denen der Schweizer Afrikanist und Theologe Al Imfeld sein Projekt vorlegte: eine grosse Anthologie, die – rund ein halbes Jahrhundert nach Janheinz Jahns «Schwarzer Orpheus» von 1954 – den Kontinent anhand seiner Lyrik neu vermessen sollte. Imfeld, ein Geist, der Konventionelles stets verneint, wäre nicht er selbst, hätte er sich mit diesem Bescheid abspeisen lassen. Nun liegt, 15 Jahre später als einst geplant, «Afrika im Gedicht» vor: gut anderthalb Kilo kompakte lyrische Materie, mit der sich unbelehrbaren Köpfen gründlich eins überziehen liesse.

(…) Um eine durch europäische Sicht und Wertmassstäbe gefilterte Selektion möglichst zu vermeiden, bat Imfeld ihm bekannte afrikanische Dichterinnen und Dichter um Beiträge – und darum, die Kunde von dem Grossprojekt unter Berufskollegen weiter zu streuen. So wurde ein beträchtlicher Anteil der abgedruckten Texte von den Verfassern selbst als repräsentativ oder wichtig ausgewählt; allein dort, wo eine Kontaktnahme mit dem Autor nicht möglich war, entschied der Herausgeber, welche Texte in den Band aufgenommen werden sollten.

570 Gedichte kamen so zusammen, in einem Prozess, der sich nicht von vornherein steuern liess. Um die erratische Materialfülle zu bändigen, wurde der Band in zwei Teile und 63 Unterkapitel gegliedert, die mehrheitlich zwischen 5 und 15 Gedichte enthalten. Nachdem zum Auftakt Klassiker des frankofonen und anglofonen Raums von Senghor bis Soyinka vorgestellt worden sind, ist der erste Teil der Sammlung mehrheitlich geografisch organisiert; Ländern mit besonders gewichtiger Dichtungstradition – etwa Nigeria und Südafrika – werden dabei mehrere Sektionen zugeteilt, während bei weniger prominenten Kulturräumen gleich mehrere Länder in einer Sektion zusammengefasst sind. Eingestreut finden sich Kapitel, die etwa Zentren des Freiheitskampfs «von Soweto bis Tahrir» in den Fokus stellen oder Dichtern gewidmet sind, die Opfer staatlicher Repression wurden.

(…) Es ist ein Buch, über dem Bibliophile ins Schwärmen geraten können: Leineneinband und schöner Druck auf gediegenem Papier sind selbstverständlich; dazu kommen Extras wie die Kunstwerke des ivoirischen Dichters und Künstlers Frédéric Bruly Bouabré, die den Einführungstexten beigegeben wurden, die braun und blau abgesetzten Margen, auf denen verdienstvollerweise auch die Originaltexte zu lesen sind, und farblich passende seidene Lesebändchen. / Angela Schader, NZZ

Al Imfeld (Hg.): Afrika im Gedicht. Verlag Offizin, Zürich 2015. 815 S., Fr. 72.–.

2 Comments on “Afrika im Gedicht

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